Beiträge von Malte

    Hat jemand irgendeine Idee zu diesem Orchester, das ich zu gerne entlassen möchte?

    Nun klingelt es nach knapp dreimonatiger Pause schon wieder. Die Fahrt zum Bahnhof hat das Rad mit stoischer Ruhe ertragen, aber vom Bahnhof nach Hause wurde wieder tüchtig gebimmelt. Entweder ist dem Faltrad die Zugfahrt oder die lange Standzeit nicht bekommen.

    Und obwohl es quasi im Moment nur ein akustisches Problem ist, nervt mich die Sache ungemein. Nur müsste ich das Rad zur Inanspruchnahme meiner Gewährleistungsansprüche wieder in den Laden nach Hamburg schleppen, der von meiner Haustür ungefähr zwei Stunden mit Faltrad, Bus und Bahn entfernt ist. Dafür muss ich dann einen halben Tag Urlaub nehmen, denn pandemiebedingt hat der Laden am Wochenende geschlossen.

    Weil sich jegliche Geräusche am Fahrrad immer ausgesprochen schlecht erkennen und abstellen lassen, kenne ich das Ergebnis schon jetzt: Man wird keinen Fehler reproduzieren können und mir das Rad wieder in die Hand drücken, den nächsten halben Urlaubstag inklusive. Das mag ich der Werkstatt auch gar nicht vorwerfen wollen, denn wie es der Vorführeffekt verlangt, treten solche Probleme ja tatsächlich immer nur in ungünstigen Fällen und niemals in Gegenwart fachkundiger Personen auf.

    Das Spielchen kann ich dann entweder ein paar Mal treiben und meine Urlaubstage verbraten oder ich warte einfach noch mal acht- bis zwölftausend Kilometer ab, bis dann die nächste Felge fällig wird.

    Ich neige ja momentan, Option 2 zu bevorzugen, obwohl mich dieses ständige Gebimmel echt wahnsinnig macht.

    Im Ergebnis denke ich, eine Kamera ist nicht erlaubt.

    Was ist eigentlich mit einem Fahrradcomputer von der Hausnummer eines Garmin oder ähnlichem? Der dient ja unstrittig der Ortsbestimmung, damit wäre eine Bedienung während der Fahrt nicht erlaubt.

    Das heißt, man müsste zum Reinzommen in die Karte (unabhängig davon, ob ein am Lenker befestigter Garmin oder ein Smartphone zum Einsatz kommt) jeweils anhalten. Das halte ich dann doch nicht für besonders praktikabel, weil ich eine kurze Bedienung des Fahrradcomputers bei einem Tempo von 20 oder 25 km/h dann doch für eine andere Gefährdungsklasse halte als ein ganz ähnliches Manöver am Lenkrad eines Kraftfahrzeuges bei Tempo 100.

    Wir haben schon wieder was Neues:

    (2) Bei Reiseverkehren zu touristischen Zwecken gilt das Abstandsgebot nach § 2 Absatz 1 nicht. Kunden haben im Innenbereich des Verkehrsmittels nach Maßgabe von § 2 Absatz 5 eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Der Betreiber erstellt nach Maßgabe von § 4 Absatz 1 ein Hygienekonzept und erhebt nach Maßgabe von § 4 Absatz 2 die Kontaktdaten der Kunden. Reiseverkehre, die Schleswig-Holstein nur durchqueren und bei denen die Kunden das Verkehrsmittel nicht verlassen, werden von dieser Verordnung nicht erfasst.

    Das gilt laut der dazugehörigen Begründung nur für Reisebusse und ähnliche Fortbewegungsmittel, also primär Ausflugsverkehr. Da soll sich dann wohl mit den bereits etablierten Adresslisten feststellen lassen, wer mit wem Kontakt hatte. In öffentlichen Verkehrsmitteln ist das ja leider nicht ganz so einfach.

