Verkehrswende: Wie aus Autofahrern Radfahrer werden
Wie bekommt man Pendler dazu, vom Auto aufs Rad umzusteigen? Ein Forschungsprojekt zeigt, dass es dazu nicht viel braucht.
www.zeit.de
Mike Haberland von „Mobil in Deutschland e.V.“ sollte man im Radverkehrsforum eigentlich eher keine Bühne bieten — aber andererseits: Wenn er sich so richtig ärgert, kann 2021 so schlecht ja gar nicht gewesen sein:
Vor allem sitzt er die ganze Zeit irgendwo auf einem Münchener Parkplatz in seinem Auto. Okay, klar, wenn mich jemand um einem Fahrradrückblick 2021 bittet, dann fände das auch irgendwie auf oder mit dem Rad statt, aber ich bilde mir ein, das käme nicht ganz so schlimm rüber wie in einem Auto irgendwo auf einem Parkplatz zu sitzen.
Mal was gegen allzu viel guter Laune zum Jahreswechsel: Der Thwaites-Gletscher ist wohl im Begriff zu brechen und wir haben als Weltbevölkerung damit einen der größeren Schalter unseres Planeten nicht nur umgelegt, sondern direkt abgebrochen:
Der Gletscher, wenn er schmilzt, reicht allein schon für einen gewissen Anstieg des Meeresspiegels. Da der Gletscher aber quasi als Stöpsel für weitere Gletscher fungiert, rutschen jene mit der Zeit ebenfalls ins Meer und heben den Meeresspiegel weiter an. Je nachdem, welches Szenario eintritt und ob es nur katastrophal wird, sind das dann schon fünf Zentimeter pro Jahr in ein paar Jahrzehnten.
Und wir tun dann immer noch so, als müssten wir einfach eine magische Maschine erfinden, die CO2 aus der Atmosphäre saugt und dann rutscht der Gletscher wieder rückwärts den Berg hoch und ausgestorbene Tierarten materialisieren sich aus pinkfarbenen Wölkchen.
Noch neu? Manchmal kommen Fahrbahnmaler und Schilderschrauber nicht am selben Tag, andere Abteilung ...
Schon klar, das ist ja quasi das gleiche Problem wie drüben in der Soltauer Straße: Es wird ein Stück Infrastruktur für den Radverkehr gebaut oder geändert, das aber an den Anschlussstellen ohnehin nicht passt und die notwendige Beschilderung kommt dann ein paar Wochen oder ein paar Monate später. Währenddessen kann sich der Radverkehr prinzipiell nur falsch verhalten und raten, was die Behörde wohl eigentlich gemeint hat — beziehungsweise darauf hoffen, dass die Polizei das potenzielle Fehlverhalten ebenso locker sieht und keine Ahndung stattfindet, wenn hier beispielsweise auf dem Schutzstreifen statt auf dem ausgeschilderten Gehweg geradelt wird.
Südlich von Lüneburg, im Bereich der so genannten Roten Schleuse, gibt’s eine Straße mit dem für außerörtliche Straßen obligatorischen einseitigen Zweirichtungsradweg. Und neuerdings gibt’s noch einen Schutzstreifen. Das Ergebnis: Nichts genaues weiß man nicht:
Ich finde, auch hier macht die Behörde eine außerordentlich schlechte Figur. Da gibt’s also einen benutzungspflichtigen Fuß- und Radweg in beide Richtungen und man malt einen Schutzstreifen dazu, den man offenkundig nicht benutzen darf, und die Behörde beraumt nun erst einmal einen Ortstermin an, um sich die Sache mal anzugucken.
Ich war mal schneller. Zeichen 240 sagt eindeutig aus, dass hier ein Fuß- und Radweg zu befahren ist, dagegen kann der lustige Schutzstreifen nicht anstinken. Die Sache mit der Kurve finde ich ehrlich gesagt nicht so dramatisch, hier ist eigentlich Tempo 50 angesagt, was dann natürlich in gefahrenen 70 km/h resultiert, mutmaßlich haben die Radfahrer, die sich jetzt beklagen, schon die entsprechenden Erfahrungen gemacht im Gegensatz zu mir, der ich da nun zum ersten Mal war.
