Weil ich gerade drüber gestolpert bin:
Was einmal mehr fehlt in der Darstellung:
In Frankfurt und vielen anderen Städten wurde in den 60er und 70er Jahren der U-Bahnbau gefeiert.
Und viele Städte halten bis heute am U-Bahnbau fest, weil er als die geniale Lösung für innerstädtische Verkehrsprobleme gilt.
Zum Beispiel wird in diesem Film des Münchner U-Bahn-Bauamtes von 1965 gleich am Anfang über die vollen Straßen gesagt: "Man stelle sich vor", heißt es in dem Film, "auf je vier Einwohner kommt ein Kraftfahrzeug". (Heute kommen auf 2 Einwohner ein Kraftfahrzeug und die Autodichte ist immer noch am ansteigen.)
Der Gipfel der Verblendung folgt in dem Münchner U-Bahn-Film von 1965 unmittelbar mit dieser Ergänzung zu den mit Autos vollen Straßen: "... und dazu noch die Straßenbahn."
Nur wenige stellten damals diese Betrachtungsweise in Frage. Die Straßenbahn und der Omnibusverkehr galten als Verkehrshindernis. Den ÖPNV unter die Erde zu verlegen, damit oben mehr Platz für den Autoverkehr frei wird, galt (und gilt heute noch bei vielen) als die Lösung der innerstädtischen Verkehrsprobleme.
Dafür wurden jahrelange Riesenbaustellen in Kauf genommen und gigantische Summen investiert. Die Kredite dafür sind in vielen Städten bis heute nicht abgezahlt.
In dem verlinkten FAZ-Artikel aber wird die Gegnerschaft von Radverkehr und Autoverkehr angeheizt. Die es so gar nicht gäbe, hätte man von vornherein verhindert, dass der Autoverkehr die Straßen verstopft und den oberirdischen ÖPNV im Autostau feststecken lässt.
Für ÖPNV und Radverkehr ist in den Städten mehr als genug Platz auf den oberirdischen Straßen vorhanden. Die Verkehrsprobleme entstehen alleine aus dem Autoverkehr. Der muss weg, aber nicht nur deshalb, um mehr Platz für den Fußverkehr und Radverkehr zur Verfügung zu haben. Noch dringender ist es gute ÖPNV-Verbindungen anbieten zu können, die Mobilität für alle Menschen ermöglicht. Das ist übrigens auch die Übersetzung des ursprünglich lateinischen Wortes Omnibus. Omnibus bedeutet: Für Alle!