Beiträge von Malte

    2022 will mich die Bundesbahn verkohlen: Der ICE-T mit seinen drei Fahrradstellplätzen rollt voll besetzt mit drei Fahrrädern und einigen Koffern und Kinderwagen im Fahrradabteil ein, aber natürlich hat 20 Minuten vor dem Zielbahnhof niemand mehr Lust, sich jetzt den ganzen Ärger an Land zu ziehen und herumzufragen, wem nun das eine Rad gehört, das offenbar ohne Reservierung unterwegs ist, geschweigedenn sich mit den Besitzern der Kinderwagen herumzuschlagen. Also verweist man mich auf den Nahverkehr, der in einer halben Stunde führe, damit wäre ich auch Ratzfatz in Hamburg.

    Nun kann man sich ja bei diesem Vorgehen wundern, ob ich womöglich in Hamburg einen Anschlusszug erreichen möchte, der vielleicht keine halbe Stunde wartet — oder der Metronom momentan bis Ende September aufgrund des erhöhten Verkehrsaufkommens aufgrund von Baumaßnahmen und Neun-Euro-Ticket gar keine Fahrräder transportiert. Aber war soll’s, Tür zu, das Urteil der Bundesbahn ist in solchen Fällen sakrosankt und den Anweisungen des Bahnpersonals ist Folge zu leisten und es besteht ja sowieso kein Anspruch auf Beförderung von Drahteseln.

    Schon wieder. Statt mit einem ICE 4 kommt der ICE 886 heute mit einem ICE 1 angerollt. Angeblich soll es im Wagen 1 Ersatzstellplätze für Radfahrer geben. Gibt es aber nicht.

    Und so sitzt man halt gleich wieder mit dem Rad dort fest. Herzlichen Dank.

    Ich kann momentan wirklich niemandem empfehlen, ein großes Fahrrad mitzunehmen. Die Wahrscheinlichkeit, dass das schiefgeht, scheint mir recht groß zu sein.

    Bei der Gelegenheit habe ich auch gleich das Steuerlager tauschen lassen, das bereits ganz leicht in der Geradeaus-Position einrastete, weil dort im Kugellager der Verschleiß am größten ist. Mit dem Steuerlager haben die Leute in der Werkstatt wohl ganz ordentlich gekämpft, und das sieht man dem Rad leider auch an, das von diesem Kampf einige Spuren davongetragen hat. Und das blödeste ist: So verschlissen war das Lager wohl noch gar nicht, das hätte vielleicht auch noch ein paar tausend Kilometer geschafft, hätte man es noch mal ordentlich eingestellt. Die beiden Lager wurden für insgesamt 120 Euro getauscht.

    Fein. Als ich heute zufällig bei einem Fahrradhändler vorbei kam, fragte ich auch gleich mal nach dem Steuersatz, weil der Lenker nämlich ganz leicht wackelte. Also wirklich ganz leicht, ich merkte das eigentlich nur seit ein paar Tagen, wenn ich das Rad vorne an der vertikalen Lenkerstange hochhebe, um es die Treppe hochzuschleppen.

    Dreht er halt locker den Steuersatz mit der Hand auf. Will sagen: Der war aus irgendeinem Grunde nicht besonders fest und das wohl schon seit einiger Zeit. Ich beiße mir schon wieder selbst in den Hintern, dass ich das nicht selbst von Zeit zu Zeit kontrolliere und nun wer weiß wie lange mit lockerem Steuersatz gefahren bin. Die beiden Schrauben wurden jetzt wieder festgezogen und ich merke direkt, dass der Lenker nun wieder in der Geradeaus-Stellung einrastet, weil dort nunmal der höchste Verschleiß herrscht.

    Dass ich nun alle zwei Jahre den Steuersatz tauschen lassen muss, hätte ich nun auch nicht erwartet. Andererseits hat das Faltrad auch schon bald 15.000 Kilometer in viereinhalb Jahren hinter sich, das ist ja durchaus ein respektables Pensum.

