Beiträge von Ullie

    Auf ihren Wahlkampf-Plakaten haben sich SPD und FDP, die ehemaligen Koalitionspartner der Grünen im Rat der Stadt Hannover bislang zurückgehalten mit Polemik gegen eine Verkehrswende. Allerdings wurde von SPD und FDP kaum eine Gelegenheit ausgelassen, gegen Projekte zu stänkern, die vom neuen grünen Oberbürgermeister unterstützt werden, um dem Fußverkehr, dem Radverkehr und dem ÖPNV wenigstens ein bisschen mehr Luft zu verschaffen gegenüber dem Autoverkehr, der die Landeshauptstadt erdrückt.

    Seit Vorgestern ist die fünf Jahre währende Rot-Gelb-Grüne Rathauskoalition Geschichte. Die Grünen haben sich befreit aus der Umklammerung von SPD und FDP, die selbst kaum eigenen Beiträge zu einer wirksamen Verkehrswende weg vom Auto in die Koalititionsarbeit eingebracht hatten. Dafür aber um so mächtiger stänkerten gegen grüne Projekte wie die autofreie Innenstadt.

    Vordergründig war die Weigerung von SPD und FDP, eine Personalentscheidung von Oberbürgermeister Belit Onay mitzutragen, Schuld am Koalitionsbruch. Die taz vom 22.7.2021 jedoch berichtet über den eigentlichen Grund:

    "Entzündet hatte sich der Streit nicht wirklich an der Personalie, sondern zuletzt vor allem an einer Reihe von Straßensperrungen in der Innenstadt, die Onay kurzfristig durchgedrückt hatte. Eine Verkehrswende hatte immerhin zu den zentralen Wahlversprechen des grünen OBs gehört. FDP und SPD fühlten sich aber nicht hinreichend gefragt und einbezogen, verwiesen auf Rückstaus, Verkehrschaos und klagende Händler."

    Ob sich der Bruch der Koalition wohl auch im weiteren Plakatwahlkampf niederschlagen wird?

    Link zum Taz-Artikel: https://taz.de/Buergermeister-Onay-ohne-Mehrheit/!5788693/

    Dein konstruiertes Verkehrszeichen "Fahrrad mit tiefe Einstieg" weist Ähnlichkeiten zum Sinnbild Mofa auf. Vlt. wurde ja deshalb der Diamantrahmen als Symbolbild für Fahrrad gewählt.

    Da hast du Recht, vor allem die deutlich dicker gezeichneten Rahmenteile kennzeichnen das Mofa-Piktogramm in Deutschland.

    Da ist der deutlich dünner gezeichnete Rahmen beim deutschen Fahrradpiktogramm (Plus dünne Querstange) ein eindeutiges Unterscheidungsmerkmal.

    Bildtafel der Verkehrszeichen in der Bundesrepublik Deutschland seit 2017 – Wikipedia

    Quelle: Wikipedia Verkehrszeichentafel ab 2017

    Noch stärker ist das bei den älteren Piktogrammen zu sehen, die weniger stark stilisiert sind.:

    Quelle: Wikipedia Verkehrszeichentafel ab 1971-1992.

    Auch dieser Bericht kommt komplett ohne den Aspekt aus, dass im Auto mutmaßlich ein Mensch zugange war. Das Auto wollte rückwärts ausparken, das Auto erwischte den Radfahrer, das Auto hat den Radfahrer verletzt.

    Ich vertrete ja nach wie vor die These, dass es ehrlicher wäre, ganz genau aufzuschreiben: Ein Autofahrer hat den Radfahrer aufgrund eines unachtsamen Fahrstils ins Krankenhaus befördert.

    Ich hatte kürzlich das "Vergnügen" bei einem Bekannten im Auto mitzufahren.
    Mit dem Einlegen des Rückwärts-Ganges schaltete sich automatisch eine Rückfahrkamera ein und das Bild wurde auf einen Bildschirm angezeigt.

    Leider hatte die Rückfahrkamera keine Warnfunktion. Bei dem Auto aus dem Unfallbericht werden keine Angaben dazu gemacht, ob es einen Rückfahrassistenten hatte oder nicht.

    Allerdings ist der Satz, "Offenbar fuhr das Auto beim Wendemanöver rückwärts den Radfahrer um.", aus der Unfallberichterstattung möglicherweise ein Hinweis darauf, dass so ein Auto ganz einfach mehr können muss, als einfach nur rückwärts fahren, wenn der Fahrer den Rückwärtsgang einlegt und Gas gibt.

