Dann widerspreche ich wieder. Wir sind bei deinen Wünschen. Solche allgemein gehaltenen Behauptungen kann ein Einzelner nicht ohne Studien/Quellen aufstellen. Der sogenannte "gesunde Menschenverstand" der dann gerne zitiert wird ist hier einfach nicht ausreichend - weil oft falsch und durch die eigenen Vorstellungen verzerrt.
Das hatten wir ja schon. Ich will kein kleineres Auto. Das ergibt keinen Sinn und ist _gerade_ bei Kombination mit Rad, Fuß, ÖPVN nutzlos und unsinnig und grundfalsch. Solche Behauptungen kann man schon aufstellen - dann ziehe ich mich aber schnell aus der "interessierten Grundhaltung" zurück.
Im letzten Beitrag zu den Geschwindigkeitsbegrenzungen wurde es ja dann eher schlechter. Kriechender Verkehr auf Geschwindigkeiten langsamer als Fahrrad sind möglicherweise ideologisch begründet. Nur möchte ich gerne zivilisatorische Erungenschaften behalten. Und dazu gehört eben auch die Präsenz von Einzelpersonen an anderen Orten der Welt. Und des Landes. Und das ohne mehrtägige Anreisen in Kauf nehmen zu müssen.
Ich studiere regelmäßig die wöchentliche Auto-Beilage der Tageszeitung, eine allen zugängliche Quelle. Wenn du das auch tust und dabei zu einem anderen Ergebnis kommst, als dass die Fahrzeugindustrie vor allem daran interessiert ist, möglichst allen Menschen ein möglichst großes und PS-starkes Auto unterzujubeln, dann sollte mich das sehr wundern.
Die "zivilisatorische Errungenschaft" Auto zu fahren in Frage zu stellen, bedeutet nicht die zivilisatorische Errungenschaft mobil sein zu können in Frage zu stellen. So wie sich die Sache derzeit darstellt, ist es jedoch offensichtlich, dass der massenhafte Autokonsum bereits jetzt viele andere zivilisatorische Errungenschaften in Frage stellt. Zum Beispiel die sich ungefährdet im öffentlichen Raum aufhalten zu können. Hier ein besonders dramatisches Beispiel, um das zu verdeutlichen:
"Es ist gut ein Jahr her, als es vor der Stadthalle im Zooviertel zu einem schrecklichen Unfall kam: Der Fahrer eines Audi A 6 verlor die Kontrolle über seine Limousine und raste mit 70 bis 80 Stundenkilometern in eine Menschengruppe, die an der Üstra-Haltestelle am Theodor-Heuss-Platz auf die Stadtbahn wartete." HAZ, 2013
Zwei wartende ÖPNV-Fahrgäste wurden damals bei dem Unfall getötet. Der Fahrer verlor übrigens wahrscheinlich aufgrund einer Erkrankung die Kontrolle über sein Fahrzeug. Dabei könnten Fahrzeuge mit einem automatischen Tempobegrenzer ausgerüstet sein. So was gibt es ja längst, ist aber nicht vorgeschrieben. In Kombination mit Tempo 30 zulässige Höchstgeschwindigkeit hätte das vermutlich die Unfallfolgen reduziert. Übrigens wird angenommen, dass der Terroranschlag in Berlin, bei dem ein Lastwagen in den Weihnachtsmarkt fuhr, noch schlimmer geendet hätte, wenn der LKW nicht mit einer Bremsautomatik ausgerüstet gewesen wäre. "Ein automatisches Bremssystem am Lastwagen soll verhindert haben, dass bei dem Terroranschlag von Berlin noch mehr Menschen starben." Quelle: SZ vom 28.12.2016
Außerdem fordert der Autoverkehr weltweit mehr Todesopfer als Kriege! "Nach Erhebungen und Schätzungen von Weltbank und Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben weltweit jährlich etwa 1 Million (Weltbank) bis 1,2 Millionen (WHO 2003) Menschen an den Folgen von Verkehrsunfällen. Die Zahl der Verkehrstoten liegt damit weit über den Opferzahlen von Krieg, Genozid und Terrorismus. Die Anzahl der Verletzten wird auf jährlich etwa 40 Millionen geschätzt." Rein von den Opferzahlen her betrachte, wären demnach Krieg, Genozid und Terrorismus eine höher zu bewertende "zivilisatorische Errungenschaft" als der Autoverkehr, da dem Krieg ja weniger Menschen zum Opfer fallen als dem Autoverkehr. Und dabei ist in dieser Statistik noch nicht mal die hohe Anzahl von Toten und Erkrankten enthalten, die durch Autoabgase geschädigt werden. Quelle: