Beiträge von Ullie

    Ein grundsätzliches Problem in der Radfahrer-Community besteht ja darin, dass völlig zu Recht und unbedingt notwendigerweise immer wieder auf die vielen Gefahrenpunkte hingewiesen wird, die durch eine schlechte Radverkehrsinfrastruktur hervorgerufen wird. Und je besser es gelingt, diese Gefahren öffentlichkeitswirksam zu erörtern, um so mehr steigt die Gefahr von Missverständnissen. Die aktuelle Debatte über Abbiegeunfälle bei LKW ist so ein Beispiel. Für vernünftige Forderungen halte ich die die Reduktion von LKW-Verkehr und weniger riskante und belastende Formen von Wirtschaftsverkehr (z. B. mehr Güter auf die Schiene) sowie technische Verbesserungen inklusive entsprechende Vorschriften, diese zu nutzen. (Der Abbiegeassistenz nutzt nichts, wenn er abgeschaltet werden darf.)

    Leider führt die Diskussion aber auch dazu, dass Forderungen erhoben und zum Teil auch mit viel Beifall bedacht werden, die sich absolut kontraproduktiv im Sinne von mehr Verkehrssicherheit für Radfahrer und Fußgänger auswirken. So hatte in einem Leserbrief ein Schreiber gefordert, die Radfurten an stark befahrenen Straßen sehr stark zu verschwenken und die Ecken der Kreuzungen mit hohen Geländern zu sichern, "so wie das früher üblich war". Andere fordern die Ampelschaltungen so zu verändern, dass kein Längsverkehr von Fußgängern und Radfahrern mehr möglich ist, so lange Autos abbiegen. Ich befürchte, wenn man das konkretisiert, dann entstehen daraus längere Wartezeiten für den Fuß und Radverkehr. Vielleicht auch für den Autoverkehr, das wär mir das nur Recht, aber deren Lobby ist nicht zu unterschätzen.

    Für viele, die die Diskussion nur oberflächlich verfolgen und die sich nicht so beinhart ins Detail verbeißen, bleibt aber bei der Diskussion dieser Themen oft nur eines hängen: Radfahren ist gefährlich und so lange selbst die Experten sich uneinig sind, was richtigerweise Abhilfe schaffen kann, treibe ich meine ganz "persönliche Aufrüstung" voran. (Heißt: Fahre mit Helm.)

    Und da finde ich die Halskrausen-Diskussion (Airbag-Fahrradhelm) interessant. Sollen sich die "Helmis" anstatt einfach nur den Fahrradhelm zu propagieren doch lieber sich gegenseitig darüber in die Haare kriegen, ob die Halskrause mit Airbag-Helm dreimal oder achtmal sicherer ist, aber nicht vor herabfallenden Ästen schützt... Oder ob dieser oder jene Helm der sicherere ist.

    Da werden sich dann viele, irgendwann überfordert von der Detailfülle des Themas, sagen: Was solls, fahre ich halt ohne Helm.

    Das Helmtragen ist dann nicht mehr die einfache Antwort auf die komplizierte Thematik zur richtigen Radverkehrsinfrastruktur. Und möglicherweise wächst sogar die Bereitschaft sich wieder mit anderen Maßnahmen zu beschäftigen, zum Beispiel wie eine Verkehrsinfrastruktur auszusehen hat und durchgesetzt werden kann, die den Autoanteil reduziert und Fußverkehr-, Radverkehr und ÖPNV in den Mittelpunkt stellt.

    Gelingt es eine Diskussion über den "richtigen" Helm zu entzetteln, dann ist die scheinbar einfache Antwort nicht mehr so einfach. Und die Diskussion über Radverkehrs-Infrastruktur-Schwachpunkte läuft nicht mehr so leicht Gefahr von vielen einfach nur mit "ich Kauf mir jetzt 'nen Helm" beantwortet zu werden. Stattdessen kann dann wieder Tempo 30 auch auf Hauptverkehrsstraßen auf's Tapet. Umbau von Parkplatzstreifen zu sicheren Radwegen usw..

    Nach meiner Beobachtung sind in 30er-Zonen keine Straßen mit Vorfahrtsschildern [Zeichen 301] an bestimmten Kreuzungen vorfahrtsberechtigt. Allerdings gibt es 30er-Zonen in denen Omnibus-Fahrtwege so eingerichtet sind, dass der Omnibus vorfahtsberechtigt durchfahren kann. Dazu stehen dann an bestimmten Kreuzungen [Zeichen 301]und [Zeichen 205]oder [Zeichen 206] für den Querverkehr.

