Die Critical Mass Hamburg startete am Freitag von den Alsterwiesen. Das hielt ich ja schon für einen recht gewagten Treffpunkt: Da wollen dann fünftausend Radlinge los, Richtung Süden geht’s zum amerikanischen Konsulat, das hätte die Polizei wahrscheinlich nicht so gerne gesehen, und die Durchfahrtsbreite für Radfahrer und Fußgänger ist ja gerade mal bummelige drei Meter breit, nachdem alle ihr Bike irgendwie auf das Hochbord getragen haben. Zwischendurch hätte es noch ein paar Abzweigungen gegeben, aber entweder von Arbeitsstellen verengt oder ohnehin nur einspurig als Einbahnstraße.
Also Richtung Norden raus bis zum Klosterstern. Das war schon abenteuerlich genug — darum soll es aber gar nicht gehen.
Man konnte aber im Zeitraum von 18 bis 19.15 Uhr, als die Teilnehmer zum Treffpunkt fuhren, prima erkennen, wie wenig diese Fahrradstraße funktioniert, wenn mal wirklich viele Radfahrer dort unterwegs sind. Ich düste in einer schier endlosen Schlange von Radfahrern zur Alsterwiese, einige fuhren nebeneinander, andere überholten sich gegenseitig, es fühlte sich beinahe an wie Amsterdam oder Kopenhagen.
Und dann gab es die ganzen Profis, die im Auto unterwegs waren. Die konnten natürlich nicht mehr oder weniger langsam im Teilnehmerfeld herumrollen, mussten unbedingt überholen, zwängten sich bei Fahrbahnverengungen noch gerade so durch und holperten und polterten da an den Radfahrern vorbei. Ein paar waren auch am Hupen und Schimpfen und vollkommen außer sich — aber: Warum denn nur?
Ich mein, wenn ich da sehe, aha, ich fahre in einer Fahrradstraße, in der gerade ungefähr hunderte Radfahrer unterwegs sind, warum gebe ich mir denn dann den ganzen Stress, dort jetzt noch uuuuunbedingt Überholmanöver zu starten und mich aufzuregen, wenn ich mit meiner Kiste trotzdem nicht vorbei fahre? Kann man dann nicht einfach mal sagen, okay, ich fahre mit 15 Kilometer pro Stunde hinter den Leuten her und rege mich einfach mal nicht auf? Klar, einige Manöver von den Radfahrern, die wohl schon vor dem eigentlichen Start gegen 19.30 Uhr in Stimmung waren, die waren auch unnötig und dürften die Stimmung nicht verbessert haben, aber trotzdem: Wozu das Ganze?
Oder anders gefragt: Wann baut man endlich das
wieder ab und macht eine ganz normale Straße daraus? Eine „echte Fahrradstraße“ ohne Durchgangs-Kraftverkehr ist ja offensichtlich nicht gewünscht.