Beiträge von Yeti

    Natürlich gibt es in Baumärkten Dinge, die man auch jetzt dringend braucht. Aber der Baumarkt darf natürlich auch alles andere verkaufen, das man jetzt gerade nicht unbedingt braucht und die Leute gehen in den Baumarkt, um solche Dinge zu kaufen.

    Beim Optiker denke ich auch an Kontaktlinsen: Sind die weniger wichtig als Blumenerde? Frisöre dürfen geöffnet haben: Ist ein Haarschnitt derzeit wichtiger als eine neue Jacke?

    Wenn die Maßnahmen noch länger andauern (was zu erwarten ist), muss hier auf jeden Fall noch nachgesteuert werden.

    Ich bin hin- und hergerissen. Einerseits bin ich fest überzeugt, dass die unkontrollierte Ausbreitung des Virus drastische Maßnahmen und die Bereitschaft jedes Einzelnen, sich einzuschränken, erfordert. Die Willfährigkeit, von der Malte schreibt, finde ich allerdings auch besorgniserregend.

    Vielleicht ist es erst einmal menschlich, auf eine extreme Situation extrem zu reagieren. Aber es ist eben auch wichtig, nicht alles andere außer Acht zu lassen. Die derzeitigen Regelungen führen dann im Detail bereits zu absurden Konstellationen, die in der Form nicht zusammenpassen: Volle Straßencafés, tagsüber geöffnete, aber abends geschlossene Restaurants. Kann man sich und andere nur abends anstecken? Wäre es nicht sinnvoller, allgemeingültige Abstandsregeln einzuführen, die unter bestimmten Voraussetzungen einen durchgehenden Betrieb ermöglichen?

    Baumärkte haben geöffnet, vermutlich auch um die Materialversorgung des Handwerks zu gewährleisten. Große Teile des sonstigen Einzelhandels sind aber geschlossen: Wäre es nicht sinnvoller, den Zugang zu begrenzen? Warum darf man gerade Blumenerde kaufen, aber keine neue Hose? Der Einzelhandel vor Ort geht vor die Hunde und der Onlinehandel reibt sich die Hände. Ich könnte k*****, wenn ich den Amazon-Werbespot sehe, dass man dort ruhigen Gewissens kaufen kann, weil Amazon seine Mitarbeiter so toll behandelt.

    Ich wundere mich, wer alles gerade lautstark unter dem Hashtag #staythefuckathome gute Ratschläge gibt. Wem mit einem festen Arbeitsvertrag oder gar mit Beamtenstatus gerade Heimarbeit verordnet wurde, der kann natürlich den Mund weit aufreißen.

    Es gibt zwei Seiten: Zum Einen das Bedürfnis, mal vor die Tür zu gehen, bevor einem die Decke auf den Kopf fällt, etwas Frühlingssonne zu tanken, bei allen Einschränkungen und mit der gebotenen Vorsicht, soziale Kontakte auf einem Mindestlevel aufrecht zu erhalten. Das alles sehe ich wenn vielleicht auch nicht grundsätzlich als völlig unbedenklich, dann aber dennoch als vertretbar und in einem gewissen Maße auch als notwendig an. Stellt euch mal vor, ihr habt den ganzen Tag im Krankenhaus geschuftet und sollte abends nicht einmal mehr alleine vor die Tür gehen dürfen, um mal den Kopf frei zu bekommen.

    Auf der anderen Seite gibt es aber immer noch einen Haufen Leute, die nicht begreifen wollen, was gerade abgeht und die sich über alle Empfehlungen und Aufforderungen hinweg setzen und die bestehende Rest-Freiheit missbrauchen, indem sie für Tätigkeiten, die nicht erforderlich sind, hohe Risiken eingehen. Man stößt in solchen Situationen halt auch immer wieder auf Reaktanz.

    Das ist aber nicht die Folge davon, dass die Leute anstatt mit dem Auto mit dem Fahrrad fahren oder zu Fuß gehen, sondern dass sie gar nicht mehr unterwegs sind. Deshalb schrieb ich, dass das, was wir gerade erleben nicht die Lösung gegen den Klimawandel ist.

    Es mag sein, dass der Eine oder Andere gerade erlebt, dass es auch anders geht (gehen muss) als gewohnt und dass weniger Autoverkehr sich gut anfühlt. Aber die derzeitigen Maßnahmen gehen weit über das hinaus, was die Gesellschaft längerfristig aushalten kann. Und wir stehen erst am Anfang der Pandemie!

