Beiträge von Malte

    Ich mache ja generell keinen Hehl daraus, dass ich freigegebene Gehwege für ziemlich groben Unfug halte. Niemand weiß, dass Radfahrer dort eigentlich seit der 46. Änderungsverordnung der Straßenverkehrs-Ordnung plötzlich nicht mehr mit angemessener, sondern generell mit Schrittgeschwindigkeit fahren müssen, stattdessen animiert es den normalen Radfahrer zur Gehwegradelei, die meistens noch mit erheblicher Rücksichtslosigkeit gegenüber Fußgängern einhergeht — mal ganz abgesehen von der Frage, wer denn mit dem Rad mehrere hundert Meter oder gar mehrere Kilometer in Schrittgeschwindigkeit zurücklegen möchte.

    Außerorts sind mir freigegebene Gehwege bislang nur in der Umgebung von Glückstadt begegnet — und das ist natürlich auch gleich wieder großartig, denn auch außerorts gilt natürlich Schrittgeschwindigkeit auf solchen Wegen und dort ist Schrittgeschwindigkeit noch viel abwegiger als innerorts. Man hat also entweder die Wahl, gegen die heiligen Verkehrsregeln zu verstoßen und mit deutlich mehr als Schrittgeschwindigkeit zu fahren (was in Ermangelung von Fußgängern oder Polizei auch niemanden stören wird) oder aber auf der Fahrbahn regelmäßig auf den „RAAAAADWEEEG“ hingewiesen zu werden.

    Das alles kapiert ja auch wieder kein Mensch.

    Im Herzogtum Lauenburg, also quasi auf der anderen Seite Schleswig-Holsteins, ist beinahe jeder Radweg mittlerweile ein Gehweg mit Fahrradfreigabe:

    Allerdings immer nur in Fahrtrichtung — in der Gegenrichtung handelt es sich um einen linksseitigen Radweg, den man befahren oder es auch bleiben lassen darf:

    Total super.

    Für beide Richtungen gilt also, dass man auf dem Ding fahren darf, aber stattdessen auch auf der Fahrbahn flitzen darf. Aber in der einen Richtung handelt es sich um einen freigegebenen Gehweg, auf dem man kilometerweit nur mit Schrittgeschwindigkeit gondeln darf, in der anderen Richtung ist es ein linksseitiger Radweg, auf dem man mit Vollgas flitzen darf.

    Mir ist klar, dass diese Regelung vermutlich nicht beabsichtigt ist und es auch kein Schwein interessiert, mit welcher Geschwindigkeit man in welcher Richtung unterwegs ist, sofern man nicht — HUPHUP! — auf der Fahrbahn rollt.

    Aber irgendeinen Grund muss diese Beschilderung doch haben. Hat jemand von uns da die blauen Lollies weggeklagt? Und warum hat man das Ding nicht einfach in beide Richtungen als freigegebenen Gehweg gekennzeichnet?

    Bezeichnend ist ja auch, dass gleich im nächsten Landkreis schon wieder andere Regelungen für den Radverkehr gelten. Hier wurden die Zeichen 240 generell einfach abgeschraubt:

    Im Kreis Stormarn wimmelt es nun von außerörtlichen Gehwegen, auf denen kein Radfahrer über zehn Jahren fahren darf. Interessieren tut’s natürlich weder Radfahrer, die trotzdem dort fahren, und Kraftfahrer, die Fahrbahnradelei sofort sanktionieren.

    Hat eigentlich auch jemand solche Späßchen auf dem Radar, wenn wieder bemängelt wird, dass sich Radfahrer ja nie an die Regeln hielten?

    Aus dem Artikel:„Die Nebenflächen der Kieler Straße werden voraussichtlich in den nächsten Jahren erneuert. Dabei werden selbstverständlich die nach Stand der Technik erforderlichen Anforderungen an Ausgestaltung und Ausstattung berücksichtigt.“

    Glaub ich sofort :D

    Ja, ist halt Käse. An den meisten Stellen wird ja ohnehin gleich wieder das Quariersbelange-Problem zuschlagen: Für eine bessere Radverkehrsinfrastruktur ist schlichtweg gar kein Platz vorhanden. Einen der drei Fahrstreifen der Richtungsfahrbahn wird man genausowenig opfern wollen wie Parkplätze, also wird es bei dieser gümmeligen Breite bleiben; allenfalls an Kreuzungen wird man sich etwas neues ausdenken.

