Beiträge von Ullie

    Besonders die sog. "Querungshilfen", wo wirklich niemand anhält und du auf die Gnade Gottes angewiesen bist, dass mal kein Auto kommt, sind eine Beleidigung meiner Intelligenz.

    Ich hatte mich kürzlich mit jemandem unterhalten, der behauptete, dass in Bremen an Fußgänger-Querungshilfen mit Mittelinseln die Fußgänger vorrangberechtigt seien genau wie an einem Zebrastreifen.

    Bild von einer Fußgänger-Querungshilfe mit Mittelinsel:

    https://www.berlin.de/imgscaler/W1xSMQFOXCuw6nrC1vuLFBhqE8Qz3myzt5ScJyUL0Ns/textbildbreit/L3N5czExLXByb2Qvc2VuL3V2ay9fYXNzZXRzL3ZlcmtlaHIvdmVya2VocnNwbGFudW5nL2Z1c3N2ZXJrZWhyL2luZnJhc3RydWt0dXIvbW9iaWxpdGFldC1sb2htdWVobGVuYnJ1ZWNrZV9taXR0ZWxpbnNlbC5qcGc.jpg

    Wollte der mich veräppeln, oder wurde er von jemandem veräppelt?

    Meines Wissens nach ist das Bevölkerungswachstum quasi gestoppt. Denn die Zahl der Kinder steigt bereits seit einigen Jahren nicht mehr.

    Das aktuelle Wachstum kommt nur noch daher, dass die älteren Jahrgänge noch mehr werden. Aber dieser Effekt ist endlich.

    Für die "Mär" vom Erhalt eines hohen Wohlstand-Niveaus durch Schrumpfung der Weltbevölkerung ist es eigentlich unerheblich, ob wir derzeit auf der Welt mehr Menschen werden oder bereits dabei sind, weniger zu werden.

    Es sind mindestens zwei Betrachtungen wichtig:

    Wollen wir das überhaupt, nämlich "weniger werden"?

    Und würde es überhaupt funktionieren, nämlich die Steigerung und/oder die weltweite Verbreitung eines hohen Konsum-Niveaus?

    Ich sehe da die große Gefahr, dass eine Entwicklung in Gang gesetzt wird, bzw. fortgesetzt wird, bei der immer mehr oder gar nur noch der Konsum pro Kopf als Gradmesser für eine gelungene wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung als Parameter akzeptiert wird. Das wurde unter anderem von Erich Fromm so dargestellt:

    "Fromm skizziert in „Haben oder Sein“ eine Analyse der westlichen Gesellschaft, die aus seiner Sicht zunehmend vom Streben nach Besitz, vom fassadenhaften, markt- und konsumorientierten „Haben“ dominiert wird. Dem stellt er die Geisteshaltung des seelischen „Seins“ gegenüber, eine Haltung, in der Besitztümer keine Rolle spielen, und beruft sich auf zahlreiche philosophische und religiöse Ansätze, die diese Haltung befürworten, darunter Buddha, Jesus und Meister Eckhart."

    Haben oder Sein – Wikipedia

    Wir dürfen nicht noch mehr werden, sondern weniger. Und zwar schleunigst.

    Ich bin mir sicher, das ist zu kurz gedacht.

    Es ist meines Erachtens eine bequeme Ausrede am viel zu hohen Energieverbrauch und der mangelhaften nachhaltigen Form des Wirtschaftens in der jetzigen Form der indirekt so genannten "entwickelten" Länder festzuhalten.

    Fakt ist doch, dass dort jede Menge Fehlentwicklungen stattgefunden haben. Jetzt so zu tun als seien die sogenannten Entwicklungsländer daran Schuld, dass wir uns über Energiesparen Gedanken machen müssen, vertuscht die Ursachen und soll diejenigen entlasten die derzeit profitieren von einer prosperierenden Industriegesellschaft, die grenzenloses Wachstum für unverzichtbar hält.

    Und wie soll das "immer weniger werden" überhaupt funktionieren? bpb vom 28.1020

    "Ein Kind pro Familie – das war in der Volksrepublik China von 1979 bis 2015 die Regel. Mit dieser Maßnahme wollte die chinesische Regierung dem Bevölkerungswachstum entgegenwirken. Doch die strikte staatliche Geburtenkontrolle, die sogenannte Ein-Kind-Politik, brachte neben einem Rückgang der Geburtenrate auch sehr problematische Folgen mit sich: selektive Abtreibungen von Mädchen, Millionen Kinder, die nicht registriert wurden und eine Überalterung der chinesischen Gesellschaft. Seit fünf Jahren ist es Paaren nun erlaubt, zwei Kinder zu bekommen. Auch wird diskutiert, ob die Kinder-Beschränkungen ganz fallen sollten."

    Vor 5 Jahren: Ende der Ein-Kind-Politik in China | bpb
    Im Oktober 2015 brach China mit seiner Ein-Kind-Politik. Seitdem dürfen Paare zwei Kinder bekommen. Doch der erhoffte Geburtenzuwachs blieb bislang aus.
    www.bpb.de

    Entscheidend wichtig ist dabei unter anderem ein funktionierender Sozialstaat, der eine Versorgung im Alter besser gewährleistet, als eine reichhaltige Schar von Nachkommen.

    "Ein Viertel der regelmäßigen Au­to­fah­re­r:in­nen ist grundsätzlich nicht bereit, künftig häufiger den öffentlichen Verkehr zu nutzen und das Auto stehen zu lassen.", heißt es in dem von Malte verlinkten taz-Artikel.

