Beiträge von Malte

    BILD sprach zuerst mit der Fahrradstraße: Senat zwingt Radfahrer mit Sperren auf die Straße

    Man könnte es ja auch leicht anders formulieren: „Senat zwingt Radfahrer mit Sperren auf die Fahrradstraße“! Klingt doch gar nicht mehr so schlimm, oder?

    Markus Arndt schreibt dazu noch einen Kommentar, der darunter leidet, dass er mit Fettschrift und wenigen Zeilen auskommen muss und im Endeffekt tatsächlich einfach nichts enthält. Und ich habe noch versucht, einen Shitstorm loszutreten — hat aber noch nicht so ganz geklappt.

    Aus irgendeinem Grunde hat man ja im letzten Herbst im Rheingoldweg in Hamburg-Rissen eine Fahrradstraße eingerichtet: Ein Jahr Bauarbeiten – starke Verkehrsbehinderungen in Rissen

    Der Rheingoldweg ist eigentlich einer der besseren Kandidaten für eine Fahrradstraße, er verläuft nämlich parallel zur Bundesstraße 431, die im fraglichen Bereich für den Radverkehr eigentlich unbenutzbar ist. Bei Google StreetView kann man einen Blick in den Zustand aus dem Jahr 2008 werfen: Links ein etwas breiterer gemeinsamer Geh- und Radweg für beide Fahrtrichtungen, rechts ein schmaler gemeinsamer Geh- und Radweg für eine Fahrtrichtung. Der rechte Gehweg ist eigentlich unbenutzbar aufgrund der Breite und der Vielzahl von Grundstücksausfahrten, außerdem parken dort gerne Kraftfahrzeuge drauf. Links ist zwar mehr Platz, aber toll ist die Sache immer noch nicht — und es parken meistens Kraftfahrzeuge drauf.

    Irgendwann hat man die [Zeichen 240] abgeschraubt und gegen Eigenkreationen ersetzt, die ein schwarzes Fahrrad auf weißem Grund zeigen. Man mochte wohl nicht zugeben, dass man die Radwegbenutzungspflicht aufheben musste, weil die Infrastruktur nicht einmal im Ansatz den Vorgaben entsprach. Einige Jahre später, ich glaube, so etwa um 2013 herum, wurden dann auch diese Schilder abmontiert: Der Radverkehr war nunmehr ausschließlich auf der Fahrbahn gestattet. Natürlich hält sich niemand daran, alle kampfradeln ordnungswidrig auf beiden Seiten in beiden Richtungen, denn die Straße ist halt echt kein Spaß. Ich bin dort einige Male hindurchgefahren und froh, dass mich dort niemand vorsätzlich überfahren hat.

    Insofern fahren einige Radfahrer durch den parallel verlaufenden Rheingoldweg. Soweit alles cool. Dann hat man eine Fahrradstraße errichtet, die sich allerdings lediglich über die westliche Hälfte des Rheingoldweges erstreckte. Äh, ja, sicherlich hat man sich etwas dabei gedacht… Angeblich wollte man eigentlich den Ausweichverkehr von der B431 und einigen anderen Straßen zwischen Rissen und Wedel aus diesem Wohngebiet heraushalten, obwohl ja eine Fahrradstraße weder das Tempo weiter senkt noch den Kraftverkehr in irgendeiner Weise abseits der Bodenwellen am Ein- und Ausgang der Fahrradstraße einbremst. Die bummeligen Verkehrsinseln, die den Kraftverkehr ausbremsen sollen, stören da überhaupt gar nicht.

    Und darüberhinaus war die Fahrradstraße relativ sinnlos, weil sie in beiden Richtungen planlos endete. Ja, sie ist Teil der Veloroute 1, hat aber dennoch keinen vernünftigen Anschluss bekommen. Will man weiter nach Wedel, fährt man entweder über eine wassergebundene Oberfläche nördlich der S-Bahn oder direkt wieder auf der B431 oder weiter auf der Industriestraße: Alle drei Varianten sind von der Infrastruktur furchtbar. In der anderen Richtung kann man sich entweder durch die Wohngebiete mogeln, durchs Rissener Stadtzentrum gondeln über ebenfalls über eine Route mit wassergebundener Oberfläche und Scherben ohne Ende radeln. Dass hier eine Veloroute entlangführt, weiß man nur, wenn man das Internet danach befragt.

    Ich weiß aber nicht, was nun wieder los ist: Hat man das Experiment endlich aufgegeben? Inzwischen wurde die Fahrradstraße offenbar aufgehoben:

    Weiß da jemand genaueres?