    Und es wird immer so getan, als würden auf dem Land alle Leute grundsätzlich nur weite Strecken fahren. Aber auch dort werden kurze Wege völlig unnötig mit dem Auto zurückgelegt. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass Autofahren auf dem Land noch normaler und auch weniger stressig ist als in der Großstadt, weil das Auto sowieso zum Einkaufen und den Weg zur Arbeit in Ermangelung eines nutzbaren ÖPNV immer benutzt wird.

    Das ist mir tatsächlich auch aufgefallen. Das ganze Dorf ist hier gerade mal so groß, dass ich beim Joggen quasi binnen einer Stunde einmal rumlaufen kann und es fällt schwer, innerhalb des Dorfes einen Weg zurückzulegen, der wesentlich länger als einen Kilometer ist. Trotzdem nimmt man für jeden Pups das Auto, egal ob zum besagten Supermarkt auf der grünen Wiese (0,9 Kilometer), zum Aldi in der Stadtmitte (250 Meter) oder für Verwandschaftsbesuche innerhalb des Dorfes. Dass man für einen Wocheneinkauf auch für kurze Strecken aufgrund des Kofferraums das Auto nimmt, das kann ich ja noch nachvollziehen, aber bei den berühmten Wegen wie morgens zum Bäcker oder für einen Liter Milch zum Supermarkt, da denke ich mir: Da nehme ich lieber das Rad.

    Vielleicht liegt das aber auch daran, dass es hier ja genügend Parkplätze gibt und man grundsätzlich weder im Stau noch vor Ampeln herumstehen muss.

    Diese Straße wird jetzt zur „Fahrradstraße“: Sophienblatt wird zur Fahrradstraße

    Ist natürlich auch irgendwie wieder Fake-News, denn es ist ja gar keine „Fahrradstraße“, sondern eine Straße, in der auch Fahrräder fahren dürfen. Okay, ein bisschen mehr ist es schon, denn der Radverkehr soll künftig einen eigenen Fahrstreifen bekommen anstelle des bisherigen untermaßigen Radweges. Der Kraftverkehr soll künftig aus dem Sophienblatt verschwinden — nach dem Umbau des Kleinen Kiel-Kanals wird sich das Verkehrsaufkommen ohnehin in Grenzen halten.

    Auch daran erkennt man übrigens, dass es sich nicht um eine echte deutsche Fahrradstraße handelt: Sonst dürfte ja der Kraftverkehr einfahren.

    Oh je, ich hatte befürchtet, dass es jetzt wieder mit einer solchen Diskussion losgeht :D

    Momentan bin ich seit anderthalb Wochen im entlegenen Niedersachsen unterwegs, jetzt gerade bei den Schwiegereltern im entlegenen Hankensbüttel. Radfahren ist hier in der niedersächsischen Provinz eigentlich nur etwas für Schüler oder für eine Radtour am Wochenende und auch da kommt man nur in eine überschaubare Anzahl von Himmelsrichtungen weg, nämlich nur entlang der Überlandstraßen mit einem straßenbegleitenden Radweg. Das heißt, man kurbelt entweder irgendwelche Feldwege entlang oder fährt nach Süden Richtung Gifhorn oder nach Osten Richtung Wittengen. Neuerdings geht es auch über einen neuen Radweg Richtung Südwesten in einen Flecken mit dem schönen Namen Wunderbüttel.

    Die übrigen Straßen sind häufig als mehr oder weniger prächtige Allee ausgebildet und damit, wenn ich das jetzt mal so flapsig formulieren darf, hier auf dem Dorf die Leute nach dem Schützenfest nicht vorzeitig wegsterben, wurden viele der Alleen mit Schutzplanken ausgerüstet. Das führt natürlich am Lenkrad zu einer gewissen Sorglosigkeit, denn dann kann ja offenbar nichts mehr passieren, was dann wiederum in einer ungesund hohen Geschwindigkeit resultiert. Wenn ich hier bei anderen Leuten im Auto sitze, stehen auf solchen Straßen selten weniger als 120 Sachen auf dem Tacho, da gehen auch locker 150. Als ich vor einiger Zeit die Landesstraße 310 von Mellendorf nach Celle entlangfahrbahnradelte, haben mir sicherlich 25 oder 30 Kraftfahrer zu verstehen gegeben, dass sie meine Anwesenheit nicht schätzen.

