Hier wird die Thematik auch noch mal aufgegriffen: https://www.rnd.de/panorama/wie-v…6XWN7OKCPI.html
Hier auch: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/d…os-8821381.html
Und hier: https://www.spiegel.de/panorama/berli…83-e5c8c696ff79
Offenbar betrug die Verzögerung des angeforderten Spezialfahrzeuges nicht einmal drei Minuten. Zweifelsohne entscheiden auch drei Minuten im Zweifelsfall über Leben und Tod, allerdings scheint es mir nach dem Protokoll doch etwas zweifelhaft, die Ursache für den Hirntod des Unfallopfers monokausal bei den lieben Klimaschützern zu suchen. Klimakleber hin oder her, dass das Spezialfahrzeug offenbar dem Navigationsgerät folgend auf die Autobahn fährt, auf der bereits seit einiger Zeit ein Stau gemeldet wird, erscheint mir auch recht mutig.
Andererseits mag ich grundsätzlich in die Empörung nicht einstimmen. Als es Heiligabend 2020 in Kiel in einer Wohnung zwei Häuser weiter brannte, hatte die Feuerwehr Schwierigkeiten, die enge Straße in Kiel zu befahren, weil die Fahrzeuge der Weihnachtsgäste die enge Straße blockierten. Gab nicht mal ein Bußgeld oder ein neues Haltverbot. Die beinahe jeden Abend zugeparkte Feuerwehrzufahrt vor meiner früheren Wohnung in Wedel? Ja, Mensch, wo sollen die Leute denn parken? Ging halt auch solange gut, bis es im Herbst 2009 brannte, laut Tratsch der Nachbarn parkte sogar der Mieter der Wohnung an dem Abend in der Feuerwehrzufahrt.
Will sagen: Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob diese Straßenblockaden tatsächlich ein sinnvoller Beitrag zum Klimaschutz sind, weil ich nicht den Eindruck habe, dass sich außerhalb der üblichen Bubble die Problematik in irgendeiner Art und Weise „verkaufen“ lässt. Aber die Empörung über den Tod der Radfahrerin den so sehr verhassten Klimaschützern anzuhängen halte ich auch für ein recht durchsichtiges Manöver, um die ganze Klimaschutzbewegung inklusive der Grünen in Misskredit zu bringen.
Fast nirgendwo kommt zur Sprache, dass die Radfahrerin von einem Betonmischer überfahren wurde, stattdessen klingt die Berichterstattung in den so genannten gesellschaftlichen Medien eher so, als hätten die Klimaschützer selbst sie getötet. Immerhin werden dadurch die obligatorischen Einlassungen vermieden, die Dame wäre ja selbst schuld, sie hätte ja auf ihre Vorfahrt gepocht. Und wenn man darauf hinweist, dass die Klimakleber mitnichten direkt vor dem Rettungswagen die Fahrbahn blockiert haben, sondern stattdessen auf einer Schilderbrücke über der A 100 zugange waren, wird es erst recht unappetitlich.
Kaum einer von den dortigen Drunterkommentatoren weiß überhaupt, was sich eigentlich zugetragen hat, aber alle stimmen in die Empörung mit ein. Und das wird umso unglaubwürdiger, als dass sich ausgerechnet die dortige Klientel gerne damit brüstet, gleich den nächstbesten Radfahrer totzufahren, der „trotz Radweg mitten auf der Straße“ fährt.