Der Weltuntergang naht:
Und auf facebook blubbert schon der übliche Shitstorm — Morddrohungen inklusive.
Der Weltuntergang naht:
Und auf facebook blubbert schon der übliche Shitstorm — Morddrohungen inklusive.
Was ich ja bei sowas immer ganz interessant finde: Weiß die Behörde überhaupt, dass
mit Schrittgeschwindigkeit einhergeht? Oder geht man wie in Eckernförde davon aus, man habe sich da eine Tempo-20-Zone angeordnet?
Ich finde es ja immer wieder interessant, wenn ein Bus eine Panne hat und sich dann gerade noch so in die nächste Bushaltestelle retten kann. Dort steht er dann mit eingeschalteter Warnblinklichtanlage und wartet auf seinen Werkstattwagen.
Und was sagt die Straßenverkehrs-Ordnung dazu? In § 20 Abs. 4 StVO steht:
[stvo]An Omnibussen des Linienverkehrs und an gekennzeichneten Schulbussen, die an Haltestellen (Zeichen 224) halten und Warnblinklicht eingeschaltet haben, darf nur mit Schrittgeschwindigkeit und nur in einem solchen Abstand vorbeigefahren werden, dass eine Gefährdung von Fahrgästen ausgeschlossen ist. Die Schrittgeschwindigkeit gilt auch für den Gegenverkehr auf derselben Fahrbahn. Die Fahrgäste dürfen auch nicht behindert werden. Wenn nötig, muss, wer ein Fahrzeug führt, warten.[/stvo]
Das macht natürlich niemand — und vermutlich kennt auch kaum jemand diese Regelung. Schon die Sache mit dem Schulbus und der Warnblinklichtanlage geht ja meistens schief — vermutlich auch deshalb, weil in ungefähr 90 Prozent der Fälle das Warnblinklicht eine Panne ankündigt und gar nicht als Geschwindigkeitsbegrenzung beabsichtigt ist.
Total gut haben das diese beiden Busse während der Radreisemesse in Hamburg gelöst:
Und dann steht dahinter noch ein Bus, bei dem man nicht erkennen kann, ob er nun auch die Warnblinklichtanlage eingeschaltet hat oder ob er jetzt gleich aus der Haltestelle losfahren will. Da gab’s dann bei jedem zweiten Kraftfahrzeug eine plötzliche Vollbremsung:
Und der Senat dieser Stadt wollte sich für Olympia bewerben ...
Ich gehe davon aus, dass die so genannten Radschnellwege zum Teil auch in dieser hier zu sehenden Qualität gebaut worden wären.
Auf der östlichen Seite der Hoheluftchaussee wurden die Radwege erneuert. Das funktionierte dieses Mal offenbar auch mehr oder weniger freiwillig, anscheinend wurde nicht an irgendwelchen Versorgungsleitungen unterhalb des Radweges gearbeitet.
Die Radwegbreite wurde bei einem knappen Meter belassen und ich bin gespannt, ob die lustigen roten Platten in einem halben Jahr genauso uneben sind wie der schwarze Belag, der vorher dort drauf war.
Ein Glück für die Behörde, dass ein renitenter Kampfradler die blauen Schilder weggeklagt hat — sonst wäre man mit einer kilometerweiten Unterschreitung der Mindestmaße langsam echt in Kalamitäten geraten.
Natürlich ist es auf dem ersten Blick ungewöhnlich, wenn man sich rechts einordnen soll, um links abzubiegen, und auf der linken Spur für die Geradeausfahrt bleiben soll. Aber ich persönlich sehe nicht, dass das z. B. einen Ortsunkundigen in Verwirrung stürzen kann. Die Spuren sind ja durch Pfeile gekennzeichnet und so unübersichtlich ist die Stelle auch nicht, dass man den Sinn dieser Verkehrsführung nicht sofort versteht.
Als Radverkehrspolitik-Malte hätte ich mich an dieser Stelle wegen des Vorwegweisers gewundert, wie ich wohl geradeaus fahren kann.
