Nun sind wir wieder hinten jenseits des Halbring-Radweges, mit dem dieser Thread begann, und fahren nach Westen Richtung Albertslund. Dieser Halbring-Radweg markiert geradezu eine Zäsur im C99: Östlich davon wurde der Radschnellweg offenbar mehr oder weniger ambitioniert in die vorhandenen Straßen gezwängt, etwa so, wie man es in Hamburg mit den Velorouten versucht hat, während im Westen genügend Platz für eine eigene Trassierung oder großzügige Wege war.
Die eine Kreuzung aus dem Eröffnungsbeitrag ist da schon beinahe eine Ausnahme — eine bummelige Straße, an der man trotzdem mit dem Rad keine Vorfahrt hat:
Ich mein, im Ernst, das hier ist doch ein Traum:
Lustiges Spielchen: Ich hatte irgendwie Sorge, es könnte einen Zaun über den Weg geben. Gibt es aber nicht, sondern nur noch die Pfosten davon:
Hier geht man einen anderen Weg: Anstatt die Vorfahrtsverhältnisse zwischen Fahrbahnverkehr und querenden Radfahrern auszukaspern, baut man einfach eine Unterführung:
Dann geht es eine ganze, ganze Weile durch ruhige Siedlungen. Kein Auto weit und breit, nur Fahrräder. Google Maps offenbart: In dieser Siedlung gibt es tatsächlich nur hier und da einen Parkplatz.
Dann geht es, für mich unverständlich, aber plötzlich durch ein Industriegebiet. Dort gibt’s viele Einfahrten mit vermutlich viel Schwerlastverkehr, einige Kreuzungen und Radwege, die mal wieder ziemlich schmal sind. Fangen wir mal hinten an: Um Radfahrern die Querung dieser Straße zu ersparen führt man die Route durch eine Unterführung unter der Straße hindurch, um wieder nach Süden abzubiegen. Die Unterführung ist ganz lustig mit Bewegungsmeldern zum Energiesparen und sowas:
Da gibt’s auch wieder eine Luftpumpe:
Und ab dort verläuft die Route quasi kreuzungsfrei durch Unterführungen und entlang von Siedlungen:
Die Sache mit der Kreuzungsfreiheit wird hier so ernst genommen, dass der komplette Radweg in diesem Trog verläuft. Einfache Rechnung: Keine Kreuzungen mit dem motorisierten Verkehr = keine Unfälle mit dem motorisierten Verkehr. Natürlich kann man auch hier noch verunfallen, beispielsweise mit kreuzenden Radfahrern, und natürlich bleibt die Frage, warum der Radverkehr aus dem Stadtbild herabgesenkt wurde und nicht einfach der Fahrbahnverkehr in einem Tunnel verläuft, aber okay, das ist hier wohl nunmal so. Dem Komfort tut das nunmal keinen Abbruch. Ich sähe das sehr viel kritischer, wäre das hier kein reines Wohngebiet, sondern beispielsweise eine Einkaufsmeile, an der man quasi den Radverkehr auf diese Weise von der Öffentlichkeit ausschließt.
Gut, zurück in das Industriegebiet. Ich finde es total seltsam, dass man sich einerseits die Mühe macht, die Route über lange Strecken komplett kreuzungsfrei zu verlegen, dann aber den Abstecher durch das Industriegebiet mit der mangelhaften Infrastruktur wählt.
Und warum man dann ausgerechnet dort sich auf dieses Experiment einlässt:
Das Ding zeigt an, mit welchem Tempo ich fahren muss, um die nächste Kreuzung noch bei grünem Licht zu erreichen. So, und dann stelle ich mir vor, das Ding animiert mich hier jetzt mit 26 Sachen, die uns auf dem Rückweg auf der anderen Seite angezeigt wurden, bis zur nächsten Kreuzung zu donnern, vorbei an den ganzen schlecht gestalteten Zufahrten zu den Gewerbegrundstücken, und direkt in einen rechts abbiegenden Lastkraftwagen hinein. Ich weiß nicht — ich hätte diese Dinger nicht aufgestellt. Ich hatte schon mehrmals kundgetan, dass ich es für sinnvoller halte, eine grüne Welle zu kommunizieren oder wie oben die Zeit anzuzeigen, wann die Ampel wieder auf grünes Licht schaltet, aber hier die Radfahrer zum Rasen zu animieren, das ausgerechnet auch noch auf einer stark frequentierten Gewerbestrecke, das halte ich ja für total verwegen.
Na gut.
Der Weg führt dann noch durch ein paar Siedlungen, in denen es auch spielende Kinder gibt…
… und endet dann inmitten eines Golfplatzes: