Wie geht das?Wie kann man dort jemanden übersehen?
Oder, was ja leider systemimmanent für Schutzstreifen ist: Den Sicherheitsabstand von vornherein großzügig unterschritten und anschließend noch ein bisschen mit dem Anhänger herumgeschlenkert.
Wie geht das?Wie kann man dort jemanden übersehen?
Oder, was ja leider systemimmanent für Schutzstreifen ist: Den Sicherheitsabstand von vornherein großzügig unterschritten und anschließend noch ein bisschen mit dem Anhänger herumgeschlenkert.
Gerade gesehen:
Los geht’s um 17.30 Uhr am Hachmannplatz, Schluss ist offenbar eine Dreiviertelstunde später in Wandsbek.
@mir hat drüben im Verkehrsportal mal bemängelt, dass sich die Polizei immer mehr aus dem Straßenverkehr zurückziehe und das dadurch entstandene Vakuum eben mitunter von aggressiven Verkehrsteilnehmern gefüllt würde.
Bei der Huffington Post wird noch mal die Geschichte von der Berliner Polizei aufgewärmt, die angeblich bei Fahrraddiebstählen nicht mehr ermitteln will, weil es sich nicht lohne:
war eher langweilig . . . .
Ungefähr so wie die Talk-Runde am Donnerstag oder die Veranstaltung in der Hamburger Botschaft?
Shit — ich fürchte, ich muss meine Teilnahme zurückziehen, mir ist da leider arbeitsmäßig etwas dazwischen gekommen
Mag bitte jemand berichten, wie es war?
Edit: Vielleicht klappt es doch — mal sehen.
Ich könnte so gegen 17.30 Uhr dort sein — meinetwegen gerne vorher treffen.
Nun habe ich vor lauter Aufregung die dazugehörigen Bilder vergessen — ich reiche die morgen oder übermorgen nach, dann versteht man ein bisschen von dem zusammenhanglosen Gebrabbel ein bisschen besser.
Das Schicksal einer Podiumsdiskussion lässt sich womöglich schon auf einen Blick erfassen: Vor dem Bucerius-Kunst-Forum gibt es keine Fahrradständer.
Das macht zwar nichts, denn bekanntlich ist Hamburg eine schöne Stadt, weil sie viele Brücken hat, an denen man Räder anschließen kann, aber ein bisschen richtungsweisend ist die Sache schon.
Und dann sitzen im Publikum primär Damen und Herren, die vermutlich regelmäßig diese „Zur Sache, Hamburg“-Debatten um der Debatte Willen besuchen, aber mit Radverkehr im Allgemeinen eher weniger am hübschen hanseatischen Hut haben. Das ist zwar eigentlich kein Problem, denn der Mobilitätswandel ist ein Thema, das uns alle etwas angeht, aber… naja, ein bisschen… tja, ein bisschen fraglich ist da schon, auf welchem Niveau denn hier diskutiert wird. Tendenziell berichtet die ZEIT, die hoffentlich mit der veranstaltenden ZEIT-Stiftung etwas zu tun hat, recht objektiv und vor allem sachlich beinahe einwandfrei über Radverkehrsthemen, aber, naja, man kennt das ja, ein Großteil der Leute ist mit den Regeln für Radfahrer gänzlich überfordert.
Immerhin hat man große Pläne, die Losung des heutigen Abends lautet: „Straßenkampf in der Hanesstadt oder Lassen sich Fahrrad- und Autoverkehr versöhnen?“
Darüber diskutieren heute unter Moderation von Patrik Schwarz:
Definitiv eine interessante Zusammensetzung des Podiums — mal sehen, was an Sachlichkeiten dabei herumkommt.
Die Einführug übernimmt eine Mitarbeiterin der ZEIT, die um eine rege Beteiligung des Publikums bittet — während das Publikum schon jetzt jedes Mal auflacht, wenn Begriffe wie „Verkehrsregeln“, „Fahrradstadt“ und „Radweg“ fallen — ich vermag allerdings nicht einzuordnen, aus welchem Grunde.