    Die neue schleswig-holsteinische Landesregierung hat hinsichtlich des Schienenverkehrs großes vor, schreibt mein früherer Kollege Daniel Kummetz beim NDR:

    Nahverkehr in Schleswig-Holstein: Hoffen auf den Bahn-Anschluss
    Viele Gemeinden in Schleswig-Holstein sind nur spärlich per Bus an den öffentlichen Nahverkehr angebunden, wie eine Fahrplan-Analyse des NDR ergab. Für einige…
    www.ndr.de

    Beim sh:z gibt’s hinter der Bezahlschranke noch weitere Informationen:

    Kieler Minister Claus Ruhe Madsen will Neubaustrecke für Marschbahn | SHZ
    Die Bahnstrecke zwischen Elmshorn und Itzehoe soll deutlich verkürzt werden – wegen der geplanten Northvolt-Batteriefabrik bei Heide
    www.shz.de

    Hier soll quasi alles reaktiviert werden:

    Außerdem soll die Marschbahn von Heide bis Westerland elektrifiziert werden, inklusive der Abzweigungen nach Brunsbüttel, Büsum und Dagebüll, sowie die S-Bahn bis Kaltenkirchen vorangetrieben werden. Elektrifizierungen sind außerdem vorgesehen für die Strecke von Neumünster bis Bad Oldesloe und für die Strecke von Lübeck bis Puttgarden — bei letzterer bin ich mir sicher, dass es klappt, denn die wird ja teilweise neu gebaut, da kommt man um eine Elektrifizierung nicht umhin.

    Ein kurzer Neubau ist außerdem für Tiefensee vorgesehen, denn dort im Dithmarscher Niemandsland soll eine Batteriefabrik gebaut werden. Und für diese Fabrik soll sogar ein Stück der Marschbahn abgekürzt werden, von Elmshorn möchte man die langweilige und zeitaufwändige Kurve über Glückstadt aussparen und direkt nach Itzehoe fahren, um die Reisezeiten für einige

    Warum nicht gleich noch einen Tunnel unter dem Nord-Ostsee-Kanal, um den Umweg über die Hochbrücke Hochdonn zu umgehen?

    (Man kann übrigens am Nord-Ostsee-Kanal noch die alte Streckenführung erkennen: Früher ging es einfach geradeaus von Wilster nach St. Michaelisdonn, dann baute man den Kanal und querte den mit einer Drehbrücke, wozu die Schienen ein Stück verlegt wurden, um senkrecht auf den Kanal zu treffen. Als der Kanal dann mehrfach verbreitert wurde, wollte man eine Hochbrücke bauen, für die allerdings lange Rampen und ein fester Untergrund notwendig war, so dass der nicht unerhebliche Umweg über Hochdonn gewählt wurde.)

    Wenn ich mir anschaue, wie lange man schon an den 2,8 km von Wrist nach Kellinghusen werkelt, wo eigentlich seit sieben Jahren schon Züge fahren sollten, aber immer noch kein Gleis liegt, dann frage ich mich schon, über welchen Zeithorizont wir hier denn eigentlich reden. Soll da noch vor 2050 was fahren? Wenn man im ähnlichen Tempo weitermacht, dann steht halb Schleswig-Holstein längst unter Wasser, bevor hier ein Zug gefahren ist.

    Also baut man einfach alles schon vorher, in einem Abwasch auf.

    … und lässt die Absicherung der Absicherung außer Acht. Einen Zaun von, tja, über 50 m Länge ohne Lücken aufzustellen bedeutet schon ein ganz erhebliches Gottvertrauen, dass es hier nicht windig sein wird. Mit den moderneren Fußplatten könnte man immerhin noch eine zweite Platte auflegen, um das Gewicht auf 50 kg zu erhöhen. Man wird bei sowas aber grundsätzlich nicht umhin kommen, dem Umkippen durch weitere Niederzurrungen entgegen zu wirken.

