Beiträge von Malte

    Schon wieder ein Unfall: Radfahrer von Lkw lebensgefährlich verletzt

    Extra erwähnt wird ja, dass es sich nicht um diesen klassischen Rechtsabbiege-Unfall handelt, sondern der Lastkraftwagen-Fahrer wohl das Rotlicht seiner Ampel missachtet übersehen hat. Und trotzdem geht’s jetzt in den einschlägigen Gruppen auf facebook wieder rund, der Radfahrer wäre ja bestimmt über Rot gefahren und hätte keinen Helm getragen und nicht aufgepasst und wäre doch bestimmt selbst schuld. Da könnte man glatt gleich wieder so einen Artikel schreiben.

    Ich durfte in den letzten Tagen einige Diskussionen per Mail führen, weil mittlerweile absehbar ist, dass der Bundesgerichtshof sich am 17. Juni mit dem so genannten Fahrradhelm-Urteil befassen wird. Eigentlich hatte ich ja gerade als Ersatz für solche E-Mail-Diskussionen dieses Forum eingerichtet :rolleyes:

    Darum stelle ich hier einmal die gefährlichste aller Fahrrad-Fragen: Wie haltet ihr’s mit dem Helm? Und ich bitte gleich zu Anfang sicherheitshalber schon mal darum, den guten Umgangston und den Respekt anderer Meinungen zu wahren.

    Persönlich bin ich da eher inkonsequent: Ich bin jahrelang ohne Helm gefahren und habe mir erst im Herbst 2012 einen zugelegt, um eine GoPro-Kamera vernünftig befestigen zu können. Das ging dann einige Zeit lang gut, dann fuhr ich doch lieber wieder ohne Helm, weil’s mich einerseits eher gestört hat, den ständig mitschleppen zu müssen, andererseits hatte ich aber auch nie so richtig das Gefühl, dass das Radfahren jetzt so gefährlich wäre, dass ein Helm notwendig wäre. Meine Inkonsequenz unterstreiche ich dadurch, dass ich beispielsweise bei Schnee und Eis nur mit Schutz aufs Fahrrad steige: Ich halte zwar die Schutzwirkung eines Fahrradhelmes nicht mal ansatzweise für so toll, wie es in der Öffentlichkeit immer wieder kommuniziert wird, halte aber einen gewissen Schutz für gegeben, wenn ich etwa trotz Spikereifen in der Kurve seitlich wegrutsche und wider Erwarten mit dem Kopf aufschlagen sollte.

    Wie ist es dort, wo scheinbar die Ortsbehörde jetzt schon vor 2013 die Lichtzeichen richtiggestellt (und entsprechend die Ampelschaltungen danach eingestellt) hatte? Ist es so, dass heute die Radfahrer ihre Gleichstellung mit der Fahrbahnschaltung bis Ende der Übergangsfrist verlieren, und plötzlich alle Wartezeiten des Fussgängers geduldig erleiden müssen?

    Wie ist es, wenn sie auf der Fahrbahn fahren (obwohl sie dort nicht fahren dürfen)? Dürfen sie dort wie die Autos fahren, oder müssen sie wie auf der Fahrradfurte / dem Radweg auf der Fahrbahn warten, dass die Fussgängerampel freischaltet?

    Ich muss diese Tabelle bei Gelegenheit mal aktualisieren, teilweise stimmen die Übergangsregelungen nicht mehr, die wurden zeitlich nach hinten verschoben.

    Da aber die Lichtzeichen nicht nach dem befahrenen Straßenteil unterschieden werden, sondern nach der Art des Fahrzeuges, kann es auch für den Fahrbahnradler Situationen geben, in denen er sich nicht an der Fahrbahnampel orientieren darf, sondern die Fußgängerampel irgendwo abseits der Kreuzung beachten muss. So eine Stelle habe ich auf dem Weg zur Uni: Eine so genannte Fahrradschleuse gilt wohl als Radverkehrsführung, in der dann wiederum das Lichtzeichen der Fußgängerampel zu beachten ist — obgleich man eigentlich mit dem Rad mehr oder weniger mitten auf der Fahrbahn steht.

    Das macht natürlich kein Mensch und ist sicherlich auch nicht im Sinne des Erfinders, obwohl der Gesetzgeber erst vor ein paar Wochen wieder bekräftigt hat, diese Unterscheidung nach Fahrzeugart für ausgesprochen sinnvoll zu halten, weil nur damit das Problem der Räumzeiten bewältigt werden könne. Schließlich sind die Räumzeiten tatsächlich eher von der Art des Fahrzeuges abhängig als vom befahrenen Straßenteil, wenngleich sich die langsameren Radfahrer vermutlich eher auf dem Radweg herumtreiben, während ein schneller Radfahrer die Fahrbahn bevorzugen dürfte.

    Haben die Radfahrer keine Radfahrerorganisationen bzw. -Vereine, die dagegen angehen, bzw. was tun diese Vereine und Organisationen konkret in der Sache?