    Eigentlich sollte dieses Prinzip, Vorrang für den ÖPNV, grundsätzlich genau so auch für den Radverkehr gelten und Fahrradstraßen entsprechend Vorfahrtsberechtigt ausgeschildert werden. Das erhönt jedoch auch den Aufwand die Fahrradstraße gleichzeitig so zu gestalten, dass das Tempo der Autofahrer reduziert wird. (Viele Fahrradstraßen in Hannover sind für den Autoverkehr und für Auto-Parken freigegeben.)

    Der erste Satz ist ein Allgemeinplatz, der Rest Topfen.

    Selbstverständlich gibt es wichtige Themen bezgl. Verkehrssicherheit zu diskutieren.

    Das Thema Helme ist nicht darunter, ein Großteil der notwendigen sicherheitsrelevanten Maßnahmen wird das Primat des KFZ beenden.

    Trotzdem lohnt es sich, das Thema Helme zu diskutieren. Nur eben unter anderen Vorzeichen. Zum Beispiel: Wer profitiert dabei?

    Natürlich die Radfahrer werden da viele rufen!

    Dabei wurde hier mehrfach darauf hingewiesen, dass es vor allem der Autoverkehr ist, der davon profitiert. Nicht zuletzt in Christoph S' Statement wird das deutlich: "...ein Großteil der notwendigen sicherheitsrelevanten Maßnahmen wird das Primat des KFZ beenden", da aber stattdessen über Helme diskutiert wird, kommen die eigentlichen sicherheitsrelevanten Maßnahmen, nicht zur Sprache. Die Unfallgefahr geht aus Sicht der Autofahrer eben nicht vom Auto aus, sondern von der fehlenden Bereitschaft der Radfahrer, einen Helm zu tragen.

    Also besser keinen Helm tragen, als Zeichen des Protestes gegen den Autofahrer-Standpunkt und um einer Helm-Tragepflicht nicht den Boden zu bereiten.

    Das geht insbesondere sehr sicherheitsbewussten Naturen dann vielleicht doch zu weit. Für die gibt es jetzt jedoch eine Lösung, die insbesondere für den Winter *) geeignet ist, wo die Temperaturen niedriger sind, die Dunkelphasen des Tages länger und die Unfallgefahr höher:

    Die Firma Hovding hat einen Airbag-Helm für Radfahrer entwickelt. Wie der funktioniert zeigt diese Internetseite von Hovding:

    https://hovding.de/

    Eine Feuerwehrfrau hatte mich darauf aufmerksam gemacht. Sie benutzt ihn gerade kostenlos probeweise. Und aufgrund ihres Berufsalltages auch recht motiviert. (Es leben im Rettungs- und Gesundheitswesen nicht alle so risikofreudig wie der kettenrauchende Lungen-Facharzt.)

    Der Airbag-Helm wird ähnlich wie ein Schal um den Hals getragen und ist äußerlich nicht von einem Schal oder dem Kragen eines Rollkragenpullovers zu unterascheiden. Er entfaltet sich - automatisch gesteuert - während des Sturzfluges und soll laut Hersteller eine achtmal größere Schutzwirkung besitzen als ein konventioneller Fahrradhelm.

    Dafür kostet er gar nicht achtmal so viel, sondern gerade mal schlappe 300,- Euro. Vielleicht ist aber auch der Preis ein Grund mal kritisch zu hinterfragen, wer noch so alles profitiert von der Helm-Mania.

    *) Ich befürchte für so warme Sommertage, wie wir sie gerade erleben, ist die Halskrause zu warm.

    Das mit dem Helm habe ich mal ein paar Tage ausprobiert, und fand es extrem nervig.

    Die Helmtragerei hat einen deutlichen Vorteil gegenüber einem Käppi, das ich sowieso immer trage, gerade auch im Sommer, wegen Sonnenbrandgefahr auf dem Scheitel: Der Helm schützt vor Sonnenbrand und wenn der Helm mit einem ausreichend breiten Schild vorne ausgestattet ist, dann schützt er auch vor Blendwirkung durch Sonne. Beim zu Fuß gehen komme ich nicht so leicht ins Schwitzen, da brauche ich keinen Helm, da reicht ein Käppi. Aber gerade beim Radfahren im Sommer ist mir der Helm sehr lieb, weil ich damit weniger ins Schwitzen komme als mit Käppi. ("Das kannste dann alle paar Kilometer auswringen." Die Helmpolster sind jedenfalls schneller trocken, bzw. werden gar nicht erst so nass.)

