Beiträge von Ullie

    So bin ich zufrieden, weil ich nun legal auf der B2 radeln kann und die Stadt hat Parkbereich markiert. Um Fußgänger scheißt sich keiner was, die huschen halt demütig den Weg entlang.

    Na dann ist ja alles gut - Äh :/ War da was mit Fußgängern?

    Die kamen in der Fahrradstraße Kleefelder Straße zu kurz, als dort noch geparkt werden durfte, denn die Autos parkten so dicht an den Grundstücken, dass der grau gepflasterte ca. 1,20 m breite Streifen auf der Grundstücke-Seite nicht als Fußweg benutzt werden konnte.

    Jetzt sind die Parkplätze weg und kürzlich sprach ich mit einem Anwohner, der befürchtete, dass es den Fußgängern jetzt wohl noch schlechter ergehen wird als vorher, weil jetzt Radverkehr und Autofahrer mit einem viel höheren Tempo durch die Fahrradstraße brausen würden. Glaube ich allerdings nicht und vermute es war eine Schutzbehauptung von jemandem, der sauer war, dass er sein Auto nicht mehr in der Kleefelder Straße parken darf.

    Ja, das meinte ich. §2 kennt eigentlich keine Sau. Obwohl die Radfahrerin in dem Video glaubt, dass der Radweg endet, fährt sie auf dem Gehweg weiter. Offiziell ist der Gehweg zwar per [Zeichen 240] ein gemeinsamer Geh- und "Radweg", aber er sieht nicht danach aus: Nicht mehr rot und irgendwie fällt es der Dame wohl selbst auf, dass es dort nicht mehr so recht funktioniert, mit dem Fahrrad durch den Wartebereich der Haltestelle zu fahren. Trotzdem kommt sie aber auch nicht auf die Idee, am gefühlten Ende eines Radweges auf der Fahrbahn weiter zu fahren.

    Vielen Dank noch mal für die genaue Filmbetrachtung.

    Allerdings könnte ich mir auch vorstellen, dass die Fahrradfahrerin und Hauptperson in dem Film und das Filmteam sehr wohl das Verkehrsschild Gemeinsamer Geh- und Radweg erkannt und wahrgenommen hatten.

    Die Fahrradfahrerin ruft ja aus: Der Radweg ist schon wieder zu Ende, schon zum zweiten Mal. Ganz formal betrachtet kann man das auch so bewerten, dass sie damit meint, der Fahrradweg ist zu Ende und jetzt beginnt ein Gemeinsamer Geh- und Radweg.

    Aber wie dem auch sei, das Hauptproblem besteht ja wohl darin, dass vielen Fahrradfahrerinnen selbst ein handtuchschmaler Radweg lieber ist als gar kein Radweg, oder auch ein Gemeinsamer Geh- und Radweg lieber ist, als auf der Fahrbahn zu fahren. Da ist es doch schon ein Erfolg, wenn der Film vermittelt, dass Fahrradfahrer*innen nicht so ohne weiteres sich jede schlechte Fahrradinfrastruktur gefallen lassen sollen.

    Das mit der Bushaltestelle halte ich jetzt für weniger relevant, sie fährt zwar durch den Bushaltestellenbereich, aber denkt sich nichts dabei, weil der Bus ja gerade erst dabei ist die Bushaltestelle anzufahren, während sie bereits den Bushaltestellen-Bereich befährt. Dabei ist das eigentlich auch schon ein gefährlicher Moment, weil plötzlich Leute nach vorn Richtung Bürgersteigkante gehen könnten.

    Ich vermute, wenn wer einen halbstündigen oder Dreiviertel-stündigen Film zum Thema Infrastruktur für Fahrradfahrer*innen dreht, der sich an ein breites Publikum ohne große Vorkenntnisse richtet, dann sind die Vorzüge des Fahrbahn-Fahrradfahrens höchsten ganz ansatzweise vermittelbar. Denn es ist letztlich ein Thema mit sehr vielen Aspekten.

    Ab wann (Verkehrsdichte, Tempo des KFZ-Verkehrs, Anzahl Fahrspuren) ist ein Radweg angesagt, bzw. unter welchen Umständen das Fahrbahnfahren von Vorteil. Was ist mit Tempo-30-Zonen? Ist es richtig grundsätzlich keine Fahrradwege in Tempo-30-Zonen anzubieten? Aber wie ist das dann mit Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen? Wie kommt es zu den Tempo-30-Abschnitten vor Krankenhäusern. Kitas, Schulen usw.? Und sollte da nicht besser durchgängig Tempo 30 innerorts gelten? Aber braucht man dann noch Fahrradwege?

    Wie ist die Gefahr von Abbiegeunfällen zu bewerten. Die Gefahr kann durch richtiges Fahrbahnradeln vermindert werden, und das ist erlernbar, aber durchaus kein selbstverständlicher Selbstläufer. Auf die Gefahr durch so genannte Fahrradweichen wurde hingewiesen in dem Film. Trotzdem haben sie auch Vorteile. Ebenso wie eine Fahrrad-Doppelinfrastruktur Vorteile haben kann. Darauf wurde leider an keiner Stelle hingewiesen. Schade. Aber auch das würde eine 3/4-stündige Sendung überfrachten.

