Ich war ja anfangs auch eher für eine Impfpflicht, aber meine Meinung ändert sich gerade.
1. Gegen die aktuelle Omikron-Welle kommt eine Impfpflicht zu spät
2. Gegen die aktuelle Omikron-Welle wäre auch eine frühere Impfpflicht ungeeignet gewesen
Der große Fehler in der Debatte um die Impfpflicht war, dass man sie anfangs kategorisch ausgeschlossen hat. Natürlich ist es besser, wenn sich freiwillig genügend Menschen impfen lassen, aber ich verstehe nicht, wie man eine Impfpflicht generell ausschließen konnte. Das hat viel Vertrauen zerstört und gibt den Anti-Impf-Schwurblern nur zusätzlichen Rückenwind.
Den "Anti-Impf-Schwurblern", wie du sie nennst, zusätzlichen Rückenwind geben, das tust du aber selbst genau so, wenn du die Thesen in den Raum stellst, dass 1. gegen die aktuelle Omikron-Welle eine Impfpflicht zu spät komme.
Und 2. gegen die aktuelle Omikron-Welle wäre auch eine frühere Impfpflicht ungeeignet gewesen wäre.
Vielmehr spricht meines Erachtens einiges dafür, dass die hohe Anzahl von Geimpften (leider ist die Zahl immer noch nicht hoch genug) überhaupt erst dazu beigetragen hat, dass die Omikron-Variante mit einem milden Krankheitsverlauf einhergeht. Dass jetzt deutlich mehr Infizierte gezählt werden, bedeutet doch nicht, dass die Impfungen nichts genutzt hätten. Das sind Versatzstücke aus der Rhetorik der Impfgegner.
Fakt ist dagegen, dass eine weitere Corona-Welle im Herbst '22 deutlich weniger heftig ausfallen wird, wenn jetzt endlich die Impfpflicht beschlossen wird und zwar so, dass dadurch die Anzahl der Impfungen noch mal deutlich gesteigert werden kann.
Andernfalls ist absehbar, dass es erneut Einschränkungen geben wird, die nicht sein müssten, wenn jetzt endlich die Impfkampagne Fahrt aufnimmt, so wie es nur mit einer Impfpflicht möglich ist.
Das Gerede von "Impfungen kämen zu spät" und "Impfungen sind eventuell gegen neuere Corona-Varianten nicht wirksam", ist nach meiner Beobachtung eine Hinhaltetaktik der FDP und auch manchen CDU-Vertreter*innen mit dem durchsichtigen parteitaktischen Versuch, sich in bestimmten Kreisen der Bevölkerung als Alternative zur AfD zu etablieren.
Die Argumentation von manchen FDP-Vertretern, "Man wisse ja gar nicht, ob die Impfungen helfen würden.", erinnert mich sehr an deren Rhetorik gegen ein generelles Tempolimit auf Autobahnen: "Es sei ja gar nicht erwiesen, dass ein generelles Tempolimit dazu beitragen würde, die Zahl tödlicher Unfälle zu reduzieren."