    Ich schlage vor wir schauen mal, was die Verwaltung noch so macht und ich mache bei Gelegenheit noch ein paar Fotos aus allen Richtungen. Dann sehen wir weiter.

    Dass die Fußgänger auf der Kleestraße Vorrang haben vor dem Radverkehr finde ich in Ordnung. Die sind zum einen ohnehin nur sehr selten und man sieht sie rechtzeitig. Kein Radler rast mit hohem Tempo über diese Radfurt hinweg, weil man ja nie weiß, ob die Autofahrer das Stoppschild beachten. Das wird sich ganz sicher auch nicht ändern, wenn auf dem Radweg das Schild Vorfahrt an der nächsten Kreuzung steht. [Zeichen 301] Hauptsache der Radverkehr hat Vorfahrt vor dem Autoverkehr auf der Kleestraße! Denn nur so kann auf der Kleestraße das Tempo rausgenommen werden.

    Mofa-/Mopedfahrer sind wegen der Pflicht/Erlaubnis zur Sonderwegbenutzung in NL stärker gefährdet

    Wie ist das eigentlich in Deutschland geregelt mit Pflicht/Erlaubnis?

    In den Niederlanden gilt, dass Mopeds mit blauem Kennzeichen außerhalb geschlossener Ortschaften auf dem Radweg fahren müssen. Innerhalb geschlossener Ortschaften dürfen sie das aber nicht. Da müssen sie die Straße benutzen. Mir ist allerdings auch ein solches Schild aufgefallen, dass ich aus Deutschland gar nicht kenne:

    Und wie ist das Schild in Deutschland zu verstehen, dass den Radweg für Mofas frei gibt. Entsteht daraus eine Plicht, den Radweg mit dem Mofa zu benutzen? So wie es früher ja mal eine Pflicht für Radfahrer gab, den Fußweg zu benutzen, wenn der mit dem Zusatz Radfahrer frei gekennzeichnet war?

    Könnte es sein, dass die Sonderwegbenutzungspflicht auch in Deutschland gilt, nämlich immer dann, wenn der Radweg außerorts mit dem Zusatz Mofas frei gekennzeichnet ist? Sind Radwege außerorts in Deutschland eigentlich sehr häufig so ausgeschildert wie auf dem zweiten Foto?

    Das sind keine absurden Forderungen, sondern Grundprinzipien beim Straßenbau.

    Der Radweg wird so auch garantiert kein Vorfahrtsschild erhalten. Denn er hat schlicht keine Vorfahrt/Vorrang. Da kommen noch Fußgänger auf einem durchgehenden Gehweg im Querverkehr. Was macht man mit diesen dann? Verkleinerte Stoppschilder (die völlig sinnlos wären)?

    Ich habe nicht von "absurden" Forderungen gesprochen.

    Wie würdest du denn, allen dir bekannten Regeln entsprechend, einen Radweg wie diesen entlang des Bahndamms über die Kleestraße hinweg ausweisen, um zu gewährleisten, dass der Radverkehr auf dem Radweg, der die Kleestraße kreuzt, Vorrang hat vor dem Autoverkehr der auf der Kleestraße fährt?

    Deine Einwände sind interessant. Da es sich um einen kombinierten Fuß- und Radweg handelt [Zeichen 240], müsste der Fußverkehr an dieser Stelle auch Vorrang haben vor dem Autoverkehr, auf der Querstraße. Aber wie ist das mit dem von dir beschriebenen Fußverkehr auf den Bürgersteigen der Kleestraße?

    Müssten auf einem kombinierten Fuß und Radweg nicht ohnehin Radverkehr und Fußverkehr aufeinander Rücksicht nehmen? Dann bräuchte es doch kein Extra-Stoppschild für den Fußverkehr. Gibt es das überhaupt? Stopp-Schilder die den Fußverkehr zum Stoppen bringen sollen und speziell für Fußgänger gelten?

    Ein Stoppschild, das den Autoverkehr nicht aufhält, aber dem Radverkehr zu einem gefährlichen Hindernis mit Sturzgefahr wird. Aufgenommen in der Herschelstraße/Ecke Nicolaistraße (Hannover) und ein Fall für 110. Die Polizei kam schnell, so dass ich nicht länger den Streckenwarnposten abgeben musste.

    Die Polizei verbog den geknickten Mast, dann so weit, dass der Radweg frei war und versprach umgehend die Stadtverwaltung zu alarmieren.

    Kurios: Das [Zeichen 241-30]-Schild "beugt" sich nach vorn, um sich das Malheur anzusehen.