    "Die vorherrschende politische Haltung ist, dass unser Verkehrssystem nur sozial gerecht ist, wenn jeder Erwachsene ein Auto besitzt", sagt der Mobilitätsforscher in dem verlinkten Artikel. Man müsste noch ergänzen, dass ursprünglich wohl davon ausgegangen wurde, dass es sozial gerecht sei, dass jede Familie (nicht wie heute jede und jeder einzelne) ein Auto besitzt.

    Aber das Problem gibt es nicht nur in Bezug auf das Auto. Wenn man sich die großen Trabantenstädte anschaut, die zur Zeit ihrer Gründung häufig Vorzeigeprojekte waren und wo jeder gerne drin wohnen wollte und beneidet wurde, wenn er dort eine Wohnung hatte, dann ist dort leider auch eine enorme Konsumsteigerung feststellbar. Heute will jeder sein Einfamilienhaus auf dem Land im Grünen.

    Und heute gilt es vielen als "perfekt" wenn jeder einzelne seine eigene Wohnung oder gar sein eigenes Einfamilienhaus im Grünen hat.

    So wie bei der Mobilität in der Schule eigentlich gelehrt werden müsste, dass es erstrebenswert, lohnenswert und ein Genuss ist, gemeinsam mit anderen Menschen den ÖPNV zu benutzen, müsste auch gelehrt werden, dass es attraktiv und lohnend ist, mit anderen Menschen gemeinsam zu wohnen. Sei es als klassische Familie oder in Form neuerer Familien-Konstrukte oder als Wohngemeinschaft, die muss ja nicht zwangsläufig eine Lebensphase sein, die sich nur auf die Jugendzeit beschränkt.

    Aber die Fahrradstraße ist ja auch, vielleicht sogar hauptsächlich ein politisches Konstrukt, da gehts ja nicht (nur) darum, etwas für den Radverkehr zu tun, sondern es ist ein sichtbares Statement, etwas getan zu haben. Selbst wenn es den gemeinen Radler gar nicht weiterbringt, weil meisten für KFZ-Verkehr freigeben.

    Bei uns wurde ein [Zeichen 240] sogar zur [Zeichen 244] , damit KFZ dort legal parken können.

    [Zeichen 244] +KFZ-Verkehr ist ja immer noch besser als [Zeichen 314] + [Zusatzzeichen 1022-10] .

    Im Ernst: Der Gemeinsame Geh- und Radweg wurde ja vermutlich nicht deshalb umgeschildert zu einer Fahrradstraße mit KFZ-Freigabe, weil es diese Option gibt, sondern deshalb weil die Verkehrsverwaltung die Parkplätze legalisieren wollte. Finde ich schlimm, weil es ohnehin viel zu viele Auto-Parkplätze gibt. Muss man aber wohl mit rechnen, wenn Politik und Verwaltung Autofahrerwünschen sehr viel Gehör schenken, anstatt sich für eine gute Radverkehrsinfrastruktur einzusetzen.

    Was haben eigentlich die Fußgänger in deinem Beispiel gesagt, als der Gemeinsame Fuß- und Radweg umgewandelt wurde in eine Fahrradstraße?

    In der Fahrradstraße Kleefelder Straße in Hannover ist es ja so gelaufen, dass zunächst eine Fahrradstraße eingerichtet wurde, in der noch geparkt werden durfte. Dann wurde die Zahl der Parkplätze reduziert und die Einfahrt in die Kleefelder Straße für KFZ von einer Seite her nicht mehr gestattet.

    Jetzt wurde der umstrittene schmale Abschnitt komplett zur Parkverbotszone gemacht, um genügend Platz für den Fahrradverkehr zu haben. Ein nächster Schritt könnte eine weitere Beschränkung sein, so dass dort nur noch Lieferverkehr und Anwohnerverkehr stattfinden darf. Den Autoverkehr wird man nicht ganz raus kriegen, denn die Zufahrt zu den Garagen und Stellplätzen der Anwohner auf ihren Grundstücken kann man nur höchst schwerlich unterbinden.

    Die Reduzierung der Parkplätze wäre nicht realisiert worden, wenn die Kleefelder Straße keine Fahrradstraße wäre. So gesehen hat sich das Einrichten der Fahrradstraße sehr gelohnt.

    Habe diese Tage mal vorbeigeschaut, wie's in der Kleefelder Straße jetzt aussieht.

    Hier ist die Einfahrt für den Radverkehr von der Plathnerstraße aus.

    Das Foto ist von Montag, 24.1.2022, da durfte noch geparkt werden in der Fahrradstraße.

    Das andere Foto ist von Mittwoch, 26.1.2022, und von der anderen Seite aus fotografiert.

