Okay, nun habe ich mich lange genug um die entsprechende Antwort gedrückt.
Erst einmal: Ich habe momentan keine offenen Rechnungen, keine Anwaltspost, kein garnichts. Es ist alles in bester Ordnung, wenn man das denn so formulieren mag.
Das eigentliche Problem ist hingegen etwas vielschichter.
Die eine Sache ist, was ich oben schon angedeutet hatte: Es ist hier (und womöglich auch anderswo) nicht möglich, ein Weblog zu führen, was regelmäßig auf Zeitungsinhalte oder andere Webseiten verweist. Das passierte bei mir relativ häufig; einerseits habe ich lesenswerte Artikel anderer Seiten verlinkt, andererseits mich aber auch teilweise umfangreich an Nachrichten der einschlägigen Newsportale abgearbeitet. Nach meinem Verständnis darf man viel zitieren, wenn man sich ausführlich mit einem Text beschäftigt, wenn ich also sozusagen zu jedem zitierten Satz eines Zeitungsausschnittes drei Absätze tippe, dann steht das meiner Meinung nach mehr als in einem guten Verhältnis.
Dann gibt’s aber Zeitungen, die offenbar eine so genannte Link- oder Zitat-Policy pflegen und dann mehr oder weniger freundlich per Mail anklopfen, man dürfe aus ihren Artikeln nur 300 Zeichen oder fünf Sätze oder zwei Absätze zitieren, alles andere müsste kostenpflichtig lizensiert werden. Gut, die Rechtslage ist einigermaßen klar, die Forderung also unhaltbar, denn das Urheberrecht lässt dem Schöpfer eines Werkes nur begrenzten Einfluss, inwiefern aus seinem Werk zitiert wird. Trotzdem fehlt solchen netten Mitteilungen nie der Hinweis auf den teuren Anwalt, der sich eventuell mit meinem Fall befassen müsste und dann ist’s auch wieder blöd: Soll ich nun einen zeitraubenden Rechtstreit riskieren, dessen Ausgang beispielsweise vor dem Landgericht Hamburg dann auch vollkommen offen wäre, der mich dann auch noch finanziell ruiniert, weil meine Rechtsschutzversicherung von solchen Sachen bestimmt nichts wissen will? Oder gehe ich einfach davon aus, dass der entsprechende Zeitungsverlag nur laut lamentiert, aber sich der Aussichtslosigkeit seiner Forderungen bewusst ist und es nicht auf einen Rechtsstreit ankommen lassen wird? Oder gebe ich trotz recht eindeutiger Rechtslage klein bei und schmeiße den beanstandeten Artikel unauffällig raus? Tja.
Eine andere, beinahe schon lustige Sache sind dann Leute, die sich über Radfahrer aufregen und sich damit in der Zeitung zitieren lassen. Etwa mit dem üblichen Kram, hier, bla, Radfahrer fahren eh nie auf dem Radweg oder Radfahrer fahren immer auf dem Gehweg oder Radfahrer fahren auf dem Zebrastreifen oder auf der falschen Straßenseite und dann komme ich wieder vorbei, schaue mir die dazugehörigen Bilder an und stelle die ganze Sache im Blog richtig. Ha.
Gut, der Typ wirft dann irgendwann bei Google seinen Namen ein, stolpert auf mein Blog und findet es ehrverletzend, dass ich seine falsche Interpretation der Straßenverkehrs-Ordnung korrigiere. Wohlgemerkt: Ich beleidige ihn nicht, ich unterstelle ihm nichts, ich mache da eigentlich nichts strafrechtlich relevantes, er fühlt sich bloß trotzdem in seiner Ehre verletzt und läuft mit der verletzten Ehre an der Hand zu seinem Anwalt. Der weiß bestimmt ziemlich sicher, dass in so einem Fall nichts zu machen ist, denkt sich aber vielleicht, dass ja entweder sein Mandant oder dieser Malte Hübner bezahlen wird, also kommt die Kohle schon irgendwie rein und wenigstens einen bösen Brief kann man ja mal aufsetzen. Das sind allerdings dann so haltlose Vorwürfe, die bekomme ich noch selbst geregelt. Und meistens hört man nach einer höflichen Antwort auf so einen Brief dann auch nichts mehr von der Gegenseite.
Trotzem ist es ja nur eine Frage der Zeit, bis irgendwann mal ein dickerer Brief im Kasten liegt, der nicht so einfach aus der Welt zu schaffen ist. Vielleicht wieder der übliche Kram mit der Zitat-Policy, vielleicht wieder ein empörter Wutbürger, vielleicht irgendwas mit Störerhaftung, weil in den Kommentaren jemand allzu sehr mit Kraftausdrücken hantiert. Es bleibt von meinem Werkstudenten-Gehalt nicht so viel übrig, als dass ich mir regelmäßig die Kosten eines Anwalts zur Abwehr unberechtigter Ansprüche leisten könnte. Ich schulde meinen Eltern auch noch knapp tausend Euro, die es mich kostete, den Vorwurf der Sachbeschädigung aus der Welt zu schaffen, nachdem mich ein Kraftfahrer vorsätzlich über den Haufen fahren wollte — eigentlich war die Ausgangslage des Vorfalls ziemlich klar, aber die Staatsanwaltschaft wollte von mir nicht ablassen. Leider sieht der Gesetzgeber eine Erstattung von Anwaltskosten erst ab der Hauptverhandlung vor, nur soweit wollte ich es auf gar keinen Fall kommen lassen.
Insofern bin ich tatsächlich mittlerweile zur Überzeugung gekommen, dass ein Weblog mit teilweise fünftausend Besuchern pro Tag nicht einfach so mit einem Werkstudenten-Gehalt im Hintergrund zu betreiben ist. Für so etwas braucht man entweder Glück oder ein Thema, was abseits solcher Problemzonen liegt. Wenn man sich aber im Blog verbal mit anderen Leuten anlegt und ihre Illusion einer autogerechten Straßenverkehrs-Ordnung zurecht rückt, dann muss man sich auch nicht wundern, wenn die mit der Anwaltskeule zurückschlagen. So gesehen: Wenn es irgendwie weitergehen sollte, dann müsste das wohl tatsächlich auf professioneller Basis laufen. Ich habe ja schon überlegt, ob ich nicht irgendwie einen Verlag finde, der sich bei mir einkaufen möchte, um mir die Rechtsstreitigkeiten vom Hals zu halten und womöglich auch finanziell etwas dazu gibt, aber an einem solchen Nischenthema mit in Extremfällen noch immer nur drei- bis fünftausend Besuchern täglich ist natürlich niemand interessiert.
Und die andere Sache ist natürlich auch der Zeitfaktor. Bislang war ich mit meinem Blog in der komfortablen Situation, den Großteil meines Bachelor-Studiums schon hinter mir zu haben, nebenbei arbeiten zu gehen und noch recht viel Freizeit zu haben, so dass ich locker mehrere Artikel pro Tag tippen konnte. Alles gar kein Problem, das ging seit Juni 2011 ganz gut voran. Jetzt bin ich im zweiten Semester meines Master-Studiums und hier sieht das mit der Zeitverteilung schon ganz anders aus. Eigentlich studiere ich in Teilzeit, was mich pro Woche zwanzig Stunden kosten soll, mittlerweile komme ich allerdings eher auf 60, weil meine Studienordnung in ein paar Semestern ausläuft und einige Veranstaltungen bald nicht mehr angeboten werden, die ich jetzt noch alle schnell mitnehmen muss, dann gehe ich zwanzig Stunden pro Woche arbeiten, dazu kommen noch mal zehn Stunden An- und Abfahrt. Rein rechnerisch bleiben da noch täglich knapp vier Stunden Freizeit übrig, aber ehrlich gesagt möchte ich die dann auch anders nutzen als mit dem Notebook auf dem Schoß — beispielsweise lieber auf dem Rad, um die fehlende Bewegung aus dem Hörsaal- und Bureau-Alltag nachzuholen. Und es fällt mir etwas schwer, es mir selbst einzugestehen, aber hätte ich mein Blog nicht vor knapp einem Monat nicht von heute auf morgen dichtgemacht, hätte ich definitiv zwei Wochen später kapitulieren müssen: Mein Studium spannt mich momentan so sehr ein, dass ich vermutlich nicht einmal Zeit und Ruhe hätte, um pro Woche einen vernünftigen und klugen Artikel zu tippen. Es geht momentan einfach nicht. Ihr merkt ja auch hier im Forum, dass meine Beteiligung in letzter Zeit drastisch gesunken ist, aber mehr gibt der Terminkalender momentan einfach nicht her.
Um das noch mal zusammenzufassen: Wenn es überhaupt weitergehen sollte, dann tatsächlich nur auf professioneller Basis. Ich hatte nie vor, mit meinem Blog das große Geld zu machen, weil ich auch nicht so richtig glaube, mit dem Thema meinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Das war immer nur ein Hobby und wenn es nicht anders geht, dann muss man ein Hobby nunmal auch aufgeben können. Mit professioneller Basis meine ich dann tatsächlich, dass ich statt meinem Werkstudenten-Job dann eben pro Woche zwanzig Stunden lang mein Blog befüttere. Das könnte ich mir tatsächlich vorstellen, das wäre eigentlich sogar ziemlich cool, aber das müsste dann eben auch jemand finanzieren: Irgendwo muss schließlich das Geld für mein Studium herkommen.
Tja.
Weiß auch nicht. Dumm gelaufen, das alles.