Hm, in München gibt es keine Doppelgelenkbusse, dafür aber Anhängerbusse. Weiß gar nicht, wie das bei denen gelöst ist. Da gibts ja sogar zusätzlich das Problem, dass theoretisch jemand zwischen die beiden Fahrzeuge steigen könnte.
Sowas war auch mal zwischen Wedel und Uetersen im Einsatz im Einsatz:
Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, der Anhänger wird mittlerweile auch nicht mehr eingesetzt; das Internet schweigt sich darüber leider aus.
Das ist eher ein Beispiel für: Geschwindigkeit des Radlings komplett unterschätzt. Oder verschätzt mit dem Gedanken: ich bin schon halb drüben bis der ankommt.
Naja, so richtig schnell war ich heute Morgen ja nicht — schneller ging’s auch gar nicht: Noch mit Vollgas neben die vordere Tür zu fahren kam nicht in Frage, bei dem Tempo hätte ich dann auch bei normalem Untergrund ohne matschige Blätter nicht mehr reagieren können. Und wenn der Busfahrer dann noch immer nichts merkt, schlägt man irgendwo hinter die vordere Tür ein.
Nach der Linkskurve von der Dammtorstraße zum Gänsemarkt fährt der M5 direkt nach rechts rüber in die Busbucht, kreuzt den endenden Radfahrstreifen.
Puh, die Ecke hatte ich ja ganz vergessen — es gibt ja vom Gänsemarkt bis runter in die Mönckebergstraße diverse Möglichkeiten, mit den Doppelgelenkbussen aneinanderzugeraten. Beispielsweise hier am Jungfernstieg, wo man erst von der Fahrbahn aufs Hochbord wechseln soll und anschließend vermutlich nicht mal mehr § 9 Abs. 3 StVO einschlägig ist:
Und die Ecke hier am ZOB dürfte ja auch kompliziert sein, oder?
Erklärung: Kamera. musste mal drauf achten bei den Doppelgelenkern.
Du hast recht, die Kameras sind mir auch schon mal aufgefallen — aber reichen die aus, um jemanden dort auf dem Radweg zu entdecken, wo ich oben im Video fuhr? Beziehungsweise läuft das nicht so wie beim Spiegelkabinett an modernen Lastkraftwagen, wo der Fahrer halt in jede Ecke gucken könnte, wenn er zwölf Augen hätte?
Im Endeffekt ist das aber ja egal, denn an den Gigalinern sind nach meiner Kenntnis keine Kameras vorgesehen — da müssen die handelsüblichen Spiegel offenbar für 25,25 Meter reichen.
In Hamburg fährt die Hochbahn bekanntlich mit den 25 Meter langen Doppelgelenkbussen Van Hool AGG 300 herum. Mit 26 dieser Fahrzeuge will man die Metrobuslinie 5 irgendwie in den Griff bekommen, auf der seit Abschaffung der Straßenbahn immerhin 60.000 Fahrgäste in Bussen transportiert werden müssen.
Die Gigaliner mit einer zulässigen Gesamtlänge von 25,25 Metern entsprechen ungefähr der Länge eines solchen Doppelgelenkbusses — und wie das Zusammenspiel mit nichtmotorisierten Verkehrsteilnehmern innerorts klappen soll, ist mir nach wie vor ein Rätsel.
Soweit ich weiß, ist der Linienweg des Metrobus 5 gegen feindliche Verkehrsströme abgesichert, mir fällt wenigstens zwischen dem Hauptbahnhof und dem Tibarg keine Stelle ein, an der der Bus abbiegen dürfte, gleichzeitig aber Fußgänger und Radfahrer in gleicher Richtung grünes Licht haben. Solche Stellen wie beispielsweise die alte Straßenbahn-Kehre am Nedderfeld ist mittlerweile auch signalisiert worden: Will ein Bus abbiegen, dann haben Fußgänger und Radlinge rot.