    Das ist zum Radfahren auch für uns Hartgesottene nicht unbedingt schön. Der Überholabstand haut hier auch nicht so ganz hin — die einzigen, die tatsächlich zum Überholen einen Spurwechsel mit allem drum und dran vollziehen, sind Lastkraftwagenfahrer. Abgesehen von einem einzigen, der mir erstmal auf ungefähr fünf Meter auffahren musste, um dann das Horn zu zünden, sind die hier ausgesprochen vorbildlich. Das kann man vom Rest der motorisierten Verkehrsteilnehmer aber nicht behaupten.

    Insofern: Was tun? Überall einen Radweg ranklemmen, innerorts wie außerorts? Das wird nicht klappen, weder finanziell noch zeitlich noch vom Platz und so weiter und so fort. Abgesehen davon, dass der Nutzen solcher Maßnahmen nicht so ganz eindeutig ist, wie wir ja alle mittlerweile wissen.

    Das Problem scheint mir außerhalb der großen Städte vor allem zu sein, dass man ohne Auto auf dem Dorf echt aufgeschmissen ist.

    Hankensbüttel liegt an der Lachtetalbahn von Wittingen nach Celle und hatte früher einmal ein recht ansehnliches Bahnhofsareal mit einem entsprechend umfangreichen Betrieb. Seit nunmehr 45 Jahren findet hier allerdings kein Personenverkehr mehr statt, der Güterverkehr wurde von der OHE vor einigen Jahren ebenfalls eingestellt, die ganze Strecke wird vermutlich in den nächsten Jahren stillgelegt. Gleis raus, Supermarkt rauf.

    Ebenjener Supermarkt ist vermutlich ebenfalls das Problem: Lebensmittel gibt es nur noch auf Supermärkten auf der so genannten grünen Wiese, die sich grundsätzlich in jedem Unterzentrum befinden. In den Straßen, die mal so etwas wie die Hauptstraße Hankensbüttels oder Wittingens waren, ist grundsätzlich alles tot. Der Schlachter, der das Vieh noch selbst beim Landwirt abholte und im Nebengebäude schlachtete, ist genauso fort wie der Obst- und Gemüsehandel, der Getränkemarkt oder die Bäckerei: Alle gingen relativ schnell pleite, nachdem die praktischen Supermärkte auf der grünen Wiese öffneten.

    Was ich in den Supermärkten nicht finde, finde ich aber im Elektronikfachmarkt im nächsten Oberzentrum. Dahin komme ich aber grundsätzlich nur mit dem Auto. Es gibt hier zwar einen Busverkehr, der sogar relativ häufig fährt, aber quasi nur von einem Dorf ins nächste. Ich komme zwar regelmäßig aus Hankensbüttel zum Wittinger Bahnhof und von dort aus mit dem Zug nach Uelzen oder Braunschweig, aber in alle anderen Richtungen quasi nur ein Dorf weiter. Nach Celle oder Lachendorf geht’s nur über einen riesigen Umweg über Uelzen oder Braunschweig und Hannover. Das macht natürlich kein normaler Mensch (unnormale Menschen wie ich sind mit dem Rad übrigens schneller in Celle als mit öffentlichen Verkehrsmitteln).

