Beiträge von Yeti

    Kreuzungen: Das ganze System ist sehr intuitiv zu begreifen. Anders als in Deutschland muss man nie überlegen, wie und wo es nach der nächsten Kreuzung weitergeht. Radwegfurten sind in Dänemark blau eingefärbt. Abbiegen nach links funktioniert vom Radweg aus in der Regel indirekt. Wer links abbiegen will, stellt sich zwischen der Radwegfurt des Geradeausverkehrs und dem Zebrastreifen auf, der dort auch an allen Ampelkreuzungen den Weg der Fußgänger markiert.

    Ich musste eigentlich nie überlegen, welche Ampel gilt. Nirgends habe ich kombinierte Fußgänger- und Fahrradsignale gesehen. Ampeln waren so aufgestellt, dass sie unmissverständlich auch für den Radverkehr gelten oder es waren zusätzlich eigene Fahrradampeln vorhanden. Zusätzlich stehen Ampeln auch hinter der Kreuzung, so dass man sich beim indirekten Abbiegen nicht den Kopf verrenken muss, um zu sehen, wann in der neuen Fahrtrichtung grün wird.

    Ob es in Dänemark grundsätzlich erlaubt ist, auf dem Radweg bei rot rechts abzubiegen, kann ich nicht sagen. Es haben aber alle gemacht und alle waren dabei aufmerksam. An einigen Ampeln waren Zusatzzeichen angebracht, dass sie nicht für den Radverkehr gelten. Einmal habe ich auch eine Fahrradampel gesehen, die neben dem allgemeinen Lichtsignal dauergrün gezeigt hat.

    Eine Besonderheit: An vielen Kreuzungen wird der Radweg auf die Rechtsabbiegerspur geführt. Das ist dann eine Kombispur für rechtsabbiegende Kfz und Radfahrer und hat nach meiner Beobachtung einwandfrei funktioniert. Anders als bei den deutschen Fahrradweichen müssen Rechtsabbieger nicht die Geradeausspur des Radverkehrs komplett queren, sondern alle reihen sich auf der selben Spur ein. Oft sind Radfahrer links an den wartenden Kfz vorbei nach vorne gefahren. Auf jeden Fall umgeht man damit den Blödsinn, dass Rechtsabbieger links neben geradeaus fahrenden Radfahrern fahren.

    Es gibt auch auf Radwegen Richtungsfahrstreifen.

    Furten an einer großen Kreuzung

    Radweg auf Rechtsabbiegerspur

    Richtungsfahrstreifen auf dem Radweg

    Jedes Mal bildet sich ein Pulk Radfahrer vor der Kreuzung

    Gimmik: Fußstütze und Haltebügel vor einer Kreuzung

    Zusatzschild, das anzeigt, dass die Ampel nicht für Radfahrer gilt. Zebrastreifen werden in der Regel auch über Radwege hinweg markiert und die Sägezähne verdeutlichen dennoch die Wartepflicht gegenüber querenden Fußgängern und Radfahrern. Das sortiert sich aber gut von alleine.

    In Kreisverkehren sind Radwege kreisrund, entweder durch Bordstein getrennt direkt neben der Kreisfahrbahn oder als Radfahrstreifen oder Schutzstreifen markiert.

    An Nebenstraßen findet man oft keine Vorfahrtbeschilerung, weder [Zeichen 306] oder [Zeichen 301] noch [Zeichen 205] , sondern nur Haifischzähne.

    Kopenhagen ist die einzig wirklich Großstadt Dänemarks und hat etwas mehr Einwohner als Hannover, Nürnberg oder Bremen.