    Das Auto sollte zum Beispiel in der Lage sein zu erkennen, ob sich von hinten ein Fahrradfahrer oder Fußgänger oder kleiner Fußgänger ... nähert. Und das Auto sollte dann automatisch bremsen können.

    Der Fahrer bringt das ganz offensichtlich einfach nicht. Und in der Berichterstattung wird der Fahrer ja auch gar nicht erwähnt, denn dem Bericht zufolge war es so: "Offenbar fuhr das Auto beim Wendemanöver rückwärts..."

    Ja verdammt nochmal, dann baut doch gefälligst auch Autos, die keinen umfahren, wenn sie im Rückwärtsgang unterwegs sind. Oder bei denen zumindest alles technisch mögliche getan wurde, um einen solchen Unfall zu verhindern.

    Gerade bei schwer beladenem Gepäckträger oder auch Ladefläche bei einem Lastenfahrrad, hilft die Mittelstange sehr dabei das Fahrrad im Stand aufrecht zu halten, weil man es dann auch mit den Oberschenkeln stabilisieren kann.

    Und man kann auch ein nicht beladenes Rad besser irgendwo anstellen, wenn es zum Beispiel keinen stabilen Ständer hat. Ich kenne die Vorzüge aus eigener Erfahrung. Und es soll keinesfalls der Diamantrahmen verschrottet werden. Aber das Schild fand ich lustig, weil es ziemlich anders aussieht als die sonst hier üblichen Fahrradpiktogramme auf Verkehrsschildern. Und sich daraus auch eine sehr elegante "Damenrad"-Variante entwickeln ließ.

    Inzwischen habe ich bei den spanischen Radwegpiktogrammen eine ähnliche Darstellung gefunden:

    Bildtafel der Verkehrszeichen in Spanien – Wikipedia

    Bei einem Ausflug zum ehemaligen Weltausstellungsgelände in Hannover ist mir dieses in Deutschland ungewöhnliche Fahrradpiktogramm aufgefallen, das sich sehr schön in ein Piktogramm für ein Fahrrad mit tiefem Einstieg ändern lässt:

    Möglicherweise war das Schild liegen geblieben bei der Weltausstellung, bei der hier Pavillons aus der ganzen Welt aufgebaut waren.

    Und irgendwer hat es gefunden und für diese Baustellenabsperrung genutzt:

    Ein ungewöhnliches Radverkehrsschild ziert diese Baustellenabsperrung im Stadtgebiet des ehemaligen Weltausstellungsgeländes am Kronsberg in Hannover:

    Ist das aus einem anderen Land nach Deutschland eingeflogen worden? Vielleicht Reste der Weltausstellung 2000, die recycelt worden sind? Bei genauerer Betrachtung ist deutlich das Klebeband erkennbar, mit dem einer der beiden Richtungspfeile abgeklebt wurde.

    Ursprünglich hatte das Zusatzschild wohl diese Bedeutung: [Zusazzeichen 1000-32]

    Zum Vergleich das in Deutschland übliche Fahrradpiktogramm:

    Das hat mich auf die Idee gebracht mal wieder ein Fahrrad mit tiefem Einstieg ins Spiel zu bringen. Früher auch gerne "Damenrad" genannt. Ein Fahrrad ohne hinderliche Mittelstange, was das Auf- und Absteigen deutlich erleichtert. Besonders bei vollgepacktem Gepäckträger!

    Warum trotzdem immer noch diese Fahrräder mit den unbequemen Diamantrahmen auf den Straßenverkehrsschildern so sehr präsent sind? Wollen hier die "Herren der Schöpfung" ihre "Vorrangstellung" behaupten? Schließlich ist der Begriff "Herrenrad" dafür immer noch sehr verbreitet.

    Deshalb habe ich mal das "digitale" Klebeband ausgepackt und mit dem Bildbearbeitungsprogramm ein paar Veränderungen vorgenommen hin zu einem fantastisch-eleganten visuellen Ereignis:

    Mehr zum Thema hier:

    Hier ist das CDU-Pendant zum Piratenplakat:

    Aufgestellt wurde das Plakat der CDU, die sich angeblich darum sorgt, dass die City für "alle" erreichbar bleiben müsse, ausgerechnet im mehrere Meter breiten Trennstreifen des Friedrichswalls. Drei Fahrspuren je Richtung! An der fotografierten Stelle, kurz vor der Kreuzung mit der Willy-Brandt-Allee sind es sogar fünf Fahrspuren auf der einen Seite, die drei Fahrspuren in die andere Richtung sind nicht auf dem Foto mit drauf.