    Tja, zumindest auf lokaler Ebene auf eine entsprechende Umrüstung der Ampeln drängen. Eine gänzliche Abschaffung dieser Übergangsregelung halte ich für problematisch, weil es ja tatsächlich hinreichend viele Kreuzungen gibt, bei denen man als Radfahrer gegen Ende der Grünphase nicht mehr versuchen sollte, die Kreuzung mit weniger als 15 oder 20 Kilometern pro Stunde zu überqueren. Bei einigen größeren Hamburger Kreuzungen bekomme ich auch schon ein leicht ungutes Gefühl, wenn beim Passieren der Haltlinie die Ampel auf gelbes Licht umschaltet, obwohl ich ja eher einen heißen Reifen fahre.

    Gerrit Moritz hat folgendes Video gemacht, dabei ist er auf einem (IMMER NOCH!) benutzungspflichtigen Radweg mal bewusst schneller gefahren und hat die Mängel aufgezählt:

    Oh, mein Lieblingsschlagloch auf 4:21. Da hätte ich mich mit @Forumteilnehmer vor knapp zwei Jahren fast mal reingelegt. Ich habe aber festgestellt, dass das wohl inzwischen jemand verfüllt hat.

    Offensichtlich hat man beim Call a Bike System der DB jetzt die guten Elemente aus Hamburg übernommen, leider konnte ich mit meiner StadtRad Hamburg Anmeldung nicht ohne weiteres fahren, also war ich (wie eh geplant) fast nur zu Fuß unterwegs.

    Früher konnte man die Dinger überall stehen lassen und nicht nur an den StadtRAD-Stationen. Damals habe ich mir in einer Woche eine ordentliche Sammlung vor dem Hotel aufgebaut: Morgens mit der U-Bahn in die Innenstadt, abends mit dem Rad wieder zurück.

    Wie dem auch sei. Mein Eindruck war, dass Berlin - trotz der unzweifelhaft auch da bestehenden Probleme - deutlich weiter ist als Hamburg. Es gibt deutlich mehr Radfahrstreifen, und zumindest in der Nähe zum Brandenburger Tor gabs deutlich mehr Radfahrstreifen und andere brauchbare Lösungen.

    Den Eindruck hatte ich auch. Vielleicht täusche ich mich da auch, aber kann es sein, dass in der damaligen DDR nicht so gerne Radwege gebaut wurden und der Radverkehr jetzt insofern davon profitiert, dass er nicht dauernd irgendwelche Hochbord-Radwege wegdiskutieren muss, bevor Radverkehrsinfrastruktur auf die Fahrbahn verlegt wird? Wobei ja sogar in West-Berlin die Hochbord-Radwege im Durchschnitt deutlich besser sind als das, was in Hamburg so angedient wird.

    Zum technischen: Ich mag leafletjs gerne um Karten zu bauen. Wenn es quick+dirty sein soll, unterstützt google maps eigentlich schon alles. Man kann sich seine Karte + Marker speichern.

    Leaflet kenne ich, damit bastle ich in einigen Uni-Projekten gerne herum, aber das schien mir für diesen Zweck etwas, naja, zu groß, weil dann erstmal jemand eine entsprechende Seite bauen und verwalten muss. Eigentlich müsste sowas doch mit den bereits von Google angebotenen Werkzeugen funktionieren, wie beispielsweise @Ben unten gezeigt hat.

    Fettnäpfchen! Mit dem Satz übernimmst Du die in der Presse gängige Argumentationskette "Irgendwie muss doch der Radfahrer schuld sein". Wenn schon, dann interessiert uns das Alter der Täter (Unfallverursacher,IMHO nicht immer der Radfahrer). Oder nicht?

    Als Fettnäpfchen hätte ich das nun nicht gleich bezeichnet. Ich finde es jedenfalls sehr interessant, dass verhältnismäßig selten der typische Radfahrer in den Unfallberichten auftaucht. Meistens erwischt es Radfahrer jener Zielgruppe, die eben der grünen Ampel vertrauen und nicht mit dem siebten Sinn bemerken, dass gleich ein Kraftfahrer unachtsam abbiegt.

    Ich habe hier mal begonnen die allgemeinen Unfallhäufungsstellen aus der Statistik 2012 einzutragen und habe das für drei Bezirke erledigt.

    Was bedeuten denn da die einzelnen Farbabstufungen und Überlagerungen?

    Die 3 Jungs auf der Radführung fahren ja auch göttlich! - "Wieso? Da is doch 'n Radweg!" :S

    Verwundert mich bei dem ganzen Durcheinander jetzt nicht so richtig. Hier steht erstmal was von Grün abwarten, da hinten noch eine kleine Baby-Ampel für Radfahrer, obwohl man in der Richtung gar nicht fahren dürfte, ich weiß auch nicht, wer da denn noch durchblicken soll.