    Es waren spürbar weniger Autos auf den Straßen als zum Beispiel in Hamburg. Ich bin am Donnerstag Mittag angekommen. Da waren in der Innenstadt bereits einige Straßen für den Auftakt der Tour de France gesperrt, weil dort der Start- und Zielbereich aufgebaut wurde und die Fernsehteams Stellung bezogen hatten. Auf den Verkehr in den äußeren Stadtteilen dürfte sich das an dem Tag aber noch nicht ausgewirkt haben. Am Freitag bis Samstag Nachmittag waren wegen der Tour der France viele Straßen in der Innenstadt gesperrt und bei meiner Rückfahrt am Sonntagmorgen war natürlich sowieso wenig auf den Straßen los.

    Insgesamt habe ich als sehr entspannt empfunden, wobei man auf den Radwegen wegen der vielen Radfahrer aufpassen musste. Da habe ich am ersten Tag meine Lektion gelernt, als ich eine Rafahrerin auf dem Radweg überholen wollte und von hinten bereits ein noch schnellerer Radfahrer kam, der mich überholen wollte. Das war aber in einem Bereich, wo es sich wegen der Sperrungen bereits sehr gedrängt hat. Auch sonst war auf den Radwegen viel los, aber nicht so viel, dass man dort im Stau gestanden hätte oder nicht überholen konnte.

    Radwege sind durch eine Bordsteinkante von der Fahrbahn und zur anderen Seite hin vom Gehweg getrennt. Überholen geht also nur auf dem Radweg selbst, ist aber meistens gut möglich. Die Breite der Radwege liegt meist zwischen 2m und 4m. Auf einem 2m breiten Radweg neben parkenden Autos kann man dann aber ein Lastenrad nicht mehr überholen und muss hinterher fahren.

    Hier einige Beispiele:

    Radweg an einer Ausfallstraße, in diesem Fall als Zweirichtungsradweg ohne Leitlinie. Daneben ein schmaler Gehweg. Ab der nächsten Kreuzung gab es wieder auf beiden Straßenseiten je einen Einrichtungsradweg.

    Typische fahrbahnbegleitende Radwege

    An einigen stark frequentierten Stellen sind die Radwege breiter als die Fahrbahn

    Einer der schmaleren Radwege neben Längsparkern

    In Einbahnstraßen gibt es meistens entgegen der Einbahnstraßenrichtung einen getrennten Radweg, in Einbahnstraßenrichtung fährt man im Mischverkehr auf der Fahrbahn.

    Radwege sind fast immer glatt asphaltiert. Hier eine der wenigen Ausnahmen

    Teilweise gibt es auch in Nebenstraßen aus meiner Sicht recht unnötige Radwege, z.T. auch in 30er Zonen

    Was auch auf den Bildern auffällt: Die Gehwege sind oft recht schmal und in deutlich schlechterem Zustand als die Radwege. Man hat das Gefühl, dass Fußgänger dort den selben geringen Stellenwert haben wie in Deutschland Radfahrer.

    Ich bin in der vergangenen Woche mit dem Omnium von Stade nach Kopenhagen und zurück gefahren. In Kopenhagen hatte ich drei Tage Zeit. Hier ein paar Eindrücke von der Fahrt durch Dänemark und aus Kopenhagen.

    Der größte Unterschied sind nach meinem Eindruck die Menschen. Die Dänen gelten als zufriedenes und glückliches Völkchen, Kopenhagen als eine der Städte mit der weltweit höchsten Lebensqualität. Das spiegelt sich auch im Straßenverkehr wider oder hat darin vielleicht auch zum Teil seine Ursache. Ich bin in Dänemark nicht einmal bedrängt oder angehupt worden und ich habe auch sonst kaum jemanden hupen hören. Mir wurde nicht ein einziges Mal die Vorfahrt genommen und Rechtsabbieger haben immer gewartet, bis alle (!) Radfahrer geradeaus durchgefahren sind. Wildfremde Menschen haben mir zugewunken oder gegrüßt, wenn ich durch Ortschaften gefahren bin (in Kopenhagen natürlich nicht mehr).