Ich denke, auch ohne Ortstermin sollte sich erkennen lassen, dass das hier nicht hinhaut. Was mich dann zur nächsten Frage führt: Gibt es überhaupt Unterlagen über das, was dort mal angeordnet wurde? Oder läuft das so, wie es halt manchmal so läuft, dass sich die blauen Schilder verselbstständigen und niemand mehr nachvollziehen kann, was hier eigentlich mal angeordnet wurde, beziehungsweise daraus resultierend auch keiner mehr weiß, dass die Schilder überhaupt dort stehen?
Lustig wird es halt dort, wo der Schutzstreifen endet und an die bestehende Infrastruktur anschließen muss. Richtung Westen scheint mir die Sache noch einigermaßen klar zu sein, hier führt der Schutzstreifen zurück auf das untermaßige Hochbord, das im Winter dank des Laubes noch schmaler geworden ist. Hier kann eigentlich auch mit viel Rücksicht kein Rad- und Fußverkehr gleichzeitig stattfinden.
Gegenrichtung. Das lädt hier schon zu Faxen ein, denn irgendwo hier soll man erkennen, dass die linksseitige Benutzungspflicht aufgehoben ist und nunmehr auf dem rechten Hochbord geradelt werden soll. Der Wechsel der Straßenseite muss aber hier vorne passieren, denn ansonsten kommt man vom Hochbord nicht mehr runter. Vielleicht will das Zeichen 240 auf der rechten Seite von diesem Manöver künden, vielleicht auch nicht, vielleicht ist das Schild auch für den Waldweg nebenan zuständig. Nichts genaues weß man nicht.
Jedenfalls soll man am Ende hier landen:
In der Gegenrichtung wird’s dann ja auch lustig, weil man zunächst von dort hinten weiter auf der hier im Bild rechten Seite fährt, hoffentlich nicht mit dem Lenker am Brückengeländer hängen bleibt, und dann hier vorne im
Früher sah es hier übrigens so aus:
Ich bin ja mal gespannt, was man sich dazu überlegen wird. In den Sommermonaten ist diese Gegend ein beliebtes Ausflugsziel, so dass man entweder auf dem Hochbord mit Fußgängern oder anderen Radfahrern aneinandergerät oder sich aber auf der Fahrbahn anhupen lassen darf.
Die Bushaltestelle Angerstraße in der Brabeckstraße in Hannover zeigt wie es auch gehen kann.
Mit genügend Platz geht vieles. Ich halte es eigentlich auch nicht für eine schlechte Idee, den Bus auf der eigentlichen Fahrbahn halten zu lassen, aber wenn sich der Fahrbahnverkehr dann schnell bis in den benachbarten Kreisverkehr hineinstaut, ist das wohl doch etwas zu viel des Guten.
Neuigkeiten aus Twistringen:
Ich habe jetzt nicht so ganz kapiert, warum diese Schilder nun dort stehen. Wurden die linksseitigen Radwege zuvor mit
freigegeben? Oder mit irgendeinem blauen Schild?
Leider hinter der Bezahlschranke:
Ich bin gerade über diesen Bericht der Ad-hoc-AG Fußverkehrspolitik der Verkehrsministerkonferenz gestolpert: Vorschläge zur Novellierung des Rechtsrahmens zur Erhöhung der Sicherheit und Attraktivität des Fußverkehrs
Sehe ich es richtig, dass das in den letzten neun Monaten an uns vorbeigegangen ist?
Da stehen ja ganz viele tolle Vorschläge drin, etwa die grundsätzliche Ausrichtung der Verkehrsregeln am schwächsten Verkehrsteilnehmer, Erleichterungen zur Anordnung von Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen und so weiter.
Interessant finde ich unter anderem:
Punkt 5: Flexibilisierung der R-FGÜ
Künftig dürfen Fußgängerüberwege quasi überall angeordnet werden, auch in Tempo-30-Zonen und auch zur Verdeutlichung bereits bestehender Vorrangverhältnisse. Bei Fußgängerüberwegen über Radwegen und Radschnellwegen tut’s dann auch eine Sparversion ohne Schild und Beleuchtung.
Punkt 6: Parken als Sichthindernis an Kreuzungen, Einmündungen und Querungshilfen
Bei Tempo 50 soll das Parken bis zu 20 Meter entfernt von den Schnittpunkten der Kreuzungsfahrbahnen unzulässig sein. Donnerwetter, da bin ich ja mal gespannt, ob dieser Vorschlag Gehör finden wird.
