Beiträge von Malte

    Es stellt sich da die Frage, welche Lehre nach einer dank Anwalt abgeschmetterten Klage gezogen wird

    • Anwalt und Gericht, ui ui ui. *Händering*. Nochmal Glück gehabt, den Scheiß lass ich besser.
    • Haha, ihr könnt mir nichts ihr Luschen!!!

    Nach dem, was man so als Zuschauer im Gerichtssaal mitbekommt, wird es wohl eher auf die zweite Variante hinauslaufen. Das fängt damit an, dass ein ertappter „normaler Verkehrsteilnehmer“ eher stillschweigend sein Bußgeld bezahlt und endet mit teilweise strafrechtlich relevanten Triumpfgesten beim Verlassen des Gerichtssaals.

    Manchmal kann man sich nur wundern: Car drives into stationary cyclist

    Ein Kraftfahrer überfährt nicht nur diese komische britische Fahrradschleuse, sondern steht so weit in der Kreuzung, dass der entgegenkommende Bus nicht abbiegen kann. Dann fährt der Kraftfahrer zurück, fährt aber anschließend wieder nach vorne und stößt einen Radfahrer um, der vor der Kreuzung wartet.

    Und die Polizei? Naja, die sagt unter anderem, dass die Sichtverhältnisse schlecht waren. Die tiefstehende Sonne und so, da kann man ja schon mal Radfahrer und einen kompletten Bus übersehen. So wie der Kraftfahrer sich verhält, sollte der allerdings lieber nicht mehr hinters Steuer.

    Die Forenmitglieder, die drüben bei facebook mit mir befreundet sind, haben ja wahrscheinlich gemerkt, dass die Stille auf der Radverkehrspolitik-Webseite einem Fahrradurlaub geschuldet war, den ich mir zusammen mit ein paar Kommilitonen zum verspäteten Abschluss meines Bachelor-Studiums geleistet hatte.

    Der ursprüngliche Plan war, von Wedel mit Zwischenstopp bei meinen Eltern nach Rømø zu fahren, insgesamt also 265 Kilometer an zwei Tagen. Das hielt ich für machbar, wurde allerdings unlustig, nachdem der Wetterbericht orkanartigen Gegenwind und Regen ankündigte. Die Wettervorhersage pendelte sich schließlich bei eträglichem Gegenwind und Sonnenschein ein, so dass wir teils mit dem Zug, teils mit dem Auto und dem Fahrrad hinten drauf in Klanxbüll anlandeten, um wenigstens von dort die restlichen 65 Kilometer zu radeln.

    Das mit dem erträglichen Gegenwind ist natürlich erstmal Definitionssache. Wenn man ständig nach rechts in den Graben gedrückt wird und ständig gegenlenken muss, dann macht das tatsächlich nicht mehr so viel Spaß. Ein Teil der Gruppe setzte sich drum in Højer ab, ließ sich vom Wind bis Tønder treiben und nahm von dort aus die Bahn bis Skærbæk.

    Wir kämpften uns fortan zu zweit Richtung Norden, wobei uns Google Maps über verkehrsarme und entlegene Strecken im dänischen Outback lenkte. Obwohl uns also so gut wie nie ein Kraftfahrzeug begegnete, war der Unterschied zu deutschen Straßen bereits hier duetlich zu bemerken: In Deutschland wird man als Radfahrer auf einer außerörtlichen Landstraße auf Teufel komm raus überholt, ganz egal, ob gerade Gegenverkehr oder eine schlecht einsehbare Kurve folgt. Der Überholabstand ist dabei auch nicht gerade so der Hit und tendenziell häufig eher unangenehm eng. In Dänemark scheinen die Kraftfahrer ein anderes Verständnis vom Miteinander auf der Straße zu pflegen: Die meisten Dänen fahren weit auf die linke Fahrbahnseite rüber und finden auch ein paar Sekunden Geduld, wenn gerade Gegenverkehr naht oder die Überholstrecke nicht frei einsehbar ist. Und die denken auch prima mit: Oh, der Radfahrer pendelt bei dem Sturm ganz kräftig hin und her, dann warte ich mal bis zu der breiten Stelle da drüben mit dem Überholen.

    Interessanterweise war meine Kondition gar nicht mal so schlecht, ich hatte jedenfalls mit dem Gegenwind gar keine allzu großen Probleme. Klar, lästig war es allemal und mehr als zehn Kilometer pro Stunde standen selten auf dem Tacho, aber die schweren Beine oder das eigentlich erwartete völlige Versagen des Kreislaufes blieb zum Glück aus.

    Besonders schlimm war dann die Strecke über den Rømødæmningen. Der Damm ist knapp neun Kilometer lang und natürlich so gelegen, dass wir strammen Gegenwind hatten. Wir brauchten sagenhafte zwei Stunden für knapp neun Kilometer, mehr als vier oder fünf Kilometer pro Stunde ging’s da gar nicht mal voran. Zu Fuß hätten wir nicht sehr viel länger gebraucht.

    Der Damm ist mit einer Art Radfahrstreifen auf beiden Straßenseiten ausgestattet, die wirklich großzügig bemessen sind. Dort ließen sich gewisse Verhaltensunterschiede bei deutschen und dänischen Autokennzeichen bemerken: Die Deutschen sausen einfach vorbei, die Dänen fahren noch ein Stück in Richtung Fahrbahnmitte oder sogar auf den Fahrstreifen der Gegenrichtung rüber, obwohl man sowieso schon mindestens zwei Meter Abstand zueinander hat.

    Na gut, wir kamen dann nach etwa neun Stunden an, was ein desaströses Durchschnittspensum ergab. Rømø ist halt so wie Rømø ist, im März noch angenehm leer, aber nach einer Radtour die Insel entlang hat man auch alles gesehen. Von der Insel runter haben wir uns nicht getraut, weil wenigstens eine Richtung wieder mit Gegenwind auf dem Damm einhergegangen wäre. Wir fanden trotzdem für die paar Tage noch andere Beschäftigungen als Sauferei, der Kram kostet ja in Dänemark schließlich einiges. Und wir hatten sogar Internet!

    Ich hatte ja schon damals im Juni erwähnt, dass ich die Radverkehrsanlagen in Dänemark in der Regel deutlich besser finde als ihre deutschen Entsprechungen. Außerhalb von København und dänischen Großstädten wird’s zwar manchmal etwas mau, aber im Grunde genommen ist ein Großteil der Radverkehrsinfrastruktur noch deutlich besser als alles, was ich in Deutschland jemals gesehen habe.

    Man legt zwar auch in Dänemark gerne Zweirichtungsradwege an, bekommt es aber immerhin geregelt, mit sowas keine Dummheiten anzustellen. Ich habe jedenfalls in den letzten Jahren eher wenige Stellen gesehen, wo so etwas ein großes Problem gewesen wäre, die Sichtbeziehungen stimmen, die Breite ist in der Regel auch in Ordnung.

    Manchmal passiert dann auch sowas: Hier muss man zwar nicht über die, äh, großzügig bemessene Verkehrsberuhigung radeln, stößt aber mit den Pedalen beinahe zwangsläufig an den Plastikpfosten an. Der Vorteil an dänischen Kraftfahrern: Die lamentieren nicht herum, wenn man sich erdreistet, statt dem Radwegelein die Fahrbahn zu befahren und dann auch noch so mittig zu fahren, dass der Gegenverkehr anhalten muss. Ganz im Gegenteil: Der erste Kraftfahrer, der mir entgegen kam, forderte mich mit der Lichthupe auf, vor ihm die Engstelle zu passieren. Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass so etwas auch in Deutschland funktioniert, hier bin ich ja schon froh, wenn man mir in der Tempo-30-Zone vor meiner Haustür wenigstens einmal am Tag den Vorrang lässt.

    Auch diese Art von Radweg ist erst einmal enger als es auf dem Bild aussieht. Dazu hat man dann alle zwanzig Meter einen buckeligen Gullie und hin und wieder so eine tolle angeschrägte Auffahrt. Aber auch dort gibt’s kein Problem, wenn man neben dem Radweg fährt. Oder wenn man zu zweit nebeneinander fährt. Oder sogar zu dritt. Das klappt einfach, ist ja schließlich genügend Platz zum Überholen da.

    Natürlich ist die Sache nur mittelbar vergleichbar mit Deutschland. Auf Rømø ist um diese Zeit nichts los, in jedem deutschen Dorf ist das Verkehrsaufkommen größer. Trotzdem bleibt das subjektive Gefühl, dass man in Dänemark einfach lockerer drauf ist. Wenn ich an diese stressigen Touren mit anderen Radfahrern denke, während denen man wenigstens in abgelegenen Nebenstraßen mal nebeneinander fahren möchte und selbst dort noch einfach aus Prinzip angehupt wird, obwohl das Nebeneinanderfahren dort kein Widerspruch gegen § 2 Abs. 4 StVO ist, dann läuft das in Dänemark sehr viel besser.

