Beiträge von Malte

    NahverkehrHamburg sucht zum heutigen Weltfahrradtag Hamburgs schönste Radwege.

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    Ich würde da ja glatt diese ganzen supergeilen Zweirichtungsradwege nominieren, die ja seit einigen Jahren in Hamburg im Bereich von Arbeitsstellen angelegt werden. Das klingt dann immer so, als ob diese provisorischen Verkehrsführungen nur für ein paar Wochen blieben, aber den Kram an der Kieler Straße genießt man ja auch schon seit zweieinhalb Jahren.

    DER SPIEGEL freut sich: Fahrrad löst Auto zeitweise als wichtigstes Verkehrsmittel ab+

    Aber:

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    Ich frage mich ja manchmal, wo denn in diesem Stille-Post-Spiel zwischen Polizei und Redaktion das wohl wieder schiefgegangen ist. Die Polizei Northeim weist auf neue Regeln für das Überholen von Radlern hin und warnt unter anderem:

    Zitat

    Radweg muss - wenn vorhanden - genutzt werden

    Neu ist auch die Radwegbenutzungspflicht, die vorschreibt, dass Radfahrer einen vorhandenen Radweg nutzen müssen und ihnen dort das Fahren auf der Straße verboten ist.

    Und das hat man dann als Radfahrer wieder als Problem an der Backe: Irgendjemand sieht durch die Windschutzscheibe einen Radweg (oder etwas, das er für einen Radweg hält) und fühlt sich nun umso mehr zu Belehrungen, Hupen oder Scheibenwaschwasserspritzen legitimiert, denn schließlich sagt ja sogar die Polizei, dass ein Radweg, wenn er vorhanden ist, „verwendet“ werden müsse.

    Und wenn man dann zwecks Anzeigeerstattung bei der Polizei auftaucht, heißt es dort womöglich auch: Wenn ein Radweg vorhanden ist, muss dieser, (sic) verwendet werden.

    Heute kommt dann also die heiß erwartete Coronaprämie für Autos und noch mehr Autos. Sogar Verbrennungsmaschinen, die die ab nächstem Jahr gültigen Grenzwerte deutlich überschreiten werden, und Neuwagen, die in einer Preisklasse liegen, dass deren Zielgruppe ohnehin nicht auf eine Prämie angewiesen sein wird, haben noch Anspruch auf finanzielle Unterstützung.

    Außer der Automobilindustrie und der Bundesregierung möchte aber quasi niemand diese Prämie. Klar, Klimaschützer lehnen eine solche Prämie ohnehin ab, aber sogar Ökonomen, ja sogar in den einschlägigen Fridays-For-Hubraum-Stammtischgruppen konnte sich niemand für diese Prämie erwärmen.

    Da drin wurde im wesentlichen darüber berichtet, dass Klimaanlagen, die horizontale Luftströme erzeugen die Verbreitung von Krankheitserregern im speziell untersuchten Fall den Corona-Virus von einer Person auf andere begünstigen. Genau dieser Hinweis von dir hatte mich ja neugierig gemacht und veranlasst mal selbst in einem Eisenbahnwagen nachzuschauen, wie dort die Strömungsverhältnisse sind.

    Ehrlich gesagt würde ich ja gerne erst einmal in die Verlegenheit kommen, mir über horizontale oder vertikale Luftströme bei Klimaanlagen Gedanken machen zu müssen. Wenn ich an den letzten Sommer zurückdenke, bin ich mindestens zwei Mal pro Woche mit Zügen gefahren, bei denen die Klimaanlage defekt war. Und in dieser empirischen Statistik sind nur jede Zugfahrten enthalten, bei denen es draußen heiß genug war, um eine Klimaanlage zu bemerken, und die nicht am späten Abend stattfanden, wenn es ohnehin schon kalt war.

    Den Rest kannst vermutlich dem Lack gegenüber ignorieren.

    Naja, außer dass sich mit etwas Pech ein Pilz drin festsitzt, der am Zucker nascht und dabei den Lack aufsprengt. Irgendwo anders habe ich noch gelesen, dass in den Zuckertropfen Alkohol gäre, der dann den Lack angreift.

    Andererseits: Wenn man sich im Internet zu diesen Themen informiert, dann hat man schon den Eindruck, dass man weder Fahrräder noch Autos draußen abstellen könne und ganz offensichtlich ist die Problematik so groß ja nicht.

    In warmem Wasser abwaschen.