    Drüben im Verkehrsportal habe ich dieses Video gefunden:

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    Es ist einfach total der Hit: Ganz fortschrittlich können Radfahrer sich mit einer Kontaktschleife eine Grünphase an einer Kreuzung anfordern. Leider muss dabei natürlich wieder irgendwas schiefgehen: Die Kontaktschleife ist so nah an der Kreuzung, dass ein durchschnittlicher Radfahrer die Querungsfurt erreicht, bevor er grünes Licht bekommt; schließlich müssen da noch ein paar Sekunden Räumzeit für den Kraftverkehr eingerechnet werden.

    Dummerweise scheinen einige Kraftfahrer die Lichtsignale überhaupt gar nicht wahrzunehmen: Der Radling bremst, schließlich hat er ja noch rotes Licht, das Kraftfahrzeug fährt an, in diesem Moment bekommt der Radling grünes Licht und will ebenfalls losfahren…

    Mal sehen, ob diese Stelle doch noch mal entschärft wird. Wie @mir schon schrieb: Besser für den Radverkehr wird’s bestimmt nicht. Vielleicht kann man ja ein [Zeichen 205] für Radfahrer auftreiben.

    Wenn man "Wilhelmsburger Platz" kommend der Straße "Am Zollhafen" folgt, kann man am Ende (also in der Kurve zum "Hovestieg") geradeaus auf einen Radweg auffahren. Der Führt dann unter der BAB hindurch und man landet auf der Straße "Abzweigung" und kann von da aus ohne Owi die Elbbrücken queren.

    Also ungefähr so:

    Aber das klappt ja nur in diese Richtung, oder? In der Gegenrichtung muss ich mich doch irgendwie durch Veddel hindurchschlagen.

    Lokalzeitungen haben ja mitunter die Eigenschaft, gar fürchterlich fußnägelaufrollende Überschriften zu fabrizieren. Wer errät, worum es bei dieser Überschrift geht, die theoretisch über jedem einigermaßen fahrradbezogenen Artikel stehen könnte?

    Wedeler Politiker haben ein Herz für Radfahrer

    Außerdem:

    An der Holsteiner Chaussee zwischen Oortskamp und Wiebischenkamp wird wieder auf dem Grünstreifen neben dem Gehweg geparkt. Vermehrt ist das gegenüber dem Baumarkt „Hornbach“ zu beobachten. Diese Unsitte trat bereits vor längerer Zeit auf und wurde zunächst durch den Einbau von Schutzgittern am Fahrbahnrand kurzfristig unterbunden. Als dann erste Kfz-Führer die Möglichkeit nutzten, über die vorhandenen Gehwegüberfahrten auf den Gehweg und Grünstreifen zu gelangen, war binnen Kurzem wieder die alte Situation vorhanden. Nur dass jetzt die Autos relativ lange Strecken über den Gehweg fahren, bis sie die gewünschte Position auf dem Grünstreifen erreicht haben. Zeugen berichten in diesem Zusammenhang sogar von einem nötigenden Verhalten der Kfz-Führer, indem die schon mal „störende“ Fußgänger anhupen.


    Manchmal gibt’s auch Dinge, zu denen mir dann auch nicht mehr so richtig viel einfällt. Eigentlich wollte ich heute die fragliche Stelle mal fotografieren:

    Und dann plötzlich so:
    HUUUUUUUUUUUUP! HUPHUPHUP!

    Ein Auto! 8o

    Der fuhr dann auch ein ganzes Stück vor mir her, allerdings nicht unbedingt mit einer angemessenen Geschwindigkeit. Weiter hinten, wo das eine Kraftfahrzeug den Gehweg versperrt, wurden auch noch gleich zwei Fußgänger beiseite gehupt. Dabei handelte es sich immerhin um seinesgleichen, denn die hatten auch gerade erst dort eingeparkt.

    Heike Sudmann von der LINKEN hat eine umfangreiche Kleine Anfrage zur „Freigabe der Busspur auf der Veddel für den Radverkehr“ gestellt.

    Für Auswärtige: Es geht um den Straßenbahntunnel Veddel, der vor achtzig Jahren angelegt wurde, um die Straßenbahn aus der Mitte der neu gebauten Autobahn auszufädeln. Seit die Straßenbahn 1978 in Hamburg abgeschafft wurde, fahren dort nur noch Busse und Taxis — und ordnungswidrig eine ganze Menge Radfahrer.