    An den Nebenstrecken gibt es keine Radverkehrsanlagen und dort fährt man selbstverständlich auf der Fahrbahn. Teilweise ist mir auf 10km kein einziges Auto begegnet.

    Ich bin auf der Hinfahrt aber viel an Hauptstraßen (hier vergleichbar mit Landes- oder Bundesstraßen) gefahren. Dort findet man 4 unterschiedliche Markierungen oder Führungen vor.

    1. Schmale Linie am Fahrbahnrand -> Mischverkehr auf der Fahrbahn. Viele fahren mit dem Fahrrad mehr oder weniger auf der Linie oder wenn Platz ist, auch mal rechts daneben.

    2. Breite Linie am Fahrbahnrand, meist in Kombination mit [Zeichen 237] und Fahrradpiktogrammen -> Benutzungspflichtiger Radfahrstreifen. Die Streifen sind oft recht schmal, aber breit genug, um darauf zu fahren. Überholabstände waren mir immer ausreichend. Nebeneinander kann man dort aber nicht fahren.

    3. Beidseitige Einrichtungsradwege. Die sehen etwa so aus wie Außerorts-Radwege bei uns, sind aber meistens breiter und auf beiden Straßenseiten für die jeweilige Fahrtrichtung vorhanden

    4. Einseitige Zweirichtungsradwege: Die sind immer durch eine Leitlinie in der Mitte als Zweirichtungsweg erkennbar und unter dem [Zeichen 237] mit einem Zusatzschild versehen. Innerorts sind einseitige Zweirichtungswege die absolute Ausnahme.

    Die Radwege sind außerorts fast immer nur mit [Zeichen 237] beschildert und nicht mit [Zeichen 240] , wobei ich davon ausgehe, dass sie von Fußgängern mitbenutzt werden sollen. Separate Gehwege gab es außerorts jedenfalls nicht. Das [Zeichen 240] wurde meistens nur im Bereich von Baustellen eingesetzt, wenn zuvor getrennte Geh- und Radwege für ein kurzes Stück zusammengeführt wurden.

    An weniger stark befahrenen und schmaleren Straßen gab es teilweise auch außerorts Schutzstreifen, sogar mit Bedienungsanleitung für Autofahrer. Die Schutzstreifen funktionieren dort aber genausowenig wie hier und waren genauso unnötig. Im Bereich eines solches Schutzstreifens bin ich das einzige Mal auf der ganzen Tour sehr eng überholt worden. Das hat an der Hauptstraße ohne gesonderte Markierung besser funktioniert, aber dort war die Fahrbahn auch breiter und in der Regel ein Überholen mit ausreichendem Abstand auch trotz Gegenverkehr möglich. An der Straße mit Schutzstreifen hätten Autofahrer zum Überholen ggf. hinter mir warten müssen, wenn Gegenverkehr gekommen wäre.

    Nach Ende des Schutzstreifens dann noch ein freundlicher Hinweis, dass sich Auto- und Radfahrer die Straße teilen

    Eine dänische Besonderheit: Auf Radwegen dürfen auch "Knallert Körsel" fahren, also Mofas und Motorroller, solange es nicht ausdrücklich verboten ist (Knallert forbudt). Die sind da zum Teil sehr schnell (>50km/h) unterwegs und man darf sich auf den separaten Radwegen nicht so alleine fühlen wie hier in Deutschland.

    keine Beschilderung, auch nicht paar Bilder weiter. wo noch der Radweg kreuzt. Gegenrichtung Gegenseite Radfahrverbot weiter ins Festland rein.

    OK, dann ist also der einzige legale Weg, mit dem Fahrrad nach Fehmarn zu fahren, der Seitenstreifen und im Baustellenbereich die Fahrbahn (oder Fahrrad auf dem Fahrradträger am Auto). Auf dem schmalen Weg daneben soll man ja absteigen und schieben und nicht Radfahren. Ob das aber so geil ist, ohne Überholmöglichkeit über die gesamte Fehmarnsundbrücke auf der Fahrbahn zu radeln, sei mal dahingestellt. Mag das jemand ausprobieren und berichten? :)

    Ich war in der letzten Woche mit dem Omnium in Kopenhagen. Dazu an anderer Stelle mehr, aber hier schonmal einige Highlights vom Teil der Strecke auf deutschem Hohheitsgebiet.

