Beiträge von Malte

    So, entsprechendes Unterforum habe ich vor ein paar Tagen schon erstellt, nun mangelte es mir leider gleich an der Zeit, dort mal ein paar Themen einzuwerfen.

    Hat jemand Lust, morgen mal beim Ballindamm vorzufahren, ein paar Fotos zu schießen und bei PK 14 zu bemängeln? Dort wurde im Zuge einer Baumaßnahme wohl mal wieder ein [Zeichen 240] aufgestellt, obwohl der dortige Radweg schon lange nicht mehr benutzungspflichtig war und es aufgrund des bewachsenen Grünstreifens eigentlich auch keine Möglichkeit gibt, vom Radweg auf den Gehweg zu wechseln — geschweigedenn dass der bei den vielen Fußgängern in irgendeiner Art und Weise befahrbar wäre.

    Hier ist noch ein Artikel, der sich unter anderem mit der Sache bezüglich DSGVO und Fotografie auseinandersetzt: Mein erster DSGVO Rant – Zu viele Mythen und gefährliches Halbwissen zum neuen europäischen Datenschutzrecht

    Mein Kommentar wurde leider bislang weder freigeschaltet noch beantwortet, allerdings bin ich auch nicht so recht von dem Artikel überzeugt.

    Bezüglich der Foto- und Filmthematik bezieht sich der Autor immer wieder auf einen Tweet von Jan Philipp Albrecht, der meint, das KunstUrhG hebe die DSGVO gewissermaßen auf. Das sehe ich aber nach wie vor anders und ich werde in einem Rechtsstreit wohl kaum den Tweet eines Europapolitikers zitieren können.

    Bei twitter habe ich dann noch diesen Leitfaden des Wordpress-Hosters Raidboxes gefunden.

    Danke. Ich werde für den Herbst also wieder einen Mietwagen reservieren und bestimmt nicht, wie geplant, die Bahn nehmen.

    Ich kann die Fahrradmitnahme in der Bahn allenfalls empfehlen, wenn man:

    • kein hochwertiges Rad mitnehmen möchte
    • nicht im ICE 4 reisen möchte, weil man im Falle eines Zugausfalls nicht in ältere ICEs reinkommt
    • nicht an Frei- oder Sonntagen fährt
    • keine zeitkritischen Umsteigeverbindungen plant: wenn der Zug mit dem reservierten Fahrradstellplatz weg ist, hat man außerhalb der Wintermonate äußerst schlechte Karten
    • weiß, worauf man sich einlässt und im Zweifelsfall noch mit dem Nahverkehr das Ziel erreichen kann

    Und speziell für Hamburger Radlinge: Wenn der Zug in Hamburg beginnt, nach Möglichkeit schon in Altona einsteigen. Das schont die Nerven ganz ungemein.

    Es gibt ein paar EuroCitys mit schweizerischem Rollmaterial, die beispielsweise von Hamburg-Altona nach Süden fahren:

    Es gibt pro Wagen zwei Fahrradhalterungen, macht bei einem elfteiligen Zug abzüglich des Panoramawagens also lockere 22 Halterungen:

    Prinzipiell kommt man da mit dem Rad auch gut ran:

    Die Dinger sehen ein bisschen seltsam aus, weil dort im Winter Skiausrüstungen transportiert werden. Das Vorderrad wird in den obigen Haken gehängt, das Hinterrad ruht in diesem schiefen Felgenbrecher. Am besten bringt man noch ein Spanngummiband mit, um das Fahrrad während der Fahrt zu beruhigen, mit diesem komischen Gurt wird man eh nichts:

    So sieht es dann aus. Nach Möglichkeit sollte man keine Angst vor Lackschäden oder abgebrochenen Anbauteilen haben, besonders mit breitem Lenker wird die Fahrt für den Drahtesel mutmaßlich nicht schadenfrei ablaufen:

    Im Flur bleibt auch nicht unbedingt so viel Platz, auch hier muss wohl damit gerechnet werden, dass vorbeigehende Fahrgäste am Lenker hängenbleiben und die ganze Sache ganz gut in Bewegung bleibt:

    Will sagen: Das ist eher nichts für empfindliche Räder oder Radfahrer.