Das Podium sei bewusst klein gewählt, erklärt Patrik Schwarz daraufhin, denn die eigentlichen Experten säßen im Publikum. Das verspricht ja großartig zu werden, womöglich toppt das noch diverse Wutbürger-Veranstaltung des Harvestehuder Weges.
Oder auch nicht: Schwarz ruft zum Griff zu den roten oder grünen Karten auf — rot zeigt, wer mit dem Auto gekommen ist, grün, wer mit dem Fahrrad anlandete. In einer zweiten Runde darf auch noch grün zeigen, wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln angereist ist.
Peter Lohmeyer wird begrüßt, er ist „fahrradfreundlichste Persönlichkeit 2016“. Das geht ganz einfach, man kriegt eine E-Mail, ob man mit dem Titel einverstanden ist und weiß überhaupt nicht, was mit dem Titel eigentlich gemeint ist. Dann nimmt man den Preis an oder auch nicht, aber falls ja, bekommt man einen Helm und eine lustige Statue. Es stellt sich heraus, dass Lohmeyer sich wohl positiv gegenüber dem Fahrrad geäußert hat — ansonsten aber nicht so ganz viel mit Fahrrädern zu tun hatte.
Schwarz sucht eines dieser Interviews heraus und zitiert: „Helmmäßig bin ich nicht so der Typ.“ Oh, wie passt das denn? Das habe mit dem Umgang mit dem Rad zu tun, meint Lohmeyer, er führe mit dem Rad zum Biomarkt, aber weil er vor dem Biomarkt sein Rad nicht abschließe, könne er auch den Helm nicht anschließen, also bliebe der Helm im Keller, denn mal ist der Helm zu warm oder nicht und im Winter passe die Mütze nicht, aber naja. Damit der Helm nicht so lange im Keller bleibt, sondern vielleicht auch mal einen Kopf schützt, wird er heute Abend noch verlost gegen jemanden, der drei vernünftige Sätze darlegen kann, warum er so einen Helm brauche.
Hmm.
Schwarz will noch mal wissen, ob Lohmeyer tatsächlich sein Rad nicht anschließt, aber es handle sich um ein Experiment, denn ihm würden nur Räder gestohlen, die er sorgfältig anschließt. Also ließe er das bleiben, das mit dem Anschließen, und das klappe ganz gut.
Ah, Schwarz fragt, ob Lohmeyer nur Fahrradfahrer oder Fahrradideologe wäre. Lohmeyer bezeichnet sich aber als Ideologe, weil er nicht nur mit dem Rad zum Biomarkt fährt, sondern sogar zum Bahnhof, wenn er mit dem Zug fahren müsse (dann würde das Rad aber abgeschlossen) und sich sogar am Zielort ein Rad leiht (oder in Berlin sogar ein Schrottrad stehen hat).
Es geht noch um dies und das und ob man Fahrräder nur leiht und nicht stiehlt, wenn man es nach ein paar Monaten wieder an den ursprünglichen Platz stelle, eigentlich ganz lustig, aber so richtig kommt noch nichts sachliches bei rum.
Nun ist Thomas Lohse dran und berichtet erstmal von ein paar schlechten Erfahrungen, die sehr grenzwertig seien. Es komme regelmäßig vor, dass seine Taxi-Fahrer sich mit Radfahrern in die Wolle bekommen. Es komme regelmäßig vor, dass Radfahrer seinen Taxis in die Türen träten — der Taxifahrer habe dann einen dicken Hals, Radfahrer aber leider dicke Waden, mit denen sie dann das Heil in der Flucht suchten.
Hmm. Das sind immer die schönsten Geschichten, aber womöglich gibt es noch eine Vorgeschichte — oder steht da einfach ein Taxi am Fahrbahnrand, ein Radfahrer kommt vorbei und tritt einfach in die Tür? Da passiert doch eigentlich meistens noch mehr — nur wird das natürlich von Lohses Angestellten eher nicht berichtet werden.
Ein Gast aus dem Publikum: „Taxifahrer als Heilige darzustellen finde ich echt scheiße.“ Ui, es wird ja wirklich lustig!
Eine weitere Wortmeldung von jemandem, der zwar mit dem Auto hier ist, dem aber als Radfahrer schon mal der Kragen geplatzt wäre: „Ich finde, Radfahrer müssten respektvoller gegenüber Fußgängern umgehen! (…) Und das Argument von Herrn Lohse kann ich nachvollziehen, es gibt auch respektlose Radfahrer. (…)“
Noch mehr Wortmeldungen. Ein älterer Herr berichtet, er habe schon mal einen Radfahrer gesehen, der… ach nee, gar nicht, der berichtet, er habe schon mal einen Autofahrer gesehen, der mit dem Auto auf dem Radweg geparkt hätte, woraufhin er mit der Faust an die Scheibe geschlagen hätte.
Okay, ja, warum nicht.
Der nächste ist dran: Jemand bemängelt die fehlende Rückbesinnung auf § 1 StVO. Es ginge nicht an, dass den Autofahrern immer mehr Platz weggenommen würde, man müsse sich wieder auf gegenseitige Rücksichtnahme zurückbesinnen.
Frank Driescher ist dran, der damals über die Posse an der Walddörferstraße berichtete. Lohse kommt gar nicht mehr so richtig zu Wort mit seinen Geschichten über radikale Taxi-Tür-Treter.
Driescher meint, Hamburg wäre als autogerechte Stadt aufgebaut worden, in der Radfahrer quasi als Eindringlinge in das motorisierte Revier angesehen würden. Nächster Halt Fahrradstadt: „Das große Wort Fahrradstadt für diese kleine Modernisierung.“ Autofahren wäre ein Lebensstil, der darauf aufbaue, dass Autofahrer darauf angewiesen wären, dass andere Menschen keine Autofahrer wären. Lohse wird um seine Meinung gebeten, hat aber offenbar nichts dazu zu sagen und wirkt ein bisschen angefressen.
Schwarz möchte eigentlich einen Kraftfahrer zu Wort kommen lassen, denn Kraftfahrer kämen in der heutigen politischen Zeit nicht so richtig zu Wort. Es findet sich aber kein Kraftfahrer.
Eine weitere Dame zeigt auf und bemängelt, Scholz habe nur gesagt, Hamburg würde Fahrradstadt — aber es würde mit ihm kein Auto weniger geben. Dabei wäre mehr notwendig als hier und da kleine Verbesserungen. Warum warte man so lange, diese Stadt wirklich zu einer lebenswerten Stadt zu wandeln?
Nun findet sich eine leidenschaftliche Autofahrerin, die aber alle Seiten kennt, wie man so schön sagt, die aber auch nicht Partei für den Kraftverkehr ergreifen mag, sondern eher die schmalen Schutz- und Radfahrstreifchen zu unsicher empfinde.
Ja, Herrgottnocheins, gibt’s denn hier niemanden, der mal auf den Tisch haut? Wo bleiben denn die Vorwürfe ween der Straßensteuern und sowas?
Noch jemand kommt zu Wort, es gäbe mal früher Vorschläge, wie man gut Auto fährt. Sowas bräuchte man heute auch, es müssten die Regeln für Radfahrer erklärt werden. Er bemängelt, dass Radfahrer nicht wüssten, wie man sich am Fußgängerüberweg verhalte und verbotenerweise mit dem Rad drüber fahren — obschon die Sache von der ZEIT schon erklärt wurde. Man muss es halt nur lesen und verstehen.
Jemand anders erzählt von seinem Fahrrad, dass er mit acht Jahren bekommen hat, als er noch nicht mal bis zum Sattel reichte. Er führe in engen Straßen in der Fahrbahnmitte, damit ihn niemand eng überholte.