Ich finde es allerdings erschreckend, wie oft gleich wieder die Tote-Winkel-Karte gespielt wird, wenn eine solche Signalisierung nicht gegeben ist. Am Neuen Pferdemarkt biegt beispielsweise der Einfachgelenk-Metrobus 6 nach rechts zur Feldstraße ab, während Radfahrer und Fußgänger geradeaus queren dürfen. Ich vermute mal, dass das Abbiegen mit einem solch langen Fahrzeug eben einiges an Konzentration erfordert, jedenfalls habe ich mittlerweile verstanden, wie man dort als Radfahrer überlebt: Man wird nur beachtet, wenn man beim Umschalten auf grünes Licht direkt vorne an der Kreuzung wartet. Nähert man sich der Kreuzung, wenn sich der Bus bereits in Bewegung gesetzt hat, sollte man auf die eigene Vorfahrt besser verzichten.
Ganz abenteuerlich wird es ja, wenn die Fahrzeuge zum Einsatzort fahren oder zurück zum Betriebshof Langenfelde. Die Doppelgelenkbusse der Metrobuslinie 5 kommen zum Beispiel oben aus Burgwedel die Kieler Straße herunter oder kommen vom Tibarg oder Nedderfeld durch die Koppelstraße und den Basselweg entlang — dort gibt es aber keine gesonderte Signalisierung, so dass Doppelgelenkbusse und nicht-motorisierte Verkehrsteilnehmer sozusagen ungeschützt aufeinandertreffen.
Das sieht dann beispielsweise beim Abbiegen in den Betriebshof regelmäßig so aus:
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Ich kann mir vorstellen, dass solche Abbiegevorgänge den Fahrer ganz schön fordern. Er muss hier nicht nur aufpassen, ob rechts jemand auf dem Radweg fährt, sondern auch noch erkennen, ob 25 Meter hinter ihm rechts jemand auf dem Radweg fährt. Und gleichzeitig schwenkt seine Karre soweit aus, dass er die beiden rechten Fahrstreifen reserviert hat.
So etwas erlebe ich dort leider häufiger, die Abbiegevorgänge erfolgen dort leider meistens unter der Prämisse, dass der Radfahrer angesichts des Doppelgelenkbusses schon anhalten wird — sofern der Fahrer mich denn überhaupt als kleinen, winzigen Punkt in seinem Spiegel wahrgenommen hat. Herrje, aber ich mache dem dann keinen Stress, auch wenn ich solche Abbiegevorgänge ganz schön grenzwertig finde. Letzte Woche hatte ich sogar schon Blickkontakt mit dem Fahrer durch die vordere Tür aufgebaut, aber er machte dann mit dem Gaspedal deutlich, noch schnell seine 25 Meter vor mir um die Kurve fahren zu wollen — vielleicht hatte er Sorge, die übrigen Kraftfahrer machten ihm mit der Hupe aufgrund der zwei belegten Fahrstreifen die Hölle heiß oder er dachte sich, ah, der Radfahrer hat meinen Bus gesehen, dann kann ich ja jetzt abbiegen.
Und nun denke ich mir, die Sache mit den so genannten Gigalinern, die wird ja nicht besser — dort sind die Sichtverhältnisse noch viel schlechter, da gibt’s keine verglaste Tür und rechts nur ein einziges Fenster.
Witzigerweise lag mein früherer Schulweg oben im entlegenen Büdelsdorf an einer der Versuchsstrecken, von dort aus wurde ein Lager in Neumünster angefahren — das war kein Spaß. Die Route verlief ungefähr so: Von der Autobahn ging es durch vier (!) Kreisverkehre in die Hollerstraße, dort wurde dann schließlich nach links zu ACO abgebogen — und bei diesem Abbiege-Vorgang sollte man dem Lastkraftwagen nach Möglichkeit nicht im Wege herumfahren.
Nun wundere ich mich ja, wie gut das denn bei den Gigalinern künftig funktionieren soll. Man hat als nicht-motorisierter Verkehrsteilnehmer heutzutage schon gegenüber „normalen“ Lastkraftwagen verloren, was die Vorfahrt angeht, jetzt müssen noch mal sieben Meter mehr um die Ecke gebracht, beziehungsweise ein weiterer Anhänger durch die Schleppkurve gezogen werden. Und auch das wird angesichts von Stau, Arbeitsstellen oder Unfällen auf Routen stattfinden, die für Gigaliner weder geeignet noch vorgesehen sind.