    Na gut, hier weiß man nicht, warum so ein enger Radweg dann auch ein Schild braucht:

    Und mit den Schildern mit waagerechter und senkrechter Trennung klappt das ja ähnlich gut. Ist natürlich sowieso nicht so geil, an vielen Kreuzungen keine Vorfahrt zu haben. Aber hej, trotzdem genießt der Radverkehr dort einen ganz anderen Stellenwert als in so genannten deutschen Fahrradstädten. Es klappt einfach und es klappt prima.

    Na gut. Am Donnerstag ging es dann für einen Tagesausflug nach Sylt. Das ging dann los mit der Fähre, die zwischen Havneby und List verkehrt und dabei auch Fahrräder transportiert. Ich weiß nicht, wie man sich das auf der Fähre gedacht hat, offenbar hat man sich gar nichts gedacht. Morgens und abends wurden immerhin über ein Dutzend Räder transportiert, über den Tag über dürften das weniger sein, schließlich werden die meisten nur für einen Tagesausflug die Insel wechseln wollen, aber wenn schon im März über ein Dutzend unterwegs sind, werden es in der Hochsaison ja noch deutlich mehr sein. Vorbereitet ist die Fähre dafür nicht. Man darf im vorderen oder hinteren Teil der Fähre, wo keine Kraftfahrzeuge mehr stehen, sein Rad an die Wand oder gegen andere Räder lehnen. Die Halterungen, von denen eine rechts im Bild gerade noch erkennbar ist, sind Motorrädern vorbehalten.

    Ich war mit der Sache schon nicht ganz so glücklich, weil ich einerseits um den Lack meines Fahrrades fürchtete und der Mitarbeiter, der mein Rad gegen die anderen lehnte, mir fast das Schaltwerk vom Rahmen riss, weil in dem Moment die anderen Räder in meine Richtung kippten. Mein Bike lehnten wir dann schließlich gegen ein aufgerolltes Tau, wo es die Fahrt unbeschadet überstand. Was im Hochsommer passiert, wenn morgens und abends womöglich deutlich mehr als ein oder zwei Dutzend Radfahrer übersetzen wollen, mag ich mir gar nicht ausmalen. Soweit ich das rausbekommen habe, kommt die Reederei aber unter Umständen für Schäden auf, die an den Fahrzeugen bei der Beförderung entstehen. Das wäre bei einem abgerissenen Schaltwerk ja schon mal nicht ganz unerheblich.

    Sylt war dann für den Radverkehr gleich wieder eine Katastrophe. Ich brauchte nicht einmal eine Minute am Festland, bis mich ein Kraftfahrer anhupte. Mein Vergehen war recht unspektakulär: Ich fuhr durch den Kreisverkehr, der hinter dem Fähranleger liegt, und der Kraftfahrer mochte mir meine Vorfahrt nicht lassen.

    Man kann Sylt eigentlich nicht vorwerfen, nichts für den Radverkehr zu tun. Politisch scheint man an Radtouristen durchaus interessiert zu sein, es gibt durchaus nette Radwege auf der ehemaligen Trasse der Inselbahn und ich habe noch nie so viele Abstellmöglichkeiten gefunden wie auf Sylt. Andererseits gibt’s die üblichen unmöglichen deutschen Radwege, die man nur mit Mühe befahren kann, die dicht an parkenden Kraftfahrzeugen oder in Toten Winkeln verlaufen, von Fußgängern frequentiert und von Kraftfahrzeugen beparkt werden. Zusätzlich schafft man es, mit einer besonders verrückten Beschilderung dafür zu sorgen, dass sich auch wirklich kein Radfahrer auch nur ansatzweise an die Verkehrsregeln halten kann.

    Das fängt ganz harmlos an. In dieser Richtung gibt es ein Zeichen 240:

    In der Gegenrichtung nicht. Warum? Hat das was zu bedeuten? Wurde das einfach vergessen? Dürfen hier keine Radfahrer mehr fahren?

    Wenn der Radweg eine Straße kreuzt, dann wird der Radverkehr mit Straßensperren und der entsprechenden Beschilderung ausgebremst. Eigentlich wäre gerade der im Sommer stark frequentierte Radweg ein Kandidat dafür, ähnlich wie beim Wilhelmsburger LOOP mal den Radverkehr Vorfahrt zu schenken, denn wenigstens auf dieser querenden Straße ist verhältnismäßig wenig los.

    Naja, aber damit auch jeder das Stop-Schild kapiert, gibt’s „Radfahrer absteigen“ gleich dazu.

    Na gut, da blicken wir noch durch. Hier wird’s witziger: Ein für den Radverkehr freigegebener Gehweg mit Fahrradpiktogramm. Das passt meiner Meinung nach nicht so ganz zusammen:

    Dummerweise malt man dieses Fahrrad überall hin. Weder auf dem Gehweg links noch auf dem rechts im Bild darf man mit dem Rad fahren. Is’ ne Ordnungswidrigkeit, wie man in Hamburg sagt. Aber weil überall die Fahrräder aufgemalt sind, radeln die Radfahrer dort fleißig entlang.

    Hier legt man noch mal Wert darauf, dass auch wirklich § 10 StVO gilt:

    Hier darf man plötzlich nicht mehr auf dem Gehweg radeln. Dazu wird ein durchgestrichenes Fahrrad aufgemalt; man muss bei der ganzen Malerei auf die Details achten.

    Weil aber niemand dabei durchblickt, läuft das meistens so ab:

    Hier gab es dann zum zweiten Mal Stress. Es handelt sich um eine Tempo-30-Zone mit abgesenktem Gehweg und recht vielen verkehrsberuhigenden Maßnahmen und Engstellen, so dass der Kraftfahrer hinter mir nicht überholen konnte. Das wollte er aber unbedingt, obwohl ich schon knapp über dem Tempolimit unterwegs war. Dann wollte ich ihn vorbeiwinken, die Gelegenheit ließ er dann aber verstreichen, warum auch immer.

    Hier gibt’s dann plötzlich ein Zeichen 240:

    Das ist aber nicht für einen benutzungspflichtigen Fuß- und Radweg auf der linken Straßenseite gedacht, sondern für einen Weg, der von dort aus durch den Wald läuft. Kann man ja mal verwechseln, gerade wenn man noch eine Windschutzscheibe zwischen sich und der Realität hat, aber der Kraftfahrer entschloss sich dann, mich rechts über den Gehweg zu überholen und durch das geöffnete Fenster was von „Benutzungspflicht“ und „Arschloch“ zuzurufen. Das wiederum fand ich ja ganz interessant, normalerweise sind im Kraftfahrzeug solche Feinheiten wie Benutzungspflichten ja gar nicht bekannt.

    Tja, was tut man dagegen? Normalerweise fährt jeder Radfahrer ordnungswidrig rechts auf dem Gehweg weiter, dafür wird man dann andernorts wieder abkassiert. Fährt man nicht auf dem Gehweg, provoziert man aber den Kraftverkehr. Als Radfahrer kann man es in solchen Situationen nur falsch machen. Am besten wechselt man hier auf den komischen Sonderweg auf der linken Straßenseite und am Ende der Straße wieder zurück auf die Fahrbahn. Is’ immerhin keine Ordnungswidrigkeit.

    Das hier finde ich auch toll: Getrennter Fuß und Radweg ausgeschildert, nicht vorhanden, dafür aber ein Fahrradpiktogramm:

    Oder hier: Benutzungspflichtiger Gehweg und aufgemalter Radweg, der sogar mit einer weißen Linie hervorgehoben wird, falls die rote Farbe nicht reicht. Darf man nun neben dem Radweg noch auf dem Gehweg radeln? Oder ist der Radweg kein Radweg mehr, sondern sieht nur noch so aus? Und vor allem: Wie erklärt man es dem Kraftverkehr? Für das dreiste Radeln auf der Fahrbahn gab es hier Hupe Nummer 3 und 4 und den Mittelfinger aus dem Cabrio.

    Den nächsten Vorfall gab es dann erst wieder in Westerland, als ich drei Meter in eine Fußgängerzone einfuhr, dort abstieg und mein Rad zum nächsten Fahrradstellplatz schieben wollte. Währenddessen wurde ich quasi in der Fußgängerzone rechts überholt, das Kraftfahrzeug stoppt plötzlich rapide und am Steuerrad wird der sterbende Schwan aufgeführt. Der Kraftfahrer brüllt mir irgendwas zu, hat aber leider eine Scheibe vor sich, so dass ich nicht verstehe, was er will, er steigt drum aus und erklärt mir „Arschloch“, ich solle mich verpissen, er wolle da wenden.