Noch jemand erzählt, er habe mal in Berlin gewohnt und meint, die Stadt wäre zu groß zum Radfahren, denn wer nicht im Stadtzentrum wohne, könne nicht mit dem Rad fahren. Gut, ich wohne in Eidelstedt, das definitiv nicht dem Stadtzentrum angehört, aber mit dem Rad bin ich trotzdem hier.
Driescher berichtet, in den Randbezirken wohnten mehr Menschen als in der Innenstadt, aber in der Innenstadt wären mehr Autos angemeldet. Lohmeyer erklärt, man müsse ja nicht immer den ganzen Weg mit dem Rad fahren, man könne auch zwischendurch in die S-Bahn steigen, also verschiedene Arten der Mobilität kombinieren.
Schwarz startet die nächste Abstimmung: Grüne Karte für mehr Fahrradstadt, rot für „es reicht!“
Schwarz bittet um Wortmeldungen.
Der Erste berichtet, ein Modal-Split von 25 Prozent wäre genug, die Stadt wäre auf einem guten Weg, es müsse noch mehr fürs Rad getan werden, aber 25 Prozent wären zu ambitioniert.
Endlich! Es geht los! Die Zweite meint: Radfahrer müssten eine Fahrprüfung ablegen und ein kleines Nummertaferl bekommen, schließlich würde man oft genug als Fußgänger beinahe totgefahren.
Lohse wird zu der Sache mit den Nummerschildern befragt, aber er hält das für unsinnig, allein schon beim Verwaltungsaufwand bei über 80 Millionen Rädern. Er lobt die Arbeit der Fahrradstaffel, die bei einer weiteren Verdichtung des Verkehrs unabkömmlich wäre (die ja bekanntlich abseits von Licht-Kontrollen eher im Hintergrund bleibt), denn wenn sich Radfahrer an die Regeln hielten, passiere ja nicht so viel.
Lohmeyer legt los, dass diese Sache mit der Regelbefolgung der Radfahrer vor allem auch der unbrauchbaren Infrastruktur geschuldet wäre. Gäbe es eine brauchbare Infrastruktur, die nicht ständig zu übemenschlichen Manövern zwinge, klappe es auch besser mit der Regelbefolgung. Die Zeit, in der Autofahren in der Spaß bedeutet hätte, wäre vorbei, heute ginge es primär um Mobilität, nicht um Spaß. Das hatte vorhin ein Zuschauer bemängelt.
Nächste Wortmeldung: Die Stadt würde immer noch für den Kraftverkehr geplant, vor allem über vier Räder erschlossen, so dass die Infrastruktur für Zweiräder eher an den Rand gedrängt würde.
Schwarz zitiert nun aus einer Umfrage: „Was kann man ihrer Ansicht nach gegen Aggressionen im Straßenverkehr tun?“ Antwortmöglichkeiten waren: „Stärkere Polizeipräsenz“, „intelligentere Verkehrswege“ und „eigene Rücksichtnahme“.
Platz 1, 78 Prozent, habe der Vorschlag mit den intelligenteren Verkehrs erobert.
Platz 2 mit 59 Prozent (muss 78 plus 59 nicht hundert ergeben?) bekam die eigene Rücksichtnahme.
Warum aber behauptet die CDU weiterhin, gegen die Probleme im Straßenverkehr helfe nur der Holzhammer mit mehr Kontrolle, obwohl der Verkehrsteilnehmer mit seiner Konsensmeinung schon viel weiter wäre. Bei der Diskussion kommt aber nicht so richtig was rum.
Nun wird Taxi-Chef Lohse zu Hochbordradwegen befragt. Seine Antwort: „Ist schweinegefährlich.“ Er beruft sich auf E-Fahrräder, die damit sogar 20 oder 25 Sachen führen, das könne sich nicht mehr zwischen den Fußgängern auf den Hochbord-Radwegen abspielen. Der Fahrradverkehr gehöre auf die Straße.
Aufgeregte Wortmeldungen!