    Hier ist auch noch so ein Ding. An dieser Stelle war früher der Radverkehr entlang des SchöRaZ gegenüber dem Fahrbahnverkehr bevorrechtigt. Eigentlich total innovativ und super.

    Dann wurde der Radweg in einen Gehweg umgewidmet und man stand nun vor dem Problem, eine ähnliche Regelung für Fußgänger wohl nur mit einem Fußgängerüberweg erreichen zu können, den man aber nicht wollte. Nachdem eine Weile dort [Zeichen 206]für den Fußverkehr aufgestellt wurde (ein Foto davon habe ich leider gerade nicht zur Hand), hat man sich irgendwann einmal für diese Regelung Variante entschieden:

    „Halt“ entfaltet natürlich keine rechtliche Wirkung, also darf man diese Schilder getrost ignorieren. Eventuell ist hier für den abbiegenden Fahrbahnverkehr § 9 Abs. 3 StVO einschlägig, also müssen Fußgänger und ordnungswidrig dort kurbelnde Radfahrer hindurchgelassen werden. Das gilt aber nicht, wenn der Fahrbahnverkehr geradeaus von der Alsterchaussee kommt.

    Man kann natürlich auch § 10 StVO im Sinne des OLG Hamm heranziehen und versuchen, das Überqueren der Fahrbahn irgendwie als Einfahren in die Fahrbahn umzudeuten, aber daran dürfte es hier meines Erachtens scheitern.

    Ich bin aber nicht so dreist wie die CDU, diese Sache dem rot-grünen Senat aufs Brot zu schmieren. Senator Horch stellt diesen Kram schließlich nicht eigenhändig auf, hier mischen ja diverse Institutionen mit.

    In Berlin wurde wieder eine Radfahrerin von einem Lastkraftwagen überrollt: Radfahrerin von Lkw mehrere Meter mitgeschleift (Hass)

    Die Frage aller Fragen: Hatte die Radfahrerin womöglich rotes Licht? Ist die Radfahrerin über rot gefahren? War die Ampel schon rot?

    Niemand fragt sich allerdings, warum der Lastkraftwagen ordnungswidrig nach rechts abgebogen ist. Laut einigen Berliner Radfahrern soll der auf dem Bild abgebildete Pfeil zu dieser Uhrzeit bereits geradeaus gezeigt haben.

    Gut möglich, dass die Dame bei grünem Licht geradeaus gefahren ist und gar nicht merkte, dass der Lastkraftwagen auf der Fahrbahn schon in einem großzügigen Bogen zum Rechtsabbiegen ausgeholt hat.

    Ach Mann. In Drucksache 21/12674 behauptet der Senat, entlang der Fahrradstraße gelte immer rechts vor links. Das sehe ich bei den Aufpflasterungen zwar anders, aber die Hamburger CDU hat das Thema bereits kräftig ausgeschlachtet: https://www.facebook.com/cduhamburg/posts/1791192887569067?comment_id=1791433897544966&reply_comment_id=1791886750833014&WCF_AMPERSAND¬if_id=1525170362135565

    Die Reaktion in den einschlägigen Medien ließ natürlich nicht lange auf sich warten:

    Die Kommentare bei Morgenpost, Autoblatt und BILD sind natürlich mal wieder der Kracher.

    Seit 2014 gab es am Harvestehuder Weg also sagenhafte 18 Unfälle. Die Fahrradstraße existiert seit etwa dreieinhalb Jahren, das macht also knappe fünf Unfälle pro Jahr. Dafür, dass da pro Tag tausende Radfahrer unterwegs sind, unter die sich gerade in den Sommermonaten immer wieder Radfahrer mischen, die ihr Fahrzeug überhaupt nicht im Griff haben, ein gar nicht so schlechter Wert, nicht wahr?