    Mit dem Auto fährt man aber nicht nur zum Einkaufen ins nächste Oberzentrum, sondern auch zur Arbeit. Aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis, in den ich mich hier eingeheiratet habe, erfuhr ich, dass man gar nicht mal unbedingt in der IT-Branche arbeiten muss, um alle paar Jahre seinen Arbeitsplatz zu wechseln. Während man aber als Arbeitnehmer in der Großstadt gute Chancen hat, beim nächsten Arbeitsplatz noch immer in der Großstadt bleiben zu können, bewegt man sich hier mit dem Auto in einem Umkreis von 50 oder gar 100 Kilometern. Hat man bei einem Elektroinstallateur in Uelzen gekündigt, befindet sich der nächste Arbeitgeber vielleicht in Salzwedel oder in Salzgitter, aber sicherlich nicht in Hankensbüttel.

    Gut, zurück zur eigentlichen Ausgangsfrage hinsichtlich Radweg oder Fahrbahn und weniger Kraftverkehr.

    Ich meine, dass beispielsweise hier auf dem Land unendlich viele Faktoren die Frage nach der Verkehrswende beeinflussen und die Gegenwart von Radwegen nur ein Teil davon ist.

    Ich würde beispielsweise bestimmt nicht meinen täglichen Arbeitsweg nach Wittingen mit dem Rad bestreiten, wenn ich dort auf der mit Schutzplanken ausgestatteten Hochgeschwindigkeitsfahrbahn radeln müsste. Den Stress tue ich mir nicht an. Also muss entweder ein straßenbegleitender Radweg her oder ich fahre über die Felder, wo Regen und Schnee in Matsch resultieren.

    Andere Möglichkeit: Die Leute überzeugen, dass Tempo 120 oder — Gott behüte — 150 auf einer einfachen Überlandstraße trotz Schutzplanken eine dumme Idee sind. Nur: Wie? Mit Einsicht oder Kontrollen hat’s ja in den letzten Jahrzehnten nicht so richtig funktioniert und mir fehlt trotz des neuen Bußgeldkataloges der Glaube, dass sich das künftig ändern mag.

    Also den Stress am Lenkrad bekämpfen? Dafür sorgen, dass nicht jeder bis zu hundert Kilometer zu seinem Arbeitsplatz pendeln muss? Als Software-Entwickler ist die Sache mit Teleheimarbeit bestimmt eine leichte Sache, für viele andere Berufe vermutlich ebenfalls möglich — aber es scheitert vermutlich momentan noch an der Internetanbindung hier auf dem Land. Wenn der Nachbar Netflix anschmeißt, kann ich hier quasi nicht mal mehr ein Foto hochladen.

    Ich habe das Gefühl, wenn man weniger Kraftverkehr haben möchte, dann müsste man eine ganze Menge gesellschaftlicher Entwicklungen zurückdrehen. Zum Beispiel die Sache mit dem häufigen Wechsel des Arbeitsplatzes und der Bereitschaft zum Pendeln, die nunmal für diese Menschen längere Fahrten mit dem Auto bedeutet. Aber so etwas wie 75 Jahre lang bis zum Tod in der Fleischerei auf dem Dorf zu arbeiten wie eine Tante meines Vaters, das wird es heute wohl nicht mehr geben, denn es gibt ja nicht einmal mehr die Fleischerei, weil die in keiner Hinsicht gegen das Angebot eines Supermarktes bestehen kann.

    Wollen wir weniger Autofahrten generieren, müsste es mehr Angebote des täglichen und wöchentlichen Bedarfs in jedem Unterzentrum geben. Nur: Das lohnt sich einfach nicht mehr. Es gab hier im Ort beispielsweise bis vor ein paar Monaten einen „Fernsehermann“: Geschäftsaufgabe wegen Renteneintritt. Der konnte aber auch nur noch Fernseher reparieren, die so alt waren wie er selbst, denn an einem Flachbildschirm, wie man ihn heute aus MediaMarkt herausträgt oder bei Amazon bestellt, lässt sich ja nichts mehr reparieren. Brauche ich jetzt ein elektronisches Gerät, fahre ich entweder bis zum nächsten Oberzentrum oder bestelle im Internet. Wenn es kaputt geht, bestelle ich einfach ein neues.