„Die Elbvertiefung ist ein Kampfblatt für die Radfahrer!“ Der Herr bezieht sich auf ein Interview mit dem Fahrradpapst aus Kopenhagen, der sich ganz klar für Separation ausgesprochen habe. Warum mache Hamburg das Gegenteil?
Lohse: Man wolle hunderte Kilometer Radwege bauen, aber kein Geld dafür ausgeben, also male man einfach nur Streifen auf die Fahrbahn. Aus politischen Gründen gäbe es keine andere Möglichkeiten, außerdem mangele es an Platz. Es wäre politisch gewollt, den Radverkehr auf der Fahrbahn von Hauptverkehrstrassen zu führen — warum nicht durch Grünanlagen oder Parallelstraßen?
Schwarz fragt, warum man denn früher auf Hochbordradwege gesetzt hätte, warum wäre das jetzt anders? Das muss Lohmeyer beantworten: Er beantwortet die Frage aber nicht so richtig, sondern berichtet von seinen Erfahrungen auf der Elbchaussee. Schwarz hakt noch mal nach, ob die Streifen-Lösungen nur eine Mode wäre. Drieschner: Hochbordradwege wären Unsinn, dafür wäre in Hamburg kein Platz, schließlich parkten dort Autos.
Eine Zuschauerin berichtet von einem kaputten Helm, der vom Bordstein gespalten wurde, als sie auf der Fahrbahn ausweichen musste. Auf dem Hochbordradweg wäre das nicht passiert.
Eine weitere Dame berichtet vom Planungsprozess: Die Planung wären einwandfrei und sicher, aber die Politik sorge anschließend für halbgare Lösungen, weil man Angst vor handfesten Bekenntnissen in Richtung des nichtmotorisierten Verkehrs habe.
Gäbe es nicht gerade einen sehr fahrradfreundlichen Senat? Nein, bemängelt die Dame, man merke nichts davon, die Planungen würden nach wie vor stark ausgebremst, es scheitere gar an Kleinigkeiten wie besseren Ampelschaltungen und es mangele vor allem an politischen Willen.
Weitere Wortmeldung: Man erreiche 25 Kilometer pro Stunde auch ohne Pedelec, die wären auch ohne Motor leicht zu machen. Es habe allerdings lange gedauert, bis sie sich auf die Fahrbahn getraut habe, weil ständig gehupt, gedrängelt und gebrüllt würde, Tempo 30 wäre eine Lösung.
Nächste Abstimmung zu Tempo 30. Rot für mehr Tempo 30, grün für mehr Vollgas. Zwei Drittel stimmen für Tempo 30, ein Drittel für nicht so ganz viel Tempo 30.
Und wie sieht es dann 2025 aus, wenn der Radverkehrsanteil sich verdoppelt haben soll?
Drieschner: „Kann ich mir nicht vorstellen.“ Diese heutige Versammlung wäre nicht repräsentativ für die gesamte Stadt. Die Verhältnisse für den Radverkehr würden aber sehr viel besser werden als heute.
Schwarz: Inwiefern ist der Umstieg aufs Fahrrad vom Auto eine Illusion?
Drieschner: „Ich glaube, dass das Auto eine Art Suchtdroge ist.“ Man gewöhne sich an diese Art der Mobilität, man könne sich nichts anderes mehr vorstellen.
Lohse: 25 Prozent Fahrradverkehr wären eine Wunschvorstellung, die Mobilität ändere sich aber, man könne einen Kraftfahrer aber durchaus zum Radfahrer machen, man würde sehen, dass Kraftfahren in der Stadt rückläufig wäre. Schließlich wolle man den Individualverkehr zurückdrängen, um wieder Platz in der Stadt zu schaffen, also würden Menschen aufs Rad und auf die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen.
Ist nun schon Schluss?