    Die CDU suggeriert nun wider besseren Wissens, dass alle 18 Unfälle auf die mangelhafte Vorfahrtsregelung zurückzuführen wären, obwohl die Drucksache ganz eindeutig erklärt, dass lediglich… ein Unfall aufgrund einer Meinungsverschiedenheit über die Vorfahrt zustande gekommen wäre. Und da geht noch immer nicht daraus hervor, ob jetzt der unbedingte Glaube an rechts vor links unfallursächlich gewesen ist.

    Man fragt sich ja wirklich, ob der CDU diese Falschinformationen nicht doch irgendwie peinlich sind.

    Stattdessen pocht man wieder darauf, den Harvestehuder Weg wieder in einen Flughafenzubringer umzuwandeln und den alten, komplett untermaßigen Radweg wiederherzustellen. Gibt es eigentlich auch eine kleine Anfrage über die damaligen Unfallzahlen?

    @PolizeiHamburg hat auf twitter eingeräumt, dass die Aufstellung der Sperrungen nicht ganz optimal gewesen wäre und man die Dinger heute entfernen werde.

    Nun denn, ein Großteil der Legosteine war heute noch an Ort und Stelle, allerdings ging ich ja bereits in einem vorigen Beitrag davon aus, dass das Entfernen der Klötze nunmal seine Weile dauern wird.

    Es ist allerdings auch knallhart nur das passiert, was @PolizeiHamburg versprochen hatte: Die Klötze wurden entfernt. Der Rest nicht.

    Da muss aber derjenige Dienstleister, der an seinem Brückentag diese Klötze wegpflücken musste, wirklich angesäuert über die Beschwerden der lieben Radfahrer sein, anders kann ich mir diesen motivationslosen Dienst nach Vorschrift wirklich nicht vorstellen. Ich könnte mir diese Hartnäckigkeit in meinem Job nicht leisten, dann säße ich längst auf der Straße.

    Diese Bake stand erst auch noch mitten auf dem Radweg und wurde von einem Radfahrer aus der Alltagsradler-Gruppe auf facebook zur Seite gestellt:

    Und auf der gegenüberliegenden Seite hat der graue Poller nun endlich seine Warnbake bekommen:

    Naja. Da muss man ja froh sein, dass zur Absicherung des Marathons nicht alles aufgefahren wurde, was da drüben im ehemaligen Gleisbereich des Großmarktes noch auf Lager ist:

    Darf’s noch ein bisschen mehr sein?

    Feldstraße

    Stadteinwärts sicherlich ein großer Spaß für Menschen mit Kinderwagen oder Rollstühlen. Auf diesem verwinkelten Gehweg entlang der Feldstraße stehen allerdings ohnehin so viele Bäume, dass ich mich wundere, wie da überhaupt jemand langfahren will:

    Stadtauswärts genau die Fläche getroffen, die früher laut der Opposition einmal der schönste Radweg aller Zeiten war:

    Sievekingplatz stadtauswärts

    An dieser Stelle gab es gestern wohl noch flankierende Maßnahmen, mit dieser riesigen Lücke links des Radweges wären die Klötze relativ witzlos.

    Auch in der Gegenrichtung ist mir nicht ganz klar, nach welchem Schema hier die Kästen platziert wurden. Der Laternenpfahl ist vermutlich nicht so standsicher wie die Kästen, also muss auf der Rasenfläche eigentlich noch etwas gestanden haben, das aber wiederum leicht genug war, keine Spuren zu hinterlassen. Auch hier werden Rollstuhlfahrer vor größere Probleme gestellt:

    Sievekingplatz stadteinwärts

    Geht doch:

    Geht halt doch nicht, wenn die lieben Radfahrer auf dem Gehweg weiterfahren. Angesichts der lustigen Radverkehrsführung auf beiden Seiten des Sievekingplatzes mag ich es ihnen nicht verdenken:

    Richtung Messehallen. Auch hier eine Aufstellung, die mich verwundert zurücklässt: Bei diversen Verkehrsunfällen lässt sich beobachten, dass ein größeres Kraftfahrzeug ab etwa SUV-Größe relativ kurzen Prozess mit einer Lichtsignalanlage macht. Das hier dürfte also im Ernstfall kein größeres Kraftfahrzeug aufhalten. Und mit dem Lastkraftwagen und einem stabilen Kuhfänger lassen sich die Dinger ja bekanntlich relativ problemlos zur Seite schubsen.