    Will sagen: Man muss für jeden Scheiß ins Auto steigen und aus dem Dorf raus, meistens nicht bis zum nächsten Mittelzentrum, sondern gleich ins nächste Oberzentrum. Und das wird sich ja nicht zurückdrehen lassen. Die ganzen kleinen Betriebe, die Fleischerei, die Post, die Bäckerei, die können sich ja teilweise nicht mal in hippen Vierteln einer Großstadt gegenüber dem Supermarkt behaupten, wie soll das hier auf dem Land mit noch kleinerer Zielgruppe funktionieren?

    Und dann gibt es ja noch die angesprochene Bahnstrecke von Wittingen nach Celle. Ich fände es obercool, wenn dort mal wieder eine Regionalbahn führe, womöglich sogar direkt weiter nach Hannover. Das löst aber keines der übrigen Probleme: Ich kann dann zwar auf dem Dorf wohnen und in Hannover arbeiten und täglich meine drei Stunden im Zug absitzen, quasi immerhin für zwei Wege am Tag one less car, fahre dann aber für alle anderen Wege trotzdem mit dem Auto herum.

    Und irgendwie habe ich mich mit diesem Beitrag total verrannt zu dieser späten Stunde. Ich wollte eigentlich darauf hinaus, dass es viel mehr Aspekte für die Verkehrswende, beziehungsweise weniger Kraftverkehr auf der Straße gibt als nur die Frage nach Fahrbahn und Radweg, aber ich bin mir nicht sicher, ob mir das hier gelungen ist.

    Übrigens gab es hier im Dorf sogar mal einen Fahrradladen. Der hat aber auch nach ein paar Jahrzehnten vorletztes Jahr endgültig schließen müssen: Es lohnte sich nicht mehr. Das hat hinsichtlich der Verkehrswende auch wieder Auswirkungen: So ein normales Fahrrad, was schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat und vielleicht nicht immer pünktlich zur Inspektion erscheint und vielleicht nicht immer so gut gepflegt wird, das neigt dann auch mal zu Mätzchen. Wenn wir hier einen Ausflug machen wollen, finden wir zwar ein reichhaltiges Angebot an Rädern in der Nachbarschaft vor, aber keines, bei dem sowohl Bremse als auch Licht als auch Schaltung funktionieren, die Kette noch einigermaßen in Schuss ist und die Reifen aufgepumpt. Irgendwas ist immer. Weil man aber das defekte Rad erstmal auf einem Fahrradträger am Auto ins nächste Mittelzentrum zur Werkstatt fahren müsste, bleibt die Lage wie sie ist.

    Und am Ende fährt man so oder so mit dem Auto.

    Die Polizeimeldung zu einem Unfall im nordfriesischen Leer ist ja mal abenteuerlich:

    Leer - Gestern Morgen gegen 09:00 Uhr wurden Kräfte des Rettungsdienstes und der Polizei zu einem schweren Verkehrsunfall in der Bürgermeister-Ehrlenholtz-Straße gerufen. Eine 44-jährige Frau aus Nortmoor befuhr mit ihrem Ford Ka die Bürgermeister-Ehrlenholtz-Straße in Richtung Friesenstraße und beabsichtige nach rechts auf einen dortigen Parkplatz zu fahren. Eine 25-jährige Leeranerin fuhr zu diesem Zeitpunkt mit ihrem Fahrrad auf dem Radweg der Bürgermeister-Ehrlenholtz-Straße in Richtung Ostersteg. Nach derzeitigen Erkenntnissen übersah die Radfahrerin den abbiegenden Ford und kollidierte mit der Fahrerseite des Pkw. Durch den Sturz erlitt die 25-Jährige schwere Beinverletzungen. Sie wurde umgehend einem Krankenhaus zugeführt. An beiden Fahrzeugen entstand Sachschaden.