    :thumbup: Die Fahrradstraße ist jetzt Parkverbots-Zone. :thumbup:

    Die Parkverbotszone beginnt an dem Abschnitt der Fahrradstraße, an der die Fahrbahn enger wird.

    googlesatellit: https://www.google.com/maps/place/Pla…766!4d9.7613384

    Hier noch mal der Link zum Spiegel-Artikel vom 21.1.22 mit Hintergründen zu dem Vorgang:

    Hannover: Richter klagt gegen Fahrradstraße – Stadt streicht Parkplätze
    Die Zahl von Fahrradstraßen nimmt zu, doch mancher lehnt sie ab. In Hannover klagte ein Anwohner erfolgreich – doch die Stadt reagierte anders, als von ihm…
    www.spiegel.de

    Die Aussage "Alle kennen §2" war ironisch gemeint. Unter anderem auch wegen der gezeigten Situation aus dem Video.

    Ich habe es nochmal aufbereitet.

    Vielen Dank für die Aufbereitung mit dem gelben Pfeil. Das Schild [Zeichen 240] habe ich glatt übersehen auf dem Standbild aus dem Film. Ca. eine halbe Minute vor der Szene gibt es eine andere Szene da endet der rot markierte Streifen auf dem Bürgersteig. Da sagt die Fahrradfahrerin das erste Mal, der Fahrradweg würde enden. Vielleicht endet dort aber auch nur ein Angebots-Radweg? Das wird nicht deutlich, oder habe ich da auch was übersehen?

    Es ist zwar einerseits richtig, dass die Fahrradfahrerin in dem Film sagt, der Fahrradweg würde enden. Aber warum fährt sie dann dort weiter. Für jemanden, der den Film sieht und nicht so genau mit Kennerblick das Schild gemeinsamer Geh- und Radweg entdeckt, entsteht der Eindruck, der Radweg ende zwar (an der Stelle schon zum zweiten Mal), aber es sei erlaubt, dann auf dem Bürgersteig weiter zu fahren. Das wird natürlich vielfach so gemacht, aber sollte es nicht trotzdem anders angesprochen werden? Das wiederum funktioniert nicht, weil viele Fahrradfahrer sich eher dem Fußverkehr zugehörig fühlen als dem Autoverkehr.

    Alle kennen §2 :)

    Nein, es kennen nicht alle §2 StVO. Ich würde sogar vermuten, dass nur eine kleine Minderheit der Verkehrsteilnehmer*innen den §2 kennt.

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    Und die Fahrradfahrerin in dem Film macht es genau so, wie vermutlich 95% der Fahrradfahrenden sich an so einer Stelle intuitiv verhalten würden. Erst Hochbordradweg, dann Hochbordradweg Ende, jedoch ohne einen Hinweis darauf.

    Zum Beispiel so eine Schilderkombination:

    Hochbordradweg[Zeichen 241-30]

    mit dem Schild[Zusatzzeichen 1012-31]

    Fehlanzeige, ist in dem Film nicht zu sehen, ein Schild, das anzeigt, dass der Hochbordradweg endet.

    Klarer Fall für viele: Muss wohl auf dem Hochbord weitergehen, sonst müsste ja da ein Schild stehen, dass der Hochbordradweg endet.

    Aber selbst wenn da ein solches Schild stünde, würden viele das Gefühl haben, dass es okay ist, Hochbord weiter zu fahren. Und dieses Gefühl ist bei vielen vorhanden und es ist deutlich stärker als das nicht vorhandene oder nur ansatzweise vorhandene Wissen um §2 StVO. Alleine schon deshalb, weil sich viele auf dem Fahrrad einem Fußgänger ähnlicher fühlen als den vielen tonnenschweren Spritmonstern, die die Fahrbahnen unsicher machen. Und vielleicht weil manche das Schild so interpretieren, dass zwar [Zeichen 241-30] endet, dafür aber [Zeichen 240] oder [Zeichen 239] + [Zusatzzeichen 1022-10] beginnt. (Auch wenn diese Schilder dort nicht hängen.)


    In Hannover gibt es manche Bürgersteige, wie der im Film gezeigte, auf dem die Fahrradfahrerin unerlaubterweise weiter fährt mit ihrem Rad. Dort stellt die Stadt Hannover dann Zeichen 254 [Zeichen 254] (Verbot für Radverkehr) auf den Bürgersteig. In dem Film habe ich kein [Zeichen 254] gesehen an der Stelle, an der die Fahrradfahrerin vermutlich unerlaubterweise Hochbord weiterfährt.

    Warum steht da kein solches Schild?

    ich bleib mal freundlich: hat Verbesserungspotenzial.

    Ist halt ein Blog-Beitrag, dem man nicht dieselbe wissenschaftliche Exaktheit abverlangen kann, wie einer professionellen Untersuchung.

    Trotzdem zeigen die Hinweise, dass da einiges im Argen liegt in Stuttgart, was die Situation der Fußgänger und Fahrradfahrer angeht.

    Und die Kritik an der Papp-Figur, die zeigt, dass eine Verkehrsbehörde einmal mehr unter Unfallprävention versteht, den Unfallopfern die Schuld am Unfall alleine in die Schuhe zu schieben, ist berechtigt.