    Naja.

    Zurück hatten wir dann immerhin mal Rückenwind, da konnte man teilweise hunderte Meter fahren, ohne die Pedale benutzen zu müssen. Dummerweise darf man auf dem „Radweg“ ja gar nicht fahren, denn das ist nur ein Gehweg mit einem unpassenden Zusatzzeichen. Da muss sich wohl jemand einen Scherz erlaubt haben.

    Das hier kapiere ich auch nicht. Früher war das wohl mal ein freigegebener Gehweg, auf den man nicht auffahren konnte, weil der Bordstein nur minimal abgesenkt wird. Dann malt man irgendwas neben den Gehweg, was aber weder Schutz- noch Fahrradstreifen ist, und verdeckt das Zeichen 239. Was wohl die übrig gebliebene Beschilderung bedeuten soll?

    Das wird auch noch immer witziger. Hier darf man mit dem Rad gegen die Einbahnstraße fahren, aber irgendwie durfte oder sollte man wenigstens früher auch auf dem Gehweg radeln. Das ist jetzt natürlich verboten, was in Zusammenhang mit der Beschilderung der totale Hit ist.

    Wenn man gar nicht mit dem Rad fahren soll, dann sieht das in Sylt so aus:

    In List fahren wir auf der Fahrbahn, es gibt zwar wieder mal einen freigegebenen Gehweg, aber der ist zugeparkt und eben nur ein Gehweg, auf sowas fahren wir nicht. Dicht vor uns reißt ein Kraftfahrer die Tür auf, steigt aus und ruft was von „Radfahrweg benutzen“. Toller Held. Wir hielten zwar ausreichend Abstand zu den parkenden Kraftfahrzeugen, aber die Tür aufzureißen, weil ein Radfahrer nicht auf dem Straßenteil fährt, den man selbst für den Radweg hält, ist ja schon fast ein Fall für eine Strafanzeige, wenn sich Justitia denn für so etwas interessierte.

    Weil ich sowas nicht leiden kann, kehrte ich um, die Sache freundlich zu klären. Der Kraftfahrer war natürlich sofort auf 180, schließlich hätten Radfahrer ja keine Rechte im Straßenverkehr, wenn sie nicht auf dem Radweg fahren. Ich erklärte ihm, dass das gar kein Radweg sei, sondern nur ein für den Radverkehr freigegebener Gehweg, auf dem ich nur mit Schrittgeschwindigkeit fahren dürfe und im Moment auch gar nicht fahren könnte, weil da ja ein Porsche drauf parken muss. Irgendwie überzeugte ich ihn dann offenbar doch noch, jedenfalls reichten wir uns die Flosse und fuhren in entgegengesetzten Richtungen davon. So kann man das ja auch klären, ich muss mich jetzt nicht den restlichen Tag ärgern, er holt vielleicht künftig nicht noch mal vorsätzlich jemanden vom Rad herunter.

    Auf der Fähre ergab sich gleich das nächste Problem, denn mein Tau war ja dieses Mal nicht verfügbar, das sicherte schließlich gerade die Fähre am Anleger. Der eine Angestellte erinnerte sich allerdings an mich und meine Befindlichkeiten, also quetschen wir mein Rad zwischen einigen Fußmatten und Waschutensilien ein. Bei der nächsten Tour, die über so eine Fähre führt, lasse ich die Packtaschen als Abstandshalter dran binde mein Rad irgendwo an eine geeignete Befestigung. Davon gibt’s auf so einem Schiff ja genug.

    Nachdem das ja mit den 265 Kilometern auf der Hinfahrt schon nicht geklappt hatte, machte der Wetterbericht nicht viel Hoffnung auf bessere Bedingungen auf der Rückfahrt. Ich beschloss drum, den Rückenwind einigermaßen effizient zu nutzen und mit dem Rad von Rømø bis nach Flensburg zu fahren, um von dort aus die Bahn zurück nach Hause zu nehmen. Das würden immerhin ungefähr einhundert Kilometer werden, das war okay.

    Mit Rückenwind ging’s über den Damm durch Skærbæk, anschließend quasi diagonal nach Südosten bis Flensburg. Da kann man gar nicht viel verkehrt machen. Die meiste Zeit fuhr ich auf einer einigermaßen stark befahrenen Landstraße umher, die meistens ohne Radweg und besonders viele Kurven geradeaus verlief. Auch dort funktionierte dieses lustige „Erkenne den Deutschen am Fahrstil“-Spielchen perfekt: Anhand des Überholabstandes konnte man erkennen, aus welchem Land das Kraftfahrzeug stammt. Die Dänen überholen mit viel Abstand, wenn sich Gelegenheit dazu bietet. Die Deutschen hingegen überholen immer, also wie bereits erwähnt auch bei Gegenverkehr, in engen Kurven oder vor Kuppen, meistens auch mit gerade mal so ausreichendem Abstand, obwohl man problemlos locker auf den anderen Fahrstreifen wechseln könnte. Immerhin wurde ich auf der Strecke nicht angehupt, das trauen sich deutsche Kraftfahrer in der Fremde dann wohl doch nicht.

    Mir ist vollkommen unklar, wie dieses unterschiedliche Verhalten entsteht. Ist das reine Gedankenlosigkeit der Deutschen, dass man überhaupt nicht auf die Idee kommt, komplett auf den anderen Fahrstreifen zu wechseln, weil’s ja auch so irgendwie passt? Ist das wieder der übliche Hass gegenüber Radfahrern, die ja angeblich keine Steuern zahlen und sowieso nichts von Verkehrsregeln verstehen, so dass auch bei Gegenverkehr noch unbedingt überholt werden muss? Haben es die Dänen weniger eilig? Oder sind die Dänen von der Herrschaft des Fahrrades so weichgekocht, dass sie keinen Widerstand mehr leisten? In Dänemark habe ich noch nie jemanden auf dem Radweg parken sehen, beim Warten auf eine Lücke im Querverkehr wird der Radweg freigehalten, beim Rechtsabbiegen überfährt man keine Radfahrer und es wird nicht ständig gehupt.

    Dennoch war die Rückfahrt bis dahin relativ entspannt. Ich vermag nicht zu beurteilen, wie das in Deutschland gelaufen wäre, weil ich in Deutschland keine ähnlichen Landstraßen kenne, auf der man dermaßen weite Strecken auf der Fahrbahn zurücklegen darf, aber ich vermute mal, dass man in Deutschland auf etwa fünfzig Kilometer deutlich mehr stressige Situationen erlebt hätte.

    Im Sommer fahre ich hin und wieder mal eine radweglose Strecke entlang, die nicht einmal fünf Kilometer misst und an einem See vorbei führt. Dort herrscht entsprechend viel Kraftverkehr von den Badegästen, die offenbar total gestresst an den Strand wollen, jedenfalls herrscht dort unmittlebar Krawall, wenn ein Kraftfahrzeug nicht sofort überholen kann. Ansonsten sind die meisten mir bekannten Landstraßen mit einem Radweg ausgestattet, wobei viele der Wege qualitativ am unteren Ende der Skala spielen und teilweise die Beschilderung so vermurkst ist, dass man dort gar nicht mit dem Rad fahren dürfte. Aber erklärt mal einem vor Wut hupenden Kraftfahrer, dass das neben der Straße kein Radweg, sondern ein reiner Gehweg ist. Selbst wenn dort Zeichen 239 hängt, kapiert das doch kein Mensch.

    Zurück nach Dänemark. Zwischendurch führt mich Google Maps abseits der Straße durch eine Art Park, wo ich mal wieder Unterschiede zu Deutschland feststellen konnte: In Deutschland stellt man bei so einer Holzbrücke diverse Schilder auf, „Kein Winterdienst“, „Radfahrer absteigen“ und „Rutschgefahr“. In Dänemark legt man einfach ein Netz darüber, so dass die Rutschgefahr bis zu einem gewissen Grad gebannt ist:

    Weiter geht’s, interessanterweise liegen gleich drei Deutsche Schulen auf meinem Weg, wo ich meine Wasserflasche wieder auffülle und ein komisches Brötchen mit verdammt süßem Aufstrich bekomme. Die Kinder wollen sich mit mir unterhalten, aber ihr Deutsch ist zu schlecht und mein Dänisch nicht gut genug, aber immerhin lerne ich so schon mal ein paar dänische Flüche.