    Wenn ich das richtig sehe, gibt es für Radfahrer im Moment zwei Querungsmöglichkeiten von den Hamburger Stadtteilen nördlich der Norderelbe und den Hamburger Stadtteilen südlich der Norderelbe: Der alte Elbtunnel im Westen und die Radwege über die Norderelbe entlang der Bundesstraße 4 im Osten. Theoretisch stünden noch die Hafenfähren, die S-Bahn zur Verfügung sowie die Strecke über die Versmannstraße, aber die ist momentan aufgrund von Bauarbeiten für den normalen Radfahrer, der sich nicht eine schmale Fahrbahn mit dem Schwerlastverkehr teilen möchte, nur sehr eingeschränkt nutzbar. Sollte es mit den olympischen Spielen in Hamburg etwas werden, wird die Situation entlang der Versmannstraße sicherlich nicht besser.

    Der alte Elbtunnel ist natürlich auch ein Witz. Erstmal wird man in der Regel mit dem Fahrstuhl fahren wollen, der in den Stoßzeiten schon mit Fußgängern belegt ist. Ein leichtes Rad kann man zwar schultern, aber damit die Treppen herunterzusteigen, die ja ebenfalls von Fußgängern frequentiert werden, ist sicherlich auch nicht so der Hit. Wenn man Glück hat, kann man mit dem Rad die eigentlich für den Kraftfahrzeugverkehr vorgesehen Aufzüge nutzen. Weil aufgrund von Sanierungsarbeiten momentan nur eine Röhre geöffnet ist, muss man abhängig von der Tageszeit sein Rad schieben. Und auf der anderen Seite dann wieder mit dem Fahrstuhl nach oben. Manchmal dauert das nur fünf Minuten, im Feierabendverkehr aber auch mal eine halbe Stunde. Es folgt eine sanierte, aber trotzdem gefährliche Strecke dicht entlang von Grundstückszufahrten von Industriebetrieben — man kann zwar auch die Fahrbahn befahren, muss dort aber mit Kopfsteinpflaster kämpfen.

    Das mit der Bundesstraße 4 ist ganz witzig, wenn man da ohne Ordnungswidrigkeiten nach Wilhelmsburg fahren möchte, dann geht das ungefähr so: Und das natürlich auch teilweise mit Kopfsteinpflaster und der üblichen hanseatischen Radverkehrsinfrastruktur. Mit einem freigegebenen Bussonderfahrstreifen ginge das auch so:

    Ist natürlich auch die Frage, wie sich Bus- und Radfahrer miteinander arrangieren werden…

    Deshalb bin ich der Meinung, dass Schutzstreifen eigentlich das Optimum darstellen. Als Radfahrer hat man da alle Vorteile der Fahrbahn, kann aber an jedem Stau problemlos vorbeiradeln.

    Naja: Wenn denn der Schutzstreifen nur breit genug wäre. Hier in Hamburg bekommt der Radverkehr meistens nur die Sparausführung, wie etwa drüben in der Ebertallee.


    Witzig, es gibt ja echt für alles eine eigene Drucksache. Ich habe allerdings tatsächlich das Gefühl, dass da manchmal mehr Kraftfahrzeuge als Fahrräder auf dem Radweg unterwegs sind. Toll ist es dann auch, wenn man auf dem Radweg noch zur Seite gehupt wird, damit ein Kraftfahrer zum Wiebischenkamp brausen kann.

    Das muss die Umsetzung dieser Androhung sein, die man immer wieder hört und liest: Wenn du mit deinem Fahrrad „mitten auf der Straße“ fährst, fahren wir mit den Autos auf dem Radweg. Und davon lassen die sich dann auch nicht mit Sperreinrichtungen abhalten. Mal sehen, wann der erste rauskriegt, wie man das Schloss zu so einem Poller aufknackt.


    Da steht:

    Zitat

    Nach Umbau der Kreuzung Holsteiner Chaussee / Hörgensweg / Wiebischenkamp hat sich gezeigt, dass die dortige indirekte Führung der Radfahrenden aus der Holsteiner Chaussee in den Hörgensweg nicht angenommen wird.


    Dass man bei der Planung einen Zustand herbeigeführt hat, bei dem die indirekte Führung von Radfahrenden einfach gar nicht möglich ist, hat man ja nett umschrieben. Linksabbiegen ohne Signalgeber und Kontaktschleife ist halt eine schwierige Sache.

    Der zukünftig freigegebene Fahrbahnabschnitt wird, da lehne ich mich jetzt mal aus dem Fenster, einer der gefährlichsten für Radfahrer in Hamburg sein.
    Schätzungsweise wird weniger als ein Promille der Radfahrer dort auf der Fahrbahn fahren. Selbst ich als schneller "Kampfradler" habe da wirklich Angst vor - werde es aber trotzdem machen.