    Schade, dass die schönen innenbeleuchteten Wegweiser inzwischen alle fort sind X/

    Faulheit treibt seltsame Blüten, der Leidensdruck, einmal in der Woche zur Pumpe zu greifen, ist einfach noch nicht groß genug...

    Was aber schon kaputt ist, kann ja noch weiter kaputt gehen. Und dann stehst du irgendwann da mit deinem platten Reifen :D

    Ich dachte ja eigentlich ausschließlich an eine schriftliche Prüfung, aber du hast Recht, so Dinge wie Schulterblick/Blinken/Überholverhalten wird man wohl nur in der Praxis überprüfen können.

    Wobei ich mir da auch nicht im Klaren bin über den Aussagewert einer schriftlichen Prüfung. Das läuft dann doch so wie bei mir momentan in der Klausurphase: Schädeldecke auf, Wissen reinstopfen, Prüfung bestehen, Wissen wieder rausschmeißen. Man müsste viel mehr sicherstellen, dass der Kraftfahrer tatsächlich eine wie auch immer geartete Form von Bewusstsein hat, in welcher Rolle er sich im Straßenverkehr bewegt und sich der Verantwortung, die mit dem Führen eines Kraftfahrzeuges einhergeht, auch tatsächlich bewusst ist.

    Im Falle eines Unfalls würde ich allerdings ein Vermögen darauf verwetten, dass vor Gericht das Nichtbeachten der Vorschrift dem Radfahrer als Grund für eine ganz erhebliche Teilschuld vorgeworfen wird.

    Das ist zwar durchaus anzunehmen, da hast du recht, ich habe aber vorhin auf die Schnelle kein Urteil dazu gefunden ?(

    Bei Begegnungen mit dem Schild "Radfahrer absteigen" würde ich zwar selbst auch nicht absteigen, aber jedem anderen zu der gleichen allergrößten Vorsicht raten, die ich dann selbst walten lasse.

    Ich konnte es bislang beinahe immer vermeiden, an so einem Schild vorbeizufahren, sowas begegnet einem ja in der Regel nicht auf der Fahrbahn :whistling: Bei benutzungspflichtigen Radwegen nehme ich dann gerne das Angebot an, auf die Fahrbahn zu wechseln, wenngleich ich befürchte, dass so ein Schild die Benutzungspflicht noch nicht aufzuheben vermag. Ich kann mich ja schlecht darauf berufen, dass es keine rechtliche Wirkung entfaltet, wenn ich es gleichzeitig als Rechtfertigung zur Fahrbahnradelei nutzen möchte.

    Sehe das wenige optimistisch: Der Leitfaden klingt für mich wie die Übersetzung des VwV in ein etwas prosaischeres Format und wenn die VwV schon nicht umgesetzt wird, warum sollte der Leifaden nun dazu führen, dass überall die blauen Schilder verschwinden.

    Ich formuliere es mal vorsichtig so: Die Leute in der Straßenverkehrsbehörde haben in ihrem Alltag teilweise gar keine Zeit, sich durch den abstrakten Dschungel der Verwaltungsvorschriften zu kämpfen. Ich habe es an anderer Stelle auch schon mal erwähnt, da sitzen teilweise auch Leute, die vom Straßenverkehr und von der Straßenverkehrs-Ordnung und den damit einhergehenden Vorschriften nicht so besonders viel Ahnung haben, trotzdem aber über Radverkehrsanlagen und Radwegbenutzungspflichten entscheiden müssen. Die bekommen auch nicht sofort jedes Urteil eines Verwaltungsgerichtes und mitnichten das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes auf den Schreibtisch gelegt, man verfährt da in der Regel eher so, wie es sich jahrelang bewährt hat. Wenigstens solchen Leuten könnte man mit so einem „Bilderbuch“ helfen, mindestens die gröbsten Probleme zu vermeiden.

    Bis 2034 sind’s ja noch zwanzig Jahre Zeit. Ich muss ja zugeben, wenn man es binen zwanzig Jahren hinbekäme, eine Großstadt zu organisieren, die in weiten Teilen ohne Kraftverkehr auskommt, dann wäre das aber eine ordentliche Leistung mit Vorbildcharakter.

    bleibt weiterhin ein Rätsel!

    Ich bin mir nicht sicher, dass ich die Lage richtig überblickt habe, aber mein Tipp wäre ja, dass einige Radfahrer in der Tempo-30-Zone noch auf der Fahrbahn unterwegs waren, sich dann aber anschließend aus Angst vor der „Hauptstraße“ auf den vermeintlich sicheren Gehweg verdrückt haben. Das beobachte ich zumindest zwei Ecken weiter von meiner Wohnung entfernt: Kurz vor dem Ende des Wohngebietes und der Kreuzung mit einer Hauptverkehrsstraße wechseln die meisten Radfahrer auf den Gehweg, um dann ordnungswidrig in allen Himmelsrichtungen weiterzufahren.

    Vielleicht war aber auch einfach nur ein Schild übrig und man wollte sich den Weg zurück zum Bauhof sparen.