    Während ich das so lese kommt mir der Gedanke, ob möglicherweise eine hohe Übereinstimmung dieser Personengruppe mit Impfgegnern oder Impfpflichtgegnern besteht.

    Meine These: Bei Impfgegnern oder Impfpflichtgegnern spielt als Motivation häufig ein sehr großes Misstrauen gegen gemeinschaftlich organisierte und staatlich geförderte oder unterstützte Angebote eine große Rolle.

    Es wird natürlich derzeit häufiger darüber berichtet, dass die Impfpflichtgegner von heute schon in den Startlöchern stehen, wenn es darum geht, gegen Maßnahmen zur Klimawende zu agitieren und Lügen und Hetze zu verbreiten.

    Möglicherweise verhält sich die Sache so: Wer regelmäßig den ÖPNV benutzt, der macht zwangsläufig die eine oder andere schlechte Erfahrung. Das ist beim Autofahren nicht anders.

    Beim ÖPNV passiert es möglicherweise schneller, dass "die da oben" als die Bösen gebrandmarkt werden, die Schuld am eigenen Unglück seien. Oder es eben nicht sein sollen, "weil man das ja weiß", das von "denen da oben" immer nur Schlechtes kommt, zeige ich denen "den nackten Finger", wo's nur geht.

    Beim Autofahren werden dagegen nicht die da oben sondern konkrete Einzelpersone ins Visier genommen. Dieser blöde "Oppi" der so lahm vor sich hin "zuckelt" und damit den Verkehr aufhält, oder dieser leichtsinnige Fußgänger, der ohne auf den Verkehr zu achten einfach auf die Fahrbahn tritt usw.

    Wer solche Erlebnisse nicht aushält, dass mal etwas nicht hundertfünfzigprozentig glatt läuft und ein Umweg gefahren werden muss, oder auf einen Anschlusszug gewartet werden muss, der kann auch nicht damit leben, dass eine Impfung die Gefahr von Nebenwirkungen (und seien sie noch so gering) beinhaltet.

    ... aber ich habe manchmal den Eindruck, die einzig relevante Gefahrenquelle wäre tatsächlich der Kraftverkehr.

    Dabei wird in der Regel unterschätzt, dass die Zahl der im Straßenverkehr schwerverletzten und getöteten Kinder am höchsten ist, wenn sie als Mitfahrer im Auto verunglückten. Zumindest bei Kindern im Vorschulalter ist das so. Erst danach ändern sich die Zahlen zu Ungunsten von Fahrradfahrer*innen und Fußgänger*innen. "Die Zahlen aus Wiesbaden bestätigen, dass Kinder bis zu ihrer Einschulung am meisten gefährdet sind als Mitfahrer im Auto und Kinder ab 10 Jahren als Radfahrer. Grundschüler verunglückten zu 40,4 Prozent als Mitfahrer im Auto, zu 28,7 Prozent als Fußgänger und zu einem guten Viertel als Radfahrer (25,0 Prozent)."

    Giftige Pflanzen sind übrigens auch nicht zu unterschätzen! Aber viele Kinder sitzen mehr zuhause und im Auto, als dass sie sich draußen aufhalten. https://www.br.de/nachrichten/wi…flanzen,ScZLu7t

    Ist ein Klein-Kind auf einem "Fahrrad" ein Fußgänger oder ein Fahrradfahrer?

    Die StVO besagt ja, dass Fahrradfahrer*innen keinen Vorrang am Zebrastreifen genießen, wie er für Fußgänger*innen gilt.

    Unabhängig davon berechtigt das natürlich keinen Autofahrer, am Zebrastreifen einen Fahrradfahrer gewaltsam an der Weiterfahrt zu hindern, indem er mit einem gefährlichen Fahrmanöver gestoppt wird.

    Aber ein kleines Kind auf einem "Fahrrad" bis zum Alter von (4, 5 oder 6 Jahren?) ist das rechtlich gesehen überhaupt ein Fahrradfahrer oder eben ein Kind, das mit einem Spielzeug unterwegs ist?

    Bei einem solchen Kinderspielzeug käme ja auch keiner auf die Idee, es als ein richtiges Auto zu bezeichnen:

    Das Ding hat tatsächlich einen Motor und ein Kind kann damit in Schrittgeschwindigkeit fahren.

    Als pädagogisch wertvoll würde ich es allerdings nicht bezeichnen.

    Vermutlich ist ein Kind in so einem Spielzeugauto tatsächlich auch vorrangberechtigt an einem Zebrastreifen. ""Richtige" Autofahrer müssten dem Kind Vorrang gewähren." (Mal völlig unabhängig davon, dass man so oder so keinesfalls ein Kind gefährden darf.)

    Manche Impfpflichtgegner meinen, sie hätten jetzt mit der angeblich "harmlosen" Omikron-Variante Oberwasser gewonnen.

    In der Omikronwelle: Was bringt eine Impfpflicht?
    Die Infektionszahlen explodieren - wegen Omikron. Stecken sich jetzt alle an, wandelt sich das Virus immer weiter? Auch wenn die Impfung immer noch vor…
    www.ardmediathek.de

    In der Diskussionssendung hart aber fair vom 17.1.2022, (Minute 25:15 bis 25:45)

    kommt Bundesgesundheitsminister Lauterbach zu Wort und gibt zu Bedenken, dass eine Ansteckung mit der Omikron-Variante des Coronavirus voraussichtlich keinen Schutz bietet vor der Delta-Variante, die sich dann im Herbst mit Macht zurückmelden könnte, wenn nicht jetzt mit der Impfpflicht gegengesteuert wird.

    So gesehen sind die Beiträge der FDP-Frau, die in der Sendung als Impfpflicht-Gegnerin auftritt, verharmlosend. Ihre Stellungnahmen erinnern mich so ein bisschen an die FDP-Aussage zu einem generellen Tempolimit auf Autobahnen.

    Wir wissen ja gar nicht, ob mehr Impfungen einen so viel besseren Gesundheitsschutz gewährleisten, dass eine Impfpflicht gerechtfertigt ist.

    Wir wissen ja gar nicht, ob ein generelles Tempolimit von 130 auf den Autobahnen einen so viel besseren Unfallschutz, Umweltschutz, und Klimaschutz gewährleisten, dass eine generelles Tempolimit von 130 km/h (in den Augen der FDP eine Pflicht zum Langsamfahren) gerechtfertigt ist.

    Zum Beispiel, indem wir Öl aus Saudi-Arabien kaufen und die Scheichs dann von dem Geld bei uns Panzer bestellen oder Al Qaida unterstützen. Oder indem wir eine Gaspipeline durch die Ostsee bauen, über die uns Russland Erdgas liefern kann, ohne dieses durch die Ukraine leiten zu müssen.

    Alles sehr friedenserhaltende Abhängigkeiten... :rolleyes:

    Ganz bestimmt nicht, aber umgekehrt wird ja nichts besser davon, wenn wir unsere Energieversorgung komplett autark organisieren und dafür die Handelsbeziehungen zu anderen Staaten einstellen. Zumal dann andere Staaten, die Lücken besetzen. Ich will hier nicht den Handel mit Rohstoffen schönreden, die dann bei uns dazu benutzt werden, um die Erderwärmung voranzutreiben.

    Das Project Desertec ist ein Beispiel dafür, wie internationale Handelsbeziehungen abseits vom billigen Öl als Energieträger aussehen könnten.

    Die österreichische Zeitung "Der Standard" berichtete letztes Jahr darüber:

    "Desertec: Wo bleibt der günstige Strom aus der Wüste?

    Mit dem Desertec-Projekt sollte günstiger und klimafreundlicher Strom von Afrika nach Europa fließen. Ein kleiner Teil der Sahara könnte genügen, um die gesamte Welt zu versorgen. Was wurde aus dem Projekt?"

    Desertec: Wo bleibt der günstige Strom aus der Wüste?
    Mit dem Desertec-Projekt sollte günstiger und klimafreundlicher Strom von Afrika nach Europa fließen. Ein kleiner Teil der Sahara könnte genügen, um die…
    www.derstandard.de

    Am Ende des Artikels wird über den bau von Solarkraftwerken in Marokko berichtet: "Weitgehend unabhängig von der Initiative baut etwa Marokko jetzt selbst gigantische Solarkraftwerke, bis 2030 soll die Hälfte des Stroms dort aus der Wüste kommen. "Desertec war seiner Zeit voraus", sagt Huber, die Vision werde nun aber trotzdem umgesetzt. "Ob das unter Desertec läuft oder nicht, ist eigentlich egal.""

    und Rad Fahrenden mindestens ebenso oft, wenn nicht sogar häufiger, da Situationen mit Kindern einfach viel häufiger.

    Wenn ich sehe, dass auf gemeinsam (legal/nicht legal) genutzten Wegen mit 30cm Abstand überholt/vorbeigefahren wird: ||

    Und da ist 0 (null!) unrechts- oder gefahrenbewusstsein. In der Argumentation ist wahlweise eben Kind oder Elternteil schuld, wenn was passiert.

    Wen wundert es? Leider wird es Fahrradfahrer*innen noch viel zu oft von den Verkehrsbehörden und der Polizei nahegelegt, im Zweifelsfall den Hochbordradweg zu benutzen, auch wenn es nur ein Angebotsradweg ist. Und auch wenn er direkt neben dem Fußweg verläuft und beide, Fußweg und Radweg eigentlich zu schmal sind. Oder stark frequentierte Radverkehrs-Verbindungen beinhalten Abschnitte, die durch Fußgängerzonen führen. Nicht selten ist die erkennbar mangelhafte Bereitschaft, Autostellplätze aufzulösen, oder Autofahrspuren aufzugeben, seitens der Verkehrsbehörden mit Schuld daran, dass die Situation für den Fuß- und Radverkehr nicht besser und sicherer gestaltet wird.

    Erst harte Hindernisse wie Poller oder Schranken verhindern einigermaßen sicher , das Autofahrer Flächen, die sie nicht benutzen sollen, trotzdem benutzen.

    Ein Beispiel dafür liefert dieser Fußgängerüberweg in Hannover:

    Der Straßenbelag wurde erneuert, nur die Fahrradbügel (=harte Hindernisse) in dem Bereich kurz vor dem Zebrastreifen noch nicht. Und prompt wird hier seit Wochen falsch geparkt. Der Kleintransporter auf dem Foto zum Beispiel verdeckt Fußgänger*innen, die den Zebrastreifen benutzen wollen.