    Meine Frau betreibt einen kleinen Laden mit Werkstatt. Der Werkstattbetrieb fällt derzeit unter die Ausnahme für Handwerksbetriebe, aber der Laden ist dicht. Wenn eine Ausgangssperre verhängt wird, gibt es auch für die Werkstatt keine Aufträge mehr, weil niemand mehr hier hin kommt und dann brechen die Einnahmen zu 100% weg. Unsere Nachbarin betreibt einen kleinen Buchladen -> geschlossen. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befinden sich Kneipen und Restaurants -> geschlossen. Da kommt auch gerade keiner mehr mit dem Fahrrad, wenn das Restaurant geschlossen hat.

    Wer jetzt im Homeoffice einfach weiterarbeiten kann, versteht das vielleicht nicht, was gerade passiert.

    Die notwendigen Maßnahmen gegen den Klimawandel zielen darauf ab, unsere Energieversorgung umzustellen und nicht darauf, das gesellschaftliche Leben und die Weltwirtschaft zum Erliegen zu bringen. Es geht um eine Transformation, die zügig und konsequent, aber nicht von einem Tag auf den anderen stattfinden muss. Daher halte ich es für Unsinn, die Corona-Krise als Lösung der Klimakrise zu betrachten, denn gegen die Ausbreitung des Virus helfen nur sofortige drastische Maßnahmen.

    Es ist richtig, dass auch die Klimakrise konsequentes Handeln erfordert, das bislang nicht erkennbar ist. Es ist auch richtig, dass der Wirtschaftseinbruch und die Einschränkungen der Mobilität zu einer Reduzierung der CO2-Emissionen führen werden. Aber das kann doch nicht die Lösung sein!

    Ich bin gespannt, wie wir darüber denken werden, wenn wir die Corona-Pandemie überstanden haben: Ob die Menschheit daraus lernen kann, eine globale Krise gemeinsam zu meistern oder ob wir anschließend wieder weitermachen wie vorher.

    "Bei Null" kann das Ansteckungsrisiko eigentlich nur dann liegen, wenn man völlig alleine und abgeschieden lebt.

    Die Empfehlung, derzeit lieber mal Fahrrad zu fahren, wird vor allem als Alternative zum ÖPNV ins Spiel gebracht. Alleine im Auto dürfte man auch relativ sicher sein, sich selbst oder andere anzustecken. Es kommt beim Radfahren halt der positive gesundheitsfördernde Aspekt der Bewegung an der frischen Luft hinzu. Ob das denjenigen hilft, die das letzte Mal Himmelfahrt 2019 auf dem Fahrrad gesessen haben, sei mal dahingestellt.

    In meiner Heimatstadt habe ich in Anbetracht des allenfalls durchschnittlichen Radverkehrsanteils wenig Probleme, ausreichenden Abstand zu anderen Radfahren zu halten. Zumal die nervigen Geisterradler einem nicht auf der Fahrbahn entgegenkommen, sondern die Nähe zum Radwegnutzer suchen.

    Das größte Risiko sehe ich derzeit in den Supermärkten. Homeoffice und flexibler Arbeitszeit sei dank, konnte ich heute am frühen Nachmittag den Einkauf für die kommende Woche erledigen, wo relativ wenig los war. Ich fürchte, dass mit weiterer Verschärfung der Maßnahmen auch die Stimmung zunehmend rücksichtsloser werden wird.

    Warum der ADAC heute einen Werbestand im Eingangsbereich des Supermarktes aufgebaut hatte, um mit 3 Nervensägen Kunden anzuquatschen und eine ADAC-Mitgliedschaft anzudrehen, habe ich allerdings nicht verstanden. Da wird fast der gesamte Einzelhandel dichtgemacht und die Typen dürfen einfach weitermachen?

    Quarantäne ist etwas anderes als die Beschränkung von Erledigungen auf das Notwendige. Wenn ich keinen Kontakt zu einer infizierten Person hatte, mich nicht in einem Risikogebiet aufgehalten habe und selbstverständlich wenn ich nicht bereits weiß, dass ich infiziert bin und nicht unter Quarantäne gestellt bin, sehe ich keinen Grund, mich nicht alleine an der frischen Luft zu bewegen und damit mein Immunsystem zu stärken. Es müssen ja keine intensiven Trainings sein und man darf auch ruhig noch etwas vorsichtiger und vorausschauender sein als sonst, um das Unfallrisiko zu minimieren.