    Ein paar Stunden nach meinem Aufbruch in Rømø lande ich dann plötzlich in Flensburg. Die Grenze habe ich verpasst, weil der Radweg plötzlich endete, ich einen Hügel hochschob und plötzlich vor der Eissporthalle stand, in der ich früher hin und wieder mal zum Schlittschuhlaufen war.

    Die Beschilderung ließ allerdings auch gar keinen Zweifel daran, dass ich jetzt wieder auf deutschem Boden rollte. Andererseits: Hier hatte ich nach einigen hundert Metern die Schnauze voll vom Kopfsteinpflaster, drum mochte ich gar nicht so sehr jammern über das Zeichen 240:

    Ich glaube, ich bin noch nicht einmal drei Kilometer geradelt, kam aber schon auf eine stattliche Sammlung von Vorfällen. Ein Lastkraftwagen sauste von der Schnellstraße die Abfahrt hinunter und nimmt mir locker die Vorfahrt, wobei ich das schon kommen sah und entsprechend bremsbereit war. Ein zweites Kraftfahrzeug will mich beim Rechtsabbiegen umfahren. Hier soll ich dann auf der linken Straßenseite fahren, dann aber absteigen, woraufhin ich auf die Fahrbahn wechsle, ordnungswidrig mit 35 Kilometern pro Stunde den Hügen hinuntersause und von hinten permanent angehupt werde, weil sich aufgrund des Gegenverkehrs keine Überholmöglichkeit bietet.

    Aufgrund einer Umleitung lande ich dann in der Innenstadt, fahre dort als einziger Radfahrer auf der Fahrbahn, während alle anderen teilweise ordnungswidrig die Gehwege beradeln und Fußgänger beiseite klingeln. Oh, hatte ich schon erwähnt, dass man den Grenzübertritt vor allem daran bemerkt, dass die Radfahrer plötzlich Helme tragen? Die Fahrbahnradelei in Flensburg ist so eine Sache, wenn man als einziger nicht den Gehweg bekampfradelt, weil die Kraftfahrer das natürlich nicht verstehen und auch bei zäh fließendem Verkehr unbedingt überholen wollen. Wenn das nicht klappt, dann wird gehupt, gepöbelt und der blöde Radfahrer einfach zur Seite abgedrängt. Und das alles, um dann mit knapp 30 Kilometern pro Stunde ganze sechs Meter weiter vorne in der Fahrzeugschlange zu rollen. Vermutlich hätten wir in Dänemark zu zweit nebeneinander fahren können, die dänsichen Autofahrer hätten sich gedacht, naja, geht ja eh nicht schneller voran, dann lass die mal so radeln.

    Hier gibt’s dann für den Radverkehr eine tolle Umleitungsempfehlung…

    … obwohl man da gar nicht reinfahren darf, auch wenn weiter hinten schon die nächste Beschilderung lockt. Aber trotzdem wundert man sich ständig, warum sich diese blöden Radfahrer denn nie an die Verkehrsregeln halten. Vielleicht könnte sich ja an dieser Stelle mal die Polizei aufstellen, um das ordnungswidrige Befahren der Einbahnstraße zu sanktionieren.

    Der Rest der Strecke verlief dann für deutsche Verhältnisse entsprechend unauffällig. Ich muss regelmäßig abbremsen, weil Fußgänger auf dem Radweg unterwegs sind, Kraftfahrzeuge parken oder ständig auf Lücken im Querverkehr wartend den Radweg versperren. An einer grünen Ampel kommt von rechts noch schnell ein Kraftfahrzeug hineingeschossen, kollidiert beinahe mit dem Radfahrer vor mir, als ich dann links zum Bahnhof abbiegen möchte und in Ermangelung einer Querungsfurt für nicht-motorisierte Verkehrsteilnehmer (offenbar wollen Fußgänger und Radfahrer nicht zum Bahnhof) auf den Linksabbiegestreifen der Fahrbahn wechsle, bekommt der Kraftfahrer, der schließlich hinter mir an der roten Ampel wartet, einen Wutanfall, weil er offenbar fürchtet, ich hätte die Kontaktschleife nicht ausgelöst. Er schiebt sich drum mit den linken Reifen auf der Mittelinsel an mir vorbei, überfährt die rote Ampel, kann dann aber den Signalgeber nicht erkennen und bekommt gar nicht mit, dass inzwischen wieder Grün ist, wird von hinten angehupt, wird noch wütender und fährt mit quietschenden Reifen davon, während mich sein Hintermann während des Linksabbiegens noch überholt. Scheiß Radfahrer und so, kennt man ja.

    Das beste am Flensburger Bahnhof sind vor allem die funktionstüchtigen Fahrstühle, das kenne ich ja aus anderen Städten auch anders. Dafür ist die Bummelbahn, die mich bis Neumünster bringen will, noch vom alten Schlag, hat zwar ein Fahrradabteil, aber nur diese engen Türen mit Stufen, die zu allem Überfluss auch noch einen Haltegriff in der Mitte haben. Hat ja schon seinen Grund, warum die Deutsche Bahn empfiehlt, beim Aus- und Einsteigen die Taschen von den Rädern zu entfernen.

    Ich lasse erstmal alle anderen Fahrgäste einsteigen, damit ich in Ruhe mein Fahrrad durch die enge Tür jonglieren kann, stelle aber dann fest, dass sich Freundlichkeit nunmal nicht auszahlt. Ich wundere mich ja regelmäßig, warum das Fahrradabteil in der Bahn so beliebt ist, schließlich ist dieses Abteil mit seinen senkrecht zur Fahrtrichtung stehenden Klappsitzen in der Regel besonders unbequem und bauartbedingt besonders laut und kühl. Trotzdem ist das Abteil der Hit und egal wo ich einsteige, es sind schon recht viele Nicht-Radfahrer dort versammelt. Das Fahrradabteil dieser Bummelbahn hat auf jeder Seite neun Klappsitze, wobei jeweils drei Sitze mit einer senkrechten Stange voneinander getrennt werden.

    Auf der einen Seite des Abteils haben die Fahrgäste erstmal recht viele Koffer aufbewahrt und versperren damit über zwei Drittel der dort nutzbaren Fläche. Auf der anderen Seite sitzen neben den mürrisch schauenden Eigentümern des Gepäcks weitere Reisende, die gerne senkrecht zur Fahrtrichtung sitzen möchten. Ich vermag nicht zu beurteilen, ob denen übel wird, wenn sie in die falsche Richtung schauen, aber es fühlt sich immer ein bisschen komisch an, in einem Fahrradabteil fragen zu müssen, ob es wohl die Möglichkeit gäbe, die Aufstellung der Gepäckstücke so weit zu optimieren, dass ich mit meinem Rad nicht in der Mitte des Wagens stehen muss. Aber nee, das geht ja nicht. Man kann das nicht umräumen.

    Gut, dass sperriges Gepäck nicht in das normale Abteil passt, das leuchtet mir ein. Dass man seinen Kram auch nicht unbeaufsichtigt in einem anderen Teil des Zuges herumstehen lassen will, kann ich nachvollziehen. Und ich habe auch noch Verständnis dafür, dass man bestimmte Taschen nicht auf den dreckigen Boden stellen möchte. Für so etwas gibt’s dann aber die Gepäckablage über den Fenstern, da braucht nicht jeder Rucksack seinen eigenen Klappsitz. Und das Gepäck hätte man mit ein bisschen Mühe auch umräumen können, so dass in dem ganzen Fahrradabteil wenigstens ein einziges Fahrrad stehen kann und der Radfahrer, der nach hundert Kilometern dann auch nicht mehr so topfit war, vielleicht sogar einen Sitzplatz bekommen könnte. Aber ich muss glatt drum betteln, dass man mir da eine Nische freiräumt.

    Immerhin verlief dann der Weg vom Bahnhof nach Hause recht unspektakulär. Das mag auch an der fortgeschrittenen Zeit gelegen haben, am frühen Abend hocken die meisten ja schon vor der Glotze.

    Tja. Aber schon irre, wie groß die Unterschiede zwischen Deutschland und Dänemark sind. Ja, natürlich ist das nicht vergleichbar, weil ich in Dänemark und insbesondere auf Rømø nicht mal ansatzweise mit einem ähnlichen Verkehrsaufkommen wie in Deutschland konfrontiert war. Aber dennoch: Einem vollkommen freundlichen und partnerschaftlichen Verhalten auf der Straße stehen relativ wenige Kilometer auf deutschem Boden entgegen, bei denen ich mehrfach angehupt, gefährdet und beschimpft wurde.