    An einer anderen Stelle kann man sehen, dass Fahrradbügel verhindern, dass Autos die Sicht auf den Zugang zum Zebrastreifen verdecken:

    Zumindest so lange dort niemand sein Transportfahrrad mit Kastenaufbau abstellt:

    Hier steht das Transportfahrrad auch etwas ungünstig, aber zumindest ist der Kastenaufbau zur Hauswand hin ausgerichtet. Andersrum abgestellt würde es die Bürgersteigabsenkung (dunkelgraue Bodenfliesen) verdecken.

    Eigentlich müssten für solchen Transportfahrräder Stellplätze an den Stellen geschaffen werden, wo jetzt noch Autos parken.

    Meine Meinung, wenn Deutschland NS2 in Betrieb nimmt, ist Russland innerhalb von 48h in die Ukraine einmarschiert und kappt die beiden Leitungen durch das Land.

    Wenn sie das nicht schon vorher machen, weil RUS weiß, spätestens wenn hier der Gaspreis um 50% anzuziehen droht, ist allen die Ukraine egal.

    Besser wäre es (gewesen) dieses Land hätte schon vorher versucht deutlich unabhängiger zu werden vom Gas. Aber das ist Vergangenheit.

    Wohin soll denn das führen, wenn die Länder alle nach größtmöglicher Autarkie streben? Eines der schlimmsten Argumente für den Ausbau der erneuerbaren Energien ist: "Dann sind wir unabhängig von anderen Ländern bei der Energieversorgung." Gegenseitige wirtschaftliche Abhängigkeiten sind letztlich Friedenerhaltend.

    Das soll selbstverständlich nicht heißen, "wir dürfen keine Windräder mehr bauen, weil die Unabhängigkeit vom Gas kriegstreibend wirkt". Aber es ist richtig, gegenseitige wirtschaftliche Beziehungen zum beidseitigen Vorteil zu pflegen.

    Deutschland exportiert in einem hohen Maß Maschinenbau-Produkte nach Russland. Ziel muss es doch sein. Russland dazu zu bewegen, den Gasexport zurückzufahren, und langfristig ein nachhaltiges Wirtschaften einzuleiten. Dazu reicht eine Handelsbeziehung Gas gegen Maschinenbauteile langfristig nicht aus.

    Das "Geheule" der ADFC-Frau, die sich offenbar mit 50 cm mehr Breite und einem entsprechenden Lolli zufriedengäbe, ist mir unverständlich. Aber das "Gegengeheule", dass es ja auch ohne die fehlenden 50 cm völlig OK ist, finde ich einfach nur doof. Denn jede Form von gemeinsam zu benutzenden Nebenanlagen transportiert m.E. nur den Prä-1998-Geist: Fahrbahn für Autos frei, alles andere hat sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit gefälligst irgendwohin zu verpissen.

    Genau genommen wird in dem Artikel nichts darüber geschrieben, ob die von der ADFC-Sprecherin geforderte breitere Nebenanlage benutzungspflichtig sein soll. (Ich habe den ganzen Artikel gelesen, weil ich Abonnent bin. Da steht nichts darüber geschrieben, dass die ADFC-Sprecherin für den geforderten breiteren gemeinsamen Rad- und Fußweg eine Benutzungspflicht sich wünscht.)

    Vermutlich wäre es schwieriger für die Verkehrsbehörde, eine breitere Nebenanlage nicht als benutzungspflichtig auszuweisen. Obwohl ja eigentlich die Benutzungspflicht davon abgeleitet wird, dass es auf der Fahrbahn zu gefährlich sei für Radfahrer*innen. So gesehen hätte die Verkehrsbehörde ja den breiteren Fuß- und Radweg bauen müssen, wenn es denn tatsächlich so gefährlich wäre auf der Fahrbahn.

    Meines Erachtens ist es durchaus statthaft einen hinreichend breiten Radweg als Angebotsradweg auszuschildern, so dass Fahrradfahrer*innen nicht gezwungen sind den Fahrradweg zu benutzen.

    Im vorliegenden Fall handelt es sich ja nicht um einen Angebotsradweg, sondern um einen Fußweg.

    Auf jeden Fall würden es wohl nur sehr wenige Fahrradfahrer*innen begrüßen, wenn die Verkehrsbehörde die sanierungsbedürftige Nebenanlage ersatzlos begrünt hätte, oder in dem Zustand belassen hätte und einfach nur Fußwegschilder aufgehängt hätte. Und es hätte dazu geführt, dass sehr viele Fahrradfahrer*innen die als reinen Fußweg ausgezeichnete Nebenanlage zum Fahrradfahren benutzt hätten. Das hätte dann tatsächlich eine große Anzahl Regelbrüche ausgelöst.

    ja, genau diese Regelbrüche. Schrittgeschwindigkeit ist dem Wortlaut immer einzuhalten. Auch wenn im Umkreis von 500m kein einziger zu Fuß unterwegs ist.

    Ob es vorwerfbar ist, in diesem Falle mit 30km/h da zu fahren: keine Ahnung. Aber die Diskussion ist dann ja ähnlich wie "wenn nachts die Autobahn frei ist, darf ich doch auch schneller als die dort angeordneten max 120!!!!"

    Das ist meines Erachtens nicht vergleichbar. Ein Fußweg mit Radverkehrsfreigabe zwingt nicht dazu immer mit Schrittgeschwindigkeit zu fahren. Diese Regel gilt ja ganz spezifisch für den Fußgängerschutz.