    Messehallen

    Ja, da kommt man noch vorbei:

    Die Gegenseite ist hingegen schon wieder eine Frechheit sondergleichen. Mit dem Rad darf man entweder über die durchnässe Erde fahren oder aber auf der anderen Seite durch die Lücke bei den Fahrrädern manövrieren. Und mit dem Rollstuhl oder Kinderwagen nimmt man dann die verschränkte Lücke auf der anderen Seite des Baumes, jongliert die Räder über die Erde und an diesem kleinen Metallpfosten vorbei.

    Das sieht dann so aus. Die Dame im Rollstuhl hatte schon ihre liebe Not:

    Rentzelstraße, Westseite

    Nähern wir uns der Sache mal vorsichtig, es steht schließlich viel im Weg herum:

    Gut, da kommt man noch irgendwie vorbei, auch mit Kinderanhänger, Lastenrad oder Rollstuhl ist das noch machbar. Allerdings ist das an dieser Stelle ein Zweirichtungsradweg, man darf links vom Bild und von der gegenüberliegenden Straßenseite hier in den Schanzenpark einbiegen:

    Wenn man allerdings bedenkt, dass es sich hier auch ohne diese lustigen Legosteine um einen Unfallschwerpunkt handelt, ist der Spaß recht schnell vorbei. Kraftfahrern wird hier stellenweise konfliktfreies Abbiegen nach rechts signalisiert, so dass beim „nicht-konfliktfreien“ Abbiegen bei grüner Vollscheibe teilweise Unklarheit herrscht, ob man auf geradeausfahrende Radfahrer achten müsste oder nicht. Die Freigabe für den Radverkehr in der Gegenrichtung macht die Sache noch lustiger.

    Wenn der Radverkehr nun von diesen Steinen ausgebremst wird, beeinträchtigt das einerseits die Sichtverhältnisse am Lenkrad, wenn beim Schulterblick von herannahenden Radfahrern nur noch der Kopf anstelle der gesamten Kontur zu sehen ist, andererseits wird der Radverkehr so sehr ausgebremst, dass mancher Kraftfahrer meint, er könne jetzt noch schnell abbiegen — und dann reicht’s halt doch nicht mehr.

    Blick aus der östlichen Gegenrichtung:

    Von Norden kommend sieht die Sache so aus. Ein Lastenrad passt gerade noch so durch:

    Rentzelstraße, Ostseite

    Auf der Ostseite, wo der Radverkehr auf einen Radfahrstreifen geleitet wird, geht’s natürlich munter weiter. Durch die vielen Klötze mangelt es nun an Aufstellmöglichkeiten für den Radverkehr, der von rechts auf dem Hochbord an die Kreuzung herangeführt wird, so dass die wenigen Lücken nun von wartenden Radfahrern okkupiert werden:

    So sieht es von Süden kommend aus:

    Naja. Da kommt man halt noch irgendwie durch — wenn sonst niemand im Wege steht. Mit Anhänger und Lastenrad wird es hier schon schwierig.

    Am Freitag ging es dann also mit dem IC 2025 zur Critical Mass Köln.

    Es war mal wieder alles etwas kritisch.