Kurz vor der Kreuzung hätte ich mich dann hier auch noch kurz gewundert: Ich will geradeaus, aber geradeaus ist hier rechts. Und links? Fahre ich dann auf der falschen Straßenseite zum Bahnhof oder wie oder was? Ach nee, danach steht man dort.
Ja, auf den zweiten Blick leuchtet es mir ein, aber auf den ersten Blick blicke ich da eben nicht sofort durch, wenn man beispielsweise die Hamburger Radverkehrsinfrastruktur gewohnt ist. Und das sehe ich eben auch als Problem an: In der einen Stadt wird man an eine bestimmte Art von Infrastruktur gewöhnt, in einer anderen Stadt läuft das wiederum ganz anders. In Hamburg wären die ganzen Gehwege in den Häuserschluchten bis vor ein paar Jahren mit Sicherheit mit Zeichen 240 verziert worden, heutzutage stünde dann dort
mit
. Ich glaube, das kapiert ein normaler Mensch mit nicht so ganz viel Fahrrad-Erfahrung gar nicht so richtig.
Hier gibt es zwar - nach meinem Empfinden - verhältnismäßig viele Geister- und Gehwegradler. Dass sich aber ausnahmslos alle Radfahrer so verkehrswidrig verhalten, würde ich nicht unterschreiben.
In diesen Häuserschluchten oder an sonstigen stark befahrenen Straßen ohne Radweg habe ich tatsächlich keinen einzigen Radfahrer wahrgenommen, der auf der Fahrbahn gefahren wäre. Gerade im Feierabendverkehr liegt das aber auch sicherlich daran, dass viele Radfahrer keine Lust haben, sich im Stau anzustellen, und diejenigen, die sich nicht für die Gehwegradelei begeistern können, fahren dann eben eine andere Strecke entlang.
Aber wo sind dir denn nicht verständlichen Verkehrsregelungen aufgefallen und wo solltest du die Straßenseite wechseln, ohne dass es die Möglichkeit dazu gab? Das würde ich mir gern selbst mal ansehen
Jetzt auf die Schnelle fällt mir beispielsweise diese Stelle ein, ich glaube, Streetview und Satellit sind dort nicht mehr aktuell, aber wenn man von Osten kommt und nach Süden über die Brücke fahren will, muss man sich erstmal einen Überblick verschaffen, wie sich die Verwaltung das wohl gedacht hat. (Die schöne Aussicht war ja sowieso geil: Da parkte ein SUV so frech auf dem Gehweg, dass ich meinen Rucksack abnehmen musste, damit ich mich seitwärts an der Hauswand vorbeischieben konnte.)
Oder sowas hier: Meines Erachtens eine ungewöhnliche Lösung, um den Radverkehr das Geradeausfahren zu ermöglichen, kapiert man das auch als Ortsunkundiger?
Ich war ja letzte Woche für ein paar Tage in Frankfurt und habe ja nicht schlecht gestaunt. Da quetschen sich drei, vier oder fünf Fahrstreifen in enge Straßenschluchten, im Feierabendverkehr geht an den Kreuzungen überhaupt nichts mehr, weil der jeweilige Querverkehr im Wege steht, und ausnahmslos alle Radfahrer düsen ordnungswidrig auf den Gehwegen herum. Ist das immer so?
Und wenn es mal eine Infrastruktur für Radfahrer gibt, dann kommen alle paar hundert Meter Verkehrsregelungen, die ich nicht verstehe. Da soll man dann irgendwie auf der anderen Straßenseite weiterfahren, hat aber keine Möglichkeit, die Straßenseite zu wechseln und so weiter und so fort. Das ist ja ungelogen der reinste Horror.
Mal ganz im Ernst: Ich lese überall, man hätte auf dem Radweg gemütlich den Blick auf die Alster genießen können, aber ich kann mir nicht vorstellen, wie das funktionieren soll.