    Kein Wort zu § 9 Abs. 3 StVO. Klingt ja fast so, als wäre die Radfahrerin an allem schuld.

    Dafür fehlen ganz andere Informationen: Wenn ich mir die Örtlichkeit ansehe, handelt es sich um eine Einbahnstraße mit unterschiedlicher Radverkehrsinfrastruktur auf beiden Seiten. Wenn die Kraftfahrerin rechts in einen Parkplatz abgebogen ist, muss ihr die Radfahrerin als Geisterradlerin entgegengekommen sein. Das ändert zwar grundsätzlich nichts an der Vorfahrtssituation, ist im Zusammenhang mit einer Pressemitteilung der Polizei zu einem Verkehrsunfall vielleicht nicht so ganz unerheblich.

    Die Hoffnung stirbt zuletzt?

    Ich fürchte, wir driften mit dieser Fragestellung wieder ganz weit vom eigentlichen Thema ab, aber ich bin mittlerweile nach ungefähr zehn Jahren in dieser Fahrradblase zu der Überzeugung gekommen, dass die Fragestellung falsch ist: Die Verkehrswende wird sich nach meiner momentanen Meinung nicht darüber entscheiden, ob auf der Fahrbahn oder auf dem Radweg gefahren wird. Da hängen noch eine ganze Menge anderer Faktoren dran.

    Aber selbst wenn man als ADFC der vermeintlich falschen Lehre anhängt, wenn ich das jetzt einmal so überspitzt formulieren darf, dann ist das ja immer noch kein Grund, sich an eine solche Kampagne anzuhängen, die den Radverkehr wieder in die Rolle des pöbelnden Regelbrechers zurückdrängt.

    Man bräuchte auch einen Blick auf die Autoampel, um zu wissen, wer wirklich bei Grün/Gelb/Rot fährt um zu sehen, ob die Räumzeiten bei langsamen Autos versus schnellen Radlern zu knapp kalkuliert sind oder doch die Autler bzw. welche von denen die vermutete Kirschgrünfehlsichtigkeit haben ...

    Ich bin damals morgens in der besagten Richtung stadteinwärts gefahren und konnte jedes Mal feststellen, dass die Räumzeiten einerseits knallhart kalkuliert waren, aber anderseits je nach Verkehrsaufkommen und Stausituation immer noch zwei oder drei Kraftfahrer bei gelben oder rotem Licht über die Haltlinie gehuscht sind.

    Aus meiner alten Heimat tauchte plötzlich bei Twitter dieses tolle Video auf:

    Externer Inhalt twitter.com
    Inhalte von externen Seiten werden ohne Ihre Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.
    Durch die Aktivierung der externen Inhalte erklären Sie sich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu haben wir in unserer Datenschutzerklärung zur Verfügung gestellt.

    Es geht um die Überquerung der Kieler Straße in Ost-West-Richtung, also vom Sportplatzring rüber in die Volksparkstraße, beziehungsweise das indirekte Linksabbiegen von der Kieler Straße in die Volksparkstraße. Fußgänger und Radfahrer bekommen zu einem Zeitpunkt grünes Licht, bei dem der Querverkehr auf einer 16 Meter entfernten Richtungsfahrbahn noch rollt. Und wenn dann noch ein oder zwei Fahrzeuge bei gelb oder rot die Haltlinie überfahren, wird’s halt mal knapp.

    Ich hatte mich darüber ja irgendwann einmal bei der benachbarten Straßenverkehrsbehörde beschwert, erfuhr aber nur, dass das ja eine Bundesstraße wäre und man dementsprechend keine Aktien darin hätte. Dann bin ich aus der Ecke weggezogen und es war mir egal. So ganz zufrieden bin ich aber nicht — also:

    1. Noch mal beschweren? Oder ist das vergeudete Zeit?
    2. Und falls ja: Bei wem?

    Das würde bedeuten, die Veloroute führt künftig über einen Bahnsteig... Halbe Breite und Mischverkehr mit Fußgängern/Bahnreisenden inklusive.