    Ich hätte da auch nicht so viel Lust aufs Radfahren. Wenn ich mir ansehe, wie die Kraftfahrer da miteinander umgehen und sich gegenseitig um die Vorfahrt zur Autobahn bekriegen, habe ich keine großen Ambitionen, noch den „Radfahrer trotz Radweg mitten auf der Straße“ zu spielen.

    Weiß man eigentlich, wann es denn soweit sein wird?

    Die Abordnung der Radwegbenutzungspflicht an der Holsteiner Chaussee kommt beim Radverkehrsexperten der FPD nicht so ganz gut an. Dr. Wieland Schinnenburg hat darüber am 1. September eine Schriftliche Kleine Anfrage gestellt, die vom Senat eine Woche später beantwortet wurde: Radfahrer auf die Holsteiner Chaussee?

    Besonders großartig: Bevor der Senat die eigentlichen Fragen beantwortet, schreibt er:

    Zitat

    Nach § 2 der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) müssen Fahrzeuge, dazu gehören auch Fahrräder, die Fahrbahn benutzen. Eine Pflicht, Radwege in der jeweiligen Fahrtrichtung zu benutzen, besteht nur, wenn dies durch Zeichen 237 (Radweg), Zei- chen 240 (Gemeinsamer Geh- und Radweg) oder Zeichen 241 (Getrennter Rad- und Gehweg) angeordnet ist. Rechte Radwege ohne die Zeichen 237, Zeichen 240 oder Zeichen 241 dürfen benutzt werden. Linke Radwege ohne die Zeichen 237, Zeichen 240 oder Zeichen 241 dürfen nur benutzt werden, wenn dies durch das allein stehen- de Zusatzzeichen „Radfahrer frei“ angezeigt ist.
    Nach Maßgabe des § 45 Absatz 9 StVO prüfen die Straßenverkehrsbehörden regel- mäßig, ob die Beschränkungen des Radverkehrs durch die Radwegebenutzungs- pflicht erhalten bleiben dürfen oder ob es die Gesamtumstände in einem Straßenzug zulassen, die Radwegebenutzungspflicht aufzuheben. Die Prüfung erfolgt unter Berücksichtigung der Verkehrssicherheit, der Verkehrsbelastung, der Verkehrsbedeu- tung, der Verkehrsstruktur, des Verkehrsablaufs, der Flächenverfügbarkeit und der Art und Intensität der Umfeldnutzung.
    Dies vorausgeschickt, beantwortet der Senat die Fragen wie folgt:


    Da hatte wohl jemand keine Lust, dem Herrn Schinnenburg in jeder Antwort die Verkehrsregeln zu erklären. Man erkennt allerdings schon an der Fragestellung, dass Schinnenburg möglicherweise nur auf die Reizwörter „Radfahrer“ und „mitten auf der Straße“ hereingefallen ist. Die Radwege in der Holsteiner Chaussee sind nunmal teilweise in einem erbärmlichen Zustand, insbesondere im Bereich vom Hornbach-Baumarkt bis zum Eidelstedter Platz, und ansonsten teilweise häufiger von Kraftfahrzeugen frequentiert als von Fahrrädern, denn aufgrund der Absperrgitter, die das Kampfparken auf dem Radweg unterbinden sollen, müssen Kraftfahrer eine ganze Weile auf dem Radweg herumfahren, um schließlich ordnungswidrig auf dem Gehweg vor ihrem Haus parken zu können. In diesem Bereich wurden die Radwege im Jahr 2008 saniert, entsprechen aber immer noch nicht den Regelwerken, wobei man ja zugeben muss, dass man einigermaßen problemlos darauf fahren kann, wenn man nicht gerade ein Auto vor oder hinter sich hat. Ach ja, und natürlich kann man eben nicht vernünftig nach links abbiegen, was ja eigentlich der Grund meiner Beschwerde war.

    Natürlich könnte man auch die übrigen Radwege sanieren, nur kommt man selbst mit einer Verbreitung der Radwege, die mit der Fällung mehrerer Bäume einherginge, nicht mal ansatzweise an die Mindestbreiten für Radwege heran. Im Übrigen, und das müsste ja auch dem Herrn Schinnenburg der FDP bekannt sein, reicht es für ein blaues Schild nunmal nicht aus, dass es jenseits der Fahrbahn einen durch die Windschutzscheibe optisch ansprechenden Radweg gibt.