    Ein Tempo 120 max. auf der Autobahn hat auch noch andere Aspekte. Zum Beispiel Umweltschutz und/oder Lärmschutz. Und es geht nicht nur um Fremdgefährdung, sondern auch um eine erhebliche Eigengefährdung. Die sind in dem hohen Maße wie bei der Raserei mit Autos, beim gemeinsamen Fuß und Radverkehr nicht gegeben.

    Tempo 100 ist doch erstmal kein alleiniger Grund, nicht auf der Fahrbahn zu radeln.

    Wenn das so wäre, hätten wir flächendeckend an allen "guten" Straßen außerhalb geschlossener Ortschaften ein [Zeichen 254] prangen.

    Tempo 100 als zugelassene Höchstgeschwindigkeit auf Landstraßen ist vor allem ein Grund dafür, für den Radverkehr Extra-Wege zu bauen, die es nicht geben müsste, wenn es auf Landstraßen ein deutlich niedrigeres Tempolimit gäbe. Aber selbst Tempo 80 max. auf Landstraßen in den Siebziger-Jahren wurde ja nicht dauerhaft umgesetzt. Nicht zuletzt weil der ADAC dagegen seinen Einfluss geltend gemacht hat und gleichzeitig erheblich die Öffentlichkeit dagegen aufgehetzt hat. Dabei ist es letztlich zweitrangig ob entsprechende Klagen von Privatpersonen geführt werden und der ADAC das "nur" unterstützt.

    Gäbe es ein Verbot für den Radverkehr auf Straßen, auf denen Tempo 100 max. gilt, dann wäre ich ganz sicher viele Fahrten nicht gefahren, die ich mit dem Rad gefahren bin. Was meinst du mit allen "guten" Straßen?

    Für mich ist eine Straße nicht automatisch gut, wenn dort Tempo 100 gefahren werden darf. Im Gegenteil!

    Richtig ist: wer eine Nebenfläche mit 2,0m Breite auf so einer Länge schafft und dann "Servicelösung" dranklebt, der akzeptiert Regelbrüche durch Rad Fahrende. Alles andere wäre Augen vor der Realität verschließen.

    So eine Lösung ist von der Sorte: dämlich

    Welche "Regelbrüche" meinst du denn damit?

    Auf der Strecke ist kaum Fußverkehr unterwegs, so dass der Fahrradverkehr die allermeiste Zeit nicht mit Schrittgeschwindigkeit, sondern deutlich schneller unterwegs sein wird. Ob das als Regelbruch zu bewerten ist? Das ist m. E. nicht der Fall. Erst wenn eine konkrete Gefährdung von Fußverkehr dazu kommt.

    Aber Fußgänger werden dort aus zwei Gründen eher selten anzutreffen sein. Da ist einmal der Autoverkehr mit Tempo 100, der an den Fußgängern ständig vorbeibrettert und dann stört der Radverkehr, der sich voraussichtlich überwiegend auf dem Fußweg abspielen wird, der ja für den Radverkehr freigegeben ist.

    Da muss noch nicht mal das erwartbare Gebrülle "Fuuuuußweeeeg" verbunden mit Hupen und Imponiergehabe ertönen, um Fahrradfahrer mit weniger dickem Fell auf die Nebenanlage zusteuern zu lassen. Die Auto-Raserei mit Tempo 70 und oft mehr als Tempo 100 tun ihr übriges.

    Es gibt unter anderem eine Gefahrenstelle an einer kurvigen Brückenüberfahrt und an einer Bushaltestelle, wo ein niedrigeres Tempolimit gilt. Die meiste Zeit gilt Tempo 100.

    Aber ich vermute mal, sehr viele Beobachter werden den Vorgang so bewerten, dass sie Annette Teuber vom ADAC mit mehr oder weniger viel Bedauern den Ratschlag geben, sie solle doch zufrieden sein, mit dem Spatz in der Hand anstatt nach der Taube auf dem Dach zu schielen. Wobei die meisten einen breiteren Radweg als die Taube auf dem Dach ansehen werden.

    Und nur wenige werden die Perspektive einer deutlich vom privaten Autoverkehr reduzierten Landstraße mit zuverlässig eingehaltenem niedrigen Tempolimit von Tempo 50 oder 60 km/h an Gefahrenstellen noch weniger, als Taube bezeichnen. Die einen weil sie es nicht wollen, zum Beispiel weil sie selbst Autofahrer sind, die anderen weil ihnen das Vorstellungsvermögen fehlt, dass so was möglich ist.

    Man könnte auch die Radverkehrsfreigabe für den Fußverkehr wegnehmen. Ich hielte es allerdings nicht für klug, wenn der ADFC das forderte. Nur wenige Menschen würden verstehen, warum das für den Fahrradverkehr möglicherweise von Vorteil sein könnte. Und es hätte zur Konsequenz, dass zahlreiche Regelverstöße durch Fahrradfahrer erfolgen würden, die dann unerlaubterweise den Fußweg benutzen würden.

    der ADAC klagt Tempolimits weg? Der ADAC verhindert Tempolimits auf ODs?

    Hab ich was verpasst? :/

    Sieht so aus! Lies mal hier nach, dann kannst du dir ein Bild von der ADAC-Denke machen:

    "Ähnlich äußert sich der ADAC. Ein Vorstoß wie in Frankreich sei für kurvige Landstraßen mit einer maximalen Breite von sechs Metern sinnvoll. Eine zusätzliche Überholspur oder die Sicherung von Hindernissen sind nach Ansicht des ADAC aber oft effektiver."