    Hallo Christoph S,

    die Radfahrer-Rudel wurden (werden) deshalb vom Autoverkehr als störend empfunden, weil sie langsamer fahren. Den Radfahrern aber fallen die Mopedfahrer-Rudel auf niederländischen Radwegen) deshalb unangenehm auf, weil sie schnell und laut fahren.

    Für den niederländischen Autoverfahrer wiederum fahren die Mopedfahrer jedoch zu langsam, weshalb sie die "Moped-Rudel" aus dem Weg haben wollen.

    Jetzt aber mal langsam mit den Forderungen. Es ist schnell was gefordert, was dann möglicherweise die Situation verschlimmbessern würde, wenn man es umsetzte. Die weißen Querstriche zum Beispiel würde ich nicht wegmachen wollen. Die wurden ja extra dahin gemacht, damit sie den Autoverkehr dazu bringen langsamer zu fahren und anzuhalten. Und es hat die Situation gegenüber vorher (nur Szoplinie) verbessert.

    Aufpflasterung finde ich auch gut. Dabei sollte aber auch genau überlegt werden wie weit die aufgepflasterte Fläche reicht. Viele Radler, die auf dem ersten Bild gesehen von rechts kommen fahren nicht einfach über die vorfahrtberechtigte Furt, sondern biegen entweder vor der Furt auf den Bürgersteig ab, auf dem sie dann ein kleines Stückchen weiterfahren, um anschließend in einen beliebten Radelweg einzubiegen, der durch die Eilenriede führt (das ist Hannovers Stadtwald). Ich selbst und einige wenige andere fahren das kurze Stück lieber auf der Straße. Sollte dieses Stück dann mit aufgepflastert werden. Oder besser nicht, sondern nur die Furt?

    Parkplätze streichen ist ja ohnehin immer ein sehr delikates Thema. Dafür spricht die bereits erwähnte Verbesserung der Sichtachsen. Dagegen spricht aus Sicht der Autofahrer der Verlust von Parkplätzen. Aber das soll mir mal egal sein. Dagegen spricht möglicherweise aber auch, dass das Straßenstück ohne parkende Autos wesentlich breiter wirkt, was das Schnellfahren der Autofahrer wieder begünstigt.

    Hier ein älteres streetview-Bild. https://www.google.com/maps/@52.37368…!7i13312!8i6656 Als der Kamerawagen da lang fuhr, gab es dort noch keine Vorfahrt für den Radverkehr. Ganz rechts im Streetview-Bild ist die Einmündung des Wald-Radweges zu sehen. Ansonsten hat das streetview Bild dieselbe Perspektive wie das Foto. Nur das ich das Foto dichter an der Furt geschossen habe.

    Nicht dass ich alles gut fände, was aus den Niederlanden kommt. Ich hatte ja an anderer Stelle schon berichtet, dass die Niederlande für mich in Sachen vorbildliche Radverkehrsinfrastruktur einen Knacks bekommen haben.

    Aber es stimmt doch sehr nachdenklich, dass in Deutschland so vehement von Seiten der Ordnungskräfte und von verschiedenen anderen interessierten Seiten für den Fahrradhelm geworben wird, zum Teil sogar die Helmpflicht offen eingefordert wird. Und bei vielen, die sich für das Helmtragen beim Fahrrad fahren stark machen, kann man wohl davon ausgehen, dass sie nur aus taktischen Gründen nicht offen zugeben, dass es ihnen ganz recht wäre, wenn die Helmpflicht käme. Ebenso bei denen, die sich jetzt scheinheilig "erst mal" nur für die Helmpflicht bei bestimmten Gruppen stark machen. Zum Beispiel Kinder oder Pedelec-Radfahrer.

    In den Niederlanden dagegen gilt, dass auch Mopedfahrer bis 50 ccm und max. 45 km/h keinen Helm tragen müssen. Wenn das Radfahren tatsächlich so gefährlich ist, dann müsste das doch für das Mopedfahren erst recht gelten. Passieren denn in den Niederlanden deutlich mehr gefährliche Unfälle mit schweren Verletzungen bei den Mopedfahrern? Wird dort die Helmpflicht für Mopedfahrer diskutiert. Davon habe ich bisher noch nichts gehört.