7. Vorrangregelungen für den Fußverkehr gegenüber ein- und abbiegenden Fahrzeugen
Großer Kracher mit viel Konfliktpotenzial, weil die Regelungen zum Vorrang zwischen Fußgängern und Fahrverkehr ohnehin kaum jemand ordentlich darstellen kann. Fußgänger sollen künftig beim Queren einer untergeordneten Fahrbahn „Vorgang“ vor dem Fahrverkehr haben — diese Regelung wird ja heutzutage häufig schon praktiziert. Der Vorrang gilt auch rund um die Kreisfahrbahn eines Kreisverkehres, Fußgänger haben dort also sowohl gegenüber einfahrenden als auch gegenüber ausfahrenden Kraftfahrzeugen Vorrang. Das wird sich ja super mit den vielen Zeichen 205 vertragen, die es insbesondere außerorts für Radfahrer im Bereich von Kreisverkehren gibt:
Die Formulierung ist allerdings auch wieder maximal kompliziert:
ZitatBeim Abbiegen aus untergeordneten Straßen haben auch zu Fuß Gehende Vorrang, die die untergeordnete Straße queren. Dies gilt auch bei der Einfahrt in Kreisverkehre und bei der Regelung Rechts-vor-Links.
Das heißt, wenn der Fahrverkehr geradeaus von einer untergeordneten Straße über eine übergeordnete Straße in die nächste untergeordnete Straße fährt, dann hat der Fußling keinen Vorrang, weil Geradeausfahren nunmal kein Abbiegen ist? Ich gucke mir dann also ausführlich die Fahrtrichtungsanzeiger von Kraftfahrzeugen oder Radfahrern an, um zu ermessen, ob ich als Fußgänger jetzt Vorrang habe oder nicht? Puh.
10. Gehwegparken – Zulassung
Für die ganz blöden Verkehrsteilnehmer wird noch mal darauf hingewiesen, dass das Parken auf Gehwegen grundsätzlich nicht erlaubt ist.
16. Begegnungszone
Finde ich schwierig. Das ist also eine Art Verkehrsberuhigter Bereich, nur ohne Schrittgeschwindigkeit, sondern mit 20 km/h als Tempolimit. Der Fahrverkehr muss auf Fußgänger Rücksicht nehmen, aber Fußgänger auch auf den Fahrverkehr. Ein Vortrittsrecht des Fußverkehrs, das ja grundsätzlicher Bestandteil des heutigen Verkehrsberuhigten Bereiches ist, soll es nicht mehr geben.
Es hat natürlich keinen Sinn, jetzt jede einzelne der abertausenden Bushaltestellen im Radwegbereich zu fotografieren und hier hochzuladen, aber diese Bushaltestelle in Uelzen ist ja wirklich Next Level Shit. Hier hielt der Bus offenbar früher auf der Fahrbahn, was dann aber den Kraftverkehr so sehr gestört hat, dass er sich bis in den benachbarten Kreisverkehr gestaut hat. Also wurde die Bushaltestelle in eine Bucht verlegt, dafür der Radweg kurzerhand entfernt. Auf dieser Seite geht das ja noch irgendwie:
Aber dann kommt die Gegenrichtung. Da sollen sich also im weiteren Verlauf auf diesem handtuchbreiten Stück Radfahrer und Fußgänger begegnen sowie Fußgänger auf den Bus warten und im Zweifelsfall auch noch Fahrgäste ein- und aussteigen. Natürlich kann man hier wieder die Karte mit der Rücksicht spielen, aber ich halte das für ein tolles Beispiel, dass Konflikte immer wieder auf Fußgänger und Radfahrer verlagert werden, damit der Kraftverkehr nach Möglichkeit nicht in irgendeiner Art und Weise behindert wird.
Das Fahrrad war dann übrigens irgendwann einfach fort. Soweit ich es rausbekommen konnte, hat es von uns aus der Belegschaft niemand abgeholt, insofern muss wohl jemand anderes mit der Flex angerückt sein.
Ich muss bei Gelegenheit mal gucken, ob wohl das Schloss noch dort hängt. Das sollte eigentlich relativ stabil sein, vermutlich ginge es schneller, einfach direkt durch den Rahmen des Rades zu sägen.