    Welche unvorhersehbaren Kapriolen könnte ein Radfahrer vollführen, dass er von einer gedachten mittleren Fahrlinie aus 3m (=2x150cm) Pendelraum benötigt?

    Ich bin vor ein paar Tagen mal einem größeren Schlagloch ausgewichen, das ich dank der berühmten tiefstehenden Sonne erst sehr spät gesehen hatte. Da bin ich bestimmt nicht 150 cm nach links gesprungen, aber doch ein ganz ordentliches Stück.

    Am Ende kommen wir dann wohl wieder bei § 1 StVO raus, aus dessen zweiten Absatz sich auch noch ein gewisser Überholabstand herleiten lässt:

    Das sieht auch Prof. Dr. jur. Dieter Müller so: Der Sicherheitsabstand soll einen Radfahrer vor Kraftfahrzeugen schützen und den Sicherheitsabstand interessiert es nicht, ob es sich um einen Überholvorgang auf dem selben Straßenteil oder um bloßes Vorbeifahren auf zwei unterschiedlichen Straßenteilen handelt: Überholen von/ Vorbeifahren an Radfahrern, die auf Schutzstreifen oder Radfahrstreifen fahren (ab Seite 12)

    Na, Mensch, was hatten wir für einen Spaß. Nebenan wird am Kreisverkehr gebaut, also wird, tja, warum eigentlich, hier der Radweg mit Absperrgittern geschützt. Das klappt natürlich nicht sonderlich gut, seit Tagen liegen diese Zäune hier auf dem Radweg herum und so richtig kümmert’s auch keinen. Man kann die natürlich selbst wieder aufstellen als normalsterblicher Verkehrsteilnehmer, aber ich weiß ja mittlerweile aus Hamburg, dass ich dann angeblich plötzlich haftbar wäre, wenn ich als sachunkundiger Mensch mir daran zu schaffen mache und die Dinger wieder umkippen (ganz im Gegensatz zu den Fachleuten der Baustellenabsicherung, die hier mit Sachkundenachweis zugange sind, aber trotzdem offenbar für nichts haften).

    Ich bremste erstmal ab, um den Gegenverkehr durchzulassen, als mich schon von hinten gleich der nächste dumm anmachte, warum ich denn nicht weiterführe, und mit dem E-Bike in die Engstelle preschte. Wie zwei Stiere stand man sich für einen Moment gegenüber, bis sich einer dazu durchringen konnte, dem anderen übers Straßenbegleitgrün auszuweichen.

    Dann kamen mir die nächsten entgegen. Der Typ mit dem Lastend wollte mir Platz machen, aber so richtig einig wurde man sich nicht, die anderen nutzten die Gelegenheit zum Überholen, so dass es wiederum an mir war, zur Seite zu fahren. Okay. Und ganz am Ende fuhren auch noch schnell zwei Leute mit E-Bike in die Engstelle rein, anstatt einfach noch mal drei Meter zu warten und mich aus der Engstelle zu entlassen.

    Gestern begegnete mir ein solches Fahrzeug, was wohl gerne ein Linienbus wäre:

    Woran erkenne ich denn als Verkehrsteilnehmer, dass es sich tatsächlich um einen Linienbus handelt, der dort mit eingeschalteter Warnblinklichanlage steht und § 20 Abs. 4 StVO auslöst und nicht um ein kleines Wohnmobil, das mit der Warnblinklichtanlage das Haltverbot außer Kraft setzen möchte? Die üblichen Merkmale wie die Matrix-Anzeige einer Buslinie mit Fahrziel fehlen ja an diesem Fahrzeug genau wie bei den so genannten Anruf-Sammel-Taxis.

    Natürlich kann ich als rücksichtsvoller Verkehrsteilnehmer auch einfach davon ausgehen, dass das alles seine Richtigkeit haben wird, aber gerade bei der Schrittgeschwindigkeit bei eingeschalteter Warnblinklichtanlage wäre es ja interessant zu wissen, ob man sich da womöglich eher zum Affen macht.