    Da sind die CDU-Plakate-Aufsteller offensichtlich ganz schmerzfrei, wenn es darum geht an überbreiten Auto-Schneisen die Ängste zu schüren vor dem Ende des automobilen Zeitalters. :(

    Hier das "Beweis-Foto", aufgenommen werktag-morgens um ca. 7:30 Uhr. Um die Erreichbarkeit der City mit dem Auto muss sich die CDU nicht wirklich Sorgen machen. Schließlich hat man die Straßenbahn, die hier mal fuhr, schon vor über einem Vierteljahrhundert unter die Erde verbannt.

    https://i0.web.de/image/060/36000060%2cpd=2%2cf=size-xxl.webp

    Das Bild ist aus einer Bildergalerie auf web.de und zeigt mehrere Autos, die in einer belgischen Stadt bei den großen Überflutungen der letzten Tage übereinander geschoben wurden.

    Der Text zum Bild lautet:

    "© AFP/FRANCOIS WALSCHAERTS 15. Juli 2021: In einem Kreisverkehr in der belgischen Stadt Verviers stapelten sich Autos, nachdem es durch schwere Regenfälle zu Überschwemmungen in Westeuropa gekommen ist."

    Rätsellösung:

    Die Piratenpartei, zumindest die in Hannover wirbt mit dem Thema Verkehrspolitik in einer Art und Weise, dass man nicht vermuten würde, dass diese Aussage in ihrem Wahlprogramm steht:

    "Die für die Allgemeinheit günstigeren Verkehrsmittel sollen beim Ausbau Vorrang haben: Radverkehr kostet uns weniger als Bus und Bahn. Private PKW sind insgesamt am teuersten. Die Gesundheit der Menschen muss gegenüber der Mobilität einen größeren Stellenwert einnehmen. Der Schutz der Menschen vor Lärm, Feinstaub und Emissionen muss bereits Teil der grundlegenden Planung einer Verkehrsinfrastruktur sein. Klima- und Umweltschutz sind politische Ziele, die sich auch in der Praxis widerspiegeln müssen."

    Bundestagswahl 2017/Wahlprogramm – Piratenwiki

    Sehr ambitioniert in Richtung einer echten Verkehrswende klingt das nicht, was die Piraten in ihrem Bundestags-Wahlprogramm 2017 schreiben, aber solche Plakate wie das gezeigte in Hannover sind doch ein starkes Stück und würde man eher bei Parteien wie CDU, FDP und AfD vermuten.

    Ist das in anderen Landesteilen auch so, dass die Piratenpartei so wenig ambitioniert für eine Verkehrswende eintritt wie in Hannover?

    Das Plakat der grünen Kanzlerkandidatin ist jetzt zwar nicht direkt und unmittelbar radverkehrspolitisch ausgerichtet, aber in der Aussage Wirtschaft und Klima ohne Krise steckt Potenzial in Anbetracht der krisenhaften Zustände in den nordrheinwestfälischen und rheinlandpfälzischen Überschwemmungsgebieten.

    Allerdings ist auch vielen Sympathisanten der Grünen klar, dass solche Ereignisse auch eine grüne Kanzlerin nicht verhindern kann. Im Gegenteil die Gefahr ist groß, dass in Teilen der Bevölkerung Enttäuschung und vielleicht sogar blindwütige Hetze sich ausbreiten kann, wenn dringend notwendige Klimaschutz-Maßnahmen getroffen werden, aber die Wirkung naturgemäß erstmal ausbleibt und trotz intensiver Klimaschutz-Maßnahmen weiter Unwetter-Ereignisse auftreten.

    Trotzdem reagiert der CDU-Kanzler-Kandidat Laschet recht dünnhäutig, als WDR-Moderatorin Susanne Wieseler danach fragt, ob die Unwetterereignisse und Überflutungen einen "Wende-Punkt" darstellen, einen Wendepunkt dafür, dass jetzt endlich deutlich mehr und intensivere Maßnahmen ergriffen werden müssen, um den Klimaschutz voranzutreiben.

