Ich bin hin- und hergerissen. Einerseits bin ich fest überzeugt, dass die unkontrollierte Ausbreitung des Virus drastische Maßnahmen und die Bereitschaft jedes Einzelnen, sich einzuschränken, erfordert. Die Willfährigkeit, von der Malte schreibt, finde ich allerdings auch besorgniserregend.
Vielleicht ist es erst einmal menschlich, auf eine extreme Situation extrem zu reagieren. Aber es ist eben auch wichtig, nicht alles andere außer Acht zu lassen. Die derzeitigen Regelungen führen dann im Detail bereits zu absurden Konstellationen, die in der Form nicht zusammenpassen: Volle Straßencafés, tagsüber geöffnete, aber abends geschlossene Restaurants. Kann man sich und andere nur abends anstecken? Wäre es nicht sinnvoller, allgemeingültige Abstandsregeln einzuführen, die unter bestimmten Voraussetzungen einen durchgehenden Betrieb ermöglichen?
Baumärkte haben geöffnet, vermutlich auch um die Materialversorgung des Handwerks zu gewährleisten. Große Teile des sonstigen Einzelhandels sind aber geschlossen: Wäre es nicht sinnvoller, den Zugang zu begrenzen? Warum darf man gerade Blumenerde kaufen, aber keine neue Hose? Der Einzelhandel vor Ort geht vor die Hunde und der Onlinehandel reibt sich die Hände. Ich könnte k*****, wenn ich den Amazon-Werbespot sehe, dass man dort ruhigen Gewissens kaufen kann, weil Amazon seine Mitarbeiter so toll behandelt.
Ich wundere mich, wer alles gerade lautstark unter dem Hashtag #staythefuckathome gute Ratschläge gibt. Wem mit einem festen Arbeitsvertrag oder gar mit Beamtenstatus gerade Heimarbeit verordnet wurde, der kann natürlich den Mund weit aufreißen.