[Zweiter Teil]
Zur Kreuzung Stadtparkweg/Clausewitzstraße:
Diese Kreuzung war früher für Radfahrer völlig unproblematisch zu kreuzen.
Kreuzungen mit Mittelinsel (cum grano salis) sind für Radfahrer generell leichter zu kreuzen als welche ohne, weil man dabei nur jeweils auf Verkehr aus einer Richtung achten muß. Das sehen Autofahrer aber nicht und Verkehrsplaner sind alle Autofahrer). Aus ihrer Windschutzscheibenperspektive heraus glauben sie irrig, daß eine "große Straße" (Straßen mit Mittelinsel sind immer Hauptstraßen) für Radfahrer schwieriger zu kreuzen wäre als eine kleine. Das Gegenteil ist der Fall.
Die Autos kamen dort (den Ampelphasen entsprechend) in Pulks zweispurig von der Hans-Böckler-Allee her. Fuhr gerade eine solche Autoschlange vorbei, mußte man auf dem Rad halt warten, aber sobald sie zu Ende war, konnte man erstmal bis zur Mitte vorziehen (so keine Straßenbahn kam, aber die kommt dort selten). Der Autoverkehr von der Stadthalle herunter ist normalerweise deutlich schwächer, was bedeutet, daß man nur seltenst auf der Mittelinsel anhalten mußte. In aller Regel konnte ich früher nach einem schnellen Blick Richtung Hans-Böckler-Allee ungehindert durchfahren.
In der Gegenrichtung, aus der Kleefelder Straße kommend, ist die Clausewitzstraße Richtung Stadthalle gut einsichtig, also konnte man auch in dieser Richtung meistens ohne anzuhalten bis zur Mitte vorziehen. Wenn in der Gegenrichtung gerade kein Autopulk kam, gings ohne Pause weiter.
Früher war der Randstein einige entscheidende Meter weiter Richtung Bahn abgesenkt, so daß man als Radfahrer achsengerecht in den Stadtparkweg einfahren konnte. Das hat die Stadt (wie auch anderswo) baulich verschlechtert. Hier wurde in die Radfahrlinie der berüchtigte hannöversche rechte Winkel eingebaut (genauer gesagt sogar ein doppelter), der bei so gut wie keinem Radneuwegbau in Hannover fehlen darf. Als weitere Herausforderung hat man den Bettelampelmast genau in die Durchfahrt gesetzt, die dadurch zusätzlich künstlich verengt wurde. Unglaublich viel geholfen hätte es, wenn Hannover 96 auch nur einen einzigen Quadratmeter Grund abgegeben hätte. Man hätte so die Betonkantsteine genau an der neuen Engstelle entscheidende 70 Zentimeter zurücknehmen können. Man hat es aber nicht gemacht, das heißt jetzt: Man kann als Radfahrer daher die Fahrbahn nur langsam räumen, wenn man an der neu eingebauten Gefahrenstelle nicht stürzen will.
Es wäre höchst sinnvoll gewesen, die Radfahrfurt schräg über die Clausewitzstraße (Ostseite) zu führen, damit man als Radfahrer achsgerecht in den Stadtparkweg kommt. Keine Ahnung, warum man das so nicht gemacht hat, vermutlich gibt es eine (mir unbekannte) Regulation, die besagt, daß Radfahrfurten auf dem kürzesten Weg über die Fahrbahn geführt werden müssen. Eben das führt aber zum berüchtigten hannöverschen rechten Winkel in der Radfahrlinie. Wenn man es hochbürokratisch sieht, kann man diese Strecke als Radfahrer in der Ostrichtung überhaupt ncht vorschriftsgemäß fahren, und zwar deswegen nicht, weil man durch die Verziehung der Fahrlinie den Radweg auf der Ostseite der Clausewitzstraße wenige Meter linksläufig fahren muß. Das bedarf an sich der expliziten Freigabe. Nicht, daß mich das groß kümmerte, aber eine Stadtverwaltung, die aus übertriebenen Vorschriftengläubigkeit solchen Mist baut, müßte das beachten. Also her mit einem Verkehrszeichen 237 und Erklärtafel "Frei bis Stadtparkweg" (2 Meter weiter)! Ich sauge mir diese Spinnerei übrigens nicht aus den Fingern. An der Kreuzung Stadtparkweg/Scheidestraße hat die werte Stadtverwaltung ein vergleichbar untaugliches Bettelampelmonstrum hingepflanzt. Im zuständigen Bezirksrat ist explizit ein Antrag gelaufen, den linksläufigen Radweg, den ein braver Radfahrer dort für den weiteren Weg hin zur Senator-Bauer-Straße braucht, auf diese Weise amtlich freizugeben. Was aus dem Antrag geworden ist, weiß ich nicht, das Schild steht dort jedenfalls bis heute nicht.