Erstmal verlief der nunmehr entfernte Radweg nicht allzu weit von der Fahrradstraße entfernt, so viel schlechter kann die Sicht ja eigentlich nicht sein. Oder sind jene Radfahrer gar nicht auf dem Radweg, sondern womöglich ordnungswidrig auf den wassergebundenen Flächen zugange gewesen?
Und wenn ich mir dann vorstelle, dass auf einem anderthalb bis zwei Meter breiten Radweg mit Begegnungsverkehr, Rollstuhlfahrern, Kinderwagen, Joggern und Spaziergängern ein Radfahrer aus dem Gegenverkehr den Blick auf die Alster genießt, dann semmelt der doch wohl umgehend irgendwo rein; mit Glück ins Straßenbegleitgrün, mit Pech in einen unschuldigen Verkehrsteilnehmer.
Das finde ich nämlich auch am Nord-Ostsee-Kanal total geil: Da gibt’s in der Regel links und rechts des Kanals diese Wirtschaftswege, auf denen man mit dem Rad fahren darf. Und auch wenn der Kanal nicht überall so schnurgerade wie auf dem verlinkten Foto verläuft, so hat man beinahe immer einen sehr großzügigen Blick nach vorne, weil Schiffe nunmal einen ordentlichen Kurvenradius haben und die beiden Wirtschaftswege diesem Radius folgen. Da kann man stellenweise schon zwei bis drei Kilometer weit gucken, was da an Gegenverkehr auf dem Wirtschaftsweg angeradelt kommt. Die „Genussradler“, zu denen ich mich dort am Kanal ja auch hin und wieder zähle, fahren nebeneinander, weil man sich ja unterhalten will, aber wenn’s dann Traumschiffe zu beobachten gibt, dann radeln einen die Leute echt über den Haufen. Man kann wirklich beobachten, wie die auf diesen fünfzig Zentimeter breiten Platten blind geradeaus fahren, weil sie die Schiffe auf dem Kanal im Blick haben und gar nichts merken.
Und dieses Verhalten habe ich immer im Hinterkopf, wenn mir da jemand erklärt, man habe früher vom Radweg aus so schön die Alster beobachten können.
Ich schaue mir ja auch gerne die Landschaft an, durch die ich gerade fahre, aber ich bin der Meinung, dass just dieser gerade entfernte Radweg nun wirklich nicht dafür geeignet ist, neben dem Radfahren noch die Natur zu genießen. Dafür ist dort einfach zu viel Betrieb.
Es gab gerade eine Nachfrage, warum denn die Links in einem anderen Beitrag von mir so komisch aussehen und mit „sqi.be“ beginnen.
sqi.be ist nichts anderes als tinyurl.com oder bit.ly, nämlich ein „Linkverkürzer“; jedoch mit dem Unterschied, dass ich sqi.be selbst betreibe. Im Hintergrund läuft die Software YOURLS, mit der sich Links über einen Administrationsbereich kürzen und speichern lassen. Tatsächlich zählt YOURLS auch, wie oft auf einen Link geklickt wird und das schaue ich mir hin und wieder aus Neugierde an — IP-Adressen und ähnliches werden nicht gespeichert.
Ich nutze sqi.be primär aus drei Gründen:
Die Walddörferstraße in Hamburg soll ja eventuell zu einer Fahrradstraße ausgebaut werden. Bei Google News finden sich dazu Dutzende Artikel.
Die Walddörferstraße ist bislang mit dem Rad eher… schwierig zu befahren. Es gibt stellenweise Flächen auf dem Gehweg, die den Anschein eines Radwegs machen, der allerdings an der nächsten Querstraße wieder endet, woraufhin sich dann ein reiner Gehweg anschließt. Dann gibt es teilweise „echte Radwege“ ohne Benutzungspflicht, die aber auch nicht besonders lang sind und dann eben nicht an der nächsten, sondern an der übernächsten Querstraße wieder enden.
