Bei der hiesigen Gehweg-Geisterradler-Truppe ist das in der Tat nicht selbstverständlich. Es wäre aber schön, wenn sich der ADFC dafür einsetzen würde, dass es selbstverständlich wird, ein Jahr ohne nennenswerte (!) Unfälle und Verletzungen zu erleben. Da es aber allenfalls um gefühlte Sicherheit geht, wird sich durch den ADFC nichts ändern.
Dass es Sicherheitsaspekte gibt, die es nahelegen mit dem Fahrrad auf der Fahrbahn zu fahren, ist unumstritten. Im Landkreis Stade ist es so, dass 73% der Landesstraßen und 88% der Bundesstraßen laut dieser Antwort der Verwaltung vom 22.6.2012 auf eine Anfrage im Nds. Landtag mit einem Fahrradweg ausgestattet sind:
In der Regel sind das einseitige Zweirichtungs-Fahrradwege, die mit dem Verkehrszeichen 240, Gemeinsamer Geh- und Radweg ausgeschildert sind. ![]()
Wie heißt es so treffend: "Das Sein bestimmt das Bewusstsein." Dass das Fahrradfahren auf "Gehwegen" stattfindet ist nicht weiter verwunderlich im Landkreis Stade. Und in der Mehrheit der Landes- und Bundesstraßen, in denen es sich um so ausgeschilderte
Gemeinsame Geh- und Radwege handelt sogar geboten. Bzw. es wäre regelwidrig, die Benutzungspflicht zu missachten und stattdessen mit dem Fahrrad auf der Fahrbahn zu fahren.
Genau genommen müsste man in jedem Fall prüfen, ob diese Schilder aufgestellt sind: ![]()
Stehen diese Schilder nämlich nicht, dann wäre ein einzelner straßenbegleitender Weg nämlich ein reiner Fußweg und dürfte vom Fahrradverkehr streng genommen nicht benutzt werden. Und würde man die Schilder einfach abbauen, dann triebe man alle diejenigen Fahrradfahrer*innen quasi in die Illegalität, die seit Jahrzehnten darauf Fahrrad gefahren sind.
Auf diesem Hintergrund halte ich es für fragwürdig als Fahrradfahrer*in auf andere Fahrradfahrer*innen mit dem Finger zu zeigen und sie pauschal als "Gehweg-Geisterradler-Truppe" zu bezeichnen. Zumindest wenn nicht klar dazu gesagt wird, wer denn damit eigentlich genau gemeint ist mit dieser Kritik.
Und die gegen die Arbeit des ADFC-Stade gerichtete Pauschalkritik, er tue zu wenig um das Fahrradfahren auf der Fahrbahn zu fördern, ist m. E. auch wenig zielführend. Was genau sollte er denn an Stelle von Fahrradwege-Ausbau und Instandhaltung sowie Verbesserung des bereits vorhandenen Radwegnetzes fordern, der ADFC im Landkreis Stade?
Schließlich ist auch der Stader-ADFC Mitglied im Bundes-ADFC. Und eine Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht ist bereits ADFC Bundesforderung und wurde zum Beispiel im Gute Straßen für Alle Gesetzesvorschlag festgeschrieben: "Mit Fahrrädern darf nebeneinander gefahren werden, wenn dadurch der Verkehr nicht behindert wird; andernfalls muss einzeln hintereinander gefahren werden. Eine Pflicht, Radwege mit den Zeichen 237, 240 oder 241 zu benutzen, besteht nicht." (Seite 32 von 56 im "Gute Straßen für Alle Gesetz) https://www.adfc.de/fileadmin/user…uflage_2021.pdf