Ich halte den Begriff "indirekter Impfzwang" im Übrigen für äußerst unpassend. Zu einer freien Entscheidung muss auch die Bereitschaft gehören, die Konsequenzen zu tragen. Für Ungeimpfte ist das zum Einen die Bereitschaft, sich selbst zu infizieren, aber dazu muss auch die Bereitschaft gehören, andere, die gefährdet sind, vor einer Übertragung zu schützen.
Ein sehr guter Hinweis! Den Begriff Impfzwang werde ich je nach dem Zusammenhang zukünftig vorsichtiger benutzen!
Hier ein informatives WDR-Video zum Thema:
"Eine über 150 Jahre alte Debatte bestimmt also wieder die Nachrichten." Das ist ein wichtiges Zitat aus dem oben verlinkten Filmbeitrag des WDR vom 15.2.2021.
Zu Recht muss man die Aussage der beiden Impfskeptiker kritisieren: "Wer besorgt ist, soll sich halt impfen lassen. Außerdem sind ja inzwischen schon sehr viele geimpft, dadurch ist doch die Wahrscheinlichkeit viel geringer, dass ich mich infiziere." Aber es ist nicht unbedingt ein offen zur Schau getragener Egoismus, wie Fahrbahnradler weiter oben vermutet.
Immerhin hatten die Experten anfangs eine Quote von 65% Geimpften für ausreichend bezeichnet. Und die ist inzwischen fast erreicht. Wer dem Impfen skeptisch oder abwartend gegenübersteht, dem sollte in der Diskussion besser mit dem Hinweis begegnet werden, dass es ein Versäumnis war, nicht von Anfang an in der Diskussion über das Impfen offen eingeräumt zu haben, dass Corona sich als eine Erkrankung herausstellen kann, der mit einer Impfpflicht begegnet werden muss.
Und dann haben wir noch den offen zur Schau getragenen Egoismus:
Ich finde es richtig, diesem Einwand von Impfgegnern mehr Beachtung zu schenken, dass die jetzt geplanten Maßnahmen eine Impfpflicht durch die Hintertür bedeutet. Und ein guter Einstieg kann sein, die Begriffe Impfzwang und Impfpflicht zu erläutern. So geschieht es ja auch in dem WDR-aktuell-Beitrag.
Es sieht doch sehr danach aus, dass in der Diskussion zu lange Zeit vermieden wurde, die Option einer Impfpflicht anzusprechen. Vielleicht aus guten Gründen, wenn man bedenkt, dass anfangs (vor Auftreten der Delta-Variante) davon ausgegangen wurde, dass eine Impfquote von 65% ausreichend sei, um Corona zu bannen. Da hat man sich möglicherweise gesagt, ersparen wir uns doch einfach die Fortsetzung der Grundsatz-Diskussion über die Impfpflicht, wenn sie nicht unbedingt notwendig ist. Zuletzt wurde ja im Zusammenhang mit der Masern-Impfung diese Grundsatzdiskussion zum Teil sehr heftig geführt. (Die Masern-Impflicht kam am 1. März 2020! Da stand die Corona-Pandemie in Deutschland noch am Anfang. Die ersten sehr stark in der Öffentlichkeit wahrgenommen Berichte waren nach meiner Erinnerung die aus Ischgl und Heinsberg Ende Februar, Anfang März 2020)
Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass eine wirkliche Impfflicht gegen Corona deshalb bislang nicht wirklich angestrebt wurde, weil ein entsprechendes solides Gesetzgebungserfahren sehr langwierig sein könnte und zu befürchten wäre, dass Klagen gegen eine solche Impfpflicht erfolgreich sein könnten. Und im Gegensatz zur bewährten Masernimpfung ist die Corona-Impfung eine in sehr kurzer Zeit entstandene Neuentwicklung. Jedenfalls wäre im Fall einer erfolglos eingeführten Corona-Impfpflicht eine Agitationswelle der Impfgegner zu befürchten nach dem Motto: "Seht her, die Politik hat uns betrogen, die haben versucht einen "illegale Impfzwang" einzuführen."
Wo der WDR-aktuell-Beitrag allerdings zu kurz greift ist Folgendes:
Die Aussage ist das Wort "Impfzwang" sei böse und wird von Impfgegnern aus ideologischen Gründen benutzt.
Deshalb müsse das Wort unbedingt vermieden werden.
Gründe dafür, warum eine echte (keine versteckte) Impfflicht Sinn machen kann, werden dagegen nicht aufgeführt.