    Um noch mal auf die Motorroller zurückzukommen:

    Auf dieser Internetseite, https://www.2rad.nrw/project/radfahren-in-holland/ steht geschrieben:

    "Insbesondere in den größeren Städten gilt für Radler höchste Aufmerksamkeit im Verkehr. Amsterdam ist zum üben für unsichere Urlaubs-Radler absolut ungeeignet. Hier muss man sein Rad wirklich beherrschen, sonst geht man besser zu Fuß. Roller-, Mofa- und Mopeds fahren übrigens ebenfalls auf dem Radweg. Sie sind natürlich schneller und überholen ohne Vorwarnung gern mit Beifahrer- aber ohne Helm. (...)
    Acht Meter breite Fahrradwege sind in Holland keine Seltenheit

    Die Mopedfahrer erwarten allein durch Ihr Motorgeräusch, dass Radfahrer in Holland freiwillig die “linke Spur” frei geben. Dies kann in ganz seltenen Fällen dann doch zu Verkehrsunfällen führen. Die Polizei kontrolliert diese sogenannten “Bromfiets” auf unerlaubte Leistungssteigerungen. Wie in Deutschland sind max. 45 km/h erlaubt. Jugendliche Fans mit Benzin im Blut sehen das natürlich oft anders."

    Obwohl ich "nur" in Feriengebieten unterwegs war, oder vielleicht gerade deswegen, habe ich das mit den Motorrollern als extrem unangenehm erlebt. Wenn mir heute jemand sagte: "Du ich mache Urlaub in Holland. Da kann man doch so richtig schön Fahrradfahren. oder?" Ich würde ihn wohl mit meiner Antwort maßlos enttäuschen.

    Ist das tatsächlich so, dass diese Motorroller mit blauen Kennzeichen, die in Holland ohne Helm gefahren werden dürfen, bis zu 45 km/h schnell sind? Bei der Polizei hatte ich nachgefragt, die erklärten mir, dass Motorroller (Scooters genannt) und Mopeds mit blauen Kennzeichen verpflichtet sind, die Radwege zu benutzen. Sie dürfen nicht auf der Straße fahren. Und die Fahrer müssen keinen Helm tragen. Leider hatte ich nicht nach der Höchstgeschwindigkeit gefragt.

    Solche Mopeds sind die Pest niederländischer Radwege.

    Blaues Kennzeichen = Radwegpflichtig.

    Gefahren wird in der Regel ohne Helm. (Für mich eigentlich ein Privileg des Radfahrers!)

    Besonders nerven die Rollerfahrer auf dem Radweg, wenn sie Rudelweise auftreten.

    Ich weiß es, denn ich habe es in der Ausbildung selbst erlebt. Es gibt viiiele Leute, die auch gegen sehr niedrige Bußgelder prozessieren (d.h. sie bezahlen das Verwarngeld nicht, bekommen einen Bußgeldbescheid, legen Einspruch ein, sie äußern sich nicht in schriftlichen Anhörungen und widersprechen einer Entscheidung durch Beschluss. Es wird also ein Termin für die Hauptverhandlung festgelegt). Teilweise werden an Amtsgerichten Richter nur für diese Verfahren eingeteilt. Die Erfolgsaussichten gehen in den meisten Fällen von Anfang an gegen null. Deshalb taucht in der Hälfte der Fälle auch der Betroffene (=Angeklagter im Ordnungswidrigkeitenverfahren) nicht auf. In der Ferienzeit steigt diese Quote auf locker über 90 Prozent. Da treffen sich dann schonmal Richter, Staatsanwalt und Rechtspfleger 7 mal am Tag in einem leeren Gerichtssaal, um den Bescheid zu tippen, mit dem der Einspruch verworfen wird.

    Der Betroffene zahlt dann 20 Euro Bußgeld, zuzüglich mindestens 50 Euro Gerichtskosten, sowie Auslagen für Porto und ggfs. für Zeugen. Er beschäftigt allerdings mindestens 2 Volljuristen und einen Beamten des höheren Dienstes mit der Sache. Ein Schnäppchen, um "es dem Staat mal richtig zu zeigen."

    Achja, mittlerweile gibts Geschäftmodelle von großen Firmen (keine Anwaltskanzleien, sondern Vertragsanwälte), die übernehmen jedes Knöllchen und legen grundsätzlich Einspruch für ihren "Mandanten" ein. Verrechnet wird das irgendwie über die Verkehrsrechtsschutz der Automobilclubs, ist also für den Falschparker oft so gut wie kostenlos.

    Das bestätigt meine Vermutung, das das Eintreiben von Bußgeldern z. B. bei Geschwindigkeitskontrollen bei weitem keinen Zuverdienst der Kommunen darstellt, sondern vielmehr ein Verlustgeschäft. Warum wird darüber nicht regelmäßig berichtet? Vielmehr wird immer wieder das Vorurteil geschürt, mit Bußgeldern würden die Autofahrer "abgezockt" damit die Kommunen sich "goldene Wasserhähne" im Rathaus einbauen könnten.