    Wobei: Wenn ich mir die Radverkehrsführung an den kürzlich sanierten Kreuzungen anschaue, dann ist das ja auch gleich wieder großflächig schiefgegangen — oben von der A23 bis zur A7 sind die neu gestalteten Kreuzungen und Zufahrten gefährlicher als früher, nicht mal den Mega-Knoten mit Sportplatzring und Koppelstraße hat man vernünftig hinbekommen.

    Wie auch immer. Was ich ja ohnehin total skurill finde, ist die Problematik, dass man entlang des Großteils der Kieler Straße keine anderen Radfahrer ordnungsgemäß überholen kann. Klar, man kann ausscheren und ordnungswidrig über den Gehweg düsen, dort hat man dann teilweise Probleme mit Fußgängern und Sperrpfosten, aber es zeigt eben auch gleich wieder, wie generell die Prioritäten verteilt sind. Die Kieler Straße hat in der Regel drei Fahrstreifen pro Richtung, für Radfahrer steht eine meistens etwa ein Meter breite Infrastruktur bereit, obwohl Überholvorgänge bei Radfahrern aufgrund der unterschiedlichen Geschwindigkeiten noch häufiger sind als bei Kraftfahrern.

    Ich bin echt gespannt, ob man dort mal was anpassen möchte. Momentan ist es trotz Herbst und kühleren Temperaturen noch immer recht voll auf den Radwegen, die schon für den Radverkehrsanteil von 0,5 Prozent an der Kieler Straße einfach komplett unterdimensioniert sind.

    In unserem Haushalt werden sowohl die AS200V als auch die kleine AZ1 genutzt.
    Wenn die FDR-X3000 im November auf den Markt kommt, wird die vermutlich auch gekauft :)

    Auf die AZ1 habe ich ja auch schon mehrmals ein Auge geworfen, dann würde ich die aber am Helm befestigen wollen. Liegt da die entsprechende Halterung bei oder muss ich die für megaviel Kohle mit diesem Bike-Kit anschaffen? Das, was man sonst so an Zubehör im Netz findet, macht einen seltsamen Eindruck auf mich.

    Edit: Extrahiert aus dem Michel-Thread.

    Tja, doppelter Genickbruch, was?

    Mit Helm wäre das sicher nicht passiert.

    Tatsächlich ist aber der Helm wahrscheinlich die einzig sinnvolle Position, um die Kamera beim Radfahren zu befestigen. Früher hatte ich ja die Klemme direkt am linken unteren Ende des Rennradlenkers befestigt, wo die Kamera aber mit der Zeit von den dortigen Vibrationen immer nach oben geneigt wurde, weil hinten der schwere Akku nach unten zog. Dann brach mir die Kamera ja vor knapp einem Monat ab, daraufhin montierte ich sie vor einigen Wochen mit der abgebildeten Konstruktion weiter in der Mitte des Lenkers neben dem Scheinwerfer an so einer Lenkerverlängerung — aufgrund der beiden zusätzlichen Bremsgriffe am Rennradlenker bekomme ich ansonsten leider nicht mal einen stinknormalen Scheinwerfer montiert.

    Nur war die mechanische Belastung durch Kopfsteinpflaster oder die normalen Hamburger Radwege wohl etwas doll, so dass die Halterung offenbar gleich an zwei Stellen gleichzeitig zerbrach. Es handelt sich ja an beiden Stellen um diese „Gewinde“, die vermutlich einfach nicht für derartige seitliche Beanspruchungen ausgelegt sind, vermutlich waren beide mit der Zeit brüchig geworden und als die eine brach, gab auch die andere den Geist auf.

    Die Kamera fand’s leider nicht so geil und zeigt seitdem nur noch etwas an, dass sich grob als Fahrradunfall identifizieren lässt:

    Mal schauen — da muss ich wohl mal wieder Geld ausgeben.

    Gut, okay, wer sein Bike draußen an so einem lotterigen Sperrbügel anschließt, der legt wohl auch nicht viel Wert auf dessen Wohlbefinden. Aber mich hat das dann doch ein bisschen erstaunt — nun muss nämlich am Haus nebenan gebaut werden:

    Nun stellt sich die Frage, wie man denn nun den Krempel zum Bauen entlädt. Um den Kraftverkehr hat man sich da große Sorgen gemacht, sogar Hütchen aufgestellt, aber, tja, Fahrräder waren in der Fahrradstadt Hamburg mal wieder egal. Klappe auf, Fahrrad tot, sagt man nicht so?