    Ich weiß nicht, ob der positive Eindruck auch noch bliebe, wenn man sich länger als nur ein paar Tage in Dänemark herumtreibt, bei mehreren kurzen Ausflügen von ein paar Tagen bekommt man schließlich keinen repräsentativen Überblick. Aber ich find’s einfach irre, wie groß die Unterschiede im Straßenverkehr sind, je nachdem, auf welcher Seite der Grenze man sich aufhält.

    Tja, hier weiß man auch nicht so richtig weiter. Ist das jetzt so etwas wie die „Hamburger Servicelösung“, bei der ein Gehweg für Radfahrer freigegeben werden soll, aus unerfindlichen Gründen aber nur das [Zusatzzeichen 1022-10] ohne [Zeichen 239] aufgestellt wird? Das einsame Zusatzzeichen landet in Hamburg ja schließlich auch überall, etwa unter Haltverboten, Vorfahrtszeichen oder Geschwindigkeitsbegrenzungen.

    Oder ist das der Versuch, die Radfahrer vom Wirkungsbereich der Lichtzeichenanlage auszunehmen? Es gab zwar eine Haltlinie auf dem Radweg, allerdings wüsste ich nicht, warum der geschützte Bereich der Kreuzung über den Radweg reichen sollte. Querungsmöglichkeiten für Fußgänger oder Einmündungen für den Kraftverkehr gibt es wenigstens an dieser Stelle nicht. Vielleicht hat man das dann auch mal gemerkt und die Haltlinie entfernt und dieses Schild angeschraubt, weil man ja ansonsten gerne nach der Regel verfährt, dass rechts vom Radweg aufgestellte Signalgeber angeblich automatisch auch für den Radverkehr gelten.

    Dumm nur, dass Zusatzzeichen auf Lichtzeichenanlagen keinen Einfluss haben. Das macht aber immerhin an dieser Stelle sowieso nichts, weil der Signalgeber in Ermangelung eines geschützten Bereiches ohnehin nicht für den Radverkehr gilt.

    Weshalb also sollen Radfahrende nur für die Überquerung des Siemersplatzes hoch auf den Radweg?

    Für wen ist eigentlich diese Auffahrtmöglichkeit aus Richtung Süden gedacht?

    Es gibt ja für Radfahrer, sofern man sich an die Benutzungspflicht halten möchte, eigentlich keinen Grund, ausgerechnet hier auf der Fahrbahn zu landen, aus den einmündenden Straßen kommt man ja schließlich auch problemlos auf den Radweg rauf. Und wer hier vorsätzlich die Radwegbenutzungspflicht missachtet ( :whistling: ), wird ja ganz sicher nicht direkt vor der Kreuzung mit der ganz großartigen Radverkehrsführung wieder auf den Radweg herauffahren wollen.

    Das hat zwar nicht direkt etwas mit Fahrrädern zu tun, aber ich mute euch das aufgrund des übergeordneten Verkehrs-Themas und der Nähe zu meinem ursprünglichen Wohnort doch mal zu: Rader Hochbrücke hält nur noch zwölf Jahre

    Ich hatte ja schon letzte Woche in einem Anfall von Langeweile beschrieben, wie sich die Teilsperrung der Rader Hochbrücke im letzten Sommer ausgewirkt hatte, das war ja ein Desaster sondergleichen für den Transit- und Urlaubsverkehr. Sofern Start und Ziel einer Fahrt auf unterschiedlichen Seiten des Kanals lagen, hatte man selbst bei Entfernungen von vierzig oder fünfzig Kilometern recht gute Chancen, früher als ein Kraftfahrzeug am Ziel zu sein. Nach der aufwändigen Sanierung wurde der Brücke dann eine verbleibende Lebenszeit von vierzig Jahren attestiert, was aber noch immer deutlich weniger als die ursprünglich veranschlagten hundert Jahre ist. Immerhin konnte man sich aber entspannt zurücklehnen und musste sich nicht mit dem ganzen Ärger eines Neubaus herumschlagen, schließlich macht der die parallel verlaufende Bundesstraße 77 aufnehmende Rendsburger Kanaltunnel auch nicht gerade den besten Eindruck und die Rendsburger Eisenbahnhochbrücke ist zwar optisch schön, aber technisch nicht mehr lange lebenstüchtig.

    Ach, und nun plötzlich wieder zwölf Jahre? Ich möchte mal wissen, wie man in Deutschland ein Projekt dieser Größe binnen zwölf Jahren über den Kanal basteln soll. Schließlich müsste man jetzt schon mal den richtigen Weg einschlagen, ob man eine Brücke, einen Tunnel oder ein kombiniertes Bauwerk mit der Eisenbahn möchte. Ich wage mal einen Tipp: Fahrräder werden in den nächsten zwanzig Jahren im Rendsburger Umland recht beliebt werden. Im Sommer waren die Leute ja noch gewillt, für Strecken von nicht einmal fünf Kilometern Luftlinie lieber eine Dreiviertelstunde im Stau zu stehen und jeden Tag (!) auf facebook über die Verkehrssituation zu jammern, anstatt einfach mit dem Rad zur Arbeit oder zum Einkaufen zu sausen. Das wird sich aber vermutlich auch mit der Zeit geben.

    Auch wenn es so klingt: Toll finde ich die Situation nicht. Aber es zeigt eben, dass nicht nur bei der Radverkehrsinfrastruktur nicht sauber gearbeitet wird.

    Hmmm. Falls jemand auf die Idee kommen würde, Gegenstände auf die Fahrbahn zu werfen, dann wäre das doch ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr. Und wenn die Behörde (= Polizei) sich weigert, reingewehte Dinge zu entfernen, ist das dann was anderes?

    Puh, jedenfalls wird sich aufgrund der Untätigkeit kein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr konstruieren lassen. Was da ansonsten rechtlich für Angriffsmöglichkeiten bestehen übersteigt allerdings mein Wissen.

    Interessant: nur 2 von 14 Radfahrer verringerten in den Arkaden sichtbar ihr Tempo. Nicht, dass sie es prinzipiell machen müssten oder gar sollten - aber an der Stelle ist es in meinen Augen ratsam :|

    Meiner Meinung nach ist das mal wieder so eine Situation, an der vor allem die Fahrbahnradelei ratsam ist. Alles andere endet früher oder später nicht zwangsläufig an einem abbiegenden Kraftfahrzeug, aber sicherlich mit irgendwelchen Kalamitäten im Verlauf dieser „Radverkehrsführung“.

    - Schuld ist die ausführende Baufirma

    Nee, bestimmt nicht. Irgendjemand wird sich doch Gedanken gemacht haben, wie diese Radverkehrsführung aussehen soll. Ich kann mir nach meiner Erfahrung überhaupt nicht vorstellen, dass die Baufirma dermaßen von den Vorgaben abweicht, dass aus einer einwandfreien Radverkehrsführung so ein Murks fabriziert wurde. Das stand bestimmt recht ähnlich in der Anordnung und wurde dann womöglich bei der Einrichtung der Arbeitsstelle erheblich verschlimmbessert, aber ich vermute, dass die Idee zu diesem Zweirichtungsradweg an dieser dämlichen Stelle nicht unbedingt auf dem Mist der Baufirma gewachsen ist.

    wenn ich meine Anordnungen nicht auf Richtigkeit prüfen kann, sollte ich nix anordnen.
    Beim KFZ-Verkehr kommt so ein Blödsinn meist nicht vor oder wird schneller behoben.

    Zu der Prüfung der Anordnungen gleich noch mehr, aber beim Kraftfahrzeugverkehr gibt’s durchaus ähnliche verrückte Situationen — damit habe ich jahrelang ein inzwischen aus Zeit- und rechtlichen Gründen geschlossenes Wiki betrieben. Was beim Radverkehr dann solche gefährlichen Situationen wie bei den in dem einen Foto die Toten Winkel innerhalb der Arkaden sind, äußert sich beim Kraftverkehr dann in Kreuzungen, in denen alle vier Arme Vorfahrt haben, in denen temporär aufgestellte Lichtzeichenanlagen feindliches Grün zeigen oder, ganz beliebt in meiner Heimatstadt, eine Strecke mit zwei temporären Ampeln gesichert wird, während die einmündenden Straßen nur ein einsames Zusatzzeichen „Grünphase anschließen“ spendiert bekommen — das soll natürlich bedeuten, dass Kraftfahrzeugführer aus dieser Straße abbiegen dürfen, wenn die Fahrzeuge im Querverkehr in die gewünschte Richtung fahren.