    Neues Tempolimit auf Landstraßen: Was dafür spricht und was dagegen
    Immer mehr Verkehrs-Experten sprechen sich für ein schärferes Tempolimit auf Landstraßen aus - auch der ADAC. Doch es gibt auch Kritik: Zu scharfe Limits wären…
    www.focus.de

    6 m Breite hat die Landstraße zwischen Hannover-Wülfel und Hemmingen für den ADAC breit genug zum Rasen. Und von ein zwei Kurven mit Überholverbot (durchgezogene Linie) abgesehen, darf dort überholt werden, was manche Autofahrer veranlasst auch mal über die Tempo 100 hinauszugehen, ist ja "nur für den Überholvorgang" was manche Autofahrer für erlaubt halten.

    Für den ADAC ist das ganz klar keine Landstraße mit Anwartschaft auf Tempo 80 oder noch niedriger.

    Als ich kürzlich mit einem ADAC-Vertreter darüber sprach, dass dort Tempo 60 gelten müsse, weil dort auch Linienbusverkehr stattfindet, der nicht schneller als Tempo 60 fahren darf, da musste ich mir dann anhören, dass es völlig unverhältnismäßig sei, den Autoverkehr "künstlich" zum Langsamfahren zu nötigen.

    Oder schau mal hier nach, da schreibt der Spiegel darüber, wie der ADAC in den 70er-Jahren mit seiner Parole "Freie Fahrt für freie Bürger" nicht nur Tempo 100 max. auf den Autobahnen, sondern auch Tempo 80 auf den Landstraßen erfolgreich bekämpft hat: "Dabei gab es eine Obergrenze von 80 km/h sogar schon mal, unter Bundeskanzler Willy Brandt und dessen Verkehrsminister Lauritz Lauritzen (beide SPD). Um in der ersten Ölpreiskrise infolge des Jom-Kippur-Kriegs 1973 den Erdölverbrauch zu drosseln, wurde ein Tempolimit von 100 km/h auf Autobahnen und 80 km/h auf Landstraßen verfügt. Es war für zunächst sechs Monate geplant.

    Der Aufschrei war jedoch groß, insbesondere über die Autobahn-Regelung. Mehr als eine Million »Freie Bürger fordern freie Fahrt«-Aufkleber wurde der ADAC in Kürze los. Daraus entstand der noch heute verwendete Slogan »Freie Fahrt für freie Bürger«. Das Tempolimit hingegen wurde nach 111 Tagen Mitte März 1974 einkassiert. Seither gilt außerorts Tempo 100.

    Spiegel vom 21.82021 https://www.spiegel.de/auto/tempolimi…41-e5572675ff70

    Zum Thema Ortsdurchfahrten: "Tempo 30 in Ortsdurchfahrten: ADAC hält nichts von dem Experiment

    Die Region will eine Experimentierklausel der Straßenverkehrsordnung nutzen, um auf bis zu 40 Ortsdurchfahrten in Hannovers Umland Tempo 30 einzuführen. Der Autoclub ADAC stichelt nun gegen die Pläne."

    Tempo 30 in Ortsdurchfahrten: ADAC hält nichts von dem Experiment
    Die Region will eine Experimentierklausel der Straßenverkehrsordnung nutzen, um auf bis zu 40 Ortsdurchfahrten in Hannovers Umland Tempo 30 einzuführen. Der…
    www.haz.de

    In dem Artikel der HAZ vom 1.9.2020 heißt es außerdem: "„Der ADAC fordert eine ergebnisoffene Diskussion zur Gestaltung der Ortsdurchfahrten – ohne Limitierung auf den Faktor Geschwindigkeit“, sagt Kruse. Die Menschen würden sonst möglicherweise nicht verstehen, „warum auf einer gut ausgebauten Straße das Tempolimit einzuhalten ist, wenn es nicht durch Gefahrenpunkte ersichtlich wird“."

    Oder hier: "Verkehrssicherheit:

    ADAC gegen Tempo 30

    SZ vom 9. April 2021:

    "Mehrere Städte, etwa Freiburg oder Darmstadt, planen, Tempo 30 flächendeckend einzuführen - entsprechende Anträge haben einige Kommunen beim Bundesverkehrsministerium gestellt. Der ADAC Sachsen allerdings sieht darin keinen Nutzen für die Verkehrssicherheit."

    Tempo 30: ADAC spricht sich dagegen aus
    Mehrere Städte würden gerne ein flächendeckendes Tempo 30 ausprobieren. Der ADAC ist dagegen.
    www.sueddeutsche.de

    Oder hier: "ADAC gegen Tempo 30

    Der ADAC lehnt Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit ab. "Tempo 30 als innerörtliche Regelgeschwindigkeit ist nach Ansicht des ADAC allerdings weder aus Sicherheits- noch aus Umweltgründen zielführend."

    noz.de vom 6.6.2021

    Osnabrücks Grüne wollen Tempo 30 auf allen zweispurigen Straßen
    Die Osnabrücker Grünen fordern nun Tempo 30 auf allen zweispurigen Straßen im Bereich der Innenstadt. Umsetzbar ist das nicht.
    www.noz.de

    Es liegt doch auf der Hand, dass ein ADFC, der sich in einem Fall wie die hier angesprochene Landstraße zwischen Hannover Wülfel und Hemmingen dafür ausspricht, dass der Fahrradverkehr doch bitteschön ausschließlich auf der Fahrbahn stattfinden könne, damit keinen Blumenpott gewinnen wird. Auch wenn sich der ADFC dafür aussprechen würde, dass ein durchgängiges Tempolimit 60 und an den unübersichtlichen Stellen (Kurve auf Brücke, Bushaltestelle) von Tempo 30 gelten sollte, würde das nicht helfen, denn niemand glaubt daran, dass diese Rahmenbedingungen jemals umgesetzt würden. Aber selbst wenn das der Fall sein sollte, so würde niemand darauf vertrauen, dass Maßnahmen ergriffen werden, ein niedriges Tempolimit zu kontrollieren.