    Das ist die googlestreetview-Sicht aus der selben Perspektive wie in dem von Malte verlinkten Artikel:https://www.google.com/maps/@48.77699…!7i13312!8i6656

    Klickt man sich ein bisschen weiter bis zum Haus Nr. 80, dann kommt ein Treppenabgang vom Hochbahnsteig. Am anderen Ende hat der Hochbahnsteig eine Rampe und am Fuß der Rampe gibt es einen ampelgeregelten Übergang über die Straße.

    Ist schon klar, wo das drauf hinausläuft für eine Verkehrsverwaltung mit Autofahrer-Brille:

    "Einen zweiten Übergang mit Zebrastreifen oder Ampel werden wir auf keinen Fall einrichten.

    Sollen die Eltern doch ihren Kindern beibringen, dass sie gefälligst den ampelgesicherten Übergang wählen.

    Und eine ältere Person, die nicht mehr so gut zu Fuß unterwegs ist und vielleicht sogar einen Rollator dabei hat, die schafft es sowieso nicht die Treppe runter. Die haben wir durch unsere "geniale" X( Haltestellenplanung schon von vornherein auf den richtigen (Über-)Weg gebracht."

    Hier der Treppenabgang:

    Google Maps
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    www.google.com

    Und hier die Rampe:

    Google Maps
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    Kursiv = Ironische Darstellung der mutmaßlichen Gedankengänge der Stuttgarter Verkehrsverwaltung.

    Bei dieser googlestreetview-Betrachtung fällt mir gerade auf, dass der Fahrradverkehr wohl auf der Fahrspur zwischen Hochbahnsteig-Mauer und der anderen Mauer aus parkenden Autos stattfindet. Hat ja auch seinen Reiz. Ich fürchte allerdings viele RadfahrerInnen werden von der Vorstellung abgeschreckt, hier im Auto-Verkehr "mitzuschwimmen".

    Ist es denn mit Schild sicherer? Allenfalls dann, wenn es solche Schilder nur dort geben würde, wo es sie auch geben dürfte. Die Voraussetzungen dürften aber in >99% aller Fälle nicht erfüllt sein. Und >99,9% aller Leute ist das vermutlich egal.

    Die wenigsten Menschen fahren mit 'nem Haufen Paragraphen im Kopf Fahrrad. Und bei Autofahrern ist das trotz Fahrschule auch nicht besser.

    So zu tun, als müssten sich alle einfach nur an alle Paragraphen halten und alles wird gut, hilft nicht weiter.

    Zum Beispiel ist es in Hannover so, dass es breite Einrichtungsradwege an manchen Straßen gibt und dafür schmale Zweirichtungsradwege an anderen Stellen.

    Wie verhalten sich viele Radfahrer?

    Breiter Radweg = ich darf in beide Richtungen fahren.

    Schmaler Radweg = Hier darf ich vermutlich nicht in beide Richtungen fahren. (Manche tun's trotzdem, aber längst nicht so viele wie auf dem breiten Radweg.)

    Das Problem ist auch nicht eben mal über Nacht behoben.

    Die einen sagen: Gar keine Radwege ist das beste, die anderen: Überall Radwege ist das Beste.

    Viele sagen: Als Fahrradfahrer fahre ich nicht auf der Fahrbahn, da werde ich von den Verkehrsplanern doch als Tempo-Bremse für den Autoverkehr ausgenutzt.

    Überhaupt dieses Gefühl, ausgenutzt zu werden, vernebelt vielen ganz schön die Köpfe. Da geht dann sofort irgendwo ein rotes Warnlicht an, das alles blendet, und eine Sirene, die alles übertönt.

    Schilder aufstellen, die wie in München am Stachus verhindern sollen, dass Fahrradfahrer den Radweg in die falsche Richtung benutzen, sagen doch vor allem anderen eines aus:

    Hier wird mit "schönster" Regelmäßigkeit der Fahrradweg entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung benutzt. Schmeißt die Autos raus und schafft mehr Platz für eine Fahrradinfrastruktur, mit der alle gut klar kommen!

    Ist denn der breite Weg auf dem Hochbord auf der linken Seite des Bildes für den Radverkehr in beide Richtungen frei gegeben? Oder fahren die da nicht ordnungsgemäß, die da mit dem Fahrrad fahren?

    Und der mit einem weißen Streifen abmarkierte Fahrstreifen in Geradausrichtung, was ist damit? Ist das eine gemeinsame Fahrbahn für Fahrradfahrer und Autofahrer oder für Fahrradfahrer und ÖPNV? Da kein Schild zu sehen ist, tippe ich auf ersteres.

    Ist das ein echtes Foto von einer echten Situation, oder ist es eine Fotosimulation?

    Liebe Leute, ist es nicht sehr viel wichtiger, sich über eine gute Radverkehrsinfrastruktur den Kopf zu zerbrechen als darüber wie weit vorne in der StVO welcher § steht?

    Vermutlich fährt die Mehrheit der Fahrradfahrenden sehr stark nach "Gefühl" Fahrrad.