    Ebenfalls toll: Eine Strecke von zweihundert Metern wird mit einer Lichtzeichenanlage gesichert. Dann verschiebt sich die Arbeitsstelle entlang der Straße oder wird aus anderen Gründen länger, aber die Phasen werden nicht an die neue Streckenlänge angepasst. Das sorgt dann häufig dazu, dass man sich dann mitten in der gesperrten Straßen gegenüber steht, obwohl beide Parteien bei grünem Licht eingefahren sind. Oder eine Straße wird von beiden Seiten als Einbahnstraße ausgewiesen oder die Einfahrt wird von beiden Seiten verboten, weil auf beiden Seiten der Straße unterschiedliche Baufirmen zugange sind und die eine womöglich im Zeitplan hinterher hinkt und man sich natürlich auch nicht absprechen möchte.

    Oder man bastelt sich eine Kreuzung, die gleichzeitig einen Fußgängerüberweg enthält, weil man sich über die Bedeutung der Streifen nicht im Klaren ist und eigentlich nur eine Fußgängerfurt aufpinseln wollte. Genau wie beim Radverkehr entstehen dann unmittelbar gefährliche Situationen, mit denen tatsächlich genauso wenig zu spaßen ist. Sofern man sich der Gefahr angesichts der Toten Winkel unter diesen Arkaden bewusst ist, kann man im Notfall noch immer vom Sattel steigen und die Fahrbahn an einer sichereren Stelle queren. Ein solches Verhalten liegt den meisten Kraftfahrern allerdings fern, wenn da in einer einspurig befahrbaren Arbeitsstelle plötzlich Gegenverkehr naht, weil die Lichtzeichenanlage falsch programmiert wurde, gibt’s noch eher Krawall; zurückfahren geht nicht so direkt, da stehen ja auf beiden Seiten noch ein paar mehr Fahrzeuge an, ausweichen geht auch nicht, tja, dumm gelaufen. Mein Fahrrad könnte ich in einer solchen Situation einfach schultern, abgesehen davon kommt der Radverkehr ohne solchen immensen Flächenverbrauch aus, da braucht es gar nicht so eine Lichtzeichenanlage.

    Ja, bitte nicht schlagen, der Sachverhalt war nun deutlich verkürzt wiedergegeben, aber um diese Uhrzeit bringe ich nichts sinnvolleres mehr zustande.

    Jedenfalls war ich auch schon häufiger bemüht, solche gefährlichen Situationen beheben zu lassen. Dabei hört man sich dann bei der Verwaltung oder bei der Polizei den gleichen Unfug an wie bei radverkehrsspezifischen Problemen: Zuerst wird in Abrede gestellt, dass man sich überhaupt mit dem Thema auskenne, dann wird behauptet, es hätte sich ja jemand etwas dabei gedacht. Wenn ich bemängle, dass ein Fußgängerweg in einer Kreuzung nichts zu suchen hat oder man durch ungeschicktes Austauschen der Optiken in den Signalgebern einer Lichtzeichenanlage gleich an allen vier Armen feindliches Grün zeigt, heißt es plötzlich, man habe sich ja was dabei gedacht, das hätte schon so seine Richtigkeit. Dann muss man wieder den Weg über die nächsthöhere Behörde gehen, die umgehend Druck macht und empfiehlt, den Empfehlungen dieses renitenten Bürgers zu folgen. Aber selbst unter der Maßgabe, dass der Radverkehr noch unwichtiger ist als der Kraftverkehr, tut sich bei letzterem auch nicht gerade viel, wenn erst mal was im Argen liegt.

    Ich finde es abenteuerlich, dass es offenbar gängige Praxis ist, die Ausführung verkehrsrechtlicher Anordnungen nicht zu kontrollieren. Der für Nürnberg zuständige Mitarbeiter beim Servicebetrieb Ordentlicher Raum erwähnte mal im Telefonat, es gebe im Stadtgebiet 12000 Anordnungen jährlich - die könne man unmöglich alle kontrollieren.
    Dazu fällt mir auch nur ein, dass man dann eben nicht mehr anordnen sollte, als man auch prüfen kann. In meiner Branche würde eine solche Konstellation als Übernahmeverschulden eingeordnet. Mit erheblichen haftungsrechtlichen Konsequenzen!

    Tja, das ist eben das übliche Kostenproblem. Eine Baumaßnahme darf nichts kosten, die Absicherung einer Baumaßnahme schon gar nicht und in der Verwaltung wird auch immer mehr und mehr gespart. Tatsächlich kann die Verwaltung unmöglich alle Anordnungen kontrollieren, weil dazu selbst bei optimistischer Besetzung das Personal fehlt. Arbeitsstellen haben schließlich die unangenehme Eigenschaft, sich teilweise stündlich oder wenigstens täglich zu verändern, da reisen Schilder umher oder werden neue Absperrungen hochgezogen.

    Nun ist eigentlich weder die Polizei noch die Verwaltung dafür zuständig, ständig die Einhaltung der Anordnungen zu kontrollieren. Ich habe gerade nicht so ganz den Überblick, aber eigentlich ist zunächst einmal ein Verantwortlicher der ausführenden Baufirma dafür zuständig, die Arbeitsstelle und die Einhaltung der Anordnung zu kontrollieren, auch am Wochenende und arbeitsfreien Tagen. Das passiert aber natürlich nie, wie man ja an den meisten Arbeitsstellen sieht, wenn sich da nach etwas stärkerem Wind die Absicherung aus dem Staub macht und frühestens am nächsten Arbeitstag wiederhergestellt wird.

    Dann wäre wiederum in letzter Instanz die Polizei dafür zuständig, den Kram zu kontrollieren, aber die wird nach meiner Erfahrung allenfalls nach Anruf tätig. Den Extremfall hatte ich vor zwei Jahren, als es an einem Freitag dermaßen stürmisch war, dass an einer Arbeitsstelle nicht gearbeitet wurde und der Wind beinahe die komplette Absicherung und Ausschilderung abgeräumt, unter anderem auch durchaus massivere Vorwegweiser auf die Fahrbahn geschmissen hatte. Den Vorwegweiser hat dann jemand beiseite geräumt, für den Rest sah sich die Polizei lediglich befähigt, die Verwaltung anzuschreiben, auf dass die dann bei Gelegenheit mal auf die Baufirma zugeht. Im Endeffekt blieb dann der Kram bis Montagmittag so liegen.

    Hat eigentlich schon mal jemand das Gehäuse einer GoPro-Kamera angebohrt? Also nicht das eigentliche Gehäuse, sondern diese wasserdichte Hülle drumherum? Dann könnte man dort ja ein USB-Kabel durchlegen und an meinem tollen Scheinwerfer anschließen. Zusammen mit einer ausreichend großen SD-Karte böte meine alte Hero2 dann quasi unbegrenzte Aufnahmemöglichkeiten.

    Bei der Hero3 lässt sich ja an den komischen BacPack hinten ein USB-Kabel anschließen, wenn man die offene, also nicht wasserdichte Hülle verwendet. Bei der Hero2 liegen die Anschlüsse da leider ungünstiger. Ich bin mir nicht sicher, ob man sich ein hinreichend flaches USB-Kabel basteln könnte, um dort die Kamera anzuschließen, denn die Hülle ist ja schon recht passgenau gebaut, da passt ja kaum so ein flaches Pad zwischen, das Feuchtigkeit aufnehmen soll, damit die Linse frei bleibt.

    • viele Radwege sind absolut befahrbar aber extrem UNGESUND! Ausserdem
    • viele Radwege stehen in einem Zustand weit unter der Anforderungen der gültigen VWV StVO und für
    • viele Radwege gibt es gar keine bewilligungsfähige Planung, um sie VWV StVO-gerecht zu modernisieren
    • viele Radwege leiden unter der gleichen Misere wie die Strassen: ständiges schlampiges Belagflicken
    • viele Radwege beinhalten noch gefährliche Fahrradfurten, wo der Radler aus der Sicht entzogen wird
    • viele Radwege tragen unnötige Welligkeiten (Nullborde, die keine sind, Hohenbordabsenkungen, die unnötig sind, oder mit dem Sinn des Radwegs nicht in Einklang zu bringen sind: Es gibt keine Anlieger! Man sie manchmal geplant, um das Hochfahren auf dem hohen Bord aus einer Wohnsiedlung gegenüber zu ermöglichen, aber das ist doch keine saubere Lösung!)
    • viele Radwege sind Opfer von extrem falscher Baumpflege bzw. Betrug bei dem Pflanzen (ungerechtfertigte Abstände, zu kurz, zu oberflächlich, ungenügende Vorbereitung der Bepflanzungorts, usw.)

    Ich habe tatsächlich erst vor ein paar Wochen gemerkt, wie krass der Unterschied zwischen einer asphaltierten Fahrbahn und einem andersartigen Radweg wirklich ist. Selbst wenn ein gepflasterter Radweg vollkommen neu saniert und entsprechend eben ist, muss man deutlich stärker strampeln, um so schnell wie auf der Fahrbahn zu rollen. Das ist im direkten Vergleich tatsächlich ein Unterschied wie Tag und Nacht.