    "ADFC verärgert: Zwischen Hannover und Hemmingen fehlen 50 Zentimeter für Radweg

    Monatelang ist die Wülfeler Straße zwischen Hannover und Hemmingen saniert worden – einen separaten Radweg gibt es nun aber immer noch nicht, weil der Weg neben der Straße zu schmal ist. Der Fahrradclub ADFC ist entsetzt – die Landesstraßenbehörde spricht hingegen von einer guten Lösung."

    Das ist der alte Zustand (googlestreetview von 2008)

    Google Maps
    Find local businesses, view maps and get driving directions in Google Maps.
    www.google.de

    Der neue Weg hat eine Breite von 2,00 m. "Um einen Radweg mit Verkehr in beiden Richtungen einzurichten, hätte dieser eine Breite von 2,50 Metern haben müssen. Der neue Weg an der Wülfeler Straße hat allerdings nur eine Breite von zwei Metern."

    Die Landesbehörde spricht deshalb von einer guten Lösung, weil der neue Weg mit einem Fußwegschild gekennzeichnet ist und dem Zusatz "Radverkehr frei". [Zeichen 239] + [Zusatzzeichen 1022-10]

    Fahrradfahrer*innen, die auf der Fahrbahn fahren wollen, werden so nicht durch eine Benutzungspflicht für die Nebenanlage davon abgehalten. Darauf weist die Straßenbaubehörde in dem Artikel hin: "Im Ergebnis stehe „eine gut für Fußgänger und Radfahrende nutzbare Nebenanlage zur Verfügung“. Das Land verweist auch darauf, dass diese für Radfahrer „nicht benutzungspflichtig“ sei. Diese dürften also auch auf der Straße fahren."

    HAZ vom 10.1.2022: ADFC verärgert: Zwischen Hannover und Hemmingen fehlen 50 Zentimeter für Radweg

    ADFC verärgert: Zwischen Hannover und Hemmingen fehlen 50 Zentimeter für Radweg
    Monatelang ist die Wülfeler Straße zwischen Hannover und Hemmingen saniert worden – einen separaten Radweg gibt es nun aber immer noch nicht, weil der Weg…
    www.haz.de

    Die Klemme in der der ADFC steckt, ist offensichtlich:

    Selbstverständlich wäre es absolut richtig und zielführend, den Privat-KFZ-Verkehr auf der Straße zu verbieten und dafür den Ausbau des ÖPNV zu fordern. Dann könnte man auf die Nebenanlage vermutlich verzichten. Aber das ist ein ziemlich dicker Brocken. Die Aussichten das umzusetzen, sind gering.

    Annette Täuber vom ADFC fordert, Radfahrer*innen nicht länger systematisch zu benachteiligen: "Nach Einschätzung von Annette Teuber vom ADFC hat dieses Vorgehen System. Der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr fehle es beim Radwegebau an Geld und Personal. Bei einem ganz neuen Radweg dürften sie das so nicht umsetzen. Aber wenn sie in der bisherigen Breite der Straße bleiben, können sie das so machen. Da gibt es eine Klausel.“, heißt es in dem Artikel.

    Schockiert war ich von einem Leserbrief in der Printausgabe von heute. Darin greift der Schreiber, angeblich ein Autofahrer und Fahrradfahrer, die ADFC-Sprecherin völlig unverhältnismäßig scharf an.

    "Das Geheul und Gejammer dieses Radfahrer-Lobby-Vereins nimmt inzwischen immer unerträglichere Formen an! Ich nutze die erneuerte Strecke selbst mindestens so oft als Rad- wie als Autofahrer und bin hocherfreut, jetzt endlich auf einer schlagloch- und absatzfreien Bahn fahren zu können. Die Zahl der diesen Weg täglich benutzenden Fußgänger lässt sich vermutlich an zwei Händen abzählen, und auch die Begegnung mit anderen Radfahrern hat noch nie eine Schwierigkeit oder besondere (rad-)fahrerische Herausforderung dargestellt! Die im Pulk fahrenden Rennradgenossen benutzen hier ohnehin ausschließlich sich selbstgefährdend die Straße." Leserbrief: "Hocherfreut über neue Fahrbahn" in der Printausgabe vom 17.1.2022

    Es ist einfach widerwärtig von anderen Radfahrenden dermaßen angegriffen zu werden, wenn es darum geht deutlich zu machen, dass Fahrradfahrende regelmäßig und systematisch benachteiligt werden. Die Autofahrerlobby wird's erfreuen, aber der Schreiber ist ja selbst Autofahrer, möglicherweise einer von der Sorte, der sich drüber freut, wenn mal wieder irgendwo vom ADAC ein Tempolimit weggeklagt wird, oder verhindert wird, dass Ortsdurchfahrten auf Tempo 30 limitiert werden. Ob der Leserbriefschreiber tatsächlich im nennenswerten Umfang mit dem Fahrrad unterwegs ist, wie er behauptet? Ich wage das zu bezweifeln. Jedenfalls hat er überhaupt nicht verstanden, dass es sich bei der erneuerten Nebenanlage gar nicht um eine Fahrbahn handelt, sondern um einen Fußweg mit Radverkehrsfreigabe.