    Und weniger mit viel §§ im Kopf.

    In meiner Mittagspause war ich eben an der Unfallstelle und deren Umgebung. Dabei habe ich folgendes festgestellt:

    Vielen Dank für die aufwendige Dokumentation, Alf!

    Dieses Schild auf dem Radweg [Zeichen 254], dass die Benutzung des Radweges in die nicht dafür vorgesehene Richtung unterbinden soll, kenne ich auch von verschiedenen Stellen in Hannover.

    Es wird in der Regel dort eingesetzt, wo es besonders häufig vorkommt, dass ein Radweg in einer nicht dafür vorgesehenen Richtung benutzt wird.

    Besonders aussagekräftig ist auch das erste Bild, das die vielen Fahrspuren zeigt, die es zu kreuzen gilt, wenn man auf der "richtigen" Radwegseite weiterfahren wollte. Leider eine Verkehrssituation, die schon in den 60er-Jahren vom Autoverkehr so stark dominiert wurde, dass eine menschenfreundliche Verkehrsinfrastruktur nicht wirklich machbar ist.

    Hier noch mal der Link zu den Film über den Münchner U-Bahnbau mit den Bildern vom Stachus aus den 60er-Jahren:

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    Die Bilder vom Stachus sind ganz am Anfang. Es lohnt sich aber auch den Rest des Films anzuschauen, weil deutlich wird, wie sehr man damals davon überzeugt war, mit dem U-Bahnbau die Verkehrsprobleme in München zu lösen. Und wie fern es dem Denken der damaligen Verkehrsplanern war, den Autoverkehr in der Stadt drastisch zu reduzieren.

    Die einzig richtige Variante wäre hier, überhaupt keine Beschilderung aufzustellen. Und dann gibt es auch keine Probleme, Irrungen und Wirrungen.

    Wie jetzt?
    Erst gar kein Schild und dann ...

    Nein, dazu braucht man kein Vz 244.

    Vz 267+"Radfahrer frei" reicht da völlig.

    ... doch diese beiden: VZ 267 [Zeichen 267] + [Zusatzzeichen 1022-10] ?

    Mit ginge es dabei wie Autogenix, es würde der Hinweis auf die Fahrradstraße fehlen.

    Aber ein Fahrradstraßenschild und ein Radfahrer frei würden am selben Schildermast hängen. Das sähe merkwürdig aus.

    ganz oben:[Zeichen 267]

    darunter: [Zusatzzeichen 1022-10]

    und unten:[Zeichen 244]

    Vermutlich werden auch bei einer viel stärker an den Bedürfnissen des Fußverkehrs, des ÖPNVs und des Fahrradverkehrs ausgerichteten Infrastruktur noch Verkehrsunfälle geschehen. Aber es werden eben deutlich weniger und voraussichtlich auch weniger gefährliche Unfälle sein.

    Die Fahrradfahrerin am Stachus hat den Hochbordradweg in die falsche Richtung benutzt. Wie vielen Fahrradfahrer*innen, die den Fahrradweg in die richtige Richtung benutzten, ist es dort wohl schon passiert, dass sie Opfer oder Beinnahe-Opfer eines Dooring-Unfalles wurden?

    Denn in unmittelbarer Nähe der Unfallstelle befindet sich ein Taxi-Stand direkt neben dem Radweg.

    Auf dem SZ-Foto vom Unfallort kann man das sehen.

    München: Tödlicher Verkehrsunfall am Stachus
    Beim Abbiegemanöver eines Lastwagens wird eine 59-jährige Radfahrerin getötet. Die Sonnenstraße ist inzwischen wieder freigegeben für den Verkehr.
    www.sueddeutsche.de

    In korrekter Fahrtrichtung gesehen, erwartet den Radverkehr links ein Taxistellplatz mit bis zu 7 Plätzen (Auf dem Zeitungsbild sind drei der rund sieben Plätze besetzt.) Rechts hängen Sperrketten, die vermutlich verhindern sollen, dass Fahrradfahrer auf den Stachus (offiziell heißt der Karlsplatz) fahren.

    "Der Stachus entwickelte sich in der Zeit des Wirtschaftswunders zum autoverkehrsreichsten Platz Europas, ..." heißt es bei Wikipedia, "... bis sein Ostteil mit der Neuhauser Straße, die am Karlstor beginnt und am Färbergraben endet, in eine Fußgängerzone umgewandelt wurde. Dies wird durch die Münchner Redewendung „Da geht’s ja zu wie am Stachus“ belegt. Die Umwandlung in eine Fußgängerzone erfolgte im Vorfeld der XX. Olympischen Spiele in München."

    Stachus – Wikipedia
    de.wikipedia.org

    Und aus eben jener Fußgänger-Zone ist ein Auto herausgefahren und hat eine Radfahrerin totgefahren.

    Und jetzt schreibt die Zeitung so, dass mancher auf den Gedanken kommen könnte, als wäre die Fahrradfahrerin ganz alleine selbst Schuld an ihrem Tod. Und viel zu wenig bis gar nichts wird darüber geschrieben, dass es am Stachus eben immer noch viel zu sehr so zugeht wie am Stachus.