Die Bettelampelanlage Stadtparkweg/Clausewitzstraße war dem Bezirksrat Mitte ein Herzensanliegen, er hat jahrelang darauf hingearbeitet. Sie ist mit all ihren Planungsfehlern ein Musterbeispiel für "gut gedacht, aber schlecht gemacht" und für "Radverkehrsförderung auf hannöversche Art". Man hat dort viel Steuergeld versenkt und damit sowohl für den Autoverkehr (kann mir egal sein) als auch den Radverkehr den Verkehrsfluß erheblich verschlechtert.
Früher wurde der Autoverkehr in beide Richtungen zweispurig geführt (wodurch beispielsweise der genannte Pulk schnell abfließen konnte), jetzt hat man die Spuren getrennt, wobei nun eine verbliebene Spur mindestens 90% des Autoverkehrs tragen muß, weil eine komplette Spur (mit zugehöriger Ampel!) für den wirklich spärlichen Linksabbiegerverkehr reserviert ist. Früher haben gelegentliche Linksabbieger in die Kleefelder Straße nicht gestört, denn sie konnten auf die Straßenbahngleise einbiegen und dort den Gegenverkehr abwarten, wodurch die eigentliche Fahrspur für die Hinterleute wieder frei war.
Ich glaube nicht, daß der Verkehr auf der Clausewitzstraße zugenommen hat (Zahl der Autos). Wenn nun aber nur noch eine Fahrspur zur Verfügung steht, ist es ja klar, daß gleich viele Autos eine doppelt so lange Kolonne bilden.
Im Stadtparkweg und in der Kleefelder Straße sind Induktionsschleifen eingelassen, die die Bettelampel umschalten sollen. Regelmäßig sind diese Anlagen in Hannover für eine Radfahrgeschwindigkeit von 12 km/h ausgelegt (ein Tempo, das jeder Alltagsradfahrer locker überschreitet, in abschüssigen Strecken wie hier allemal). Ich erlebe bei meinem Fahrten dort und anderswo, daß die Ampel erst dann umschaltet und den Autoverkehr aufhält, wenn ich längst über die Kreuzung drüber bin.
Die Bettelampel tut Dienst bis spät in die Nacht. Ich komme auf meinen Heimwegen dort oft am späteren Abend dort vorbei. Ab etwa 22 Uhr ist der Verkehr in alle Richtungen dort so sporadisch*, daß eine Ampel diesen spärlichen Verkehr einfach nur behindert, aber keinen Nutzen bezüglich der Verkehrsregelung mehr bringt. Man hat das häufig: Ampeln sind nur bei starkem Verkehr erforderlich, bei schwachem Verkehr stören sie den Verkehrsfluß.
*mit der Ausnahme einer Veranstaltung in der Stadthalle, nach deren Ende um 22.30 Uhr die abfließenden Autos in der Südrichtung Stoßstange an Stoßstange stehen.
Für regelmäßige Konflikte unter den Radfahrern sorgt das Fehlen einer Aufstellfläche an der Ostseite (die es an dieser Stelle auch niemals geben wird, weil schlicht der Platz dafür fehlt). Gewohnheitsmäßig breitet sich der Wartepulk über den ganzen Querschnitt des Stadtparkwegs aus, so daß man in der Ostrichtung fahrend nun nicht nur die neue Schikane und Engstelle hat, sondern sich auch noch durch die Wartenden durchfädeln muß.
Und wohlgemerkt: Pulks wartender Radfahrer bilden sich erst jetzt mit der Bettelampel. Früher war der Verkehrsfluß in alle Richtungen besser, da gab es diese Wartepulks nicht, nicht bei den Radfahrern, nicht bei den Autofahrern.
Ich bin gespannt, was aus dieser Engstelle wird, wenn der Radverkehr auf diesem "Radschnellweg Hannover-Lehrte" steigen sollte. Nach den üblichen Vorstellungen der Straßenbauverwaltung kann man die Engstelle ja jetzt nicht ändern, zumal man sie erst vor wenigen Jahren für viel Steuergeld neu eingebaut hat.
Immer wenn es heißt, die Stadt Hannover wolle den Radverkehr fördern, frage ich mich mit bangem Herzen, welche Behinderung für die Radfahrer sie sich für viel Steuergeld wohl diesmal wieder ausgedacht haben mag. Mit so einfachen (aber sinnvollen und wirksamen) Maßnahmen wie etwa der Beseitigung von Wurzelaufbrüchen auf Radwegen gibt sich die Stadt Hannover ja nicht ab.