    Nun weiß ich ja nicht, ob bei den unter der Klappe klemmenden Rädern schon vorher alles kaputt war, denn bei Sachbeschädigung will ja wieder keine Versicherung etwas zahlen. Auf dem Totalschaden bleibt man dann im wahrsten Sinne des Wortes selbst sitzen.

    Da darf man sich dann mal wieder ganz zu recht in der Radfahrer-Opferrolle suhlen: Hätte ich ein Auto genommen, wäre das nicht vorgekommen.

    Lokführer verbremst sich? Düfte ein ganz ganz seltenes Problem sein.

    Naja, häufig passiert das tatsächlich nicht, aber wenn’s passiert ist halt gleich Malheur. Das habe ich bei der Nord-Ostsee-Bahn bereits drei Mal erlebt (jeweils in Klanxbüll — da muss wohl irgendwas mit dem Bahnhof nicht stimmen) und letzte Woche kam der Regionalexpress nach Kiel auch nur ganz knapp am Bahnsteig zu stehen. Drei, vier Meter weniger und hinten aus dem Fahrradabteil wäre keiner rausgekommen.

    Aber das ist drum auch gleich meine Sorge: Es passiert so selten, das glaubt einem kein Mensch.

    Hat jemand Erfahrungen, was ganz schwerwiegende Probleme bei der Fahrradmitnahme im Intercity angeht? Also sowas wie eine defekte Tür auf der einen Seite, so dass man zwar beim Startbahnhof in den Zug einsteigen kann, aber am Zielbahnhof auf der anderen Seite des Wagens nicht wieder rauskommt? Oder sich der Zug mal wieder verbremst und man über die Tür gar nicht erst an den Bahnsteig gelangt?

    Ist die Bahn, was solche von dem Betreiber verursachten Fälle von unfreiwilliger Weiterfahrt angeht, einigermaßen kooperativ oder bekommt man eventuelle Mehrkosten wie Hotelübernachtungen oder zusätzliche Zugfahrten erst nach Intervention eines Anwalts erstattet? Im Gegensatz zu Verspätungen oder komplett ausgefallenen Zügen dürfte sowas wie Verbremsungen oder defekte Türen ja eher nicht beim Reisezentrum im Computer auftauchen, woraus man unbürokratisch einen Anspruch ableiten könnte.

    Es geht um die Kreuzung Kiellinie/Feldstraße mit der Relation von Osten nach Norden. Dort radelt man dann lang und sieht das hier:

    Jo, denkt man sich, und wundert sich: Muss man hier nun an der Haltlinie halten?

    Und weiter: Muss man hier an der Haltlinie halten, wenn man geradeaus fahren will? Oder wenn man nach rechts abbiegen möchte?

    Wenigstens beim Abbiegen nach rechts durchfährt man ja gar nicht den geschützten Bereich, so dass Abbiegevorgänge ja eigentlich von den Lichtzeichen ausgenommen sein sollten. Oder meint die Behörde ausgerechnet an dieser Kreuzung, der geschützte Bereich der Fußgänger erstrecke sich auch über den Radweg, so dass ein Halten unbedingt geboten wäre? Wieso meint sie es gerade jetzt und hier und nicht an sehr viel problematischeren Kreuzungen?

    Und wenn man geradeausfahren möchte, welches Lichtzeichen gilt denn dann? Das für Fußgänger ganz hinten am Horizont ja wahrscheinlich nicht, aber darf man bei der abgebildeten Konstellation aus grüner Fahrbahnampel, bei der ja keine Fußgänger queren können, wenigstens bis hinten zur roten Fahrradampel fahren?

    Darf’s noch eine Schwierigkeitsstufe mehr sein? Was gilt denn beim grünen Pfeil zum Rechtsabbiegen?

    Darf man dann auch auf dem Radweg nach rechts abbiegen oder gilt noch immer die rote Fahrradampel weiter hinten? Eigentlich müsste ja weiterhin die Fahrradampel gelten, wenigstens lese ich aus § 37 Abs. 2 Nr. 6 StVO keine Ausnahme für diesen Fall heraus. Total lustig: Der geschützte Bereich, sofern er denn sich über den Radweg erstreckt, ist dank des Grünpfeils definitiv konfliktfrei befahrbar, aber ich muss mit meinem Bike trotzdem artig vor der Haltlinie warten, weil weiter hinten die Fahrradampel rotes Licht zeigt.