    Dieses Bild fasst eigentlich schon alles ganz gut zusammen:

    Was macht die kluge Verkehrsbehörde, wenn ein Weg, der vorher mit [Zeichen 240] beschildert war, nicht einmal für ein [Zeichen 239] [Zusatzzeichen 1022-10] taugt? Der Weg war vorher durchaus in brauchbarem Zustand und leicht abschüssig. Keine Ahnung, wie das im Dunkeln ausgegangen wäre, wenn ich mit Schwung in die Auswaschung gefahren wäre (jaja, ich weiß: "Sichtfahrgebot")

    150m später ging es dann wieder mit [Zeichen 240] weiter.

    Kreative Furtmalerei in Heiligenhafen (war da nur für's Foto drauf)

    Danach ging es über die Fehmarnsundbrücke nach Fehmarn, wo man ja gerüchteweise so toll Radfahren kann

    An dieser Stelle habe ich überlegt, auf der anderen Straßenseite auf dem Seitenstreifen zu fahren, aber dahinter zeichnete sich bereits eine Baustelle ab. Das potenzielle Hupkonzert wollte ich mir dann doch nicht geben, zumal ich auch nicht sicher war, ob der Abschnitt nicht vielleicht eine Kraftfahrstraße ist.

    Auf Fehmarn gab es tatsächlich schöne Nebenstrecken ohne Radweg und an der Straße nach Burg einen glatt asphaltierten, außergewöhnlich breiten Radweg. In Burg selbst aber wieder das übliche Chaos. Hier nur ein Beispiel, wo man zuvor auf der Fahrbahn fährt und dann entdecken soll, dass nach dem Abbiegen auf der linken Seite ein [Zeichen 241-30] auf einen wartet. Ich habe das Schild "leider" erst zuhause beim Anschauen der Fotos entdeckt.

    Auch danach war es mit den "tollen Radwegen" auf Fehmarn nicht so weit her.

    Auf der Rückfahrt gab es die meisten Highlights im Landkreis Rendsburg-Eckernförde. Hier nur zwei Beispiele

    Diese Gehweg-Ruine war in beiden Richtungen mit [Zeichen 240] beschildert und ich habe den Weg auch nur für das Foto kurz betreten.

    An der B77 gab es dann mehrfach solche Abschnitte, wo beim Bau des Radweges der Asphalt ausgegangen sein muss. Und niemand hat offenbar es bisher gemerkt.

    Und jetzt überlege dir, warum der Wirtschafts- und Klimaschutzminister Habeck die Kohleförderung hochfahren lässt und nicht einfach sagt "Dein Gasembargo, Wladimir, juckt uns nicht. Ich habe für morgen früh, 22.6.22, sowieso die Einstellung sämtlicher Gasverbrennung angeordnet!"

    Diese Frage beantwortet Prof. Claudia Kemfert hier: Putins volle Kriegskasse: Der Preis der verschleppten Energiewende | Wirtschaft (rga.de)

    Ich bin im letzten Jahr meine erste 300km-Tour auch mit dem Alltags-Zossen mit Packtasche gefahren. Regenjacke, Regenhose, Wasser, Zucker brauchten mehr Platz als in die Arschrakete am Rennrad reinpasst. Trotzdem würde ich die Tour in diesem Jahr gerne mal mit dem RR wiederholen, dann aber bei besserem Wetter und nicht erst Mitte September. Bei der Tour hat geholfen, dass ich auf den letzten 100km ordentlich Rückenwind hatte (und auf den ersten 100km nach Bremen noch nicht so viel Gegenwind). Zwischen Bremen und Cuxhaven mit Seitenwind, teils leicht von vorne. Da konnte ich meine Motivation immer erhalten, indem ich mich auf den Rückenwind nach hause gefreut habe. Leider ist der Wind auf den letzten 50km aber auch eingeschlafen.

    Am kommenden Dienstag geht es mit dem Omnium in 2 1/2 Etappen nach Kopenhagen. Ick freu mir! :)

    ...bissele was brauchen wir noch, weil wir ohne die Erhöhung ja evtl, auf den Weg in eine Eiszeit wären, sagen einige ...

    Die natürlichen Zyklen zwischen Warm- und Eiszeiten liegen in der Größenordnung von 100.000 Jahren. Aktuell reden wir über eine Zunahme der globalen Temperatur um 3-4° innerhalb von 100 Jahren.

    Zusammenhänge erklärt von Prof. Stefan Rahmstorf: Am Puls der Klimakrise - Forschungsergebnisse zu Temperatur, Eis und Wetterextremen on Vimeo

    *edit: leider ist das Video schon 9 Jahre alt, aber die physikalischen Zusammenhänge sind natürlich weiterhin gültig.

    Es ist richtig, dass auch bei einem sofortigen (und daher absolut unrealistischen) Stopp aller vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen die globale Temperatur weiter ansteigen würde, weil wir bereits Effekte in Gang gesetzt haben, die die Temperatur weiter ansteigen lassen.

    Das Überschreiten einzelner Kipppunkte bedeutet aber nicht zwangsweise, dass eine Kaskade ausgelöst wird, in der alle anderen Kipppunkte auch überschritten werden. Aber das Risiko, weitere Kipppunkte zu überschreiten, steigt mit jedem Zehntel Grad weiterer Erwärmung.

    Der größte Hebel bleibt das Herunterfahren der Treibhausgasemissionen. Das muss auch nicht von einem Tag auf den anderen erfolgen, aber die verbleibende Zeit wird immer knapper. Ich verstehe das "Argument" nicht, dass man es gar nicht tun sollte, weil es nicht von einem Tag auf den anderen geht. Und um noch einmal auf das Beispiel mit der Mauer zurückzukommen: Vom Bremsen ist noch niemand gestorben.

    Die Fixierung auf den Kohleausstieg halte ich übrigens für zu kurz gedacht. Es muss darum gehen, Treibhausgasemissionen insgesamt zu reduzieren. Bei der Verbrennung von Erdgas (hauptsächlich Methan) entsteht zwar weniger CO2, aber leider hat Methan, das unverbrannt in die Atmosphäre gelangt, z.B. durch Leckagen beim Transport, eine vielfach höhere Klimawirkung als CO2. Unterm Strich ist daher Erdgas für den Klimaschutz nicht besser als Kohle, außer dass sich Methan in der Atmosphäre schneller abbaut als CO2 (trotzdem zu langsam). Dass nun kurzfristig für einen Ersatz von russischem Erdgas gesorgt werden muss, weil man jahrzehntelang versäumt hat, Alternativen zu schaffen, ist sicherlich nicht ausgerechnet Robert Habeck anzulasten.

    Die Leckage-Problematik bleibt auch bestehen, wenn wir irgendwann mal synthetisches Methan haben, das zu100% klimaneutral mit Sonnenenergie und CO2 aus der Atmosphäre erzeugt wurde.

    Falls gleich noch die Forderung nach einer Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke, oder gar der Vorschlag, neue AKW zu bauen, folgt: Es ist dafür zu spät und kurzfristig ist die Entscheidung nicht rückgängig zu machen. Jedenfalls nicht so kurzfristig, dass es uns im kommenden Winter helfen würde, komplett auf russisches Öl und Gas zu verzichten. Für den Klimaschutz wäre es aber in der Tat besser gewesen, als erstes die ineffizientesten Kohlekraftwerke vom Netz zu nehmen und dafür die AKW länger laufen zu lassen.