    Aber zurück zum konkreten Fall: Ich hatte dafür plädiert, dass ggf. Markierugen auf der Straße anzubringen sind, wenn zum Beispiel immer wieder Autofahrer trotzdem es nicht gestattet ist, zur Hälfte den Gehweg zuparken. Und ich bin mir sicher dass das eine wirksame Maßnahme darstellt, weil viele Autofahrer oft sehr unbedacht den Bürgersteig zuparken oder nur darauf achten, möglichst wenig Fahrbahnraum einzunehmen, und dabei denken für die Fußgänger ist doch immer noch genug Platz. Wenn Autofahrer aber eine Parkplatzmarkierung vorfinden, dann wird sie auch entsprechend benutzt.

    Zu dem dritten Beispiel: Ist es nur nicht zu sehen oder fehlt die positive Beschilderung für den Radverkehr? Wenn man mit dem Rad da ankommt fährt man eigentlich erst mal über einen abgesenkten Bordstein in die Fahrbahn ein....

    Ich hatte ja bereits weiter oben geschrieben, dass mir dein Hinweis auf die fehlende positive Beschilderung keine Ruhe gelassen hatte. Inzwischen hat die Verwaltung auf eine entsprechende Anfrage reagiert und angekündigt, auf dem Radweg Vorfahrtsschilder[Zeichen 301]aufzustellen. So sieht die Fahrradfurt aus, über die ein stark benutzter Radweg über die Kleestraße geführt wird. Aus Autofahrerperspektive.


    Hier die Fahrradfurt aus Sicht des Radlers. Hier fehlt bislang ein Vorfahrtsschild. [Zeichen 301]

    Hier gilt vorher [Zeichen 240]. Eine schlechtere Stelle, sich in den Fahrbahnverkehr einzufädeln, gibt es nicht und selbst wenn man der Aufforderung abzusteigen nachkommen wollte, müsste man sein Fahrrad vor der Umlaufsperre zurück lassen. Man möchte wohl, dass Radfahrer hier ihr Fahrrad auf die andere Straßenseite schieben und dort als Geisterfahrer weiterfahren.

    Die Ignoranz oder Inkompetenz der Stader Verkehrsbehörde (ich weiß nicht, was ich schlimmer fände) macht mich nur noch wütend.

    Dein Foto zeigt ein Verkehrsengstelle, die auch in Hannover häufiger anzutreffen ist. Aber ich kenne hier kein Beispiel dafür, dass der Bushaltestellenabschnitt auf dem Bürgersteig mit einem Drängelgitter geschützt wird. Was sagen denn die Eltern mit Kinderwagen dazu oder Rollifahrer? Viele Radfahrer, so mein Eindruck, sehen das völlig unproblematisch, wenn der Radweg oder ein gemeinsamer Fuß- und Radweg direkt im Einstiegsbereich des Omnibusses verläuft. (Ich schon, s. u.) Auch die Möglichkeit einen Radweg so anzulegen, dass er verschwenkt hinter dem Wartehäuschen langläuft halten viele für gut. Im vorliegenden Fall auf deinem Foto sieht man, dass dafür der Platz nicht reicht.

    Das Problem ist doch offensichtlich, dass vorher [Zeichen 240]gemeinsamer Fuß-und Radweg ausgeschildert ist. Dann lieber schon rechtzeitig vorher eine Radfahrspur oder einen Schutztreifen auf der Straße anlegen. Und den Bürgersteig allenfalls als Gehweg mit dem Zusatz Radfahrer frei kennzeichnen. Ich halte jedenfalls nichts davon, wenn der Radweg im Ein- und Ausstiegsbereich verläuft oder hinter dem Wartehäuschen. Besonders dann nicht, wenn ich mit dem Omnibus unterwegs bin.

    Ohne Parkmarkierungen wäre dort komplett Halteverbot wegen der [Zeihen 215]:

    Diese Markierungen helfen also in keinster Weise gegen Falschparker. Sie erziehen die Leute erst, Kreisverkehre zuzuparken. Sie widersprechen darüberhinaus, wie schon ein paar mal erklärt, der Beschilderung. Sich widersprechende Anordnungen sind nichtig; d.h. Falschparker an der Stelle rechtssicher zu sanktionieren, kann man vergessen. Das klappt nur, wenn die Leute in der Fahrschule nicht aufgepasst haben und sich gegen das Bußgeld nicht wehren. Und dann gibt es Regelwerke, wie Markierungen auszusehen haben, damit sie bundesweit gleich aussehen und man nicht erst bei jeder Provinzbehörde anfragen muss, was sie eigentlich meint.