    Er fragt:

    Zitat

    Auf welchem Abschnitt der Holsteiner Chaussee sollen Radfahrer künftig auf der Straße fahren?


    Nirgendwo sollen Radfahrer „auf der Straße fahren“. Ist § 2 Abs. 4 StVO denn wirklich so schwer zu verstehen?

    Allerdings:

    Zitat

    Trifft es zu, dass dieser Abschnitt eine Ausweichstrecke für die Autobahn 7 ist?


    Da hat der Senat zwar recht, es handelt sich nicht um eine ausgewiesene Umleitung, aber trotzdem steigt die Verkehrsdichte bei Stau oder Arbeitsstellen auf der Autobahn deutlich an — man denke an die beiden Vollsperrungen an zwei Wochenenden im Juli, als zwei Brücken abgerissen wurden. Allerdings ist die Holsteiner Chaussee dann auch sofort so voll, dass kein Radfahrer auf der Fahrbahn fahren wird, weil’s da überhaupt nicht mehr vorangeht.

    Inzwischen rechnet auch noch die BILD mit der Politik ab. Im Bericht Artikel über die Verschwendung von Steuergeldern wird aus irgendeinem Grunde auch noch ein Unfall in der Holsteiner Chaussee erwähnt. Geschickt wird suggeriert, dass dort ein Radfahrer überfahren worden wäre — tatsächlich gab es aber „nur“ einen Unfall zwischen zwei Kraftfahrzeugen, der nun aber als Aufhänger für die Gefährlichkeit des Fahrbahnradelns herhalten muss.

    Dann schreibt BILD:

    Zitat

    Doch die Behörde von Verkehr(t)-Staatsrat Andreas Rieckhof (SPD) will den schützenden Grünstreifen und die Bordsteinkante entfernen, die zwei Fahrspuren auf eine verengen. Dann sollen Radfahrer künftig direkt auf der viel befahrenen Straße radeln. (…) Behörden-Irrsinn ohne Not und ohne Verstand! Denn auf beiden Seiten der Chaussee gibt es wunderbar ausgebaute Radwege. Und radelnde Kinder genießen bislang noch den deutlichen Sicherheits-Abstand zum gefährlichen Auto- und Lasterverkehr.


    Ich wusste noch gar nicht, dass die Radwege tatsächlich entfernt werden sollen. Bislang war nur davon die Rede, dass das blaue Schild abgebaut wird, der Unterschied zwischen einem blauen Schild und einem nicht vorhandenen Radweg muss wohl echt schwer zu verstehen sein — nicht nur bei BILD, sondern auch bei der FPD. Dass es an der Holsteiner Chausssee „wunderbar ausgebaute Radwege“ gibt, ist ja wohl eher ein Witz: Die Radwege im sanierten Bereich sind ganz okay, der Rest aber weder „wunderbar ausgebaut“ noch irgendwie sicher. Der Untertitel des Fotos („Der Opel Corsa klebt an der Eiche. Eine Radlerin nutzt den sicheren Radweg, der entfernt werden soll“) ist ja auch eher ein Witz, schließlich fährt die Radfahrerin ordnungswidrig nebenan auf dem Gehweg.

    Naja.

    Dann dachte ich mir, vielleicht gibt es ja doch noch neue Pläne, tatsächlich größere Änderungen an der Radverkehrsinfrastruktur vorzunehmen, man kann ja nie wissen, schließlich rezitiert BILD ja größere Maßnahmen mit der Verringerung der Fahrstreifen von vier auf zwei (obwohl auf dem Foto ohnehin nur zwei zu sehen sind und es im fraglichen Bereich auch nur zwei gibt), aber der einzige Treffer im Netz führte… zu BILD: SPD schickt Fahrradfahrer auf Holsteiner Chaussee

    In dem einen Monat alten Artikel war man sich auch nicht so ganz im Klaren, ob Radfahrer nun auf der Fahrbahn fahren dürfen oder sollen oder müssen, auch die Polizei, mit der man offensichtlich gesprochen hat, konnte BILD nicht verdeutlichen, worum es eigentlich geht.

    Ich warte ja nur noch darauf, dass ich morgens im Bus das Titelblatt der BILD mit meinem Foto stehe und nebenan steht: „Dieser Radfahrer will Ihnen das Auto wegnehmen!“ Irgendwie scheint das ja alles mit dieser Beschwerde aufgrund der eingangs erwähnten Kreuzung zu tun zu haben, an der ich ja mindestens etwas beteiligt war.