Eigentlich geht es ja schon damit los, dass an einem normalen Arbeitstag gewählt wird. Viele Arbeitnehmer können sich halt nicht einfach einen Tag frei nehmen (was sie bei langen Schlangen wohl teilweise müssten).
Das ist wohl auch eher ein Relikt aus uralten Zeiten, das bis heute nicht reformiert oder geändert wurde — und witzigerweise auch auf die Anreise ohne Autos zurückzuführen ist. Bevor Autos weit verbreitet waren, war das nächste Wahllokal unter Umständen eine ganze Tagesreise entfernt. Sonntags war Kirche, da konnte man nicht reisen, also ging’s montags los, dienstags wurde gewählt und am Mittwoch war man wieder zu Hause — pünktlich zum Markt.
Und im November wird gewählt, weil dort die Ernte bereits eingefahren wurde und viele Wähler überhaupt erst die Möglichkeit hatten, zur Wahl zu gehen. Und der 1. November durfte es nicht werden, weil dort schon Allerheiligen liegt. Also: Der erste Dienstag nach dem ersten Montag im November.
In den USA haben leider zu viele Politiker diesen Konsens verlassen. Da werden - je nach eigenen politischen Ansichten - die Wahlen so unfair wie irgendwie möglich für die Wähler des politischen Gegners gestaltet.
Das zeigt sich in den Grundzügen aber auch in allen anderen Demokratien. Unsere Bundesregierung hat mit der Wahlrechtsreform ja auch lieber nichts reformiert, weil eine vernünftige Reform zulasten der Regierungskoalition gegangen wäre. Und die Herabsetzung des Wahlalters auf 16 Jahre, zu der man zurecht viel und lange diskutieren kann, scheitert nach meiner Kenntnis vor allem daran, dass die zusätzlichen Wählerschichten wohl primär die momentane Opposition wählen.