Solange es nicht einmal als normal empfunden wird, auf solchen Nebenstraßen mit dem Fahrrad auf der Fahrbahn zu fahren, wird das nichts mit der Verkehrswende, durch die Radfahrer als gleichwertige Verkehrsteilnehmer wahrgenommen werden, oder sich selbst als gleichwertige Verkehrsteilnehmer betrachten.
Solange es abgestrebt wird, auch auf kleinen Nebenstraßen Tempo 100 durchzusetzen und die Straßen entsprechend baulich zu ertüchtigen, wird das nichts mit der Verkehrswende. Ist ihre Aussage denn so zu verstehen, dass sie damit zum Ausdruck bringen wollen, die Fahrradfahrer*innen seien ja selbst Schuld, dass es mit der Verkehrswende nicht klappt, weil die Fahrradfahrer*innen mehrheitlich nicht dazu bereit seien, auf der Fahrbahn zu fahren?
Sie schreiben doch weiter oben selbst:
In den Köpfen hat sich festgesetzt, dass der Autoverkehr der einzig wichtige und richtige Verkehr ist, dem sich alles andere unterzuordnen hat. Daraus erwächst die Erwartung, dass man mit dem Auto überall freie Fahrt hat und niemals für andere bremsen muss. Daraus erwächst auch die Erwartung, überall (mindestens) die zul. Höchstgeschwindigkeit ausnutzen zu können, auch wenn das Sichtfahrgebot und die Forderung, einer den Verkehrsverhältnissen angepassten Geschwindigkeit es in den meisten Fällen nicht zulässt, auf Landstraßen 100km/h schnell zu fahren.
Warum verlangen Sie dann von den Radfahrenden, die von Ihnen selbst festgestellte gefährliche Verhaltensweise von Autofahrenden zu ignorieren und trotz der daraus resultierenden Gefahren auf der Fahrbahn zufahren? Ich stimme Ihnen ja zu in Ihrer Kritik an schlechten Radwegen, die darüber hinaus durch die Verkehrsführung an Kreuzungen und Einmündungen Radfahrende oft benachteiligen und gefährden.
Es scheint mir so eine Art Wahl zwischen Pest und Cholera. Was ich nicht verstehe ist, dass Sie das gefährliche Autofahrerverhalten so stoisch hinnehmen:
Leider werden Verstöße z.B. gegen das Sichtfahrgebot oder der Einhaltung einer angepassten Geschwindigkeit nicht geahndet, sondern haben allenfalls dann Konsequenzen, nachdem etwas passiert ist: Weil erst dann zweifelsfrei erwiesen ist, dass die Geschwindigkeit nicht angepasst war.
Ich vermute übrigens, dass das Nicht-Einhalten einer angepassten Geschwindigkeit auch dann häufig keine Konsequenzen hat, wenn etwas passiert ist. Dabei könnten pflichtgemäß in allen KFZ verbaute Fahrtenschreiber durchaus Abhilfe schaffen. Und auch die viel zu hoch angesetzten Tempolimits könnten deutlich niedriger angeordnet werden, wenn man dafür die rechtlichen Voraussetzungen beschließt. Und die deutlich niedrigeren Tempolimits könnten technisch durchgesetzt werden.
Leider habe ich bei Ihren Beiträgen manchmal den Eindruck, dass sie diese Begleitumstände komplett ignorieren und stattdessen sehr einseitig alleine auf das Fahrbahnradeln als "Allheilmittel" abzielen, bzw. der angeblichen "Unlust" vieler Radfahrenden, zu diesem angeblichen "Allheilmittel" für eine gelungene Verkehrswende zu greifen.
Vermutlich würde sich durch einen garantierten deutlich langsameren KFZ-Verkehr auf vielen Fahrbahnen deutlich mehr Fahrradverkehr einstellen als jetzt. Das sehe ich durchaus als sinnvolle Zukunftsperspektive mit dem Ziel eine echte Verkehrswende herbeizuführen.