Endlich mal wieder eine Kampagne fürs Auto: „Gut, dass es Autos gibt!“
Das erste Motiv ist — natürlich — die obligatorische Mama mit Lastend und Kind im Regen. Tenor: Mit dem Auto wäre das nicht passiert. Interessant ist natürlich auch noch die Bildsprache, die beide Personen in der Schlucht einer absolut lebensfeindlichen Infrastruktur zeigt, die auf die Bedürfnisse des Kraftfahrzeuges ausgerichtet ist.
… was mich natürlich gleich zum nächsten Thema führt: Schade, dass man sein Kind offenbar nicht mal ohne Auto zur Schule bringen kann. Oder zu Fuß. Sowas soll’s ja auch geben.
Was für eine Katastrophe sondergleichen:
Okay, dann halt kein Klimaschutzpaket. Sei’s drum, da ist eh nicht mehr viel zu retten und Manchin war ja eigentlich ohnehin eher ein Republikaner in der falschen Partei. Aber damit dürfte klar sein, dass Joe Bidens Präsidentschaft schon im ersten Jahr scheitern wird. Das Infrastrukturpaket und das Klima- und Sozialpaket waren nunmal sein zentrales Wahlversprechen, das war das große Ding, das er direkt im ersten Jahr seiner Präsidentschaft umsetzen wollte. Das Infrastrukturpaket hat er noch durchbekommen, vom zweiten Paket ist gerade mal noch ein Scherbenhaufen übrig.
Ich habe keine Ideen, wie die ebenfalls vollkommen ratlos agierenden Demokraten das wieder in den Griff bekommen wollen. Fatalismus ist ja momentan hoch im Kurs, aber ich denke mal, damit sind die Midterm-Wahlen für die Demokraten gelaufen. Die zweite Hälfte seiner Amtszeit bekommt Biden dann so gut wie gar nichts auf irgendeine Weise geregelt.
Und dann wird ja im Jahr 2024 wieder mal gewählt. Das ist aus heutiger Sicht noch lange hin, aber Biden wird wohl kaum noch mal antreten, Harris, die mal als seine Nachfolgerin gehandelt wurde, ist quasi aus dem Rennen, während auf der Seite der Republikaner sowohl Trump als auch eine Reihe weiterer Kandidaten hochmotiviert in den Wahlkampf starten wollen. Die Demokraten haben dann das gleiche Problem wie die Union hierzulande im letzten Wahlkampf: Sie müssen mit einem neuen Kandidaten antreten, der irgendwie alles besser machen möchte, können aber nicht erklären, wie es denn besser werden soll, weil sie ja momentan bereits regieren. Abgesehen davon entwickelt sich dort ein parteiinterner Konflikt zwischen dem linken und den moderaten Flügel, bei dem auch noch nicht klar ist, wie sehr die beiden Flügel im Wahlkampf miteinander auskommen werden.
Abseits davon ist natürlich die Frage, wie sehr die Wahlgesetze zugunsten der Republikaner geändert werden.
Hinter der Bezahlschranke beim SPIEGEL gibt es eine erste Einschätzung zu den Plänen des freidemokratischen Bundesverkehrsministers:
Angeblich soll die Schiene mehr Geld bekommen als der Straßenbau, angeblich will Wessing dann doch nicht nur der Anwalt der Autofahrer sein — man darf gespannt sein, was da für die Verkehrswende noch bei abfallen wird. Auf Twitter äußert sich die Fraktion der Freien Kraftfahrer schon recht selbstbewusst:
„Kein Tempolimit“ ist ernsthaft auf Platz 1, also für die FDP mutmaßlich die wichtigste Maßnahme im Bundesverkehrsministerium. Das ist natürlich so schwammig ausgedrückt wie die übrigen neun Punkte, denn gemeint ist natürlich „kein allgemeines Tempolimit auf Bundesautobahnen“. Punkt 2 mit den Investitionen klingt eigentlich schon ganz vernünftig, bezieht sich aber, wie man ja mittlerweile weiß, vornehmlich auf Autobahnprojekte. Die Begriffe „Verkehr“, „Mobilität“ und „Infrastruktur“ sind bei der FDP in der Regel aufs Auto gemünzt. Mit den vereinfachten Genehmigungsverfahren aus Punkt 3 sollen wohl die lästigen Klimaschützer davon abgehalten werden, weitere Autobahnprojekte zu torpedieren; man darf gespannt sein, inwiefern eventuelle Neubaustrecken der Bahn vom vereinfachten Verfahren profitieren werden.
Punkt 4 mit den eFuels ist die obligatorische esoterische Komponente in der freidemokratischen Politik, die Heilsbringerin, die uns unsere Verbrennungsmaschinen sichert. Da wird dann also mit Wind- und Solarkraftwerken (die ja wohlgemerkt bei der FDP eigentlich eher unbeliebt sind) und riesigen Maschinen CO2 aus der Luft gesaugt (diese Maschinen gibt es übrigens noch gar nicht), um daraus Kraftstoffe herzustellen, die dann angeblich klimaneutral wären. Ist halt alles sehr viel Zukunftsmusik und Hokuspokus, passt aber zur FDP, bei der man gegen echte Probleme gerne eine App oder so genannte smarte Lösungen gegenwirft.
Und insgeheim hoffe ich ja, dass wir, sobald diese CO2-Staubsauger ordentlich funktionieren, dann auch klug genug geworden sind, den mit hohem Energieaufwand eingesammelten Kohlenstoff nicht gleich wieder zu verbrennen, nur weil wir in Deutschlands Industrielandschaft mittlerweile nichts anderes mehr hinbekommen als Verbrennungsmotoren zu konstruieren.
Die restlichen sechs Punkte sind dann noch unspezifischer, man bleibt aber insofern konsequent, dass Dinge wie „Verkehrswende“, „Eisenbahn“ und „Fahrräder“ lieber nicht genannt werden:
Ich wundere mich ja immer noch, wie verlässlich eigentlich die Zahlen über Neuinfektionen und so weiter sind, wenn es schon Menschen mit Risikokontakt relativ schwer gemacht wird, eine potenzielle Infektion untersuchen zu lassen oder gar zu melden:
Oh: Das Land Niedersachsen wird die alten Bahnstrecken der OHE aufkaufen und in eine Kleinbahngesellschaft überführen:
Ich gehe an solche Ankündigungen ja seither eher pessimistisch ran, aber das Land Niedersachsen hat das jetzt tatsächlich beschlossen und geht noch weit über die ersten Überlegungen hinaus: Es soll jetzt nicht nur der Güterverkehr auf dem alten OHE-Netz Berücksichtigung finden, sondern auch der Personenverkehr:
Persönlich bin ich, ohne irgendwelche Zahlen oder Zusammenhänge zu kennen, eher skeptisch, was den Güterverkehr angeht. Bei der OHE wurde in den vergangenen Jahrzehnten der Rückbau nicht mit solcher hemmungslosen Freude betrieben wie bei der Bundesbahn, insofern sind viele Gleisanschlüsse und Bahnhöfe noch intakt, aber wer wird dann da halt wieder vom Lkw auf die Schiene zurückkommen?
Beim Personenverkehr male ich mir schon eher größere Perspektiven aus, wenigstens von Celle über Beckedorf nach Munster liegen einige touristisch interessante Ziele, zu denen sich wenigstens im Sommer Ausflugsverkehr lohnen könnte.
Immerhin dürfte damit aber erst einmal der Fortbestand des Schienennetzes gesichert sein. Schade, dass einige Strecken, etwa von Wittingen nach Oebisfelde, erst vor ein paar Jahren abgebaut wurden. Die hätte man vielleicht auch noch retten können.
Und quasi gespiegelt zu dem Loch an ÖPNV, das sich im Bereich der Lüneburger Heide befindet, herrscht auf der anderen Seite der Schnellfahrstrecke Hannover—Hamburg immer noch Kahlschlag. Das einst umfangreiche Eisenbahnnetz in der Altmark wurde erheblich ausgedünnt, es besteht eigentlich nur noch eine Verbindung von Uelzen über Salzwedel nach Stendal, alles andere wurde zum Teil schon im real existierenden Sozialismus plattgemacht, die verbliebenen Strecken überlebten die Wende teils nur um wenige Jahre.