    Hochwasser in NRW: Katastrophenfall im Rhein-Erft-Kreis, WDR Aktuelle Stunde am 15.07.2021

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    Der Link führt direkt zu der Stelle in der Sendung, an der das Interview mit Laschet beginnt.

    Laschet präsentiert sich und das von ihm regierte Nordrhein-Westfalen in dem Interview als ein Treiber in Sachen Klimaschutz. Sehr glaubwürdig wirkt er dabei nicht. Zumal er erst vor wenigen Tagen sich damit zu Wort meldete: "Laschet lehnt Tempolimit von 130 als „unlogisch“ ab" RND Vom 5.7.2021 https://www.rnd.de/politik/lasche…Q3L27OOYAI.html

    KAcyc Dasselbe Modell hatte ich einmal in Dessau fotografiert vor einem der Bauhaus-Meisterhäuser, die dort mit großem Aufwand museal betreut werden, so dass ich mir die Frage stellte, ob es sich dabei um Original-Bauhaus-Design aus den 20er,30er-Jahren handelt:

    Du weißt nicht zufällig von wann diese zugefüllten "Fahrradständer" auf deinem Foto sind?

    Die neuen Fahrradständer daneben taugen zwar auch nichts, aber die alten wurden wenigstens fachgerecht entsorgt.

    Ich finde es schade, wenn so was einfach zugeschmiert wird. Man hätte doch auch modernere Fahrradständer so darüber bauen können, dass der ursprüngliche Zustand weiter sichtbar gewesen wäre.

    Hier wurde was vergessen ... (Das Vz 237 ist auch ein Baustellenschild und diente der Führung in der vorherigen Bauphase)

    Wenn die Schrift-Tafeln und die Baustellenabsperrung so gemeint sind, dass dort niemand mehr lang soll, dann fehlt dort:

    [Zeichen 250] und [Zeichen 259] .

    Bei dem [Zeichen 237]-Schild ein Stück hinter der Baustellenabsperrung bin ich mir nicht sicher, ob das Gültigkeit hat. Es steht schließlich wie sonstiges Baustellenmaterial hinter der Absperrung und nicht davor. Auf jeden Fall sollte es trotzdem weggestellt werden, so dass die Frage erst gar nicht auftaucht, ob da ein Fahrradweg ausgeschildert ist.

    Völlig unabhängig von der Ausschilderung bin ich mir sicher, dass innerhalb weniger Tage ein platt getrampelter Pfad im Rasen rechts von der Absperrung entsteht, oder jemand die Absperrung zur Seite rückt. Zumindest so lange hinter der Absperrung keine Bauarbeiten erkennbar sind.

    Der Hinweis auf die Velo-Route wird bei Fahrradfahrer*innen die Tendenz noch verstärken, die Absperrung zu missachten, zumindest so lange nicht klar erkenntlich Bauarbeiten im Gange sind.

    https://www.sueddeutsche.de/panorama/mannh…gsamt-1.5351916

    Darf ein bepflanzter Fahrradanhänger einem Auto den Parkplatz wegnehmen? Darüber ist in Mannheim ein Streit entbrannt.

    In dem verlinkten Artikel begründet die Verwaltung ihr Vorgehen gegen das "Beetmobill" unter anderem so: "Und wie begründen sie (die Verkehrsverwaltung), dass das Beetmobil da nicht stehen darf?

    Ein Argument war "Parkdruck". Ich würde Autofahrenden einen Parkplatz wegnehmen, dabei ist das Recht auf einen freien Parkplatz gar nicht durch die Straßenverkehrsordnung gedeckt."

    Dazu passt folgender Vorgang in Hannover:

    "Scheidende Umweltdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette: „Es gibt zu viele Autos in Hannover“" HAZ vom 15.7.2021

    Scheidende Umweltdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette: „Es gibt zu viele Autos in Hannover“
    Hannovers Wirtschafts- und Umweltdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette (Grüne) scheidet nach acht Jahren aus dem Amt. Die HAZ spricht mit ihr über ihren Rückzug,…
    www.haz.de

    Gestern sollte eine Nachfolgerin Dettes gewählt werden, zur Kandidatur stand ebenfalls eine Bewerberin mit grüner Parteizugehörigkeit, wie Dette.

