Ich habe das Aufstellen von Ghost-Bikes bislang noch nicht als "fahrradfeindliches Bangemachen" empfunden.
Es ist meines Erachtens eher vergleichbar mit dem Gedenken von Motorradfahrer*innen an die bei Unfällen getöteten anderen Motorradfahrer*innen. Wie zum Beispiel bei diesem Gedenkgottesdienst: "Gedenk-Gottesdienst für Motorradfahrer"
fr vom 11.10.22 https://www.fr.de/frankfurt/fran…r-90066899.html
Bei Autofahrerinnen gibt es meines Wissens keine vergleichbare "Erinnerungskultur". Allerdings sieht man immer wieder mal Holzkreuze am Straßenrand. Darunter auch solche, die an getötete Unfallopfer bei Autounfällen erinnern. Aber da käme doch keiner auf die Idee, das als "autofeindliches Bangemachen" zu bezeichnen. Genauso wenig wie bei den Gedenk-Gottesdiensten für Motorradfahrer*innen.
Fußgängerinnen werden meist gar nicht irgendwie bedacht, zumindest gibt es keine weißen "Ghost-Schuhe", wenn irgendwo eine Fußgängerin oder ein Fußgänger tot gefahren wurde, was ja leider auch häufiger passiert. Sollte da nicht auch eine Erinnerungskultur etabliert werden?
Das Aufstellen von Ghost-Bikes hat meines Erachtens nicht nur die reine "Gedenk-Funktion", sondern es stellt auch eine Protestnote dar gegen Unfallgefahren, die von zu schnellen oder unaufmerksamen Autofahrer*innen ausgehen, oder von den Verkehrsbehörden in Form von gefährdender Fahrradinfrastruktur zum Beispiel durch fehlende oder unzureichernde Tempolimits oder fehlendeTempokontrollen. Oder wenn Unfallgefahren durch eine gefährliche Fahrradverkehrsführung hervorgeherufen werden.
Den möglichen Warn-Effekt für andere Fahrradfahrer*innen halte ich allerdings für vernachlässigbar. Dazu gibt es einfach zu viele Gefahrenstellen. So viele Ghost-Bikes kann man gar nicht aufstellen.
Die beiden letzten Aspekte spielten allerdings in dem konkreten Fall, auf den du hinweist, anscheinend keine Rolle: "In der vergangenen Nacht ist eine Seniorin nach einem Sturz mit ihrem Rad in einem Berliner Krankenhaus verstorben. Nach den bisherigen Ermittlungen und Aussagen soll die 82-Jährige am Donnerstag, den 2. November 2023 gegen 18 Uhr in der Delbrückstraße in Grunewald ohne Fremdeinwirkung mit ihrem Fahrrad gestürzt sein. " Polizeimeldung vom 7. November 23 Den Link hatte ich bei changing cities gefunden: https://www.berlin.de/polizei/polize…ung.1382824.php
Die Delbrückstraße ist überwiegend Tempo 30 Zone, so weit ich das auf streetview sehen konnte. Und es parken dort viele, zum Teil sehr große Fahrzeuge am Fahrbahnrand, unter anderem mehrere Wohnmobile;
Ich denke, das Aufstellen von Ghost-Bikes sollte vor allem an solchen Stellen stattfinden, wo Unfalltote zu beklagen sind, denen eine schlechte Fahrradverkehrsinfrastruktur zum Verhängnis wurde. Das können auch mit Wohnmobilen zugeparkte Wohnstraßen sein. Oder überhaupt herumstehende Autos, die ja auch immer größer werden.