Von Wittenberge bis Salzwedel liegen noch Schienen mit einer Lücke von etwa fünf Metern, die der DRE gehören, die auch gerne neue Bahnverbindungen ankündigt… allein: Es kommt kein Zug:
Bei dem Artikel hätte ich mir schon gewünscht, dass etwas mehr auf die Hintergründe der fehlgeschlagenen Reaktivierung eingegangen wird, anstatt dass sich da einer zum Fahrplanwechsel an den Bahnhof stellt und erstaunt feststellt, dass ja gar kein Zug fährt. Aber auch da wundere ich mich ja: Abseits der Ballungszentren gibt’s in der Altmark nunmal kaum noch etwas, Industrie hat sich dort wohl auch nur gehalten, weil sie politisch dort gewünscht war. Was sollen die Leute dort mit einem Zug, der dann womöglich im Zweistundentakt zu Zielen fährt, zu denen sie gar nicht wollen?
Und auch bissl ein Zeichen für unser komisches Verhältnis zum Auto. Kein Mensch interessiert sich wenn Fahrräder, Blumenkübel, Häuser, Haustiere und Menschen von hinten auf Fotos, in Zeitungen oder Internet zu sehen sind. Aber kaum ist ein Auto drauf, dann wirds schwierig.
Ich habe ja früher als freier Mitarbeiter bei der örtlichen Lokalzeitung gearbeitet, primär als Fotograf. Irgendein Foto aus der Fußgängerzone oder vom Markt mit erkennbaren Gesichtern hat nie jemanden gestört, aber sobald ein Auto drauf war, musste akribisch das Kennzeichen verpixelt werden. Und zwar immer mit dem gleichen blöden Argument: Sonst könnte eine Leserin feststellen, dass ihr Ehemann sie betrügt, wenn das Auto vor dem Bordell oder irgendwo anders parkt, wo es nicht hätte parken sollen.
Offenbar dient zum Offenlegen solcher Fremdgehereien aber allein das Kennzeichen. Das Risiko, sich Händchenhalten in der Fußgängerzone ablichten zu lassen, war offenbar gleich null, darum hat sich nie jemand gesorgt. Aber Herrgott, Kennzeichen waren sowas von heilig, wir mussten sogar die Kennzeichen der Einsatzfahrzeuge der Polizei oder Feuerwehr verpixeln.
Und das Verpixeln war gar nicht so einfach, weil ständig noch eine Software zur Optimierung der Bilder an den Druck dazwischenfunkte — aber das ist eine andere Geschichte.
Zwei Dinge finde ich ja ganz beachtlich:
Ich höre nun schon seit über einem Jahr, dass Trump eigentlich erledigt wäre. Wegen seiner Steuererklärung, wegen dem 6. Januar, wegen seinen komischen Geschäften, wegen dies, wegen das, wegen jenem, es hieß ja sogar mal, er wandere direkt aus dem Weißen Haus in den Knast. Ist ja bis heute nicht passiert — stattdessen heißt es nun zum x-ten Mal, irgendein Enthüllungsbuch irgendeines Mitarbeiters werde ihn jetzt so richtig in die Bredouille bringen. Ich habe den Eindruck, das wird einfach nicht passieren. Never ever.
Und auch wenn man sich im Fatalismus gerade so richtig wohl fühlt: Gibt es eigentlich noch Zweifel daran, dass Trump im Jahr 2024 wieder antreten und erneut gewinnen wird? Momentan ist Biden dermaßen unpopulär, seine ehrgeizigen Pläne werden von zwei demokratischen Senatoren nicht mitgetragen und geradezu zerpflückt, dass die Demokraten bei den Midterm-Wahlen im Herbst 2022 mit momentan an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit beide Häuser verlieren werden. Gleichzeitig arbeiten die Republikaner in denen von ihnen regierten Bundesstaaten an weiteren Änderungen der Wahlgesetze, um zu verhindern, dass noch mal ein Demokrat irgendeine wichtige Wahl gewinnen kann. Das passiert dermaßen offensichtlich, dass die Leute sogar eine PowerPoint-Präsentation über ihre Pläne eines Staatsstreiches veröffentlichen und sich nicht mal die Mühe machen, irgendwas zu verschleiern:
Oder um es noch mal deutlicher zu sagen:
Das wird einfach eine Katastrophe, deren Auswirkungen sich nicht nur auf die Vereinigten Staaten von Amerika beschränken werden.