Am westlichen Ende der Walddörferstraße ist diese Stelle legendär, bei der man als Radfahrer, der entgegen der Streetview-Blickrichtung fährt, zum Geradeausfahren dem verschwenkten Fahrstreifen folgen muss, während gleichzeitig die Kraftfahrer hinter einem endlich überholen wollen. Rein vom Gefühl her ging das jedes zweite Mal schief, als ich dort langgefahren bin, weil der Kraftverkehr auch keine Radfahrer auf der Fahrbahn duldet. Dementsprechend fahren ähnlich wie im Grandweg gefühlte 80 oder 90 Prozent der Radfahrer ordnungswidrig auf dem Gehweg herum und haben dort natürlich keine Probleme.
Die Walddörferstraße wird im Norden vom Friedrich-Ebert-Damm, im Süden von der ehemaligen Bundesstraße 75 flankiert — beides bestens ausgebaute und breite Straßen, die noch nach dem Vorbild der autogerechten Stadt entworfen wurden und eine entsprechend autozentrierte Aufteilung des Straßenraumes bieten. Für Radfahrer besteht innerhalb dieser Relation die Möglichkeit, teilweise ordnungswidrig, aber geduldet über die verschlungenen Wege entlang der Wandse zu fahren. Nach meiner Erinnerung ist dort mit wassergebundenen Oberflächen und mit Fußgängern zu rechnen, das ist also mehr eine sonntägliche Gute-Laune-Strecke als eine wirkliche Alternative für den Radfahrer, der einigermaßen schnell zum Ziel kommen will.
Gegen die Pläne einer Fahrradstraße hat sich die IG Walddörferstraße. Man mag ja gerade als Gewerbetreibender einer Fahrradstraße tatsächlich skeptisch gegenüberstehen, aber beim Durchlesen deren Webseite habe ich das Gefühl, dass die überhaupt nicht wissen, was eine Fahrradstraße überhaupt ist. Es geht ja gar nicht darum, jeglichen Kraftverkehr zu unterbinden und Anwohner und Gewerbetreibende zu zwingen, ihren Kram mit der Schubkarre nach Hause zu bringen und alles der Herrschaft der renitenten Radfahrer unterzujochen, sondern um eine Fahrradstraße, auf der nach meiner Kenntnis noch nicht einmal der Durchgangsverkehr verboten wird. Das ist also eigentlich nicht viel mehr als eine olle Tempo-30-Zone, nur das man anstelle des
eben ein
mit „Kraftverkehr frei“ aufstellen wird.
Das tut niemandem weh, das wird niemandem davon abhalten, trotzdem als Abkürzung mit dem Auto durch die Walddörferstraße zu fahren, eigentlich wird sich nichts ändern, denn an die Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde wird sich eh niemand richten.
Vielleicht ringt man sich ja doch zu einem
durch — aber ich mag nicht so richtig glauben, dass man aus dem Desaster am Harvestehuder Weg tatsächlich gelernt hat.
BTW: Komisch, dass die IG Walddörferstraße zur Illustrierung ihres Anliegens kein anderes Symbolfoto gefunden hat als einen dunkel gekleideten Radfahrer, der an einer Kreuzung auf der falschen Straßenseite durch den fließenden Querverkehr düst. Da weiß man auch gleich wieder, woher der Wind weht.
Zeit ist das Problem. Ich hab angefangen bin aber leider nicht weit gekommen.
Das sieht bei mir leider momentan ähnlich aus. Danke für den ersten Teil der Anleitung, ich werde mich bei Gelegenheit auch noch daran setzen, aber momentan fehlt mir etwas die Ruhe dazu. Mal sehen, ob ich im Laufe des Tages noch ein paar Bilder auf die Seite bauen kann.
Offenbar gab es ja bei Google Maps ein technisches Update, so kann man mittlerweile ja tatsächlich stufenlos zoomen — aber kann jemand bestätigen, dass sich bei der Navigation für Radfahrer etwas geändert hat?