    Was dann ja wieder zum Eingangsthema führt: Dann habe ich wieder die Kalkflecken im Lack, die ja bei warmen Wasser offenbar prächtigst gedeien.

    Es ist jetzt also passiert: Fünf Jahre und drei Monate, nachdem ich mein Auto abgeschafft hatte, steht wieder eines vor der Tür — Corona sei dank. Wir möchten nächste Woche zu meinen Schwiegereltern fahren, unter deren Dach allerdings auch noch die Großeltern wohnen, die man womöglich nicht mit Mitbringseln aus den öffentlichen Verkehrsmitteln versorgen möchte.

    Also fahren wir mit dem Auto quasi parallel zur Bahnstrecke.

    Zwei Dinge sind mir dann doch noch aufgefallen:

    Erstens bin ich zu meinen Eltern, bei denen ich das Auto abgeholt habe, natürlich mit der Bahn gefahren. Das sind diese 30 Kilometer von denen ich oben schrieb, die ich für so einen kurzen Besuch dann doch nicht mit dem Rad zurücklegen wollte. Der kleine LINT 41, mit dem der RE 74 von Kiel nach Rendsburg fuhr, war quasi leer, dafür allerdings warm wie ein Brutkasten: Sofern die Lüftung oder gar Klimaanlage funktionierte, war sie nicht besonders ambitioniert zugange. Und während der halbstündigen Wendezeit im Kieler Hauptbahnhof wurde vernünftigerweise der Dieselmotor abgeschaltet, was allerdings unvernünftigerweise natürlich auch die Lüftung deaktiviert.

    Eine halbe Stunde mit Maske in der Hitze hat mir dann auch genügt. Ich pflege momentan noch keine Ambitionen, mir diesen Spaß jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit für zweieinhalb Stunden anzutun, auch wenn im Nah- oder Fernverkehr zwischen Hamburg und Kiel die Wahrscheinlichkeit höher ist, eine funktionierende Klimaanlage zu erwischen.

    Und:

    Wie geil ist es eigentlich ein Auto zu fahren? Ich bin heute nur ein bisschen herumgekurvt, aber mir wurde an jeder Ecke so viel Zucker in den Arsch geblasen, dass mir fast der Darm geplatzt wäre. Wenn ich an den Strand will, steige ich ins Auto und fahre aus der Stadt raus. Bums, 25 Minuten später stelle ich den Wagen auf einem der riesigen und natürlich kostenlosen Parkplätze ab, fünf Minuten später kann ich mit den Füßen im Wasser stehen. Wenn ich nicht an die Ostsee, sondern an die Nordsee fahren möchte, dann düse ich halt aus Kiel in die andere Richtung.

    Ich bin gestern mit dem Rad nach Schönberg gefahren und es war ja so unglaublich lästig: Ich brauche erst einmal eine Dreiviertelstunde, bis ich überhaupt aus der Stadt rausgekommen bin. Die ganzen Modalitäten mit miserabler Infrastruktur, „übersehenden“ Rechtsabbiegern und großartig harmonierenden Ampelschaltungen brauche ich hier wohl nicht weiter ausführen. Dann durfte ich die ebenfalls hinlänglich bekannten schleswig-holsteinischen Naturerlebnisradwege genießen inklusive abertausenden Wurzelaufbrüchen, plötzlichen Seitenwechseln, rätselhaften Verkehrsführungen und Falschparkern, die ganz bestimmt nur ganz kurz auf dem Radweg parkten, um mit dem Hund Gassi zu gehen.

    Und dann ist man irgendwann am Ziel und kann die Zeit nicht einmal genießen, weil man ja weiß: Die ganze Strecke muss man auch noch einmal wieder zurückfahren. Früher, als wir noch nicht angehalten waren, öffentliche Verkehrsmittel nach Möglichkeit zu meiden, war die Sache viel einfacher: Ich fuhr morgens vor der Rush-Hour zum Bahnhof, stieg in einen Zug und fuhr anschließend mit dem Rad von irgendwo nach irgendwo, vielleicht von einem Ort innerhalb Schleswig-Holsteins zurück nach Kiel, vielleicht irgendwo in der Bundesrepublik die obligatorischen einhundert Kilometer für den monatlichen Gran Fondo. Um das fahrradtechnisch unzureichend ausgestattete östliche Kiel zu umgehen, konnte ich ja noch nicht einmal mit der RB 76 vom Hauptbahnhof die fünf Kilometer nach Kiel-Oppendorf fahren, denn Corona-bedingt fährt die kleine Bummelbahn momentan gar nicht.