    Gute Frage. Dass es zu Stoßzeiten mal zu voll war, war schon immer so. Aber das was Malte da geschildert hat (man kommt auf manchen Strecken quasi den ganzen Tag nicht wirklich gut durch) ist schon irgendwie "speziell" und war in vergangenen Sommern nicht so.

    Naja, bei uns vor der Tür wird halt gerade auch noch an der Strecke gebaut, insofern ist das Zugangebot eben eingeschränkt. Dank der Pandemie fehlt mitunter das Personal, also fallen in den Tagesrandzeiten zusätzliche Fahrten aus, das macht sich dann schon so langsam bemerkbar.

    Dass Problem beim Kuppeln der ICE 2 ist ja sowieso legendär und aus den Anekdoten mit der Zugteilung in Hamm wohlbekannt, insofern geht das hier eben auch ständig schief, wenn hier als gut gemeinter Ersatz ICE 2 in Doppeltraktionen zum Einsatz kommen.

    Und ich weiß tatsächlich auch von ein paar Leuten, die sich für die Zeit bis September ein Abo für den Fernverkehr besorgt haben, weil der Nahverkehr dermaßen überfüllt ist. Wenn man das hochrechnet, dürfte da eine Menge Pendler umgestiegen sein.

    Mittlerweile läuft das Pendeln von Lüneburg nach Hamburg eigentlich so gar nicht mehr.

    Eigentlich nähme ich gerne morgens einen ICE nach Hamburg, so dass ich einigermaßen pünktlich dort wäre, das sieht dann am Vorabend plötzlich so aus:

    Da kann man sich ja wohl denken, dass mit Sicherheit nicht plötzlich der morgendliche Pendler-ICE, der an jedem Kieselstein hält, direkt ab seinem Startbahnhof in Göttingen überfüllt sein wird. Das ergibt ja gar keinen Sinn und tatsächlich passiert dann sowas im Laufe der Nacht:

    Das heißt, ich schmeiße mich entweder in die Konservendose namens Nahverkehr oder fahre mittags. Dort kommt eigentlich während der Bauarbeiten eine Doppeltraktion ICE 2 an, von der ein Teil nach Hamburg-Altona fährt, ein anderer bis ins Ostseebad Binz. Es fehlt in der Regel der zweite Zugteil:

    Mit der Information, dass der Zug aber beinahe überfüllt sein wird, geht der Navigator in diesem Fall lieber nicht hausieren. Überhaupt ist das alles sehr undurchsichtig, denn die Anzeigen am Bahnsteig wissen vom fehlenden Zugteil nichts:

    Kurz vor der Einfahrt des Zuges wird dann „Zugdurchfahrt“ angezeigt, damit auch wirklich niemand mehr weiß, welcher Zug das nun eigentlich ist. Der Zugbegleiter meint, „das System“ hätte nicht verstanden, dass der zweite Zugteil fehlt sondern denkt, der zweite Zugteil hielte einfach nicht hier im Bahnhof — sondern führe durch. Ergibt jedenfalls Sinn.

    Und so geht’s dann eigentlich weiter: Offenbar ist grundsätzlich vorgesehen, den Zug in Hamburg-Harburg zu teilen, worauf der eine Teil weiter über den Hauptbahnhof nach Altona fährt und der andere direkt nach Schwerin und weiter ins Ostseebad Binz. Weil der Zugteil nach Altona fehlt, hält man aber doch in Hamburg und wendet dort nach Schwerin, aber das weiß der Zug halt nicht und so weiter und so fort.

    Abends ist es nach Hause etwas entspannter, sofern man denn den Fernverkehr bezahlt hat, denn der RE 3 fällt gerne mal just in den Stoßzeiten aus — und dann sitzt man als Pendler im Zweifelsfall eine ganze Stunde am Bahnhof herum.