Ich kann mich noch dran erinnern, dass mir aufgrund einer längeren Arbeitsstelle ein solcher Gigaliner damals mal in einem Wohngebiet entgegenkam — das hat auch nur funktioniert, weil ich mich mit meinem Rad auf den Gehweg verdrückt habe, ansonsten stünden wir uns wohl noch heute gegenüber.
Im Netz habe ich leider außer Protestschreiben und Feldversuchen nichts derartiges gefunden — weiß jemand, ob es Pläne gibt, die künftigen Routen der Gigaliner an derartigen Kreuzungen entsprechend abzusichern?
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Der Typ lobt die ultrabequemen Sessel des rollenden Palastes, die Heizung, blablabla, aber natürlich auch die Sicherheit: Abstandsassistent, Spurhalteassistent — ach, übrigens: Hier ist der eingebaute Kühlschrank!
Ich kann’s beim Lastkraftwagen allerdings auch noch einigermaßen verstehen, dass man sich dort wirklich wie im Wohnzimmer fühlen möchte, denn das ist für die Fahrer ja tatsächlich Wohn- und Arbeitsplatz auf sechs Quadratmetern — das darf auch gerne mal gemütlich sein. Und wenn ich jeden Tag meine 800 Kilometer auf der Autobahn abspulen müsste, nee, da hätte ich auch keine Lust, mir mein warmgeschütteltes Getränk irgendwo aus dem Flaschenhalter zu pulen, das kann ich soweit alles nachvollziehen.
Aber im Cockpit des Lastkraftwagens passiert dann eben auch das, was im normalen Personenkraftwagen schon passiert: Man befasst sich eher mit seinem rollenden Wohnzimmer als mit dem Straßenverkehr drumherum. Das sieht dann zum Beispiel so aus:
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Es war dort nicht neblig, das ist nur wieder das tolle Kameragehäuse, das nach dem Wechsel in die Kälte erstmal Wasser absondert. Aber der Typ bemerkt halt knallhart zu spät, dass vor ihm die Ampel rotes Licht zeigt — und nach der Gefahrenbremsung sammelt er sich in seinem Fahrerhaus erstmal den Hausrat wieder zusammen. Ich will gar nicht behaupten, dass er während der Fahrt mit seinem Kühlschrank oder dem Wasserkocher oder dem Fernseher zugange war, aber in seiner Kabine stand umheimlich viel Krempel herum, der nach einer solchen Bremsung nicht mehr an seinem Platz war, sondern auf dem Boden kullerte. Und ich glaube, das ist dann wieder aus Sicht der Sicherheit bedenklich.
Das frage ich mich in so einer Situation auch immer. Allerdings weichen in Hamburg 98% aller Radler über den Fußweg aus, auch wenns nicht vorgesehen ist.
In Hamburg ist nunmal, so wie im obigen Beispiel, in 98 Prozent der Fälle das Ausweichen über den Gehweg eben vorgesehen, entweder über Zeichen 240 oder über 239 plus „Radfahrer frei“.
Laut dem Mitleser drüben im Verkehrsportal ist die Sache mit der 1. Änderungsverordnung auch nur gerade so gutgegangen:
Man scheint es dieses Mal aber nicht hinbekommen zu haben, die Sache so sehr zu versauen wie damals unter Dr. Ramsauer.
Ansonsten bestätigt sich meine Befürchtung: In den einschlägigen Medien bekommt man es nicht geregelt, beispielsweise die neue Ampel-Regelung in angemessener Weise zu kommunizieren. Ein Lokalblatt in meiner Heimat soll wohl sogar behauptet haben, Radfahrer müssten nur noch an Ampeln halten, wenn es einen Fahrrad-Signalgeber gäbe. Das bekomme ich aber erst Weihnachten zu Gesicht, im Netz ist davon nichts zu finden.
Eigentlich ist es aber sowieso egal, was die Medien dazu berichten, beim eigentlichen Verkehrsteilnehmer kommt eh nichts davon an. Ja, ich weiß, ich soll mich nicht so oft auf facebook herumtreiben, aber die Kommentare zu den dortigen Meldungen lassen durchaus durchblicken, dass die jeweiligen Verfasser nicht ganz so viel verstanden haben.
In der Nähe meiner Wohnung gab es heute Morgen einen tödlichen Unfall:
Was dort eigentlich passiert ist, bekommt man aus der eigentlichen Nachricht kaum heraus.