    Das heißt ja quasi: Wenn Radfahrer den Verkehrsfluss behindern, darf man sie auf den Radweg zwingen.

    Naja, so schnell geht’s ja zum Glück nicht, ansonsten wäre ja jeder Radweg mit einem blauen Schild verziert. Die Anforderungen sind noch etwas größer, da geben die Regelwerke teilweise recht genaue Zahlen vor.

    Was gilt?

    Schwierige Sache. Da gibt’s je nach Einzelfall eine ganze Reihe unterschiedlicher Möglichkeiten, die sich nicht pauschalisiert darstellen lassen.

    Und gilt es auch, wenn man den dringenden Verdacht hat, es sei mutwillig von Gegnern der Anordnung (wir hatten mal hier den ganz klaren Verdacht an einem Radweg: der alte Halteverbot wurde vollständig weiss angestrichen, man merkt nur noch an den Erhebungen der Farbe an den Kanten der unterschiedlichen Farben, welches Zeichen es gewesen war, ausgerissen, und ins Busch in der Nähe geschmissen! Auch an einem anderen Fuss-/Radweg wurde ein Reitverbotszeichen analog aber anders maltraitiert) geschehen?

    Puh, schwierige Sache. Das halte ich vom Einzelfall abhängig. In der Regel kommt man aber um eine Ordnungswidrigkeit nicht einfach nur drumherum, weil man vorher klugerweise das Schild entfernt oder übermalt hat.

    Und wenn sie alte, nicht StVO-eingestuften Radroutenzeichen tragen, sind es dann wirklich Radwege?

    Nein, irgendwelche Radrouten-, Velorouten- oder Wasauchimmer-Zeichen hängen auch gerne an reinen Gehwegen herum, das hat leider gar nichts zu bedeuten. Solche Schilder werden in der Regel auch von privaten Initiativen angeschraubt, die sich nicht ganz so hundertprozentig um die Einhaltung der Verkehrsregeln kümmern.

    Wenn sie gar keine Zeichen tragen, ist natürlich die Frage: wie stellt man fest, dass es sich um einen Anderen Radweg alter Art handelt (Hinweis2: andere Farbe).

    Das Thema hatten wir ja schon öfter mal: Ein Radweg ist, was der gemeine Verkehrsteilnehmer als Radweg erkennt. Dadurch geht zwar ein ganz großes Fass voller Probleme einher, aber in der Regel klappt das ja einigermaßen. Selbst wenn jemand seine Karre auf dem Radweg abstellt, ist der sich ja bewusst, was das für ein Straßenteil ist, ihm ist die ganze Sache bloß egal.

    Diese Maßnahme passt ja bestens zu den übrigen Arbeitsstellen an der ehemaligen Ost-West-Straße. Da gibt’s ja in der Nähe der Hauptkirche noch diese lustige Einhausung seit knapp zwei Jahren, bei denen es ja Ewigkeiten gedauert hat, bis die provisorische Radverkehrsführung jedenfalls nicht mehr brandgefährlich, sondern nur noch ziemlich gefährlich war. Dann kam zwischendurch an der Nicolaikirche wegen der Gefahr abstürzender Dachziegel diese komische Umleitung, die mit seltsamer Beschilderung als Schiebestrecke um die Kirche herumführte, wobei ein Teil der Strecke auf linksseitigen Gehwegen benutzungspflichtig war, während man den anderen Teil nicht benutzen durfte. Wer auch immer für dieses Gebiet zuständig ist, muss Radfahrer wohl ziemlich hassen.

    Genau die Stelle auf Bild 2 finde ich auch die Krönung. Man kommt als Radfahrer ja quasi aus dem Nichts. Nur eine Frage der Zeit, bis es da kracht.

    Das passiert da ja heutzutage auch schon regelmäßig, wenn die Leute lieber auf dem Gehweg unter den Arkaden pedalieren, anstatt auf dem unebenen Radweg herumzubuckeln. Wundert mich jedes Mal, dass die rechtsabbiegenden Kraftfahrzeuge das noch irgendwie mitbekommen.

    Gilt [Zeichen 254] nicht für die gesamte und komplette Fahrbahnbreite?

    Also, wenn es rechts aufgestellt ist, auch für den linken [Zeichen 237][Zusatzzeichen 1000-31] ? ;)

    § 39 Abs. 2 StVO sagt ja recht eindeutig:

    Zitat

    Regelungen durch Verkehrszeichen gehen den allgemeinen Verkehrsregeln vor. Verkehrszeichen sind Gefahrzeichen, Vorschriftzeichen und Richtzeichen. Als Schilder stehen sie regelmäßig rechts. Gelten sie nur für einzelne markierte Fahrstreifen, sind sie in der Regel über diesen angebracht.

    Das Problem ist ja nur, dass diese Regelung von den Straßenverkehrsbehörden beziehungsweise von den Leuten, die für die Aufstellung der Schilder zuständig sind, nicht befolgt wird. So wie das Schild da steht, gilt es für den gesamten Straßenquerschnitt. Das mag mitunter auch so gemeint sein, wenn man möchte, dass sich der Radverkehr eigene Wege sucht und eigentlich alles scheißegal ist, weil der Radverkehr in solchen Fällen ja meistens dann auf der linken Straßenseite stattfinden wird.

    Auf dem südl. Bürgersteig der Elbchaussee am Donnerspark steht [Zeichen 254]
    Auf welchen Straßenteil bezieht sich das Verbot für Radfahrer? Das ist jetzt ernst gemeint. ?(

    Das ist so sinnvoll wie die meisten anderen innerhalb von Arbeitsstellen aufgestellten [Zeichen 254] und damit Müll.

    Tja, manchmal laufen die Sachen auch etwas blöde. Eigentlich wollte ich in drei Stunden mit meinem schneeweißen Bike Richtung Niebüll aufbrechen, um dort mit meinen in der Bahn anreisenden Kommilitonen die letzten 70 Kilometer Richtung Rømø mit dem Rad zu absolvieren. Schon die gestrige Teilstrecke von hundert Kilometern musste ich aber ungeplant aus terminlichen Gründen mit dem Rad hinten auf dem Auto zurücklegen und jetzt gibt’s plötzlich eine Sturmwarnung mit starken Regenfällen und Orkanböen. Alltagsradelei hin oder her, das ist nicht das richtige Wetter, um insgesamt über 160 Kilometer abzureißen. Mal sehen, wie das Wetter morgen Vormittag wird, so richtig Hoffnung habe ich aber nicht.

    Whatever, so bleibt ja Zeit für eine kleine Geschichte.

    Die ersten 20 Jahre meines Lebens habe ich ja sozusagen in der Provinz verbracht, ungefähr dort, wo sich der Nord-Ostsee-Kanal mit der Bundesautobahn 7 kreuzt. Ja, genau mit ebenjener Rader Hochbrücke, die letzten Sommer aufgrund von baulichen Mängeln zu baustellenbedingten Staus im Wochenendverkehr führten, teilweise verzögerte sich die Fahrt in den Urlaub um bis zu sechs Stunden. Das war total fies, weil nämlich keine Lastkraftwagen und ähnlich schwere Fahrzeuge über die Brücke fahren sollten, die Lastkraftwagenfahrer aber natürlich auf die Beschilderung pfiffen und deshalb die Polizei mit rund um die Uhr besetzten und nur langsam auf einem Fahrstreifen zu durchfahrenden Kontrollpunkten die Einhaltung der Straßenverkehrs-Ordnung kontrollieren musste. Dummerweise ist seit über zwei Jahren die einzige alternative Querung in dieser Gegend, nämlich der Kanaltunnel auf der parallel verlaufenden Bundesstraße 77, ebenfalls aufgrund von Bauarbeiten nur bedingt befahrbar, so dass man je nachdem, auf welcher Seite des Kanals man wohnte, für Strecken bis zu fünfzig Kilometer mit dem Rad deutlich schneller war als mit dem Auto.

    Ich fand’s ganz witzig.