    Da musst du aber schon sehr genau auf den Einzelfall gucken. Hier der Lichtenbergplatz auf googlemaps: https://www.google.com/maps/@52.36884…m/data=!3m1!1e3

    Und hier der Lichtenbergplatz auf einer historischen Aufnahme von Anfang des vorigen Jahrhunderts. Da parkte dort nirgends ein Fahrzeug und die Kreiselfläche in der Mitte war deutlich kleiner als heute. http://www.postkarten-archiv.de/media/images/l…-10_03_1919.jpg

    Beide Aufnahmen zeigen, dass der Platz nicht ursprünglich für einen Kreisverkehr angelegt wurden.

    Als es noch nicht so viele Autos wie heute gab, parkten dort ganz einfach keine.

    Ohne die parkenden Autos wäre der Lichtenbergplatz groß genug für einen zwei bis dreispurigen Kreisverkehr. Das will hier mitten im Wohngebiet wirklich keiner! Deshalb macht es sehr wohl Sinn, Parkflächen zu markieren.

    Was hier möglicherweise los wäre, wenn auf dem Lichtenbergplatz keiner parkte, das kannst du dir übrigens hier anschauen. Für diesen VW-Werbefilm wurde nämlich der Platz und alle Zufahrten für einen langen Nachmittag gesperrt und alle Markierungen schwarz abgeklebt. Und jetzt frag mich bitte bloß nicht wie bekloppt ich diesen VW-Werbefilm finde. https://www.youtube.com/watch?v=vY5jNv391rk

    Ich glaube übrigens nicht, dass alle Leute so drauf sind, dass sie sich immerzu gegen Bußgeldbescheide beschweren. Zumal dazu ja erst mal jemand einen Bußgeldbescheid ausstellen müsste. Markierungen aber können an bestimmten Stellen bewirken, dass weniger unvernünftig geparkt wird als ohne Markierungen.

    Was soll das bringen, außer, dass es nicht mehr wie ein Zebrastreifen aussieht? :/

    Zebrastreifen-Muster sind ja immer mal wieder in der Diskussion. Zum Beispiel dreidimensional aussehende Zebrastreifenmuster.

    Auch über quer angelegte Zebrastreifen wurde häufiger schon diskutiert, denn eigentlich soll der Zebrastreifen ja eine Art Band darstellen, das vom Fußgänger sicher gequert werden kann. Deshalb wäre es eigentlich sinnvoller, die Zebrastreifen ao anzulegen, dass sie aus Sicht der Autofahrer nicht längs, sondern quer zur Fahrtrichtung angeordnet sind. So wie jetzt üblich, sind die Zebrastreifen nämlich aus Sicht der Fußgänger quer zum Fußgängerüberweg angeordnet.

    "Die Querstreifen wurden Ende der 1940er Jahre in Großbritannien entwickelt, als der motorisierte Verkehr auf den Straßen zunahm und es für Fußgänger immer riskanter wurde, die Straße zu überqueren. Mitte der 1950er Jahre wurde der Zebrastreifen auch in die deutsche Straßenverkehrsordnung aufgenommen. Seit den 1960er Jahren haben Fußgänger am Zebrastreifen Vorrang, obwohl die Streifen quer zu ihrer Laufrichtung liegen. Dazu stellt Barbara Schönig, Professorin für Stadtplanung an der Bauhaus-Universität Weimar, fest: "Unsere Straßen folgen der Wahrnehmung von Autofahrern und der Idee des fließenden motorisierten Verkehrs. Deshalb müssen Fußgänger auch warten, bis sie über die Straße gehen können und nicht Autos – was uns ganz selbstverständlich erscheint, aber das vielleicht gar nicht ist."" Quelle: Badische Zeitung vom 21.11.2017 http://www.badische-zeitung.de/fragen-sie-nur…-132380979.html

