Beiträge von arvoituksellinen

    Das Ding gefährdet aber nicht den Kfz-Verkehr sondern nur Radfahrer. Was passiert wohl, wenn ich dagegen Anzeige erstatte? Erklärt mir die Polizei dann, dass das kein Straßenverkehr ist, weil dieser unabhängig geführte Geh- und Radweg nicht Teil einer Straße ist?

    Das ist doch Niiiedersachsen, also ganz was anderes! ("Das Beste am Norden ist unsere Bedächtigkeit"). In Berlin dagegen, da ist so eine Hektik, da rasen doch sogar die Radfahrer!

    Eben auf Sueddeutsche.de gefunden (auch wenn es schon zwei Wochen alt ist):

    Mitten in ... Amsterdam

    Die Berliner Familie macht Urlaub in Amsterdam, der Stadt, die auf der ganzen Welt als Fahrradparadies bekannt ist. Wo alle Menschen entspannt auf blumengeschmückten Hollandrädern unterwegs sind und man nicht befürchten muss, dass einem ein Berliner Autofahrer erst die Vorfahrt nimmt und dann wüst hinterherschimpft. Als die Berliner Familie eine Straße überquert, rast eine junge Radlerin vorbei und zwar so, dass die Kinder beinah unter die Räder gekommen wären, hätten die Eltern sie nicht zurückgerissen. Freundlich (man ist schließlich im Urlaub, nicht in Berlin) weist die Berliner Familie darauf hin, dass ihre Ampel grün ist, die der Radfahrerin hingegen rot. Die Radlerin zischt: "But you are in Amsterdam!" Dann rast sie weiter, nicht ohne einem noch wüst hinterherzuschimpfen. So schnell wird man vertrieben aus dem Fahrradparadies.

    Alle regen sich über die Tausende Leihfahrräder auf, die in Berlin herumstehen, schreibt der Tagesspiegel-Chefredakteur in einem Kommentar, und macht einen interessanten Vergleich auf:

    "Dabei stehen 16.000 zusätzliche Räder in den vergangenen drei Jahren 38.600 zusätzlichen Autos gegenüber: 1,2 Millionen gibt es davon jetzt, Blech an Blech stehen sie am Straßenrand (was kaum jemanden zu stören oder auch nur aufzufallen scheint), auf Radstreifen, vor Fußgängerüberwegen – im Durchschnitt 23 Stunden pro Tag ungenutzt. Wären es 1,2 Millionen Leihräder, bräuchten sie nur ein Fünftel der Fläche, aber in der Stadt würden alle ausflippen. Auch, weil sich kaum jemand traut, auch nicht der grünste Senat, den Berlin bisher hatte, den Pkw-Fahrern klar und wenn nötig immer wieder zu sagen: Euch gehört zwar ein Auto, aber nicht die Straße – jedenfalls nicht allein."

    Im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt gibt es seit Freitag bis September eine Ausstellung "FAHR RAD! Die Rückeroberung der Stadt". Sie "zeigt, wie eine Stadtentwicklung aussehen kann, die in Zukunft noch mehr Menschen auf das Rad lockt – und wirbt mit Projekten aus aller Welt für diese sanfte Rückeroberung der Stadt. In den Fokus gerückt werden Städte wie Kopenhagen, New York, Karlsruhe und Oslo."

    Parallel zur Ausstellung gibt es einen Katalog.

    Ich habe die Ausstellung noch nicht gesehen, sondern bin durch einen Artikel in der Süddeutschen darauf aufmerksam geworden (ich weiß aber nicht, inwieweit der frei zugänglich ist).

    Für eine ausgiebige Recherche zur genauen Verteilung auf Reifen-, Bremsen- und Straßenabrieb hatte ich keine Zeit, aber das kannst du ja auch selber machen. Diese drei Quellen aber machen den größten Teil des verkehrsbedingten Feinstaubs (PM10) aus: Rund 85 Prozent der Feinstaubbelastung entstehen dadurch sowie durch die Aufwirbelung der Staubschicht auf den Fahrbahnen, nur der Rest kommt aus den Auspuffen (Quelle).

    Oder man ist – vorzugsweise – in Nordamerika: Da gibt es "Valet Parking", sprich ein Knecht übernimmt das Fahrzeug und parkt es ein, bewahrt den Schlüssel auf und holt das Fahrzeug wieder vor, sobald der Kunde zurückkehrt. Laut dem obigen Wikipedia-Artikel wird das in einigen Ballungsgebieten sogar für Fahrräder angeboten, in der Regel sogar kostenfrei, um die Nutzung von Fahrrädern zur Anreise zu fördern.

