In Köln bin ich die Sternfahrt auch mitgefahren, hier meine Eindrücke:
Erstmal wurde eine kürzere Route bei gleicher Zeit genommen, im Vergleich zu früher. Dadurch waren wir recht gemütlich unterwegs. Hinten sorgte ein Streifenwagen dafür, dass kein Autofahrer überholt, vorne sicherten zwei Beamten auf Motorrädern die Kreuzungen ab. Entweder bis ein Teil vom Teilnehmerfeld an der Kreuzung war oder bis jemand (vermutlich vom ADFC) mit Warnweste und teils Ordner-Aufschrift vor dem Auto stand.
Problem: Die Motorräder müssen dann nach vorne am Trupp vorbei zur nächsten Kreuzung. Der Trupp belegt die ganze Fahrbahn. Also wird mit dem Motorrad wild auf dem Radweg/Gehweg vorgefahren, mit geschätzt 50-60 km/h und teils unter 10cm Abstand zu unbeteiligten Passanten. Teils ging es auch über die Gegenfahrbahn nach vorne, wenn gerade nichts entgegen kam. Hier hat sicher das ein oder andere Motorrad die 100 geknackt.
Später trafen sich alle Gruppen und fuhren durch die Innenstadt. Da rissen, aus welchem Grund auch immer, zwei Lücken ins Teilnehmerfeld. Deswegen wurden wir vorne auf ca. 6 km/h runtergebremst. Das war für manche, ich sag mal rüstigere Teilnehmer mit E-Bike, schon recht grenzwertig. Leute vom ADFC protestierten. Darauf kam dann aber nur die Begründung mit den Lücken im Feld.
Interessant fand ich, dass sogar ein Auto der Stadt Köln vom Ordnungsamt ganz normal gecorkt wurde und dass die Motorradfahrer bei Pausen (Warten auf andere Gruppen) sogar um Poller, Fahrradständer etc. ihre Slalom-Übungen machten. Mal im Stehen, mal im Sitzen, meist ohne Sicherheitsabstände an Hauseingängen vorbei.
Später ging es dann nach Köln Deutz, zum Tag des guten Lebens, ein Stadtviertel ohne Autos. Also, theoretisch. Ich sag zu meinem Sohn beim Reinfahren mit dem Rad, ab hier darf kein Auto fahren. 10 Sekunden später kam uns das erste entgegen. Dabei hat es uns natürlich die Vorfahrt genommen. Viele Autos standen im absoluten Halteverbot, mit Strafzettel dran. Abgeschleppt wurden sie offensichtlich nicht. Manche haben die Nerven verloren, sind bis auf wenige Zentimeter an Fußgänger rangefahren und eine Frau hat auch mit ihrem Aussenspiegel die Handtasche einer anderen Frau mitgenommen, die ihr nicht schnell genug aus dem Weg ging.
Auf den Straßen wurde gegrillt, Tische aufgebaut, Zelte hingestellt und natürlich auch über Lieferdienste Essen bestellt. Die kamen natürlich nicht mit dem Fahrrad. Ich war noch bei einer Straße am überlegen, ob ich mein Fahrrad dort durchschiebe oder aussenrum gehe, weil dort einfach viele viele Fußgänger waren, während ein Autofahrer der Meinung war, dort durchfahren zu können. Ein Ordner hat ihn aber aufgehalten.
So einen Tag des guten Lebens kann man mal machen. Erinnerte mich aber eher an ein Straßenfest als an historische Aufnahmen von Köln zu Zeiten, in denen es noch nicht soviele Autos gab. Ich glaube hier wurden viele viele Augen zugedrückt. Zelte sind beim kleinsten Windstoß umgefallen (TÜV?!?), Waffeln und Kuchen wurden von Anwohnern verkauft, ohne jegliche Deklaration etc. Wie gesagt, kann man mal machen, hat aber mit "wie wäre ein Leben ohne Autos" absolut nichts zu tun.