    Weiß hier eventuell jemand mehr?

    So ungefähr, ja. Die Veloroute führt jetzt tatsächlich seit relativ genau einem Jahr parallel zum Bahnsteig und wird nur durch eine Art Drängelgitter von den Gleisen getrennt:

    [image='11982','small'][/image]

    Für einen Teil des alten Güterbahnhofs West, genannt „Alte Gleisharfe“, können momentan Vorschläge zur weiteren Gestaltung abgegeben werden. Immerhin stehen „Einkaufszentrum“ oder „Parkplatz“ nicht zur Debatte, allerdings wurde ja bereits ein nicht ganz unwesentlicher Teil der alten Gleisharfe als Parkplatz für das benachbarte Gewerbegebiet umgewandelt.

    Radfahrer halten sich ja eh nie an die Regeln und haben eine Rot-Grün-Schwäche und suchen sich die Farbe einfach aus:

    Nachdem ich einige Minuten lang wartete und abzuschätzen versuchte, wann ich denn wohl an mit „echtem Grün“ an dieser Kreuzung an der Reihe wäre, überquerte ich die Kreuzung und legte mich sofort mit einem entgegenkommenden Rechtsabbieger an: Dem wurde wohl konfliktfreies Abbiegen signalisiert, ich hatte also in Wirklichkeit noch immer gar kein Grün. Im Endeffekt wäre es wohl klug gewesen, einfach den Signalgeber auf meiner Seite der Fahrbahn anzusehen, aber darauf bin ich in aller Faszination von diesem Lichtspiel gar nicht gekommen.

    Ich bin mir ja relativ sicher, dass die Signalgeber für den „echten Verkehr“ gegen solche Darstellungen abgesichert sind. Wurde bei Fußgängern und Radfahrern aus finanziellen Gründen auf so einen Schutz verzichtet?

    Natürlich habe ich pflichtgewusst versucht, diesen Defekt zu melden. Nachdem ich eine Weile die E-Mail-Adresse der zugständigen Behörde gesucht und eine Mail abgeschickt hatte, bekam ich umgehend Antwort von deren Mailserver, dass es die E-Mail-Adresse nicht gäbe. Nach weiteren fünf Minuten Suche stieß ich auf dieses Tool und bin gespannt, ob das wohl besser funktionieren wird.

    Im Gedächtnis habe ich an der Kreuzung eine Ampelanlage.

    Die Werftstraße und der Gaardener Ring kreuzen sich gleich zwei Mal, es handelt sich aber um diese Querungsmöglichkeit nördlich der nördlichen Kreuzung (Korrekturmeldung der Polizeipresse zur Unfallstelle). Es handelt sich dabei um diese Furt, ein Relikt der autogerechten Stadt, bei der man nacheinander drei Richtungsfahrbahnen überqueren muss.

    Das ist eine brandgefährliche Verkehrsführung, weil man wenigstens als Ortsunkundiger bei der mittleren Richtungsfahrbahn nur schlecht einschätzen kann, ob der Fahrbahnverkehr nun von links oder von rechts oder von beiden Seiten kommen wird. Unsereins liest das natürlich an den Verkehrszeichen und den Fahrbahnmarkierungen ab, aber da kann man schon mal durcheinander kommen. Und gerade jetzt im Sommer, wenn werktags der Radverkehr zur Universität und Fachhochschule wieder zunimmt, beziehungsweise an den Wochenenden der Ausflugsverkehr stattfindet, steht man auf den knapp bemessenen Sprunginseln im Stau.

    Heute Abend gibt es eine Mahnwache für den getöteten Radfahrer: