Das ist das Problem des ADFC, wenn er das nicht einfordert. Dein Beispiel zeigt gut, warum ich strikt dagegen bin: Der Platz wäre vorhanden, aber man scheut davor zurück, den Autoverkehr in irgendeiner Form einzuschränken. Sei es durch ein Tempolimit oder den Rückbau von Parkplätzen. Solange man diesen Murks klaglos hinnimmt, wird sich nie etwas daran ändern, dass Radfahrer und Fußgänger nur Verkehrsteilnehmer 3. Klasse sind.
Ob der ADFC etwas einfordert oder es nicht einfordert ist in Anbetracht der geringen Größe des Verbandes und der oft verstopften Ohren der Verwaltungsmitarbeiter und Entscheidungsträger ohnehin nur von geringer Relevanz.
Umso mehr kommt es darauf an, dass der ADFC sich dann hörbar und sichtbar konkret zu bestimmten Punkten einschaltet, wenn es die Chance gibt, Veränderungen zu Gunsten des Radverkehrs zu bewirken.
Was du da verlangst liefe auf eine Art Harakiri des ADFC hinaus. Sollte sich der ADFC beispielsweise in der von mir oben vorgestellten Situation tatsächlich dafür einsetzen, dass die Radverkehrsfreigabe für den Fußweg an der Blumenauerstraße ersatzlos aufgehoben wird, dann hättest du vielleicht den einen oder anderen Radfahrer, der das gut findet. Vielen wäre es vielleicht egal, aber die allermeisten würden sagen: "Spinnen die jetzt total beim ADFC?"
Umgekehrt ist es eine sehr langfristige Aufgabe und viel Klein Klein, an dieser und vielen anderen Stellen, Verbesserungen für den Radverkehr zu bewirken.
Du schreibst ja als mögliche Kriterien für gemeinsame Fuß- und Radwege:
Alles anzeigenMan sollte innerorts benutzungspflichtige gemeinsame Geh- und Radwege auch komplett verbieten und allenfalls über eine Freigabe nach den Kriterien der RASt06 nachdenken:
- gemeinsame Führung nur bei geringem Fußgänger- und Radverkehrsaufkommen
- keine Unterschreitung von Mindestmaßen in Abhängigkeit des Fuß- und Radverkehrsaufkommens
- keine Gefahrenstellen in Form von schlecht einsehbaren Kreuzungen, Grundstücksausfahrten oder dichten Hauseingängen
- keine Gefällestrecken, auf denen Radfahrer hohe Geschwindigkeiten erreichen
- niemals dort, wo es überdurchschnittlich viele, besonders schutzbedürftige Fußgänger gibt
Ist nicht zumindest ein Teil dieser Kriterien erfüllt bei dem Fußweg an der Straße Salztorscontrescarpe? Zum Beispiel geringes Fußgängeraufkommen? Die meisten Fußgänger dürften doch sicher auf der Häuserseite unterwegs sein, oder ist das auch ein Flussuferpromenadenweg, der da für den Radverkehr freigegeben ist?
Die "Mindestbreite für einen gemeinsamen Geh- und Radweg beträgt 250 cm" https://de.wikipedia.org/wiki/Radverkeh…0au%C3%9Ferorts.
Das dürfte doch zumindest knapp erfüllt sein an der Straße Salztorscontrescarpe.
Und es gibt auch keine Gefahrenstelle, abgesehen von der mit der Baumumfahrung. Und natürlich auch die Bushaltestellensituation.
Allerdings ist die Bushaltestellensituation eigentlich auch klar geregelt: Hält ein Bus, dann muss auch der Radverkehr auf dem Hochbord halten.
Schöner wäre freilich, wenn nicht nur der Radverkehr auf dem Hochbord, sondern auch der Autoverkehr und Radverkehr auf der Fahrbahn halten müssten.
Entschuldige, dass ich mich da mit meiner "Fernanalyse" aufdränge, aber so ganz falsch liege ich doch damit auch wieder nicht, wenn ich abgesehen von den grundsätzlichen Überlegungen als naheliegende pragmatische Herangehensweise erstmal den Fußweg, Radfahrer frei da empfehle. Wenn erst mal die ersten Fahrradfahrer entdecken, dass es Spaß macht und legal möglich ist auf der Fahrbahn zu fahren und darüber im Sinne von Fußgängerschutz in den Medien darüber berichtet wird, dann könnten es auch zunehmend mehr Radfahrer*innen werden, die dann "Runterkommen" vom Fußweg.
Eines der größten Probleme sehe ich in einer Verkehrsverwaltung, die darauf fixiert ist, eindeutige Radverkehrsführungen zu schaffen und die um jeden Preis unterschiedliche Optionen für den Radverkehr verhindern will. Vielleicht wäre es an der Zeit einen entsprechenden Thread zu eröffnen, in dem Beispiele gezeigt werden, dass so was möglich ist. Und das es so was auch schon an vielen Stellen gibt.