    Die Koaltionspartner der Grünen im Rat, SPD und FDP stimmten jedoch nicht gemeinsam für Dette, somit ist der Koaltion zerrüttet. Der unerhörte Vorgang wird allgemein als Querschuss gegen den 2019 ins Oberbürgermeisteramt gewählten grünen Oberbürgermeister Belit Onay gewertet. Die SPD hat es möglicherweise noch nicht so recht verdaut, dass nicht mehr einer der ihren den Oberbürgermeister stellt.

    Vielleicht zeigt dieser Vorgang aber auch, dass die scheidende grüne Dezernentin zu genau den Nagel auf den Kopf getroffen hat mit ihrer Aussage, "Es gibt zu viele Autos in Hannover". Hatten SPD und FDP Angst, dass die Neue daran anknüpfen würde?

    Dieses elende Argument mit dem angeblichen "Parkdruck" wird von den Planierern und Betonköpfen stets bemüht, wenn es darum geht die Autoverkehrsinfrastruktur rücksichtslos auf Kosten anderer Verkehrsteilnehmer und der Natur durchzusetzen. Damit dürfen sie nicht länger durchkommen!

    Goldmedaille für das Beetmobil! :thumbup::*

    Ganz Klar: In einer Stadt ohne Autoverkehr hat der Fahrradverkehr ganz andere, sehr viel bessere Entwicklungs-Chancen.

    Aber beim Thema "autofrei" prallen die Meinungen dazu knallhart aufeinander, was diese beiden Plakate beweisen:

    Die Satire-Partei "Die Partei" wirbt damit in Hannover um Wählerstimmen.

    Und die Partei "Die Partei" hat die Plakate werbewirksam an der von den Auto-Befürwortern, heiß und innig geliebten "Stadtautobahn" Lavesallee aufgestellt. Die gilt den Auto-Kritikern jedoch als völlig überdimensioniert. Und tatsächlich ist die sechs bis acht Fahrspuren breite "Stadtautobahn" mit verantwortlich dafür, dass der Autoverkehr in großen Massen in die Innenstadt geschleust wird. Das war schließlich die Absicht als die Lavesallee in den 50er-Jahren gebaut wurde und das Auto hohes Ansehen genoss, geradezu als ein Wesensmerkmal für Modernität und Fortschritt galt. (Manche sind in dieser Betrachtungsweise bis heute stecken geblieben.)

    Hier ein Link zu der Festschrift:

    Rudolf Hillebrecht und der autogerechte Wiederaufbau Hannovers nach 1945
    P. Paul Zalewski:

    https://www.kuwi.europa-uni.de/de/lehrstuhl/k…illebrecht2.pdf

    Auf Seite 93 ist ein Bild aus der Bauzeit der Lavesallee in den 50er Jahren zu sehen.

    Der Spiegel lobte 1959 in einem Artikel "Das Wunder von Hannover": "Heute ist Hannover die einzige Stadt der Bundesrepublik mit einem System von Stadtautobahnen. Und Hillebrecht ist der wohl einzige Bürger Hannovers mit einem internationalen Ruf."

    https://www.spiegel.de/politik/das-wu…2?context=issue

    Die folgenden beiden Bilder zeigen die äußerst konträren Positionen Ja bzw. Nein zur autofreien Innenstadt dicht beieinander an derselben Laterne angebracht:

    "Zu viele wild abgestellte E-Scooter: Werden bald Autoparkplätze für Roller freigegeben?

    Vielen Bürgerinnen und Bürgern sind die wahllos geparkten E-Roller ein Dorn im Auge. Nun schlägt der Anbieter „Tier“ vor, feste Parkplätze in der Innenstadt umzuwidmen, um eine neue Infrastruktur einzurichten. In anderen Städten hat das Modell zu neuen Anreizen und mehr Ordnung geführt."

    HAZ vom 12.7.2021 https://www.haz.de/Hannover/Aus-d…etzen-abstellen

    Hohe Wellen schlägt derzeit in Hannover die Diskussion um die autofreie Innenstadt und der Rückbau von Autofahrspuren auf Hauptverkehrsstraßen, bzw. die Umwandlung zu breiten Fahrradstreifen.

    Da kommt der Vorschlag des E-Roller-Betreibers gerade zur rechten zeit, um die Diskussion zusätzlich zu entfachen.