    Der Signalgeber für Radfahrer und Fußgänger ist übrigens gleichgetaktet — das ist eigentlich relativ witzlos, denn wenn man Radfahrern keine zusätzlichen Räumzeiten zurechnen möchte, braucht man auch keinen vom Fußverkehr getrennten Signalgeber. Das stiftet allenfalls Verwirrung.

    Darf’s noch eine Schwierigkeitsstufe mehr sein?

    Man darf diesen Weg natürlich auch in der „falschen Richtung“ befahren, damit man unten an der Kiellinie schön am linksseitigen Ufer pedalieren kann. Welche Lichtzeichen gelten denn für diesen Fall? Oder darf man in der falschen Richtung einfach nach links abbiegen?

    Ich habe ja den Verdacht, dass es für diese Haltlinie noch nicht einmal eine Anordnung geben wird, sollte die Behörde mal in den eigenen Akten forschen. Und so ganz wichtig kann sie und der geschützte Bereich ohnehin nicht sein, wenn für Radlinge aus der freigegebenen Gegenrichtung keinerlei Signale vorgesehen sind.

    @Gerhart hat drüben eine Drucksache über die Umgestaltung der Elbgaustraße aufgetan.

    Die Elbgaustraße führt vom Eidelstedter Platz unter dem gleichnamigen S-Bahnhof hindurch am Farnhornweg vorbei bis zum Rugenbarg. Das ganze kann man sich ja mal bei StreetView ansehen — die : Im südlichen Teil gibt’s benutzungspflichtige Hochbordradwege, im mittleren Teil Hochbordradwege ohne Benutzungspflicht, aber in einem erbärmlichen Zustand, im Tunnel unter der Bahn handtuchschmale Radwege ohne Benutzungspflicht, im Norden dann Hochbordradwege ohne Benutzungspflicht.

    Abgesehen vom südlichen Teil sind die Radwege zwar irgendwie schon befahrbar, aber nicht schön zu befahren — entweder rumpelt’s ganz grauenvoll oder man darf mit kaum nennenswerter Geschwindigkeit dort entlangkraxeln, wenn der Radweg direkt neben parkenden Kraftfahrzeugen entlanggeführt wird.

    Zwischen der S-Bahn und der AKN-Brücke gibt’s als Zugabe noch auf beiden Straßenseiten stellenweise so wenig Platz, dass es früher nur für einen benutzungspflichtigen Fuß- und Radweg gereicht hat.In Nordrichtung vom Mesterfeld bis zur AKN-Brücke, Richtung Süden von der AKN-Brücke über den Haseldorfer Weg bis zum Redingskamp. Klar, auch dort ist Radfahren irgendwie möglich, aber… naja, man sieht, wo die Prioritäten lagen. Beim Rad- und Fußverkehr jedenfalls nicht.

    Das entsprechende Stück wurde mittlerweile von [Zeichen 240] zu [Zusatzzeichen 1022-10] heruntergestuft — die Probleme bleiben natürlich, weil kaum ein Radfahrer die Gelegenheit wahrnimmt, dort auf der Fahrbahn zu fahren. Ich habe das früher eine Weile praktiziert, mal ging das wochenlang ganz problemlos, mal wurde man täglich angehupt und beschimpft, so richtig entspannend ist das jedenfalls nicht. Mittlerweile meide ich die Straße einfach und schiebe mein Rad, falls ich damit S-Bahn fahren möchte, denn auch auf dem restlichen Stücken ohne Benutzungspflicht wird man häufig darauf hingewiesen, dass es ja einen bestens ausgebauten und breiten Radweg gäbe.

    Und auch als Fußgänger macht’s halt keinen Spaß, wenn man auf den engen Gehwegen beiseite geklingelt oder eng überholt wird. Mit meiner Freundin nehme ich eigentlich lieber den Bus, so unangenehm ist diese Strecke.

    Nun sollen also Veränderungen her — ich bin gespannt, welche Pläne man sich ausdenken wird und welche Teilstücke der Elbgaustraße überhaupt betroffen sein werden. Der problematische Teil vom Farnhornweg bis zum Eidelstedter Platz bietet ja kaum Platz, um Kraft-, Rad- und Fußgängerverkehr gleichermaßen zu berücksichtigen, insbesondere der Abschnitt mit den freigegebenen Gehwegen ist nunmal mordsmäßig schmal. Wird das wieder so eine halbgare Lösung, den Radverkehr entlang der freigegebenen Gehwege mit ultraschmalen Schutzstreifen zu beglücken?