    Deine Beschreibung bringt es ziemlich genau auf den Punkt, was in der Region Hannover zwischen dem Stadtteil Wülfel und Hemmingen passiert ist.

    "ADFC verärgert: Zwischen Hannover und Hemmingen fehlen 50 Zentimeter für Radweg

    Monatelang ist die Wülfeler Straße zwischen Hannover und Hemmingen saniert worden – einen separaten Radweg gibt es nun aber immer noch nicht, weil der Weg neben der Straße zu schmal ist. Der Fahrradclub ADFC ist entsetzt – die Landesstraßenbehörde spricht hingegen von einer guten Lösung."

    Das ist der alte Zustand (googlestreetview von 2008)

    Google Maps
    Find local businesses, view maps and get driving directions in Google Maps.
    www.google.com

    Die Landesbehörde spricht deshalb von einer guten Lösung, weil der neue Weg mit einem Fußwegschild gekennzeichnet ist und dem Zusatz "Radverkehr frei". [Zeichen 239] + [Zusatzzeichen 1022-10]

    Fahrradfahrer*innen, die auf der Fahrbahn fahren wollen, werden so nicht durch eine Benutzungspflicht für die Nebenanlage davon abgehalten. Darauf weist die Straßenbaubehörde in dem Artikel hin: "Im Ergebnis stehe „eine gut für Fußgänger und Radfahrende nutzbare Nebenanlage zur Verfügung“. Das Land verweist auch darauf, dass diese für Radfahrer „nicht benutzungspflichtig“ sei. Diese dürften also auch auf der Straße fahren."

    Worauf die Straßenbaubehörde nicht hinweist: Auf der Landstraße gilt Tempo 100 max., wenn nicht ein niedrigeres Tempolimit angeordnet ist. Wenn man diese mapillary Mitfahrt macht, dann entdeckt man ein Tempo 70 Schild am Straßenrand kurz hinter Hemmingen. Ob das für die gesamte Strecke bis Hannover-Wülfel gilt? https://www.mapillary.com/app/?lat=52.31…100327646024158

    Die Klemme in der der ADFC steckt, ist offensichtlich:

    Selbstverständlich wäre es absolut richtig und zielführend, den Privat-KFZ-Verkehr auf der Straße zu verbieten und dafür den Ausbau des ÖPNV zu fordern. Dann könnte man auf die Nebenanlage vermutlich verzichten. Aber das ist ein ziemlich dicker Brocken.

    Annette Täuber vom ADFC fordert, Radfahrer*innen nicht länger systematisch zu benachteiligen: "Nach Einschätzung von Annette Teuber vom ADFC hat dieses Vorgehen System. Der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr fehle es beim Radwegebau an Geld und Personal. Bei einem ganz neuen Radweg dürften sie das so nicht umsetzen. Aber wenn sie in der bisherigen Breite der Straße bleiben, können sie das so machen. Da gibt es eine Klausel.“, heißt es in dem Artikel.

    Ich bin mir allerdings gar nicht so sicher, ob ich das möchte, dass der ADFC als mein Interessensverband das Abholzen von Bäumen einfordern soll, oder ob es nicht viel besser (wenn auch deutlich ambitionierter, andere würden sagen aussichtsloser) wäre, wenn der ADFC an dieser (und anderen) Stellen sich sehr viel entschiedener für eine Abbau des MIV einsetzten würde. Zumal ein 50 cm breiterer Weg auch nicht gerade "das Gelbe vom Ei" ist. Als Fahrradfahrer*in hätte ich wenig davon. Diese breitere Nebenanlage würde vermutlich mit einem "blauen Lolly" ausgeschildert werden [Zeichen 240] , so dass ich verpflichtet wäre, die Nebenanlage zu benutzen, und zwar auch dann, wenn viele Fußgängergruppen dort unterwegs sind.

    Mehr getrennte Radwege zu bauen, wird m.E. ziemlich sicher die Anzahl der Abbiegeunfälle erhöhen, aber kein einziges Auto aus der Stadt rauskriegen.

    Ob die Radwege getrennt sind in Form von Hochbordradwegen, oder als Radfahrstreifen ausgebildet sind spielt m. E. keine sehr entscheidende Rolle. Wichtig ist eine Kreuzungsgestaltung bei der der Radweg rechtzeitig ca. 10 m vor der Kreuzung an die Fahrbahn herangeführt wird, so dass keine parkende Autos mehr den Radverkehr verdecken.

    Und der Fahrzeugverkehr muss langsam fahren beim Abbiegen. Für LKW gilt seit einigen Monaten Schrittgeschwindigkeit beim Abbiegen.

    Warum nicht auch für den übrigen Autoverkehr?

    Sehr viel entscheidender ist der konsequente Rückbau von Fahrspuren für den Autoverkehr. Ob das für breitere Fußwege genutzt wird oder Grünstreifen oder Umweltspuren (Bus + Rad) oder Radwege oder Radfahrstreifen oder hinreichend breite Schutzstreifen muss von Fall zu Fall entschieden werden.