    Der Bau neuer AKW wäre hingegen ökonomischer Unfug, weil man für das selbe Geld ein Vielfaches an erneuerbarer Energie bekäme. Abgesehen davon würde es viel zu lange dauern und die Endlagerproblematik ist ebenfalls bis heute ungelöst.

    Am Ende dieses Umbaus muss das Ende der zins- und investitionsorientierten Geldwirtschaft stehen

    Wie soll denn deiner Meinung nach die zins- und investitionsorientierte Geldwirtschaft auf einem um 3-4° wärmeren Planeten funktionieren, wenn es in Indien, wo derzeit schon über 1 Milliarde Menschen leben im Jahr >200 potenziell tödliche Hitzetage gibt?

    Oder noch grundsätzlicher und unabhängig vom Klimawandel: Wie soll ein System, das auf ständiges Wachstum ausgerichtet ist, mit begrenzten Ressourcen dauerhaft funktionieren? Es führt doch auf Dauer kein Weg an einem nachhaltigen System vorbei und je länger man den notwendigen Wandel verzögert, desto schwieriger wird er.

    Jeder einzelne Mensch hat nur einen verschwindend geringen Anteil am Klimawandel. Und deshalb kann jeder hoffen, dass jemand anderes das Problem löst.

    Das ist eine der Schwierigkeiten: Der individuelle Anteil ist gering und daher kann es niemand alleine aufhalten. Wenn aber alle darauf warten, dass erst einmal alle anderen handeln, handelt niemand.

    Die Denkweise lässt sich dann auch auf einzelne Sektoren übertragen, deren Anteil geringer ist als bei anderen. Es gibt aber nicht den einen einzigen Hebel, mit dem man das komplette Problem lösen kann und daher müssen alle Sektoren ihren Beitrag leisten.

    Darüber hinaus gibt es Dinge, die man als Individuum nicht beeinflussen kann (allenfalls -und wenn überhaupt- indirekt durch Wahlen), sondern wo sich Rahmenbedingungen ändern müssen. Das wurde viel zu lange und wird immer noch versäumt und daher wird es immer schwieriger, weil sich immer mehr in immer kürzerer Zeit ändern müsste, was dann vor allem wegen der Kurzfristigkeit für Verwerfungen sorgt. Wenn man jetzt am besten sofort wegen des Ukraine-Krieges von russischen Öl- und Gasimporten unabhängig werden möchte, ist das natürlich etwas anderes, als wenn man spätestens 1997 nach Abschluss des Kyoto-Protokolls damit begonnen hätte, die Treibhausgasemissionen zu senken.

    Ein weiteres Problem besteht darin, dass die Folgen des Klimawandels zeitlich und räumlich weit entfernt scheinen und man glauben möchte, dass es einen selbst nicht betreffen wird, sondern andere. Oder dass es reicht, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, wenn das Problem groß genug geworden ist, dass es sich nicht mehr leugnen lässt.

    Dann kommt hinzu, dass sich Viele das Ausmaß der Folgen einfach nicht vorstellen können. Die Klimakatastrophe wird ja auch kein singuläres Ereignis sein, bei dem auf einmal alle Meere über die Ufer treten und alle Wälder gleichzeitig brennen wie in einem Hollywood-Blockbuster. Das wird in Zukunft nur immer häufiger passieren. Wir werden uns immer mehr daran gewöhnen und uns einreden, dass das ja schon immer passiert ist und ohnehin nicht zu ändern war. Spätestens, wenn die ersten Kipppunkte überschritten sind, würde das zum Teil sogar stimmen.

    Die größte Blockade dürfte aber bei vielen Menschen darin bestehen, Gewohnheiten nicht ändern zu können. Ich gebe der Menschheit daher keine große Chance und bin froh, dass ich keine Kinder habe, denen ich das mal erklären müsste.