Schwarz lobt die objektive Bezeichnung des Autos als Fortbewegungsmittel, nicht als Wohnzimmer, schließlich verwandle sich das Auto in eine Art Multimedia-Kugel. Machten wir uns keine Illusionen, wenn wir glauben, die Leute wollten Fahrrad fahren, anstatt in eine solche Kugel zu steigen?
Lohmeyer trifft in seiner Antwort das Thema allerdings nicht so ganz das Thema und erzählt von einem weißen Rad, das er seinem Sohn gekauft habe. Lohmeyer ginge aber auf die Nerven, wie viele Autos es heute schon gäbe, er möchte gerne jeden Haushalt auf einen einzigen Wagen reduzieren. Lohmeyer holzt gegen SUV, bei denen man als Radfahrer bei einem Unfall keine Chance mehr hätte. Lohmeyer erwähnt noch dies und das und schließt mit: „Ich bin radikal für eine autofreie Stadt!“
Schwarz: Eines werde aber in der autofreien Stadt noch wichtiger. Jetzt zeigt er den Helm. Den Zusammenhang möge sich jeder selbst herstellen.
Ein Zuschauer bietet an, gegen Tausch mit dem Helm eine Fahrradleiche wieder in Gang zu bringen oder Lohmeyer eine Stadtrundfahrt in einem elektrischen Auto zu spendieren.
Der Herr hinter mir meldet sich, er schlägt vor, den Helm dem Herrn Scholz zu überlassen, damit er mal mitbekomme, dass es auch Radverkehr gäbe.
Noch ein Zuschauer: Eine Welt mit § 1 StVO brauche keinen Helm.
Ich hätte mich auch gerne gemeldet: Herr Lohse könne ja auch unterschreiben und das nächste Mal, wenn mich einer seiner Taxifahrer anhupt, kann ich ihm ja zeigen: Hier, dein Chef sagt, ich dürfe das!
Hmm.
Nun will niemand den Helm haben. Geht der nun ernsthaft an Scholz? Helm hin, Helm her, das hätte man auch besser lösen können.
Eine weitere Zuschauerin macht noch mal Werbung für die „Kurs Fahrradstadt“-Petition. Man könne ja den Helm gleichzeitig mit den gesammelten Unterschriften übergeben.
Noch eine Wortmeldung: Den Helm als Wanderpokal nutzen. Jeder Politiker, der was für den Radverkehr unternehme, dürfe eine Zeit lang diesen Helm tragen.
Und dann ist schon Schluss. Alle packen ihre Sachen und stürmen raus — das ging ja recht schnell.
Immerhin geht auch die Sache mit dem Fazit recht schnell: Ganz gute Unterhaltung für das Bildungsbürgertum am Donnerstagabend, aber an sachlichen Argumenten, die in irgendeiner Weise diskussionswürdig wären, kann ich leider nichts entdecken.
Immerhin aber wurde ich gut unterhalten.
(Direkt niedergeschrieben inklusiver aller Rechtschreibfehler während der Veranstaltung — leider erst jetzt den „Absenden“-Knopf gedrückt.)
Kann ich am Wiesendamm bitte wieder meinen alten separierten Hochbordradweg zurückkriegen? Ich piss mir jedesmal vor Angst in die Hose, wenn ich dort auf dem neuen Streifen fahren muss
Man darf nun aber auch nicht außer acht lassen, dass viele Radfahrer von solchen Streifen nichts halten. Meine Freundin beispielsweise führe auf dem Wiesendamm lieber ordnungswidrig auf dem Gehweg, anstatt auf dem Streifen — ganz einfach aus dem Grunde, dass ihr die ständigen Wechsel zwischen Fahr- und Radstreifen aufgrund parkender Kraftfahrzeuge zu blöd sind.
Für uns ist sowas ein Klacks, Schulterblick nach hinten, linken Arm raus, los geht’s, aber es gibt eben auch nicht so ganz erfahrenere Radfahrer, für die zugeparkte Streifen eine gänzlich untaugliche Infrastruktur darstellt.
Malte? und ich sind wohl die Einzigen, die den Radweg - wenigstens ab und zu - korrekt verwenden.
