In Hannover wurde ja erst 2019 ein neuer Bürgermeister gewählt (der alte war zurückgetreten). Aber der Kommunalwahlkampf treibt dennoch bizarre Triebe. CDU-Chef verbietet diesen Radfahrstreifen:
https://www.google.com/maps/@52.37405…!7i13312!8i6656 Der Link führt zu einer google-streetview Aufnahme von derselben Stelle (Bahnunterführung Schiffgraben), als es dort noch keinen Radfahrstreifen gab. Auf der Fahrbahn durfte man damals auch schon fahren, aber das führte regelmäßig zu wüstem Hupen und Beschimpfungen durch Autofahrer. Das haben sich nicht viele Radfahrer*innen angetan.
Das berichtet die taz vom 8.6.2021 über Hannover: "Die Straße Schiffgraben wird dort unter den Bahngleisen entlang geführt. Die Unterführung ist eng, laut und dunkel. Vor allem auf der Ostseite hatten Radfahrer bisher die Wahl, entweder mit Fußgängern um den schmalen Gehsteig zu rangeln oder sich auf der Straße von den vorbeirasenden Autos streifen zu lassen.
Die Stadt Hannover kam deshalb auf die Idee, dem Autoverkehr dort eine Spur zu entziehen und sie, zunächst provisorisch, für den Radverkehr zu reservieren. Es ist eine Maßnahme in einem ganzen Bündel, mit dem die Stadt fahrradfreundlicher gestaltet werden soll. Immerhin ist Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) mit dem Versprechen angetreten, eine Verkehrswende herbeizuführen.
Im aufgeheizten Kommunal- und Bundestagswahlkampf droht dieses gelb markierte Stückchen Pop-up-Radweg nun allerdings unter die Räder zu kommen. Das CDU-geführte niedersächsische Verkehrsministerium hat sich eingeschaltet und den Rückbau angeordnet. Man glaubt dort, der Radfahrstreifen sei nicht durch die Straßenverkehrsordnung gedeckt, weil es sich nicht um eine ausgewiesene Gefahrenstelle oder einen Unfallschwerpunkt handelt."
Wenn man wissen will, wie es um die Chancen einer echten Verkehrswende bestellt ist, dann genügt es an den Wahlkampfständen diesen unglaublich bizarren Vorgang anzusprechen. Große Begeisterung für Althusmanns Vorgehen gegen diesen Radfahrstreifen bei der CDU. Schließlich wird dem Autoverkehr vom Partei-Oberhäuptling die "geklaute" Fahrspur zurückgegeben. Althusmann ist CDU-Landesvorsitzender und Verkehrsminister in Niedersachsen. Verhaltene Zustimmung bei Teilen der SPD, obwohl die SPD-Ratsfraktion den Radfahrstreifen mit beschlossen hat. Ebenso die FDP. An deren Wahlkampfständen oft auch Feixen, weil man glaubt dem wenig beliebten Oberbürgermeister von der politischen Konkurrenz Schaden zugefügt zu haben.
Eines ist klar: Eine Verkehrswende kommt nicht irgendwie von selbst. Sie muss erkämpft werden! Die Proteste gegen den Autowahn haben schon einiges in Bewegung gebracht aber es reicht leider noch nicht aus um ein Umdenken herbeizuführen. Viel Erfolg den Menschen in München, die dort gegen die Auto-Wahnsinns-Schau Schau aktiv auf die Straße gehen!