    Dabei war klar: Entweder werden die E-Tretroller eine Modererscheinung sein, die nicht länger als ein bis zwei Sommer hält, oder das Angebot würde sich verstetigen. Dann ist allerdings auch klar, dass es stärker reglementiert werden muss. Viele Menschen in Hannover allerdings halten E-Tretroller für ein reines "Fun-Transportmittel", dass dem ach so "ernsthaften" Autoverkehr nicht die Parkplätze streitig machen darf.

    Warum eigentlich nicht? Und ist das Auto nicht ebenso ein reines "Fun-Transportmittel"? (Von sehr wenigen ernstzunehmenden Logistik-Einsätzen einmal abgesehen?)

    Bis ein fahrendes Auto in Sichtweite kommt.

    Dann wird auf den Gehweg ausgewichen und vorbeigewunken. Oft genug erlebt als Autofahrer.

    Du fährst nicht zufällig so ein Auto, wenn du als Autofahrer unterwegs bist? ;)

    https://www.1zoom.me/big2/464/283502-svetik.jpg

    Und ja, es ist nicht jeder so drauf, wie diese mutige Fahrradfahrerin in Hannover:

    "Die Straßenverkehrsordnung fordert erstens gegenseitige Rücksichtnahme und sagt außerdem, dass in einer Begegnungssituation derjenige ausweichen soll, für den es einfacher ist. Hätten nicht Sie ausweichen müssen?

    Es geht um gegenseitige Rücksichtnahme. Wer sagt, dass immer der Radfahrer Rücksicht nehmen muss? Hier saßen drei Männer im Führerhaus. Auch für die wäre es also kein Problem gewesen zurückzusetzen, denn einer von ihnen hätte als Einweiser aussteigen können."

    HAZ vom 26.12.2018 (an anderer Stelle im Forum wurde der Artikel schon mal diskutiert)

    https://www.haz.de/Hannover/Aus-d…die-Radfahrerin

    Die Wirkung von so einer Information ist jedoch genau die richtige: Radfahrer runter von Gehwegen, und auf die Fahrbahn wo sie hingehören. Das ist eine Information, die sehr vielen Menschen schlicht unbekannt ist, und wenn sie sie hören glauben sie es nicht. Eine solche "offizielle" Argumentationshilfe kommt doch sehr gelegen. Ich finde das gut.

    Das ist vielen Menschen sehr wohl bekannt, dass der Radverkehr nicht auf Gehwegen erfolgt. Und wenn die Fahrbahnen vielerorts nicht so sehr vom Autoverkehr dominiert wären, dann würden auch mehr Radfahrer die Fahrbahn benutzen, auch dann wenn der Gehweg für den Radverkehr freigegeben ist. Trotzdem gibt es sicher noch einen kleinen Anteil an Radfahrer*innen, denen nicht bekannt ist, dass der Fahrradverkehr nicht gezwungen ist, einen Gehweg zu benutzen, der mit Radfahrer frei gekennzeichnet ist.

    Ich vermute allerdings viele Radfahrer*innen, die trotzdem lieber den Gehweg benutzen als die Fahrbahn, wenn der Gehweg für den Radverkehr freigegeben ist, wissen, dass sie eigentlich sehr gut die Fahrbahn benutzen könnten. Sie fahren trotzdem lieber auf dem Gehweg, der für den Radverkehr freigegeben ist oder auf einem Angebotsradweg und zwar deshalb, weil sie von den Autofahrenden und manchen Mitarbeiter*innen der Verkehrsbehörden und der Polizei und von vielen Medien zu wenig dabei unterstützt werden, die Fahrbahn zu benutzen. Oder sogar gezielt dagegen angearbeitet wird.

    Auf wenig vom Verkehr belastete Straßen mit Tempo 30 Tempolimit, das auch eingehalten wird, zum Beispiel in vielen Wohngebieten, fahren dagegen die meisten Radfahrer*innen ganz selbstverständlich auf der Fahrbahn.

    Dann lass es doch einfach sein.

    Nein das lasse ich nicht, denn da steckt da steckt einiges dahinter. Ist mir eine gute Nahversorgung mit frischen Lebensmitteln vom Wochenmarkt etwas wert, so dass ich Lockerungen in diesem Bereich begrüße, oder nehme ich es in Kauf, dass immer mehr Menschen auch die Lebensmittel nur noch per Paket anliefern lassen, damit bei den Fluggesellschaften die Kasse brummt? Um nur ein Beispiel zu nennen.