    Weil ich noch etwas im Büro vergessen hatte, bin ich heute morgen noch einmal hingeradelt und hatte das Gefühl, dass auf den Straßen deutlich weniger los war als sonst. Das führt leider bei einigen Idioten dazu, dass sie glauben, die allgemeine Geschwindigkeitsbeschränkung innerorts sei auf 90km/h angehoben worden, aber im Großen und Ganzen habe ich es so empfunden, dass es derzeit auf der Straße etwas ruhiger zugeht.

    Ich war heute auch den letzten Tag im Büro und bin ab morgen für mindestens zwei Wochen im Homeoffice. So lange man noch raus darf, nutze ich die Möglichkeit, mich an der frischen Luft zu bewegen. Alleine auf dem Fahrrad sehe ich keine erhöhte Ansteckungsgefahr für mich und andere. Das größte Risiko besteht derzeit vermutlich beim Einkaufen in vollen Supermärkten. Morgen ist Wochenmarkt, das werden wir nochmal nutzen.

    Bei mir sind sicherlich über 80% der Fahrradfahrten normale Alltagswege. Wobei die Grenzen fließend sind, weil ich manchmal nach Lust und Laune auf den Alltagswegen Umwege fahre. Daher fahre ich sicherlich mehr Fahrradkilometer, als wenn ich den selben Weg mit dem Auto zurückgelegt hätte.

    Mundschutz beim Radfahren habe ich noch nicht probiert, allerdings halte ich das nicht für komplett abwegig.

    Ich schon. Alleine schon deshalb, weil der Mundschutz verhindern soll, dass man andere ansteckt, wenn man selbst infiziert ist: Damit die Tröpfchen, die das Virus übertragen, direkt vor dem Mund aufgehalten werden und sich die Frage erst gar nicht stellt, welche Entfernung sie außerhalb des Körpers zurücklegen könnten.

    Wenn die Leute das begreifen würden, dann wäre das Zeug auch nicht mehr ausverkauft und diejenigen, die es bräuchten, hätten noch welche.

    Beim Klima sind die Auswirkungen nicht so direkt greifbar und die Politiker daher gefühlt nicht selber betroffen.

    Das gilt nicht nur für Politiker. Hätte CoVid-19 eine Inkubationszeit von 20 Jahren, würde das heute auch niemand ernst nehmen, auch wenn es darum gehen würde, sich heute vor einer Ansteckung zu schützen. Raucher wissen ja eigentlich auch, dass sie damit ihrer Gesundheit schaden. Aber halt irgendwann später und vielleicht trifft es ja nur die anderen.

    Theoretisch müssten sie ja.... :S

    Zitat

    a) Alle zwei Jahre haben die Straßenverkehrsbehörden zu diesem Zweck eine umfassende Verkehrsschau vorzunehmen, auf Straßen von erheblicher Verkehrsbedeutung und überall dort, wo nicht selten Unfälle vorkommen, alljährlich, erforderlichenfalls auch bei Nacht. An den Verkehrsschauen haben sich die Polizei und die Straßenbaubehörden zu beteiligen; auch die Träger der Straßenbaulast, die öffentlichen Verkehrsunternehmen und ortsfremde Sachkundige aus Kreisen der Verkehrsteilnehmer sind dazu einzuladen.

    b) Eine Verkehrsschau darf nur mit Zustimmung der höheren Verwaltungsbehörde unterbleiben.

    VwV-StVO zu §45 Zu Absatz 3, IV -> Randnummer 56 - 59

    http://www.verwaltungsvorschriften-im-internet.de/bsvwvbund_26012001_S3236420014.htm

    Solange ihm kein anderes 25t-Fahrrad auf der Brücke entgegen kommt, wird sie vermutlich nicht einstürzen, aber man kann ja nie wissen...

    Etwas offtopic: Dieses Schild bedeutet übrigens "Verbot für Fahrer, die 8 Tage auf Achse sind"

    https://de.wikipedia.org/wiki/Bildtafel_der_Verkehrszeichen_in_der_Bundesrepublik_Deutschland_von_2013_bis_2017#/media/Datei:Zeichen_263_-_Verbot_für_Fahrzeuge_über_angegebene_tatsächliche_Achslast,_StVO_1992.svg