    Und das mit der Fußgängerzone, die im Zuge der Olympiade entstand, betrifft ja nur einen kleinen Teil des Areals, der weitaus größere Teil ist nach wie vor fest in der Hand des Autoverkehrs.
    Und die Belange der Fahrradfahrerinnen hatte wohl nie jemand ernsthaft im Blick.

    Dieser Film von 1965 zeigt den Stachus gleich am Anfang des Films, als dort noch keine Fußgängerzone war. Das Gebäude mit seinen drei Spitzbögen und den Zinnen ist leicht wiederzuerkennen:

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    Zum Vergleich dieses Foto aus googlestreetview:

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    www.google.de

    Die Fußgängerzone auf der einen Seite, vierspuriger Autoverkehr je Richtung auf der anderen Seite. Es ist halt nicht alles besser geworden durch die Fußgängerzone. Und die Fahrradfahrer*innen werden halt auch heute noch sehr "stiefmütterlich" von der Verkehrsplanung behandelt.

    Wer das Foto auf googlestreet-view ein bisschen dreht, der sieht dort acht Taxis auf der Taxi-Haltespur direkt neben dem Radweg.

    Denn sie fuhr an einer Stelle, an der sie nichts zu suchen hat. Das ist ein vorsätzlicher Verstoß.

    Wie viele Fahrradfahrer*innen sind wohl bereits zu der Zeit, als Einbahnstraßen noch grundsätzlich vom Fahrradverkehr nicht in die Gegenrichtung frei gegeben waren, trotzdem regelwidrig in Gegenrichtung befahren worden?

    Immerhin gibt es heute in vielen Kommunen eine ganz stattliche Anzahl von Einbahnstraßen, die für den Fahrradverkehr in Gegenrichtung freigegeben sind. Und das ist gut so!

    Man kann meines Erachtens nicht darüber streiten, dass es Gründe dafür gibt, den Hochbordradweg in die entgegengesetzte Richtung zu benutzen. Auch wenn es nicht gestattet ist, das zu tun. Genau so wie es immer schon Gründe gab, bestimmte Einbahnstraßen mit dem Fahrrad in Gegenrichtung zu benutzen.

    Viele Einbahnstraßen wurden seit den 80er Jahren für den Radverkehr in Gegenrichtung frei gegeben.

    "Die Auseinandersetzung um Einbahnstraßen bzw. Radfahrer, die entgegen der Einbahnrichtung fuhren und entsprechende polizeiliche Kontrollen, führte zur Gründung des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs, ADFC, der lange auch seine Bundesgeschäftsstelle in Bremen hatte, bevor sie nach Berlin umzog. Inzwischen sind annähernd alle Einbahnstraßen für Radverkehr in Gegenrichtung frei gegeben."

    Der relativ schmale Hochbordradweg an der Unfallstelle könnte ein mindestens dreifach so breiter Hochbordradweg sein. Und der könnte für beide Fahrtrichtungen frei gegeben werden. Dafür könnten eine bis zwei Auto-Fahrspuren wegfallen. Ein richtig breiter Hochbordradweg, den ein Lieferfahrzeug überfahren müsste, um aus einer Fußgängerzone herauszufahren, würde bei dem Fahrer alle Alarmglocken klingeln lassen, dass er von beiden Seiten mit Radverkehr rechnen muss.

    Dass eine oft einseitig den Autoverkehr hofierende Presse eine Fahrradfahrerin die Opfer eines Verkehrsunfalls geworden ist, quasi als Täterin darstellt, ist schlimm genug. Das ist aber kein Grund in einem Fahrrad-Verkehrsforum diese Sichtweise zu übernehmen.

    Das Zeitungsbild aus der SZ zeigt, es gibt dort an der Unfallstelle vier Autofahrspuren, dann kommen die Straßenbahnschienen auf einem eigenen Gleiskörper und in Gegenrichtung gibt es auch noch mal drei Autofahrspuren.

    Kann man auch auf googlemaps-Satellitenbild sehen:

    München Stachus
    www.google.de

    Die getötete Fahrradfahrerinnen tut mit wirklich leid. Und mag sie auch unvorsichtigerweise den Radweg in die falsche Richtung benutzt haben, schmälert das mein Mitleid nicht.

    Ja es ist richtig, Verkehrsregeln sind zum Einhalten da, aber es ist auch richtig, dass es höchste Zeit ist, eine völlig einseitig auf den Autoverkehr ausgerichtete Verkehrsinfrastruktur endlich ganz massiv umzugestalten. Und das ist wichtiger als auf den Opfern einer ganz und gar einseitig an den Autofahrerinteressen ausgerichteten Verkehrsinfrastruktur rum zu trampeln.

    Ich behaupte: Solange es irgendwo in Deutschland die Anordnung für Radfahrer gibt, in der falschen Richtung zu fahren, ist die Aussage, derjenige sei in der falschen Richtung gefahren, kompletter Blödsinn. Denn es kann ja niemand wissen, wo in falscher Richtung gefahren werden muss und wo jemand tatsächlich in falscher Richtung fährt.