Da kommt mir auch witzigerweise regelmäßig der Superheld vom Pizzadienst entgegen, der mich damals mit dem Auto umgefahren hat und seitdem mit seinem E-Bike auf der falschen Seite gurkt.
An der Klütjenfelder Straße in Hamburg hat man sich etwas tolles ausgedacht. Dort führt ja die Veloroute 11 entlang, für die man sich eine tolle Treppe, ne, Moment, eine tolle Brücke gebaut hat.
Nun ist die Brücke auf der einen Straßenseite, der alte Radweg aber auf der anderen, also muss man da irgendwie rüber und die Beschilderung ist mal wieder ganz großartig:
Die Veloroute, also das Schild mit dem roten Fahrrad, zeigt nach hinten rechts. Okay. Ab dem Pfosten handelt es sich nach Hamburger Lesart aber um einen freigegebenen Gehweg, auf dem ja eigentlich Schrittgeschwindigkeit gilt, aber so ganz genau weiß man das ja nicht, weil gleich danach ja ein
mit
folgt. Normalerweise bedeutet das einen gemeinsamen Fuß- und Radweg mit Radverkehr in beiden Richtungen — damit man aber in diesem Fall nicht auf die Idee kommt, in Blickrichtung noch weiter auf dem gemeinsamen Fuß- und Radweg zu gondeln, hat man am Horizont noch mal schnell
und
angeklemmt. Ja, Moment: Soll damit auch die vorige Freigabe des Gehweges widerrufen werden?
Oder ist einfach eh alles egal?
Andere Blickrichtung — hier gibt’s immerhin ein Erklärbär-Schild:
Besser wird die Sache aber nicht:
Vielleicht ist es angesichts solcher Beschilderungen auch kein Wunder, dass man als Radling irgendwann keine Lust mehr hat und sich einfach seine eigenen Wege sucht — notfalls eben ordnungswidrig.
Hier ist die Fahrradstraße, durch die wir gestern durchgefahren sind:
Bin ja mal gespannt, wie das mit der engen Kreuzungsfahrbahn laufen wird. Da kommt ja in beiden Richtungen durchaus mal ein Pulk von bis zu dreißig Radlingen an — wenn sich dort ein Kraftfahrzeug hinein verirrt, wird bestimmt aufgeregt gehupt.
Vermutlich nichtmal nach Aufforderung.
Dabei müssten zumindest die Baustellen an Hauptverkehrsstraßen (und dazu zählen ganz sicher die innerorts verlaufenden Bundesstraßen) zwingend vor Aufnahme der Arbeiten abgenommen werden.
Nach meinen Erfahrungen findet allenfalls mal auf Bundesautobahnen oder Bundesstraßen eine Kontrolle statt. Dortige Arbeitsstellen sind aber meistens relativ unproblematisch, da meistens auf der einen Richtungsfahrbahn die eigentlichen Arbeiten stattfinden, während auf der anderen Seite eine andere Firma für die Lenkung des Verkehrs zuständig ist — und manchmal klappt’s halt auch nicht.
Wenn aber bei kleineren Baumaßnahmen die Baufirma auch für die Absicherung zuständig ist, dann kommt halt meistens etwas mangelhaftes bei rum. Oh, dann will da jemand Baumaterialien anliefern, stellt die Absicherung beiseite, um seinen Lastkraftwagen rückwärts in die Arbeitsstelle zu navigieren und nach Feierabend bleibt die offene Absperrung in der Gegend liegen und die Verkehrsteilnehmer dürfen dann sehen, wie sie klarkommen.
Das ist allerdings nichts, was nur Radfahrer und Fußgänger betrifft, aber abseits der eigentlichen Fahrbahn sind halt überdurchschnittlich viele Nachlässigkeiten zu finden.
Ich höre immer nur die Worte: "Kein Personal."
Oder keine Lust oder kein Interesse oder: Es gäbe eine Anordnung und man solle sich keine Sorgen machen.
