Ich gebe zu, dass ich bezüglich von Überholabständen recht unempfindlich bin. Natürlich finde ich es auch unangenehm, wenn ein Autofahrer beim Überholen in meine "intime Zone" eindringt, aber eine Gefährdung sehe ich erst dann, wenn der Abstand so gering ist, dass der nötige Platz für die beim Radfahren erforderlichen Pendelbewegungen knapp wird. Das liegt vielleicht auch daran, dass diese Pendelbewegungen bei routinierten und auch schnelleren Radfahrern kleiner sind.
Solange die Autofahrer klar außerhalb des Schutzstreifens bleiben und ich so fahren kann, dass ich immer klar innerhalb bleibe, ist es daher für mich OK. Das muss dann auch zusätzliche Ausgleichsbewegungen durch Böen, Windschatten oder "Bugwellen" überholender Fahrzeuge einschließen.
Die Probleme treten vor allem innerorts auf, wie Th(oma)s schreibt, wenn das nur geht, wenn man dabei den erforderlichen Sicherheitsabstand zum Fahrbahnrand oder parkenden Fahrzeugen unterschreiten müsste und wenn die verbleibende Fahrbahnbreite neben dem Schutzstreifen ausreicht, sich knapp am Streifen vorbei zu quetschen. Das Ganze in Kombination mit zu geringem Abstand des Streifens zu parkenden Fahrzeugen hat dann mit Schutz nichts mehr zu tun, sondern befördert die Unterschreitung der nötigen Abstände in beide Richtungen.
Ich bin vor ein paar Wochen von Braunschweig nach Uelzen auf der B4 gefahren, wo es auf einer Strecke von gut 50km keinen Radweg gibt, also auf der Fahrbahn der Bundesstraße. Die Fahrbahn ist dort allerdings so breit, dass ich selbst bei Gegenverkehr immer mit ausreichendem Abstand überholt wurde.