Beispielsweise möchte ich vom Eidelstedter Platz in die Hamburger Innenstadt fahren. Während ich dort an der Route herumarbeitete, merkte ich, dass Google mich andauernd durch irgendwelche Seitenstraßen führen möchte. Weil ich aber auf verwinkelte Wohngebiete nicht so richtig Lust hatte, zog ich ein paar Wegpunkte auf die Hauptverkehrsstraßen und stellte fest, dass Google mich weiterhin durch die Wohngebiete lotsen wollte, aber immer dort, wo ich einen Wegpunkt gesetzt hatte, irgendwie durch eine Querstraße zu meinem Wegpunkt an der Hauptverkehrsstraße fuhr, um dann sofort in die Gegenrichtung durch die gleiche Straße zurückzufahren und weiter durchs Wohngebiet zu fetzen. Das lief so ähnlich nach dem Motto: Bloß nicht die Kieler Straße entlangfahren!
Nun hatte ich die Nase voll und dachte, wenn das Wetter morgen mitspielt, dann fahre ich halt unten an der Elbe lang. Also vom Eidelstedter Platz bis Blankenese und von dort an der Elbe bis in die Innenstadt, die berühmte Schiebestrecke inklusive. Während ich dann an der Route herumzog, fiel mir auf, dass mich das Ding überhaupt nicht auf der Elbchaussee fahren lässt. Klar, das hatte ich ohnehin nicht vor und das ist auch eine ganz sympathische Überlegung, nur verstehe ich nicht, wie Google darauf kommt. Das sieht beispielsweise so aus: Der will um jeden Preis durch die Bernadottestraße fahren, koste es was es solle. Für jeden Wegpunkt auf der Elbchaussee wird von der Bernadottestraße abgebogen und sobald wie möglich wieder zurückgefahren. Das ist doch irgendwie seltsam.
Nun scheint mir das aber generell plötzlich bei der Fahrradnavigation so zu laufen: Google Maps mag plötzlich Wohngebiete und meidet einige Straßen. Hat man da jetzt versucht, irgendeine Art von Beliebtheit der Routen mit einzuberechnen und weil außer ein paar Kampfradlern niemand auf der Elbchaussee fährt, will Google dort auch nicht langfahren? Oder ist das einfach ein Bedienungsproblem auf meiner Seite?
Und darum gibt es Sicherheitsabstände:
Ich finde leider momentan noch keine Zeit zum Tippen eines Berichtes, aber einige Fotos könnt ihr euch derweil hier ansehen:
Ja, schaut, genau solche Diskussionen wollte ich auf der Seite selbst — wie auch immer sie denn konzipiert sein mag — vermeiden: Es gibt eben Verkehrsteilnehmer, die diesen Radweg an der Hamburger Meile toll finden und es gibt welche, die grundsätzlich nicht auf Radwegen fahren und es gibt welche, die aus Sicherheitsgründen nur auf dem Gehweg fahren. Diese verschiedenen Meinungen stehen nunmal im Raum, die wird man nicht auf einen Nenner bringen können. Das Verständnis von einer „guten Radverkehrsinfrastruktur“ geht wohl weit auseinander und ich denke, die Seite sollte sich konzeptionell nicht in diese Richtung bewegen.
Ah, Du hast also auch das Gefühl das diverse Überschriften zu Artikeln nur der Bauernfängerei dienen, der eigentliche Artikel dann etwas ganz Anderes aussagt und selbst *das* dann noch komisch aussieht.
Die Sache mit diesen teilweise ganz offensichtlichen Clickbait-Überschriften ist noch mal ein ganzes Kapitel für sich. Wenn jetzt in den nächsten Wochen pünktlich zum Start der Fahrradsaison wieder die ganzen Erklär-Artikel mit den Verkehrsregeln für Radfahrer veröffentlicht werden, dann werden die Überschriften wieder nicht lauten „Diese Regeln gelten für Radfahrer“, sondern „Radfahrer gegen Autofahrer: Das dürfen sich Radfahrer alles erlauben“. Die Sache mit dem Krieg auf der Straße bringt nunmal mehr Aufmerksamkeit, mehr Reichweite und indirekt dann auch mehr Kohle.
Nur setzt man Radfahren damit eben in ein aggressiven Kontext. Ich weiß nicht, ob meine Überlegungen eventuell schon zu weit führen, aber wenn man „Radfahrer“ ständig im Kontext mit „Krieg auf der Straße“ oder „Kampfradlern“ und ähnlichen Begriffen liest, dann beeinflusst das meiner Meinung auch mittelbar die Einstellung des Lesers. Und der Leser denkt sich dann, wenn er hinter dem Lenkrad sitzt, angesichts eines Radfahrers, der „trotz Radweg mitten auf der Straße“ fährt bestimmt nicht, oh, der darf da ja fahren, ich überhole ihn mal mit dem vorgeschriebenen Mindestabstand, sondern der wird sich eher ärgern und sich bewusst oder unbewusst zu einem eher schmal ausfallenden Abstand hinreißen lassen — und eventuell kommuniziert er seinen Frust noch über die Hupe.
Mir lief dieser Tag dieses ziemlich nervenaufreibende .gif über den Weg - weiß jemand, ob das aus einem Film ist, und wenn ja, aus welchem?
Das müsste Premium Rush sein.
DIE ZEIT berichtet heute auch über diesen Sicherheitsabstand: Wie viel Abstand muss sein?
Ich ziehe aus alledem den Schluss, immer wieder in die Debatten zu gehen, immer wieder die eigenen Argumente sachlich und charmant vorzutragen und die "gegnerischen" genauso zu widerlegen, auf böse verbale Ausrutscher hinzuweisen und auch mal einen Verweis auszusprechen - und es trotzdem gut zu finden, dass drüber geredet wird. (Ich bin in einigen Kommentarspalten und Timelines unterwegs, unter verschiedenen Alias, und engelszunge meinen Teil.)
Das habe ich inzwischen aufgegeben, das tue ich mir — mit einigen Ausnahmen — einfach nicht mehr an. Einerseits kostet es mich zu viel Zeit und Energie und im Endeffekt kommt außer Frust nichts bei herum, weil die meisten der Leute dort gar nicht kommentieren, sondern nur ihren Frust abladen wollen. Und selbst wenn ich mir eine Viertelstunde Zeit nehme, jemanden zu erklären, dass man nicht auf jedem buckeligen Radweg fahren muss und dass es auch für alle Verkehrsteilnehmer Vorteile haben kann, wenn man nicht „wie aus dem Nichts angeschossen“ kommt, weil man hinter parkenden Kraftfahrzeugen auf dem Radweg herumdüst, kommt in der Regel entweder gar keine Antwort zurück, weil der Gesprächspartner längst das Interesse an der Unterhaltung verloren hat oder er kapiert überhaupt nicht, was ich da schreibe, oder er hält mich für einen Klugscheißer und wünscht mir einen langsamen Tod unter dem nächsten Lastkraftwagen.
Und andererseits denke ich mir mittlerweile, dass es nicht zu meiner Verantwortung gehört, diese Art von „Counter-Speech“ zu betreiben. Unter einem bestimmten Blickwinkel gehören diese Hass-Kommentare nicht nur indirekt zum „Geschäftsmodell“ von facebook, sondern auch zum „Geschäftsmodell“ der jeweiligen Medienhäuser, die ihre Artikel dort zur Kommentierung veröffentlichen. Jeder Kommentar erhöht nunmal die Reichweite des Artikels und davon profitieren sowohl facebook als auch die jeweilige Zeitung mehr oder weniger direkt — und diese Hass-Kommentare sind nunmal ganz hervorragend geeignet, um die Reichweite zu erhöhen. Nur darum verlinken die Zeitungen ja überdurchschnittlich viele Artikel zum Thema Straßenverkehr und insbesondere zum so genannten Krieg auf der Straße, aber kaum etwas über trockene Politik — Politik interessiert die facebook-Nutzer nicht, das bringt keine Reichweite und dadurch auch keinen Profit. Ich sehe es einfach nicht mehr als meine Aufgabe, in diesen Kreislauf einzugreifen und diesen Shitstorm irgendwie zu bändigen, der von den Verlagen vorsätzlich losgetreten wird, von dem die Verlage eben auch finanziell profitieren.