    Das Verkehrs-Startup Berlin braucht eine Fahrradbürgermeisterin wie Amsterdam

    "Berlin könnte die beste und vor allem lebenswerteste Stadt der Welt sein. Berlin hat, im Vergleich zu fast allen Großstädten, die perfekten Bedingungen, um alles richtig zu machen (nicht nur bei der Verkehrspolitik…)" Sagt Floris Beemster, Repräsentant für Amsterdam und Utrecht in Deutschland, im Tagesspiegel. Man müsse sich nur trauen!

    Zitat von Uli B.

    Dem möchte ich widersprechen. Denn es ist doch schließlich gleichgültig ob die Bremskraft durch den Widerstand eines Elektromotors erzeugt wird, der zur Rekuperation benutzt wird, oder ob es die "Motorbremse" beim klassischen Verbrenner ist, oder ob es sich um konventionelle Bremsen handelt. Denn die modernen PKW sind doch inzwischen durch die Bank mit Antiblockiersystemen ausgestattet, so dass es letztlich egal ist, wie die Bremskraft erzeugt wird. Beim Bremsen entsteht so oder so mehr Abrieb, egal wie gebremst wird.

    Nein, es ist nicht gleichgültig. Der Feinstaub beim Bremsen entsteht durch Abrieb der Bremsscheiben und -beläge. Wird die Bremse nicht betätigt, gibt es dort auch keinen Abrieb. Bekommt man die Geschwindigkeitsreduzierung auf elektrischem Wege hin (Rekuperation beim E-Auto, Retarder bei modernen LKW), fällt dieser Anteil des Feinstaubs weg. ABS hat damit gar nichts zu tun. Ein LKW-Fahrer hat mir erzählt, dass die Bremsscheiben beim Fahrzeug mit Retarder (elektrische Wirbelstrombremse als "Motorbremse") doppelt so lange halten wie früher bei der "klassischen" Motorbremse, die auf der Drosselung der Auspuffanlage beruhte.

    Unbestritten ist, das das Fahren als solches ebenfalls Feinstaub erzeug (Abrieb der Reifen). Das ist beim E-Auto nicht anders als beim Verbrenner.

    Das ist typisch Bauhaus, da geht Design vor Funktion.

    Klingt ketzerisch, aber man schaue sich nur als Beispiel mal das ikonische eigentliche Bauhaus (Hauptgebäude) an: Vorgehängte Glasfassade, akustische Kopplung durch alle Stockwerke, im Sommer Treibhaus, im Winter nicht zu heizen. Sieht alles total toll und modern aus, ist aber unpraktisch bis obenhin. Oder die Wohnhäuser des Bauhauses (nicht die Meisterhäuser): Es hat seinen Grund, dass kein einziges dieser Häuschen im Original erhalten blieben ist -- alles am Wohnbedarf vorbei konzipiert.

    Gut, genug der Architekturkritik, die böser klingt als sie gemeint ist: Eigentlich bin ich nämlich ein Fan der Bauhaus-Ästhetik. Nur wohnen möchte ich in solchen (Original-)Bauhaus-Gebäuden nicht.

    Es muss in dem Sommer gewesen sein, als ich fünf Jahre alt wurde. Wir waren aus einer Hochhauswohnung umgezogen in ein Haus mit Garten. In dem Block waren zwischen den Grundstücken lange ebene Erdwege, sodass man auch "von hinten" an die Gärten kam. Auf diesen langen Wegen habe ich Gleichgewicht und Tempobeherrschung gelernt, Stützräder hatte ich nie. Dann durfte ich auf die Straße. Und hab versagt -- es ging ja bergauf. Zuerst hat meine Mutter mich bergan geschoben, und ich fauler Hund habe sie schieben lassen. Als sie das gemerkt hat, hat sie mich mit dem Kochlöffel den Berg hoch getrieben. Und auf einmal ging's ...

    Zwei oder drei Jahre später habe ich ein neues Fahrrad bekommen, ein Klapprad Marke "Vaterland" (das war damals ein durchaus nicht anrüchiger Name). Leider hatte ich nicht lange Vergnügen daran: Am zweiten oder dritten Tag habe ich das Fahrrad neben dem Müllcontainer stehen lassen, als ich kurz nach oben in die Wohnung ging. Als ich zurückkam, war's weg und kam nie wieder. Seither habe ich einen Tick und schließe mein Rad lieber einmal zu viel ab als einmal zu wenig.