    Zebrastreifen in ihrer jetzigen Anordnung folgen der Wahrnehmung der Autofahrer. Fußgängern dagegen signalisieren sie: Halt, hier ist eine Barriere. Und ganz zu Anfang war das auch durchaus so gemeint. Der Zebrastreifen sollte eine Stelle signalisieren, an der es Autofahrer für wünschenswert halten, dass Fußgänger die Straße überqueren sollen. Und zwar nur dort und nicht einfach irgendwo. "Wäre ja noch schöner wenn diese drittklassigen Verkehrsteilnehmer einfach irgendwo auf die Fahrbahn treten dürften." ;) Und die Fußgängerin oder der Fußgänger hatte ursprünglich noch nicht den heute gesetzlich eindeutig festgelegten Vorrang am Zebrastreifen. Vielmehr galt - vor allem aus Sicht der Autofahrer - das Prinzip: "Wenn der Fußgänger sich schon erdreistet meine Autofahrbahn zu kreuzen, dann soll er das erstens nicht einfach so überall machen dürfen, und zweitens soll er dann dort, wo er's darf, nämlich am Zebrastreifen brav und demütig am Straßenrand verharren, bis ich ihm vielleicht ermögliche an dieser dafür vorgesehenen Stelle meine Autofahrbahn zu kreuzen. Weil ich ja ein großzügiger Mensch bin und es gerade heute vielleicht nicht ganz so eilig habe halte ich manchmal auch an einem Zebrastreifen tatsächlich an." ;)

    Obwohl die Straßenverkehrsordnung schon seit Anfang der 60er-Jahre den klaren Vorrang des Fußgängerverkehrs am bzw. auf dem Zebrastreifen festgelegt hat, gibt es nach meiner Beobachtung immer noch "nicht wenige" Autofahrer (leider auch Fahrradfahrer), die sich so verhalten, wie der Zebrastreifen in seiner jetzigen Gestaltungsform es nahelegt. :cursing:

    Und da ist der bunte Zebrastreifen in Almelo doch eine sehr gute Erfindung, um einerseits den gängigen Gestaltungsvorschriften (Balken parallel zur Fahrbahn) genüge zu tun. Und andererseits ein Band zu signalisieren, auf dem der Fußverkehr Vorrang genießt. :)Zusätzlich zum Zebrastreifen gibt es ja außerdem noch die entsprechenden Schilder.

    Auf dem parallel verlaufenden Zweirichtungsradweg (siehe Foto und diesen google-maps-Link https://www.google.com/maps/@52.35699…!7i13312!8i6656 ) ist übrigens kein Zebrastreifen markiert. In Kombination mit der Tatsache, dass in den Niederlanden auch Mopeds (mit blauen Kennzeichen) den Radweg benutzen müssen, finde ich das nicht in Ordnung. Und zwar nicht nur aus Sicht der Fußgänger. Wenn ich als Radfahrer an so einer Stelle halte, um einen Fußgänger passieren zu lassen, und hinter mir ein Moped angebraust kommt, das den Fußgänger umfährt, dann wäre das zumindest sehr unangenehm, weil ich den Fußgänger möglicherweise erst durch mein Stehenbleiben dazu ermuntert habe den Radweg zu kreuzen.

    Nach kurzer Recherche scheint das so zu stimmen: Die Dreiecke ('Haaientanden', übersetzt 'Haifischzähne') sind auch ohne das optionale Schild ein offizielles Verkehrszeichen, so wie bei uns nur (?) die Zebrastreifen.

    Zebrastreifen - das ist ein Stichwort, was mich gleich noch mal zum Durchklicken bewegt:

    Ob solche farbigen Zebrastreifen wohl auch in Deutschland möglich wären? Gesehen in Almelo:

    Vielen Dank für die Recherche.

    Ich habe inzwischen noch mal weitere Bilder nachgesehen. Dabei ist mir aufgefallen, dass das Foto oben einen typisch niederländischen Kreuzungsaufbau zeigt. Das hatte ich beim ersten Durchklicken nicht mehr auf dem Schirm.

    Hier das Bild aus Sicht des Autofahrers, der von der Hauptstraße abbiegt. Entlang der Hauptstraße führt ein Radweg, der im Kreuzungsbereich sehr weit von der Straße weg verschwenkt wird. Da der Geradeausverkehr, auch der auf dem sehr weit weg verschwenkten Radweg Vorrang hat, braucht es hier nicht noch einmal ein Extra-Verkehrsschild. Zumal du ja recherchiert hast, dass die "Haifischzähne" auch ohne Schild Geltung haben.

    Hier das Bild aus Perspektive eines Autofahrers, der von der Straße abbiegt, um dann nach wenigen Metern noch mal vor dem Radweg warten muss, um den Radfahrern die Vorfahrt zu gewähren.

    Würde so in Deutschland vermutlich nicht so ohne weiteres eingeführt werden können. Da wären sicher viele Autofahrer nur allzu bereit, gleich nach dem Abbiegen wieder Gas zu geben.

    Und hier ein Link zu einer Luftaufnahme von google-maps die die Kreuzung aus der Luft zeigt: https://www.google.com/maps/place/Ter…747!4d5.3466786