Der Tatort ist wohl in der Nähe der Hausnummer 100, also ungefähr hier:
Die Kraftfahrerin kam dann aus der Straße links im Bild, kollidierte mit dem Radfahrer, der auf dem „Fußgängerüberweg“ fuhr und kam anschließend in der gegenüberliegenden Grundstückseinfahrt zum Stehen.
Ich höre schon wie Radfahrer-Hasser wieder trommeln: „Man darf nicht auf Fußgängerüberwegen fahren, der Radfahrer ist schuld, führt endlich Fahrrad-Kennzeichen ein“ Aber: Es gibt hier keinen Fußgängerüberweg. Ein Fußgängerüberweg ist die fachliche Bezeichnung für einen Zebrastreifen. Den gab es zum Zeitpunkt der Google-Streetview-Aufnahme dort nicht, den gibt es jetzt immer noch nicht. Was es dort aber gibt ist eine Fahrradfurt, die neben der Fußgängerfurt verläuft — und offenbar war der Radfahrer auf ebenjener Furt sogar in der richtigen Fahrtrichtung unterwegs, sonst hätte die Morgenpost das sicherlich gleich ausgeschlachtet.
Eigentlich wundere ich mich langsam ein bisschen, wer denn überhaupt noch diese Verkehrsregeln verstehen soll. Es ist ja kein Wunder, dass ich mir andauernd „Radfahrer halten sich eh nie an die Regeln“, wenn nicht mal eine Zeitung in der Lage ist, die relativ einfache Kreuzungssituation regelgerecht wiederzugeben.
Der Fairness halber sollte ich erwähnen, dass sich am OSZE-Freitag das Problem tatsächlich irgendwie gelöst hat, nachdem die Polizei Besserung versprochen hatte:
Nun kenne ich natürlich die Polizei-internen Abläufe nicht, die es womöglich geben wird, wenn es um die Parkplatz-Situation für solche Einsätze geht, aber für mich als einfachen Bürger stellt es sich schon so dar, dass man ohne viel Aufwand beispielsweise den rechten Fahrstreifen der anderen Straßenseite in Beschlag hätte nehmen können — da gibt es keine Grundstückseinfahrten, denen man die Sichtachsen zwischen Fahrbahn und Radweg dichtparkt, da wird sogar niemand behindert, denn aufgrund des Wasserrohrbruchs war ja die stadtauswärtige Richtungsfahrbahn ohnehin eigentlich gesperrt (klar, das kann man drei Monate vorher nicht wissen).
Und wenn man dort den Kraftverkehr auf einer sechsstreifigen Fahrbahn nicht behindern möchte, hätte man meines Erachtens auch im engeren Umfeld genügend Parkflächen gefunden. Die hätte man sich vielleicht mit Haltverboten freiräumen können, aber in anderen Hamburger Bezirken hat man das ja offenkundig auch geschafft.
Und selbst wenn man das nicht möchte, hätte man ja immer noch so wie auf dem ersten Foto parken können, so dass man mit dem Rad einigermaßen vorbeikommt. Herrje, dann knattert man mit dem Bike halt mal drei Tage lang nicht mit Vollgas dadurch, das wird man ja irgendwie überleben. Aber stattdessen parkt man am zweiten Tag so, dass es zwangsläufig Konflikte zwischen Rad- und Kraftfahrern geben muss? Und das neben einer komplett leeren Parkbucht nebenan?
Über den ganzen Unfug der Ersten Änderungsverordnung hatte ich mich ja schon zu Genügeausgelassen — übersehen hat der Gesetzgeber aber offenbar, die Ampel-Regelung aus § 37 Abs. 2 Nr. 6 StVO noch mal bis zur nächsten Änderungsverordnung zu verlängern.
Aber: Ab heute darf man Gehwegradeln, wenn irgendwo ein kleines Kind in der Nähe auf dem Fahrrad sitzt, und Radwegbenutzungspflichten dürfen außerorts einfach so aus dem Ärmel geschüttelt werden.
Erstmal Direktflug nehmen, kostet scheinbar auch nicht die Welt (170€ p.P. hin+zurück).