    Das ist m.E. eine unwürdige nachträgliche Feststellung zur Belastung des Opfers, denn niemand kann auf Anhieb sagen, ob das Fahrverhalten nicht sogar zwingend vorgeschrieben war. Ziemlich sicher musste auch die Polizei erst mal nachgucken. Möglich wärs ja bei uns, dass das Opfer korrekt gefahren ist? Was also soll das Ganze?

    Es wird nirgends in dem Artikel eine Angabe gemacht, mit welcher Geschwindigkeit die Fahrradfahrerin dort lang gefahren ist. Das heißt es hätte genau so, wie die Fahrradfahrerin tot gefahren wurde, auch ein Spaziergänger oder ein Jogger totgefahren werden können. Was unterscheidet denn eine Radfahrerin, die in Schrittgeschwindigkeit fährt von einem Jogger? Der Jogger ist schneller und noch schlechter zu sehen.

    Aber bei einem Spaziergänger oder einem Jogger hätte in der Berichterstattung nicht stehen können, dass die Verunfallte "verbotenerweise in falscher Richtung auf dem Radweg fuhr". In dem SZ-Artikel heißt es: "Dabei übersah der Fahrer des 7,5-Tonners in der Dunkelheit offenbar die Radlerin, die in Fahrtrichtung vom Stachus zum Sendlinger Tor - also verbotenerweise in falscher Richtung - auf dem Radweg fuhr." https://www.sueddeutsche.de/muenchen/muenc…rasse-1.5513779

    Gibt es da im Umkreis von 2-3 km irgendwo angeordnete linksseitige Benutzungspflichten? Dann sollte man die sofort aufheben - Klage und/oder Pressekampagne. Denn offenbar ist es einem aus der FuZo herauskommenden Lkw-Fahrer nicht vermittelbar, dass auf dem Radweg auch jemand von rechts kommen könnte!

    Das gilt natürlich auch für temporäre Baustellenbeschilderungen.

    Deine Forderung alle angeordneten linksseitigen Benutzungspflichten aufzuheben, geht möglicherweise in die falsche Richtung, Fahrbahnradler. Ich weiß nicht was für den Fahrradverkehr sich dadurch verbessern soll, wenn man den Fahrradverkehr konsequent bei jeder Planung und überall genau so behandelt wie derzeit den Autoverkehr. In letzter Konsequenz würde das bedeuten, man müsste den Fahrradverkehr auch auf Kraftfahrtstraßen und Autobahnen zulassen.

    Es gibt in zahlreichen Großstädten stark befahrene Hauptverkehrsstraßen mit viel zu wenigen Querungsmöglichkeiten, so dass es naheliegt, Fahrradfahrenden genau wie den Menschen, die zu Fuß gehen, die Möglichkeit zu geben, zur Vermeidung von längeren Umwegen entgegen der für den KFZ-Verkehr vorgeschriebenen Fahrtrichtung unterwegs zu sein.

    Es ist ja bereits heute den Verkehrsverwaltungen verboten, eine linksseitige Radwege-Benutzungspflicht anzuordnen, wenn auch rechtsseitig eine Benutzungspflicht angeordnet ist. Zumindest bei kleinen Straßen (max. eine Spur je Richtung, keinen Mittelstreifen usw.) ist das so. Aber bei stärker ausgebauten Straßen, die zudem schlecht zu queren sind, macht es Sinn auf beiden Seiten Radwege zu haben, die in beide Richtungen benutzt werden können.

    Zum Beispiel Hans-Böckler-Allee Hannover:

    stadtauswärts rechtsseitig:

    stadtauswärts linksseitig:

    Link zu googlesatellit:

    Google Maps
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    Oder Lavesallee:

    googlesatellit:

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    Das Foto wurde aufgenommen in der Lavesallee, kurz vor der Einmündung der Archivstraße in die Lavesallee.

    Wenn die Hans-Böckler-Allee und die Lavesallee auf jeweils eine Fahrspur je Richtung zurückgebaut sind und ausreichend Querungsmöglichkeiten bestehen, dann können wir dort auf Fahrradwege möglicherweise ganz verzichten, oder es würden jeweils Einrichtungsradwege oder Radfahrstreifen ausreichen.

    So lange es jedoch solche "Monster-Autostraßen" gibt, muss es auch Zweirichtungsfahrradwege geben.

    Beim Landkreis Stade kann man lesen, dass man einen Anspruch auf einen kostenlosen PCR-Test nach einem positiven Schnelltest hat.

    Quarantäne / Isolation | Landkreis Stade (landkreis-stade.de)

    Meine Erfahrung nach einem positiven Schnelltest ist, dass es nicht möglich war, in einem Corona-Testzentrum einen kostenlosen PCR-Test zu bekommen. Lediglich einige Hausärzte, die auf einer Liste stehen, führen Corona-PCR-Tests in Hannover kostenlos durch. Und dort kann die Wartezeit 2-3 Tage betragen. :(

    ich nenne das mal "Zwei-Klassen-Medizin" X(

    Für einen Schnelltest mit Ergebnis in 2-3 Stunden verlangte das Test-Zentrum 200 Euro.

