Wir Menschen tun uns schwer, sehr seltene Ereignisse richtig einzuschätzen. Dazu fehlt einfach die Datenbasis. Deswegen ziehen wir Ersatzdaten heran, Fastunfälle und so. Das kann man sehr gut an Frage 17 erkennen. Die Positionen, auf der Fahrbahn sicher zu fahren und bedrängt zu werden, widersprechen sich nicht (Ich würde die beiden äußeren Punkte auswählen). Aber der Bauch zieht die unangenehmen Situationen herum, um der Fahrbahn den Stempel gefährlich zu verpassen.
Und genau auf dieser Schiene arbeitet der ADFC. Er versucht ein Gefühl mit Fakten gleichzusetzen und das vorsätzlich, um möglichst viele Radwege zu bekommen. Dass das unter dem Strich Menschleben kostet, ...
Die Frage 17 hat als Gegenpole:
17. In meiner Stadt ... kann man auf der Fahrbahn gemeinsam mit den Autos zügig und sicher Rad fahren. <<< << < > >> >>> ...wird man auf der Fahrbahn bedrängt und behindert.
Ich glaube nicht, dass der ADFC mit dieser Frage beabsichtigt den Leuten, die an der Umfrage teilnehmen zu suggerieren, dass sie möglichst weit bei "...wird man auf der Fahrbahn bedrängt und behindert.", ihr Kreuz machen sollen.
Problematischer finde ich, dass die Frage zu allgemein gehalten ist.
Zum Beispiel wäre ich komplett angenervt davon, wenn ich in Hannover mit dem Fahrrad auf der Marienstraße auf der Fahrbahn fahren müsste. Dort fahre ich auf einem Hochbordradweg, leider an den Kreuzungen und Einmündungen nicht überall gut gesichert. Aber auch wenn man an den Kreuzungen und Einmündungen höllisch aufpassen muss wegen Abbieger, ist es besser dort zu fahren als im Autoverkehrsstau festzustecken. Außerdem ist es an mehreren Fußgängerüberwegen mit Ampeln möglich auf dem Hochbordradweg auch bei Rot weiter zu fahren (ganz legal, weil keine Haltelinie), wenn kein Fußgänger dadurch behindert oder gefährdet wird. Diese Fußgängerampeln werden ebenso wie die Ampeln an Kreuzungen zentral für die ganze recht lange Straße so gesteuert, dass sie optimal auf den Autoverkehr ausgerichtet sind. (Nennt sich "Pulk-Schaltung") Das ist noch ein Grund mehr, den Hochbord zu bevorzugen. Und obendrauf kommt noch: Auf der Fahrbahn gilt Tempo 50. In den Verkehrsspitzen wird das i.D.R. nicht erreicht. Aber es reizt immer wieder Autofahrer, stark zu beschleunigen, besonders wenn mal eine größere Lücke in der Autoschlange sich auftut.
https://www.google.com/maps/@52.36944…!7i13312!8i6656 googlestreetview-Link zum Anklicken und virtuellen Probefahren.
Dagegen gibt es in Hannover aber auch zahlreiche Tempo 30 Wohnstraßen mit sehr wenig Autoverkehr, wo man gut mit dem Fahrrad auf der Fahrbahn fahren kann. Man dürfte dort auch gar nicht hochbord fahren weil es keinen Hochbordradweg gibt und die Bürgersteige nicht für den Radverkehr freigegeben sind.
Aber für so viel Differenzierung ist möglicherweise kein Platz in der Umfrage. Oder man müsste dazu eine ganz eigene durchführen. Übrigens wurde 2018 diese Frage zum Fahren auf der Fahrbahn nicht bemerkenswert negativ beantwortet im Vergleich zu anderen Fragen.
https://fahrradklima-test.adfc.de/fileadmin/BV/F…t_A3_190404.pdf
Und ich denke nicht, dass viele Radfahrer auf so eine Frage "reinfallen".