Jörg Alt eignet sich für Schlagzeilen wie diese: „Pater verschenkt Diebesgut aus Supermarkt-Müllcontainern, um gegen die Kriminalisierung des Containerns zu protestieren“. Oder diese: „Pater klebt sich auf die Straße vor dem Nürnberger Hauptbahnhof, um gegen die Untätigkeit der Bundesregierung im Kampf gegen den Klimawandel zu protestieren“. Oder, oder, oder …
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Fast ein Jahr später, am 16. August, sitzt Jörg Alt Seite an Seite mit Henning Jeschke auf der Straße vor dem Nürnberger Hauptbahnhof. Er trägt Baseballcap gegen die Sonne und das Kollar, den Stehkragen der Pfarrer. Auf seiner linken Hand, die auf dem Asphalt aufliegt, steht das Wort „Klebt“. Der Schulstreik, das sagt Alt bereits bei unserem Besuch im Mai, habe sich abgenutzt. „Die politisch Verantwortlichen reden zwar wie die Fridays, aber sie handeln nicht. Wenn ich Politik und Gesellschaft irritieren will, muss ich drastischere Mittel anwenden.“
An diesem Tag klebt er selbst auf der Hauptverkehrsader der fränkischen Großstadt. Der Verkehr steht, die Demonstrierenden genießen den Applaus, halten die Beleidigungen aus. Meist spricht der junge Henning Jeschke, immer wieder unterbrochen vom Pfarrer: „Dieses Jahr sind schon 10 000 Menschen in Deutschland wegen der Hitze verstorben. Dieses Jahr wird ein milder Sommer sein, wenn wir zurückblicken“, ruft Alt der Menge zu, im Hintergrund baut sich bereits die Ordnungsmacht auf, Frauen und Männer in dunkelblauen Uniformen, die ihn und die anderen in wenigen Minuten in einen Streifenwagen tragen werden.