    Und ich merke, dass mit jedem Mal, bei dem ich erstmal eine halbe Stunde oder länger durch die Stadt fahren muss, meine Lust schwindet, mit dem Rad ins Umland zu fahren. Es macht einfach überhaupt gar keinen Spaß. Selbst wenn ich von unserer Wohnung nach Norden oder nach Westen rausfahren will, mir also den ganzen Weg einmal um die Förde herum spare, steht der für den Kopf notwendige Aufwand, mich aufzuraffen und erstmal die ganze autogerechte Stadt hinter mir zu lassen, in gar keinem Verhältnis zum eigentlichen Entspannungsfaktor dieser Radtour.

    Und das blöde an dieser Situation ist eben: Mit dem Auto, das jetzt für ein paar Wochen vor unserer Tür steht, schwebe ich geradezu auf einer autogerecht ausgebauten Infrastruktur, der ja Fahrrad- und Fußgängerinfrastruktur zum Opfer fiel, aus der Stadt raus und abends wieder rein. Selbst am Pfingstmontag hat das Verkehrsaufkommen noch nicht einmal für einen ordentlichen Stau gereicht. Für den Kopf ist das viel entspannter, für den Bewegungsapparat natürlich nicht.

    Tja: Wenn man keine Probleme hat, dann sucht man sich eben welche.

    Will sagen, beziehungsweise fragen: Was macht man denn mit dem so genannten Honigtau, also den Hinterlassenschaften der Blattläuse?

    Ich habe eine Weile bei meinem früheren Arbeitgeber, als ich das mit dem Fahrradparken im Bureau noch nicht durchgesetzt hatte, unter einer Linde geparkt und das sah man dem Rad beim Feierabend auch an. Ob es dem Lack geschadet hat vermag ich nicht zu beurteilen, denn das ist der Zossen, der auch mal draußen vor dem Bahnhof parken darf, der sieht das mit dem Lack nicht so eng und ist Kummer gewohnt.

    Als ich heute den Wagen meiner Mutter ausgeliehen hatte, wurde mir aufgetragen, bitte nicht unter Linden zu parken, damit der Lack nicht ruiniert würde. Befrage ich das Internet zu dieser Problematik, dann ist ähnlich wie bei Kalkflecken Alarmstufe rot und sofortiges Einschreiten angesagt.

    Gehe ich recht in der Annahme, dass ich mir bei meinen Rädern, die eine Linde jeweils nur für ein paar Sekundenbruchteile sehen, wenn ich unter ihnen hindurchbrause, und die in der Regel ausschließlich in geschlossenen Räumen parken, keine Sorgen machen muss?

    Kurzer Blick zurück in die Andreas-Gayk-Straße. Dort wurde nach meiner Kenntnis vor nicht allzu langer Zeit dieser Radweg ertüchtigt, um eine Anbindung für den Radverkehr aus der Kaistraße zu schaffen, weil es nach Abschluss der Baumaßnahmen ja ein Teil des Radweges aus der Altstadt kommend unterbrochen wäre.

    Man kann es so einigermaßen gut erkennen, es geht um den schwarzen Streifen auf der Nebenfläche, die Kaistraße ist die Straße in Blickrichtung geradeaus, die Arbeitsstelle mit der künftig nicht mehr vorhandenen Radverkehrsinfrastruktur befindet sich links:

    Der Radweg endete nach wenigen hundert Metern bereits wieder in einer so genannten Schleuse auf der Fahrbahn, wo man sich regelmäßig mit dem Linienverkehr anlegen durfte. Hier fährt ein Großteil des Busverkehrs des Kieler Westufers entlang und dementsprechend lustig ist das regelmäßige Abkaspern von § 10 StVO mit dem die Bushaltestelle ansteuernden Lininebus. Es hat wohl auch seinen Grund, dass Radfahrer lieber ordnungswidrig auf dem Gehweg gefahren sind, anstatt sich regelmäßig zu streiten:

    Nun sieht es seit ein paar Tagen plötzlich so aus. Die Aufleitung aus der Kaistraße wurde wieder entfernt, die Benutzungspflicht ist jedoch geblieben:

    An obiger Stelle wundert man sich nur, was das jetzt wohl wieder für ein Manöver mit den sauer verdienten Steuergeldern war, die andere Seite des Radweges sieht dagegen umso lustiger aus. Die Aufleitung auf die Fahrbahn wurde gegen einen Bordstein ausgetauscht, dort kann man sich jetzt richtig schön auf die Nase hauen. Das halte ich für eine äußerst unschöne Lösung, wenn nicht sogar für eine fiese Gefahrenstelle: Davor gibt’s einen Radweg, danach gibts einen Radfahrstreifen, aber zwischendurch kann man sich schön den schrägen Kantstein herunterbuckeln:

    Nach 1,75 Jahren, in denen man ja auch ganz kurz absteigen und ganz kurz schieben und ganz kurz einen Umweg fahren konnte, ist der Radweg jetzt also wieder frei:

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    „Radweg“ ist natürlich der falsche Begriff, denn der Radweg wurde bereits vor acht Jahren einem weiteren Fahrstreifen geopfert; seitdem dürfen sich Radfahrer und Fußgänger um den gemeinsamen Fuß- und Radweg streiten. Immerhin ist das Erdgeschoss des benachbarten Neubaus etwas zurückgezogen, so dass die Nebenfläche ein wenig größer dimensioniert werden konnte. Wenn es sich dort nach wie vor um ein Studentenwohnheim handeln sollte, bin ich ja mal gespannt, wo die Bewohner ihre Fahrzeuge parken werden.

    Bitte missverstehe mich nicht, ich will dir keinesfalls irgendeinen Vorwurf daraus machen, dass du eine weite Strecke für ein bestimmtes Fahrrad-Hinterrad zurücklegst. Und so was wird es immer geben und das hat von Fall zu Fall auch gute Gründe und da will ich auch gar nicht dran rütteln und ich will auch nicht jedem Radfahrer das genau baugleiche Hinterrad vorschreiben.

    Das hat einen ganz einfachen Grund: Ich habe das Brompton-Faltrad damals in Hamburg gekauft, weil ich in Hamburg gewohnt habe. Mit Gewährleistungsansprüchen, die ich hier in diesem Fall wahrnehmen möchte, muss ich mich aber weiterhin an den Händler in Hamburg wenden.

    Das ist natürlich in meinem Beispiel ganz besonders blöd, weil ich hier in Kiel einen anderen Brompton-Händler quasi vor der Tür habe, aber der wird eben nicht meine Felge kostenlos reparieren, die ich bei einem Mitbewerber gekauft habe.

    Und natürlich kann ich das auch alles mit der Post schicken und per Telefon besprechen, aber ich glaube, wir haben alle schon mal die Erfahrung gemacht, dass man im Zweifelsfall lieber persönlich vor Ort auftaucht, wenn man etwas repariert haben will.

    Dass es die Übertragung zwischen Sitznachbarn in der Economy verhindert, kann ich mir auf Grund des nicht vorhandenen Abstandes dort kaum vorstellen.

    Die Problematik kann man als Fluggesellschaft aber einfach brachial an die Wand labern — das ist eben das Marketing, was ich meinte: Man schwurbelt so lange mit toller Belüftung und irgendwelchen R-Werten herum, bis die Leute das einfach glauben. Dazu passend wird in den Medien auch nur unreflektiert wiedergegeben, wie toll der Infektionsschutz im Flugzeug funktioniert, während über die Bahn eher berichtet wird, dass man es mit dieser fünfzigprozentigen Kapazität versucht und wenn jemand seine Maske nicht tragen will, kommt die Bundespolizei. Toll.

    Diese Möglichkeit hat man in Bus und Bahn eben nicht, weil diese Verkehrsmittel sowieso als dreckig gelten, beziehungsweise auch aus objektiver Sicht dreckig sind. Ich erinnere mich noch an die berühmten grünen Züge, mit denen ich vor knapp einem Jahr täglich von Kiel nach Hamburg und zurück gefahren bin. Wenn besoffene Fußballfans den Zug zerlegt haben, hing der Gestank von Urin und Alkohol noch tagelang in der Luft, beziehungsweise waren die Toiletten noch eine Weile defekt. Diese ganzen Probleme hat man im Flugzeug einfach nicht und kann sich meines Erachtens entgegen aller wissenschaftlicher Erkenntnisse zur Übertragung des Virus damit herausreden, alle Flächen nach jeder Landung gründlich zu reinigen und eine tolle Lüftung zu haben.

    Für eine Erledigung von nicht einmal einer Viertelstunde mag ich auch keine 60 oder 198km mit dem Auto oder mit der Bahn fahren.

    Mögen nicht, aber es muss eben erledigt werden. Ein Hinterrad vom Brompton muss in die Werkstatt, ein paar Überbleipsel der Hochzeit zurück zu meinen Eltern. Und in der Bahn kann ich immerhin die Zeit noch soweit nutzen und arbeiten oder dösen.

    An dieser Stelle möchte ich meinem Ärger Luft machen: Es gibt nicht wenige Menschen für die es die "Alternative Auto" schlicht nicht gibt. Diese Menschen haben, aus verschiedenen Gründen, oft aus mehreren Gründen gleichzeitig, keine Chance auf's Auto umzusteigen. Das unkritische und geradezu gebetsmühlenartige Wiederholen, wie Corona-sicher doch angeblich das Auto sei, das zur Zeit in manchen Medien angestimmt wird, missachtet komplett diese vielen Menschen, die es auch gibt und die keine Chance haben ein eigenes Auto zu benutzen.

    Viele diese Menschen fühlen sich dadurch doppelt und dreifach ausgegrenzt. Und aus Angst verlassen manche immer seltener überhaupt noch ihre Wohnung.

    Wir haben hier in Kiel bekanntlich auch kein Auto und unser Bewegungsradius beschränkt sich auf das, was wir bereit sind, mit dem Fahrrad zurückzulegen. Mal eben an die Kieler Förde zu fahren ist kein Problem, aber den Ausflug an den Strand mit zehn bis dreißig Kilometern pro Richtung überlegt man sich dann doch noch mal gründlicher, das ist eben nichts, was man einfach mal schnell am Nachmittag vor dem Abendessen herunterkurbelt.

    Was wir brauchen ist keine Lobhudelei auf das angeblich "Viren-sichere Auto", sondern Verbesserungen für den ÖPNV. Warum kann eigentlich der TUI-Sprecher-Deutschland davon sprechen, die Luft im Flugzeug sei so sauber wie in einem Operationssaal? Wenn das ein Vertreter der Nahverkehrsunternehmen in Bezug auf ÖPNV-Fahrzeuge sagte, dann müsste er sich vermutlich warm anziehen, um den Gegenwind auszuhalten. Und die ihm dann widersprächen hätten vermutlich in vielen Fällen auch gute Gründe dafür. Weil es nämlich in den zurückliegenden Jahren vielfach versäumt wurde, ÖPNV-Fahrzeuge mit wirklich guten Klimaanlagen auszustatten.

    Ich glaube, das ist einfach reines Marketing.

    Es mag zwischen einem Zug und einer Flugzeugkabine gewisse Unterschiede geben — im Flugzeug hat man nicht alle paar Minuten einen Fahrgastwechsel und Flugzeuge sind in der Regel in jeglicher Hinsicht besser ausgestattet als Züge, die ja im Nahverkehr vom jeweiligen Land bestellt werden und möglichst kostengünstig sein sollen. Selbst die Klapperkästen von Billigfliegern, mit denen die Leute für 19 Euro pro Richtung nach Mallorca verschoben werden, haben nach meiner Kenntnis bessere und zuverlässigere Belüftungssysteme als der ICE 4.

    Aber marketingmäßig ist ein Flugzeug eben das Verkehrsmittel, mit dem die Leute in den Urlaub fliegen oder Geschäftstermine wahrnehmen. Die Eisenbahn gilt nicht erst seit Corona als Sozialraupe, die man im Laufe des Abends gar nicht mehr benutzen mag, weil allzu oft besoffene Idioten einsteigen und man selbst im ICE als so genanntes Premium-Produkt nicht dafür gefeilt ist, einem Fußballfan beim Pissen in die Ecke zu begegnen. Meiner Meinung nach besteht in unserem Land seit jeher ein gewisser Vorbehalt gegen öffentliche Verkehrsmittel, die sich mit dem Fahrrad das Image eines Verkehrsmittels für Studenten und Arbeitslose teilen müssen. Insofern fällt es natürlich umso leichter, das Flugzeug jetzt als saubere und gesundheitlich unbedenkliche Alternative zur angeblichen Virenschleuder ÖPNV zu positionieren.

    Im Gegenteil: Die Fußgängerinnen waren zwischen dem Zaun und der Mauer eingeschlossen.

    Naja, andererseits ist es schon ziemlich unwahrscheinlich, dass der Anhänger die ganze Kupplung mit abreißt und dann ungebremst in diesen kanalisierten Gehweg hineinrollt. Hätte sich der Anhänger ein paar Meter später losgerissen, hätte er auch die beiden Fußgängerinnen gefährdet, da wird ihn der kleine Zaun nicht sonderlich beeindrucken.