    Los ging’s eigentlich recht entspannt direkt in Altona, wo man ja immer ganz in Ruhe und ohne Gedränge einsteigen kann:

    So sieht übrigens das Fahrradabteil im Bpmbdzf aus:

    Leider hatte aber auch eine Gruppe von drei jungen Männern im Wagen 3 Platz genommen, die offenkundig bis gerade eben noch auf der Reeperbahn unterwegs waren und einen dieser Situation angemessenen Alkohol- und Lautstärkepegel zum Besten gaben. Das war noch harmlos, wenn nur auf voller Lautstärke WhatsApp-Sprachnachrichten abgehört wurden, das wurde umso lästiger, wenn übers Smartphone scheppernde Musik abgespielt wurde, und schlug dann hin und wieder in Aggressivität gegenüber anderen Fahrgästen um, die aber glücklicherweise nicht lange anhielt, weil die benebelten Hirne schnell das Interesse am Streit verloren.

    Einer der Drei saß in der Reihe neben mir und lief alle fünf Minuten auf die Toilette. Ich dachte erst, der wäre wohl dauernd am Rauchen, tatsächlich ließ er sich den Abend aber noch einmal durch den Kopf gehen und hinterließ einige Erinnerungen davon auf seinem T-Shirt. Herrje. Dann versuchte einer noch zu rauchen, sah sich aber glücklicherweise außerstande seine Zigarette anzuzünden, so blieb es beim Gemaule und aggressiven Geprolle.

    Gut, wir erreichten sodann den Hamburger Hauptbahnhof. Am Bahnsteig spielte sich das übliche Gedränge eines Freitagmorgens ab, eine ganze Menge Radfahrer sind auf der Suche nach Wagen 3, eine noch größere Menge an Koffern wird in den Zug gewuchtet.

    Im Fahrradabteil entsteht der obligatorische Streit, irgendjemand ist laut am Schimpfen, ich sehe mal wieder keine andere Möglichkeit, als mich einzumischen, schultere meinen Rucksack, lasse aber Helm, iPhone- und das in der Dose steckende MacBook-Ladekabel am reservierten Platz zurück.

    Die Situation lässt sich einfach beschreiben: Der zuerst eingestiegene Fahrgast mit Fahrrad hatte seine reservierte Fahrradhalterung direkt neben der Tür erspäht, sein Fahrrad dort eingehängt und sich zu seinem Sitzplatz begeben. Weitere Fahrgäste ohne Fahrrad hatten währenddessen die günstige Gelegenheit genutzt, um die Klappsitze im Fahrradabteil zu okkupieren. Da passte natürlich kein Fahrrad mehr durch, ein Großteil der Fahrradhalterungen befand sich in der nunmehr verbotenen Zone und im Rest des Abteils war noch nicht einmal genügend Platz, um das Rad wenigstens zu wenden und an eine andere Halterung an der anderen Seite der Tür zu hängen.

    Die Fahrgäste auf den Klappsitzen mochten nun aber auch nicht mehr aufstehen, denn sie saßen ja nunmal und hatten wohl auch ein bisschen Angst um ihren hart erkämpften Sitzplatz, so dass es noch eine Weile bei unfreundlichen Worten blieb, bis jemand das blockierende Fahrrad nahm und an und an einer anderen Halterung parkte.

    Geht doch.

    Diese momentane Praxis mit den nummerierten Fahrradhalterungen ist so gesehen relativ unpraktisch: Um schnelles Einsteigen zu gewährleisten, müsste man sich in der Reihenfolge entsprechend der nummerierten Halterungen im Abteil aufstellen, aber wer weiß denn schon, wo sich seine Halterung befindet?

    Naja.

    Ich ging nun zurück zu meinem Platz. Da saß aber mittlerweile jemand. „Dürfte ich bitte wieder auf meinen Sitzplatz?“, fragte ich rückblickend betrachtet leider ein bisschen unfreundlich. „Haben Sie denn reserviert?“ „Im Gegensatz zu Ihnen schon, ja.“ „Okay.“ „Danke.“

    Meinen Helm hatte der Typ auf die Gepäckablage gelegt, nun denn, da lag er ganz gut. Ich holte mein MacBook raus und steckte das Ladekabel wieder in den Mac, was mein Nachbar aber nicht so witzig fand: Das wäre sein Ladegerät. „Hä?“, machte ich, stellte aber fest: Das war sein Ladegerät. Auf mein Ladegerät hatte ich, klug wie ich war, meinen Namen gedruckt.