Dafür kann sie StVB erstmal nichts.
Sie könnte aber die Einrichtung der Arbeitsstelle kontrollieren — eigentlich wäre sie sogar dazu verpflichtet. Und wenn sich herausstellt, dass die Einrichtung zwar ungefähr der Planung entspricht, aber durch die stattfindenden Arbeiten zusätzliche Gefährdungen entstehen, müsste man eben gegensteuern.
@Blaue Sau hatte vor einiger Zeit auf facebook auf den temporären Luxusradweg an der Kieler Straße hingewiesen: 200 Millionen für Autobahn-Deckel
Dort heißt es: „Der Fuß- und Radverkehr wird über die dann gesperrte Busspur am Baufeld vorbeigeführt.“
Ich hatte mir ernsthaft vorgestellt, im fraglichen Bereich komfortabel auf den Bussonderfahrstreifen geleitet zu werden und anschließend irgendwo wieder auf den Radweg zu wechseln.
Wie auch immer ich auf diese Idee kam.
Die Wirklichkeit beginnt mit einem blauen Schild und den üblichen Kraftfahrzeugen der Baufirma, die halb auf den Radweg ragen, so dass man vorsichtig neben dem Radweg entlangfahren kann — schließlich sitzen im Auto manchmal Arbeiter und öffnen womöglich gleich die Tür.
Danach geht es durch diesen Hindernisparcour, den ich aufgrund der tiefstehenden Sonne aus der Gegenrichtung aufgenommen habe. Tatsächlich fährt man ein Stück auf dem Bussonderfahrstreifen:
Gleich zurück auf den Radweg:
Falls man an den parkenden Kraftfahrzeugen von eben noch nicht genügend Nervenkitzel erlebt hat, gibt’s hier noch einen Bagger, der seine Schaufel manchmal ein bisschen in das Lichtraumprofil des Radweges schenkt. Also bitte nicht zu doll auf den herumlungernden schwarzen Standfuß achten, sonst gibt’s ’ne Schelle mit der Kelle, höhöhöhö:
Hamburg kann einfach nicht Fahrradstadt, wie man so schön sagt. Warum stellt man nicht einfach ein
auf?
Ja, ich weiß, alle Verkehrsteilnehmer müssen zurückstecken und so weiter und so fort und dieser gemeinsame Notweg für Fußgänger und Radfahrer ist ja sogar so breit, dass man beinahe einen Fußgänger überholen könnte. Trotzdem: Eine Lösung ganz ohne Gefährdung und Nervenkitzel kommt in Hamburg wohl kaum in Frage?
Ich weiß, man soll ja keine Kommentare auf facebook lesen und ich rege mich auch schon wieder ein bisschen auf, aber andererseits denke ich mir, wow, ich weiß nicht, wie viele der Kommentatoren dort tatsächlich im Polizeidienst stehen, aber wenn der eine oder andere meint, man solle Rotlicht-Radler besser mit der Schusswaffe oder wenigstens mit dem Taser vom Sattel holen… da muss ich wohl schon froh sein, dass es fürs renitente Fahrbahnradeln am Jungfernstieg vorhin keinen Schlag mit dem Tonfa in die Fresse gab.
Ab 18 Uhr geht’s nächsten Montag los — kommt noch jemand mit?
So, mal wieder den Termin verpennt — das Zertifikat ist jetzt wieder die nächsten 90 Tage lang gültig.
Kennt jemand einspurige "Radwege" in Hamburg, die immer noch b-pflichtig sind? Gemeint sind Hochbord-"Radwege", die nicht ausreichend breit zum Überholen sind.
Ein wesentlicher Teil der Kieler Straße zum Beispiel — teilweise nicht mal 90 Zentimeter breit.
Ja, über die Zusammensetzung des Podiums habe ich mich auch gewundert. Ich nehme nicht an, dass mehr rumkommt als vor zwei Wochen in der Hamburger Botschaft.