    Ich verstehe das „Protected“ in der Protected Bike Lane auch nicht so, dass es mich vor Kollisionen mit anderen Fahrzeugen schützt, sondern eher vor Falschparkern.

    Naja, hinsichtlich des Infektionsschutzes ist es momentan ja offenbar vertretbar, dass sich Mitglieder aus maximal zwei Haushalten in einem Restaurant treffen, das ist wenigstens gerade in Schleswig-Holstein die Regelung.

    Das Problem scheint mir momentan eher zu sein, dass man eben unter Verwandten, im Supermarkt, im Bureau oder beim Arzt mit einer überschaubaren Anzahl an Menschen in Kontakt geraten kann, weil es dort Regelungen hinsichtlich der maximalen Kapazität gibt und sogar der Abstand in der Warteschlange vor dem Supermarkt mittlerweile ganz gut funktioniert.

    Wenn ich aber den Weg dorthin mit öffentlichen Verkehrsmitteln bestreite, sitze ich quasi direkt in der Brutkammer für Viren: Es ist eng und voll, alle möglichen Leute fassen alles an und an jeder Haltestelle findet eine erneute Durchmischung statt. Es gibt zwar von den unterschiedlichen Bus- und Bahngesellschaften vornehme Regelungen, dass man doch bitte nur am Fenster sitzen und jeweils eine Reihe frei lassen sollte, aber wer in den letzten Wochen schon mal die Erfahrungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln machen durfte, wird verstehen: Das funktioniert nicht ansatzweise.

    Die kleinen LINTs, die auf den Nahverkehrslinien morgens die Pendler nach Kiel reinschaffen, sind laut Augenzeugenberichten längst wieder bis zum Bersten gefüllt. Es konnte wohl niemand damit rechnen, dass nach Einführung der RB 75 zwischen Rendsburg und Kiel so viele Pendler auf die Bahn umsteigen, dass der kleine Bummel-LINT 41 nicht ausreichen wird.

    Und diesen ganzen Faktor kann ich eben rausdividieren, wenn ich anstelle der öffentlichen Verkehrsmittel aufs Fahrrad oder ins Auto steige. Wobei das Fahrrad eben den üblichen Limitierungen unterliegt — ich müsste zum Beispiel in den nächsten Tagen mal zu meinen Eltern (30 Kilometer) und nach Hamburg fahren (99 Kilometer). Beides ist auch mit dem Fahrrad machbar, nur… ausgesprochen umständlich. Für eine Erledigung von nicht einmal einer Viertelstunde will man vielleicht nicht gleich 60 oder 198 Kilometer mit dem Rad zurücklegen, wobei ich erst beim Tippen dieser Worte merke, dass das für einen Großteil der Menschen auch gar nicht mal ansatzweise überhaupt in Frage kommt.

    Laut einer Studie haben Berufspendler die Verbreitung des Coronavirus in Deutschland verstärkt. Puh. Allerdings ist da nur von Berufspendlern die Rede, die im Titelbild abgebildete Bahn wird nicht explizit erwähnt. Eine gewisse Durchmischung, in der das Virus prima gedeiht, ist ja auch für Autofahrer spätestens wieder im Bureau gegeben.

    Die Bahn stemmt sich derweil immer noch gegen eine Reservierungspflicht im Fernverkehr und will stattdessen mit ihrer Bahn-App vor vollen Zügen warnen. Als Schwelle gilt derweile eine Belegung von 50 Prozent, ab der dann ein Zug im Zweifelsfall nicht mehr buchbar sein soll. Fahrgäste mit Flexpreis oder BahnCard 100 ficht das freilich nicht an, der Zustieg ist dann weiterhin möglich und soll auch nicht unterbunden werden. Wie das dann zu Pfingsten läuft, weiß natürlich wieder niemand. Aber die Aussicht, dass man im Zweifelsfall seinen Anschlusszug verpasst oder gar nicht am Ziel ankommt, weil Züge überfüllt sind und aus Gründen des Infektionsschutzes geräumt werden, beziehungsweise die Bundespolizei anrückt, weil ein renitenter Fahrgast keine Maske tragen könnte, lässt mich vermuten, dass die Bahn wohl auf längere Zeit kein brauchbares Verkehrsmittel sein wird.

    Die Idee, das in einem Nah- oder Fernverkehrszug auf irgendeine Weise ein Abstand von anderthalb Metern gewahrt werden könnte, kann ja nur von Leuten stammen, die selbst noch nie einen Zug von innen gesehen haben.