    Und wo war dann mein Ladegerät? Und mein iPhone-Ladekabel?

    „Hey, haben Sie mein Kabel eingesteckt?“, rief ich dem Typen hinterher, den ich eben von meinem Platz vertrieben hatte. „Nee, das hat der da eingesteckt“, und zeigte auf einen Fahrgast auf der anderen Seite des Wagens.

    „Haben Sie mein Kabel eingesteckt?“, fragte ich ebenjenen Fahrgast, der aber offenbar kein Deutsch sprach. Nun mischte sich mein Nachbar wieder ein und wedelte mit seinem eigenen Ladegerät herum. Irgendwie konnten wir dem Typen begreiflich machen, was wir meinten, und er holte mein MacBook-Ladegerät und mein iPhone-Kabel aus seiner Tasche, die oben auf der Gepäckablage stand.

    Da fiel mir ja schon nichts mehr zu ein. Der Typ zog später zur Kontrolle eine BahnCard 100 aus der Tasche, der war also mutmaßlich geschäftlich unterwegs und dementsprechend eigentlich weder doof noch nicht in der Lage, sich ein eigenes Kabel anzuschaffen. Es mangelt mir allerdings am Glauben in das Gute im Menschen, dass er das Ding ins Fundbureau bringen wollte.

    Nun hatte der Mann allerdings dunkle Haut, was wiederum einen der Besoffenen auf den Plan rief. Wenn der alkoholgetränkte Kopf nichts mehr kann, reicht’s trotzdem noch für Fremdenfeindlichkeit und er versuchte verzweifelt, ein paar Sprüche zu drücken, deren Scheitern allerdings seinem kurzen Aufmerksamkeitshorizont geschuldet waren. Naja.

    Nun war nur noch das Problem, dass mein Nachbar nach dem Prinzip „Weg gegangen, Platz vergangen“ die Steckdose nicht mehr freigeben wollte und nach getaner Arbeit an seinem MacBook Air noch sein Handy daran lud, aber whatever, darüber rege ich mich dann auch nicht mehr auf.

    Na gut. Bis Münster hatten wir dann so viel Verspätung kassiert, dass die drei Betrunkenen ihren Anschlusszug verpasst haben, dann blieben wir noch mal eine Weile in Wuppertal stehen und kamen mit knapp 50 Minuten Verspätung in Köln an:

    Da gab’s dann wieder einen fröhlichen Fahrrad-Fahrgastwechsel, der ungefähr so klug ablief wie am Hamburger Hauptbahnhof, weil schon wieder jemand sein Fahrrad direkt neben der Tür eingehängt hat, aber… ich kümmere mich nicht drum, ist nicht mein Problem:

    Weiter vorne hat der Zug übrigens noch ein paar Stellplätze, die aber allesamt nicht belegt waren:

    Mir erschließt sich das Sperrkonzept an sich noch nicht ganz. Werden die Straßen neben den Legosteinen dann am Tag der Veranstaltung alle noch mit Lastern blockiert? Warum lassen sich diese denn kurzfristig platzieren, wenn das mit den Legosteinen scheinbar nicht möglich ist?

    Auf den Geh- und Radwegen lassen sich aufgrund der Platzverhältnisse keine Lastkraftwagen abstellen, die kämen aufgrund der vielen Poller noch nicht einmal auf den Radweg drauf. Also nimmt man diese Legosteine, die aber erheblich aufwändiger zu platzieren sind, so dass man das gleich am Freitag erledigt hat.

    Das sind ja schließlich insgesamt bestimmt über hundert Steine, bei etwa drei bis fünf Minuten pro Stein ist man damit locker einen ganzen Tag beschäftigt. Und wenn die Absperrung am Sonntag fertig sein soll, ist es schon beinahe egal, ob man die Dinger schon Freitag oder erst am Sonnabend platziert.