    Man kann über das entlegene Büdelsdorf, das zwischen Rendsburg und der Autobahn liegt, geteilter Meinung sein. Die einen wollen hier wohnen, weil der Kanal mit seinen Traumschiffen direkt vor der Tür steht, die anderen bevorzugen den Ritt auf der Bundesstraße 203, um den Ort möglichst schnell und unbeschadet zu durchqueren. Nun ist witzigerweise, man hielt das wohl früher mal für eine gute Idee, die Strecke zwischen Büdelsdorf und dem Autobahnanschluss mit insgesamt vier Kreisverkehren gespickt — bei einer außerorts gelegenen Strecke von 2,5 Kilometern halte ich das schon für relativ viel. Erst wurde am Ortsausgang ein Kreisverkehr errichtet, um eine Kreuzung zu entschärfen, dann wurde der Autobahnanschluss umgebaut, so dass für jede Zufahrt ein Kreisverkehr angelegt wurde, dann dachte man sich, naja, ein vierter passt ja auch noch hin und setzte einen weiteren Kreisverkehr ungefähr in die Mitte, um ein Gewerbegebiet anzuschließen. Man kriegt echt einen Drehwurm, wenn man bis zur Autobahn will.

    Das Problem ist nun, dass jene Strecke mit vier Kreisverkehren zu den ausgewählten Teststrecken für Gigaliner, also die überlangen Lastkraftwagen gehört. Zwischen dem Gelände der Firma ACO in Büdelsdorf und Neumünster fahren hin und wieder mal ein paar Lastkraftwagen hin und her und das ist dann immer ganz possierlich: Die Teile sind natürlich viel zu lang für so einen Kreisverkehr. Außerdem mussten die Lastkraftwagen früher in Büdelsdorf auf einer recht engen Kreuzung abbiegen, was inzwischen offenbar entschärft wurde, indem das Gelände von der anderen Seite angefahren wird; da bin ich mir allerdings nicht ganz sicher.

    Na gut, die Lastkraftwagen passten kaum durch den Kreisverkehr, die ganzen zusätzlichen umgeleiteten Transporte während der gesperrten Rader Hochbrücke machten dem Fahrbahnbelag ebenfalls zu schaffen, nun gibt es noch das Problem, das relativ häufig Schwertransporte durch den Ort geführt werden. Ich nehme mal an, hier werden Windmühlenteile bewegt, gesehen habe ich das allerdings noch nie, aber offensichtlich ist das jedes Mal so ein Drama, dass man sich fragt, warum man solche engen Kreisverkehre denn gebaut hat. Wusste man nicht vorher, dass dort kein Schwertransport mehr durch passt?

    Weil nämlich die Kreisverkehre auf gar keinen Fall auch nur ansatzweise um die Kurve kommen, musste das Straßenbegleitgrün gestutzt werden, dazu wurde außerdem eine Art mobile Straße neben der eigentlichen Fahrbahn ausgelegt. Und das ist dann der Punkt, an dem die Sache im wahrsten Sinne des Wortes den Radverkehr berührt:

    Der ohnehin schon durch die mangelhafte Qualität eines typischen schleswig-holsteinischen außerörtlichen Fahrradweges gemaßregelte Radverkehr darf sich hier noch seinen Sonderweg mit Schwertransporten teilen. Man beachte das Bombardement mit Leitbaken, die in beliebige Richtungen zeigen, sowie die abgesägten und in Fußplatten wieder aufgestellten Verkehrszeichen:

    So ein Schwerlastverkehr kommt offenbar auch wirklich um gar keine Kurve rum. Da hätte man ja aus praktischen Gründen auf den lustigen Aufbau in der Mittelinsel der Kreisverkehre verzichten und stattdessen eine entfernbare Absperrung wählen können, so dass die Schwertransporte gegebenenfalls geradeaus weiterfahren können. Das wiederum hätte wieder ein Problem aufgeworfen: Wie macht man’s dem normalen Autofahrer begreiflich? Der wäre ja, wenn er den Kreisverkehr zu spät erkennt, einfach mittig durch die Absperrung gebrettert — was dann wiederum weiter zu der nächsten Frage führt: Hätte man sich den ganzen Kram nicht ohnehin einfach schenken können?

    So, jetzt endlich zum Radverkehr:

    Ah, Pardon, gemeint war das hier:

    Das sind Aufnahmen aus dem Herbst 2012, damals wechselte tatsächlich täglich die Position des [Zeichen 205] - [Zeichen 240] -Verkehrsschildes. Eines Abends kam ich sogar mal dort vorbei, da lag es gerade mitten auf der Fahrbahn, vermutlich vom Wind umgestoßen. Sowas passiert eben, wenn man so ein langes Ding auf zu wenig Fußplatten aufstellen möchte. Allerdings hielt ich es damals für sinnvoller, das Schild wieder aufzurichten, anstatt erstmal ein Foto zu schießen.

    Etwas weiter an der Büdelsdorfer Ortsgrenze fand man das damals auch ganz witzig:

    Auf den Schildern, die von hier aus nicht zu erkennen sind, stehen lediglich Weisheiten wie „Radfahrer absteigen“ und ähnliches:

    Und die Sache mit den abgesägten Schildern ist noch dreifach lästig, die erfordert nämlich einiges an Konzentration von demjenigen, der den Kram danach wieder aufstellen muss. Und glaubt ja nicht, dass das ein lustiges Versehen oder ein Streich von frechen Jungs war, nee, das stand dort wochenlang so herum:

    Für den Radverkehr ist das natürlich, naja, etwas lästig. Okay, es sind vier präperierte Kreisverkehre auf 2,5 Kilometern, das heißt, man muss im Durchschnitt alle 800 Meter absteigen und schieben. Fahren kann man auf den blöden mobilen Straßen nur bei gutem Wetter, im Regen wird das gleich so glitschig, dass [Zusatzzeichen 1012-32] eigentlich gar nicht mal die allerschlechteste Idee ist — wenn man sich nicht auch zu Fuß beinahe neben das Rad gelegt hätte. Für einige renitenten Hardcore-Radfahrer, über die man in der Zeitung immer so viel liest, war der Unfug natürlich Grund genug, die Kreisverkehre immer auf der Fahrbahn zu durchqueren. 2012 war das! Das muss man sich mal vorstellen, damals wussten die meisten Kraftfahrer noch nicht einmal, dass es so etwas wie Fahrräder überhaupt gibt, wenn man da als Fußgänger versucht hat, außerorts sein Vorrecht gegenüber aus dem Kreisverkehr ausfahrenden Fahrzeugen wahrzunehmen, fand man sich anschließend im Krankenhaus wieder, entweder aufgrund eines Unfalls mit dem Kraftfahrzeug oder einer mit den Fäusten ausgetragenen Meinungsverschiedenheit mit einem rechtzeitig bremsenden Kraftfahrer. Damals im Kreisverkehr zu fahren gab immer wieder ein Hupkonzert, außerdem befand fast jeder Kraftfahrer, der an der Einfahrt des Kreisverkehrs wartete, dass ein innen fahrender Radfahrer, der sich ja offenbar nicht an die Verkehrsregeln hält, auch keine Vorfahrt haben könne. Donnerwetter! Ich habe mir am dritten oder vierten Tag abgewöhnt, diese Strecke zu fahren, und bin stattdessen auf einen Umweg ausgewichen, der aber auch nicht gerade besser zu fahren war.

    Nun war witzigerweise eine ganze Zeit lang Ruhe, irgendjemand hat die mobile Straße beiseite geräumt, offenbar waren im letzten Jahr keine Schwertransporte geplant. Seit ein paar Wochen geht’s aber wieder los:

    Dieses Mal ist wenigstens ein Teil des Radweges befahrbar, wenngleich auf dem lustigen Kärtchen unter dem Schild natürlich „Radfahrer absteigen“ aufgedruckt wurde:


    Ansonsten hätte ich mir vielleicht doch erst einmal eine Warnweste zugelegt, um gegen fünf Uhr morgens als militanter Fahrbahnradler nicht gleich wieder „übersehen“ zu werden (als ob’s hilft…). Mit zwanzig Kilogramm Gepäck verlängert sich womöglich der Bremsweg etwas, das muss man ja nicht gleich ausprobieren.

    Ich bin allerdings gespannt, wie sich die Radwegoberfläche in den nächsten Wochen entwickeln wird. Die wird ja dieses Mal nicht von der mobilen Straße geschützt, sondern liegt, was ja erst einmal nicht so ganz schlecht ist, dieses Mal frei. Wenn man sich allerdings überlegt, wie sich angesichts eines Radweges, auf dem jahrelang normalschwere Personenkraftwagen parken, ein Radweg entwickeln wird, der direkt von Schwertransporten frequentiert wird, kann sich die Sache ziemlich schnell zum Schlechten entwickeln.

    Und nun merke ich gerade, dass trotz vieler langer Sätze keine so rechte Diskussionsgrundlage entstehen mochte. Was soll’s, ich schick’s jetzt ab und mache mich eventuell mal langsam auf den Weg. Vielleicht habe ich ja sogar etwas Rückenwind.