Es wird ja aktuell engagiert darüber diskutiert, ob weiter mit noch schärferen Maßnahmen auf die Pandemiekurve "eingehämmert" werden soll, oder ob der "Tanz auf dem Drahtseil" ganz vorsichtig beginnen kann. Die Bundesregierung und die Ministerpräsident*innen der Länder haben sich anscheinend für den Tanz ausgesprochen.
Dabei sind längst nicht alle scharfen Maßnahmen zur Nichtverbreitung der Corona-Viren für die Betroffenen tatsächlich scharfe Maßnahmen. Das ausgerechnet eine Maßnahme zurückgefahren wird, die für viele Menschen die Auswirkungen der Corona-Krise zumindest etwas erträglicher machte, wirft ein schlechtes Licht auf die Entscheider: "Corona-Ausnahmeregelung beendet: Ärzte dürfen nicht mehr telefonisch krankschreiben" FR vom 17.4.2020 Das bedeutet, dass Arbeitnehmer mit Erkältungsanzeichen eine Krankschreibung nicht mehr per Ferndiagnose am Telefon von ihrem Hausarzt erhalten, sondern, dass sie persönlich die Arztpraxis aufsuchen müssen. https://www.fr.de/wissen/corona-…n-13591631.html
Das ist ganz gewiss keine Entlastung für die Betroffenen. Vielmehr werden die Bedingungen für den Umgang mit der Corona-Krise für die Betroffenen erheblich verschärft, denn sie werden gezwungen sich ohne Not dorthin zu begeben, wo die Ansteckungsgefahr hoch ist. Selbst wenn die reale Gefahr gering sein sollte, der seelische Stress ist allemal gegeben. Da kann man also ganz und gar nicht von einer Lockerung der strengen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie sprechen.
Spannend wird auch sein, wie die Eltern reagieren, wenn die Schulen wieder öffnen. Ich nehme da mal eine RND-Meldung vom 24.1.2020:
"Schulbusse “bis zum Anschlag vollgestopft”: Forderung nach Anschnallpflicht
Schulbusse würden “bis zum Anschlag vollgestopft”, kritisieren bayerische Elternverbände nach zwei schweren Unfällen.
Das Gremium fordert eine generelle Sitz- und Anschnallpflicht in Schulbussen.
Aktuell dürfen Schüler in Linienbussen auch stehend und ungesichert transportiert werden."
https://www.rnd.de/panorama/schul…PCTYKPFAHQ.html
Bis zu der von Corona erzwungenen Schulpause war es Alltag, dass die Schulbusse bis zum Anschlag voll gestopft waren. Und an der Stelle ist der Hinweis wichtig, dass ein im Schülertransport-Verkehr üblicher Gelenkomnibus etwa 50 Sitzplätze und 100 Stehplätze aufweist. Das würde bedeuten, die Anzahl der Omnibusse müsste mindestens verdreifacht werden, um zumindest für jedes Kind einen Sitzplatz zu ermöglichen.
Das werden viele Kommunen nicht leisten können oder auch nicht wollen. Jedenfalls hat trotz gravierender Missstände auch bisher keine Verbesserung des Schülertransports stattgefunden. Wie sich das jetzt entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Werden die Eltern aus Furcht vor Ansteckung ihre Kinder gar nicht erst in die Schule schicken? Oder werden die "Elterntaxi"-Fahrten massiv zunehmen, so dass mit verstärkter Unfallgefahr zu rechnen ist? jedenfalls wäre es ein Hohn hier von einer Entlastung der Bevölkerung von den strengen Corona-Regeln zu sprechen. Vielmehr ist zu befürchten, dass Politik und Verwaltung einen schlanken Fuß machen und das von der Bundeskanzlerin geforderte Schulbuskonzept wird ein "frommer Wunsch" bleiben.
Es wäre wirklich schön, wenn meine diesbezügliche Befürchtung sich nicht bewahrheitet.
Merkel im O-Ton bei der Pressekonferenz am Mittwoch, 15. April nach der Ministerpräsident*innen-Konferenz: "Denn wir können nach dem 4. Mai nur schrittweise langsam wieder die einzelnen Schuldinge machen. Es muss in reduzierten Gruppen sein. Es muss ein Schulbuskonzept da sein. Es muss ein Pausenkonzept da sein. Es wird also ein hoher logistischer Aufwand zu betreiben sein." https://www.bundeskanzlerin.de/bkin-de/aktuel…laender-1744310
Im Video bei Minute 7: https://www.bundesregierung.de/breg-de/mediat…-dem-kanzleramt
Auch die Benutzung der ÖPNV-Transportmittel wird zumindest im Freistaat Sachsen nicht vereinfacht. Obwohl die Notwendigkeit gegeben ist, die Abstandsregel einzuhalten (auch mit Maske, wie immer wieder in den vergangenen Wochen betont wurde) werden sich die Benutzer von Bussen und Bahnen mit der "Maskenlösung" arrangieren müssen und mit "Maske" mehr oder wenig gut geschützt sich wieder in die chronisch verstopften Busse und Bahnen drängeln müssen. Hinweis: Man rechnet im ÖPNV mit vier Personen auf einem Quadratmeter Stehplatzfläche und mit zwei Personen auf einen Quadratmeter Sitzplatzfläche.
Dass gleichzeitig die Autohäuser wieder öffnen dürfen, ist der reine Hohn: "Vom Vorhaben, Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmeter wieder öffnen zu dürfen, sind Kfz-Betriebe ausgenommen, sie sollen unabhängig von der Größe wieder zugänglich sein." 
Da weiß man wo der "Hammer" hängt, beziehungsweise "dengelt". Da wird nicht mit scharfen Maßnahmen auf die Pandemiekurve eingehämmert, sondern stattdessen werden mit Ausnahmeregeln mögliche Einbrüche in der Umsatzkurve der Autoproduzenten von unten massiv nach oben ausgedengelt, wie eine Beule aus dem Blech der Karosserie ausgedengelt wird. Und das alles auf dem Hintergrund, auf den cubernaut so treffend hinweist: "Luftverschmutzung erhöht das Sterberisiko bei einer Sars-CoV-2-Ansteckung" und das steht nicht in einem fridays for future Flugblatt, sondern in der FAZ vom 17.4.2020: https://www.faz.net/aktuell/wissen…6728901-p2.html