Bei diesem Abend habe ich nicht viel über Feinstaub, Stickoxide oder andere Schadstoffe gelernt, dafür hat der Vortrag meines Erachtens auch nicht getaugt. Duwe ging leider nicht auf die einzelnen Schadstoffe, ihre Quellen und Wirkungen ein, sondern setzte das quasi als Grundwissen voraus — ein Trugschluss, wie sich ja in der anschließenden Debatte zeigte.
Was sich aber gelernt habe: Derartige Vorträge, seien sie von einem noch so kleinen und übersichtlichen Publikum besucht, brauchen einen Moderator. Irgendjemand muss die Debatte bändigen, für Ruhe und einen geordneten Ablauf sorgen, und das kann nicht der Sprecher selbst tun, sobald der sich an der Debatte beteiligt.
Ansonsten war der Abend meines Erachtens eher ein schlechter Witz. Die FDP titelt hier etwas von Fakten oder Fake-News, aber Duwe geht nicht mal im Ansatz auf die Fake-News ein, die aus seinem Publikum in die Debatte getragen werden. Da wundere ich mich wirklich ganz herzlich: Geht’s denn noch?
Das geht los mit diesem offenbar ganz schwer zu verstehenden Unterschied zwischen dem MAK-Wert von 950 Mikrogramm pro Kubikmeter (gültig etwa für Fabriken) und dem AIR-Wert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter (gültig etwa für Bureauarbeitsplätze) und endet dann mit dieser absolut skurrilen Debatte, bei der Zuhörer, die sich als pensionierte Chef- und Oberärzte oder Allgemeinmediziner vorstellen und über Totenscheine spekulieren, ohne dabei zwischen Feinstaub und Stickoxid zu differenzieren. Und Herrgottnocheins, in keinem Totenschein steht die Buttercremetorte vom Bäcker drin, wenn ein Mensch an Diabetes gestorben ist, vermutlich steht bei Lungenkrebs auch nichts von Zigaretten darin.
Aber so ist das eben mit Fake-News: Sie verbreiten sich so schnell und so schön, weil sie das eigene Weltbild unterfüttern.
Dass der Naturwissenchaftler Duwe vorne steht und sich nicht einmal bei den verschwurbelten Begründungen zur Nichtexistenz des Klimawandels einmischt, offenbart mir, dass es bei der FDP mit Fakten wenigstens in diesem Bereich nicht so ganz weit her sein kann.
Immerhin war ich nicht der einzige, der diese Veranstaltung kopfschüttelnd verließ. Neben dem Typen, der laut seinen Ragequit hinlegte, fanden auch ein paar andere, eher jüngere Teilnehmer, dass es mit Fakten heute Abend nicht so weit her war.
Und das war eigentlich schade. Ich mache mir die ganze Mühe mit den Notizen schließlich nicht, damit ich mich über die lustigen Ansichten einiger Politiker amüsieren kann, sondern um mal herauszufinden, was denn der FDP als Lösungsansatz für diese ganze Stickoxid-Fahrverbot-Thematik vorschwebt. Bislang kann ich aber nur feststellen, dass es schon mal ein Fortschritt wäre, den Unterschied zwischen diesen Schadstoffen zu lernen.