    Ein niedersächsisches Radverkehrsnetz würde aus meiner Sicht nicht darin bestehen, an jeder Bundes- und Landesstraße "Radwege" zu bauen, sondern ein flächendeckendes Netz zu schaffen, das örtliche Netze miteinander verbindet und auch über weitere Strecken direkte Verbindungen schafft. Dazu zählen vor allem auch wenig befahrene Nebenstraßen oder asphaltierte Wirtschaftswege. Wo ein solches Radverkehrsnetz mit stark befahrenen Hauptstraßen zusammenfällt, dann sicherlich auch mit begleitenden Radwegen.

    Wenn wir "Mehr Radverkehr jetzt" haben wollen, dürfen wir nicht warten, bis überall Wohlfühl-Radwege gebaut wurden, sondern dann muss man den Leuten auch zeigen, dass man auch jetzt schon trotz aller Widrigkeiten Fahrrad fahren kann, insbesondere auch dort, wo es keine Radwege gibt.

    Ich bin in meinem Radfahrerleben schon viele Feld- und Waldwege mit dem Rad gefahren, oft auch im Dunklen. Das war bereits zu Zeiten, als es noch keine Mobiltelefone gab, mit denen man ggf. Hilfe herbeirufen kann. Ich bin mir bis heute nicht ganz sicher, ob das manchmal nicht auch ein bisschen leichtsinnig war. Klar, wenn auf einem gut ausgebauten Feldweg oder einer wenig vom Autoverkehr befahrenen Nebenstraße erst mal eine Radroute etabliert ist und von vielen Fahradfahrer*innen angenommen wird, dann muss man sich dort auch nicht mehr allein und verloren vorkommen. Und außerdem hat heute fast jeder ein Mobiltelefon und die Funklöcher werden auch kleiner. Trotzdem machen solche Verbindungen m. E. nur in Ergänzung zum vorhandenen Landstraßennetz Sinn. Und dazu muss dort das Tempo deutlich reduziert werden, was oft ausreichen würde, um den Fahrradverkehr auf die von Autos mit benutzten Landstraßen zu ziehen.

    Und da macht dieser Satz aus dem gemeinsamen Papier, das Sie verlinkt haben , Sinn:

    " Wo Radverkehr nicht baulich vom motorisierten Verkehr getrennt werden kann, muss das Tempo des motorisierten Verkehrs vermindert werden. Hindernisse wie Mülltonnen, Autos oder Verkehrsschilder haben nichts auf Radwegen zu suchen und auch der Radverkehr muss Baustellen sicher umfahren können."

    https://niedersachsen.adfc.de/fileadmin/Gliederungen/Pedale/niedersachen/user_upload/Radverkehrsnetz_Nds_-_Forderungen_Buendnis_-_20211109.pdf

    Ein anderer Satz in dem Papier ist meines Erachtens sehr wichtig und in dem ebenfalls von Ihnen verlinkten ADFC-Artikel nur unvollständig wiedergegeben worden:

    Am 26.11. wurde vor dem Niedersächsischen Landtag ein gemeinsames Positionspapier von Fridyas for Future Niedersachsen, ADFC, VCD, BUND und NABU übergeben, das man hier findet: Radverkehrsnetz_Nds_-_Forderungen_Buendnis_-_20211109.pdf (adfc.de)

    In dem Papier heißt es:

    "Die Flächenversiegelung (für den Ausbau des Radverkehrsnetzes) soll ausgeglichen werden, indem diejenigen Flächen des Autoverkehrs entsiegelt werden, die im Zuge der Verkehrswende ihre Notwendigkeit verlieren."

    In dem ADAC-Artikel ...

    Die Überschrift des Papiers lautet "Mehr Radverkehr jetzt!". Und was macht der ADFC daraus? ADFC - Mehr Radwege jetzt! Gemeinsame Forderungen zu Radverkehr

    ... heißt es dagegen:

    "Wir haben uns deshalb zusammengeschlossen und gemeinsame Forderungen entwickelt, denen wir zusammen ein stärkeres Gewicht verleihen wollen. Den Konflikt zwischen Flächenversiegelung und Radwegebau haben wir dafür in Niedersachsen ad acta gelegt."

    Das Problem Flächenversiegelung ad acta gelegt haben die Autoren der gemeinsamen Stellungnahme jedoch nicht. Es geht ihnen vielmehr darum, dass Fahrradwege auch dann gebaut werden sollen, wenn dafür Flächen versiegelt werden sollen. Jedoch muss für diese versiegelte Flächen ein Ausgleich geschaffen werden! Und zwar indem Flächen "des Autoverkehrs entsiegelt werden"!

    Und ich fände es höchst problematisch, wenn der ADFC das Thema Flächenversiegelung für den Radwegebau einfach nur "ad acta" legen würde.