    ABER: Du selbst schreibst ja, dass auch du den Weisungen der Polizei nicht Folge geleistet hast (find ich jetzt nicht schlimm, aber ich finde es auch nicht schlimm, wenn Fahrzeuge durch die teils 100m große Lücken der CM durchfahren).


    Ganz klar: Ja. Aber da sehe ich das wie du bezüglich der Lücken bei der Critical Mass: Solange ich der Polizei nicht im Wege stehe oder andere Teilnehmer gefährde, sause ich eben schnell auf dem freizuhaltenden Fahrstreifen nach vorne.

    "Team Blau", "Rennleitung" und ähnliche despektierliche Begriffe sind meiner Meinung übrigens nach mit Schuld am mangelnden Respekt gegenüber von Polizisten.


    Puh, schwieriges Thema. „Team Blau“ halte ich tatsächlich auch für despektierlich, beim Begriff „Rennleitung“ habe ich dieses Gefühl tendenziell eher nicht. Bezüglich „Rennleitung“ habe ich drüben im Verkehrsportal mal bei zwei Polizeibeamten nachgefragt, wie sie diese Bezeichnung empfinden und die hatten damit eher kein Problem. Sowas wie „Bullen“ oder ähnliche Begriffe kommen mir hingegen definitiv nicht über die Lippen.

    … und dann war da ja auch noch der Polizist auf dem Fahrrad, der die Demonstration anführte — und dann, ich hab’s leider nicht auf der Kamera, links an dem Touristenbus durchdrängelte, während der Bus sich erst vom beherzten Eingreifen eines Motorrad-Polizisten, der irgendwie über die Gehweg gerast kam, vom weiteren Spurwechsel nach links abbringen ließ.

    Da dachte ich echt, ich halt’s einfach nicht mehr aus.

    Hat eigentlich jemand auf Video, wie ich mich gegenüber vom ZOB gemault habe?

    Das war ja der Hit: Es gab eine explizite Ansage, dass der linke Fahrstreifen zwar gesperrt, aber für die Motorradpolizisten freizuhalten wäre. Malte Hübner weiß es trotzdem besser und saust mit der Kamera in der Hand herum, natürlich auch auf dem linken Fahrstreifen, um sich dann mit Tatütata vom Motorrad verscheuchen zu lassen. Ich wechselte dann also wieder in das Teilnehmerfeld, bremste ab, weil wir gerade auf eine rote Ampel zufuhren und kippte dann einfach im Stand nach links um. Zack, einfach so — ich habe nicht mal den Arm zum Abstützen ausgestreckt. Immerhin ist nichts kaputt, weder Fahrrad noch Jacke noch Kamera.

    Ergänzend zu den ganzen Fußlingen gab’s ja auch wieder Vollprofis am Lenkrad, die das mit der Demonstration nicht verstanden haben. Hier und dort und an ein paar anderen Stellen galt auch nur das Lichtzeichen-Prinzip: „Ich habe grün, also fahre ich!“ Dr Motorradpolizist auf dem zweiten Bild wurde ja beinahe umgekachelt, an einer anderen Kreuzung bahnten sich noch zwei SUVs hupend ihren Weg zwischen den Motorrädern hindurch, während ein dritter Profi von rechts die aufgestauten Kraftfahrzeuge auf der Gegenfahrbahn überholte, dann aber irgendwie keinen Mumm hatte, durch den Demonstrationszug zu fahren und entnervt wendete.

    Und kurz vor der Unfallstelle musste ich dort noch kurz einem Kraftfahrer erklären, dass der Motorradpolizist diese „Du wartest jetzt hier!“-Geste nicht zum Spaß gemacht hatte. Und er rief mir noch hinterher: „Aber der ist doch jetzt weg!“

    Schlimm genug, dass manche Leute trotz Fahrprüfung zu blöd sind, ein Kraftfahrzeug im Straßenverkehr zu führen, aber dass nicht einmal mehr der Polizei eine Art von Respekt entgegengebracht wird, das macht mich… ja, echt fassungslos.

    Wie soll ich eigentlich überhaupt noch irgendjemandem guten Gewissens erklären, dass Radfahren zur Arbeit eigentlich eine super Sache ist?

    Tja.

    Wenn man dort steht, da vorne die Angehörigen, da hinten Menschen, die die getötete junge Frau kannten, da wird einem schon anders. Das ganze Gelächter über „Übersehen“, das bleibt einem dann doch im Halse stecken.

    Und der Moment, der mir tatsächlich einen richtigen Schlag in den Magen verpasst hat, war dieses Motiv:

    Wahnsinn. Absoluter Wahnsinn.