Das am Wochenende waren jeweils Direktflüge — und du hast offenbar gar keine Vorstellung, zu welchen Billigpreisen easyJet fliegt. Soweit ich weiß, sind wir für die Hälfte des Preises geflogen — hin und zurück mit zwei Personen. Dafür bekommt man dann allerdings auch nur den reinen Transport ohne jeglichen Komfort, mit zusätzlichen Wartezeiten am Gate vor und nach dem Boarding und weil das Ding so billig ist, parkt das Flugzeug in der hintersten Ecke am letzten Gate und easyJet bestellt noch nicht mal einen Bus, geschweigedenn eine Fluggastbrücke. Stört mich bis auf die Beinfreiheit allerdings alles nicht so sehr, ich bin ja noch jung, höhöhö.
Was ich da eher nervig fand, weil mir das auch vorher gar nicht bewusst war: Man nimmt bei easyJet kein Reisegepäck mit, sondern nur Handgepäck. Weil dann aber alle mit ihrem tollen Rollkoffer in die Kabine drängen, wurden bei uns jeweils nur 90 Handgepäckstücke verladen, so dass ich meinen kleinen Rucksack im Frachtraum reisen lassen musste. Das ist natürlich auch so kalkuliert: Wenn niemand Reisegepäck aufgeben möchte, spart man sich die Miete für zusätzliche Check-In-Schalter, denn mit dem Handgepäck kann man nach dem Online-Check-In sofort durch die Sicherheitskontrolle.
Der Flug geht um 06:05, es reicht vollkommen wenn du um 04:00 losfährst.
Da geht’s schon wieder los: Kommt drauf an.
Die Rechnung im oberen Beitrag war insofern vielleicht auch nicht ganz ehrlich, denn wegen des OSZE-Krams wurde empfohlen, noch eine Stunde früher am Flughafen zu sein, um die intensiven Sicherheitskontrollen in voller Pracht genießen zu können. Zusätzlich eine Stunde Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ergibt dann schon 3 Uhr als Aufbruchszeit. Auf dem Hin- und Rückflug stand der Flieger dann nach dem Boarding noch gute 40 Minuten am Gate herum, weil er noch nicht fliegen durfte (liegt das am billigen Zeitfenster, das easyJet dort mietet?), so kommt man dann schon auf über sieben Stunden. Eine halbe Stunde hätten wir gespart, wenn wir mit dem Rad zum Flughafen gefahren wären — soviel zu der Frage, wer denn mit dem Rad zum Flughafen will.
BILD fuhr zuerst mit dem SUV: (Und dann hantiert die Bär in der freien Natur noch mit dem Öl herum. Wozu habe ich Gutmensch das bei meinem Polo eigentlich immer auf dem hermetisch versiegelten Tankstellen-Gelände gemacht?)
Lesen Sie morgen: Dobrindt nach der Probefahrt eines Giga-Liners: „Die Sicht beim Abbiegen ist ein bisschen schlecht, aber mit Rücksicht wird das schon funktionieren.“
Verzerrte Wahrnehmung mit dem Hang zur Verallgemeinerung.
Na gut, da hast du durchaus recht, schließlich sieht man auch auf dem vierten Foto in meinem Beitrag einen Radling. Ich versuche es dann mal mit einer anderen Formulierung:
Ich habe generell nur sehr wenige Radfahrer gesehen, davon war ein Großteil mit diesen Leihrädern unterwegs, dann gab es noch einen nennenswerten Teil besagter junger, trainierter Männer und dann noch einige andere Radfahrer. Womöglich liegt das auch ein bisschen an der Jahreszeit und am dichten Straßenverkehr — man sehe mir die spitze Bemerkung nach, aber Vehicular Cycling bedeutet in dieser Stadt eben auch, wie ein Auto im Stau zu stehen.
Verzerrte Wahrnehmung mit dem Hang zur Verallgemeinerung. Ich habe bei meinen zahlreichen Parisbesuchen auch genügend unerschrockene Frauen oder ältere Männer auf Fahrrädern gesehen, die selbstbewusst an den großen Kreuzungen wie Place de la République, Place du Chateletganz normal auf der Fahrbahn radeln. Dagegen müssten alle Hamburger, die unbedingt Gehwegradeln wollen, Weicheier sein.
Ich habe gerade noch mal alle meine Fotos durchgesehen, damit ich jetzt echt kein dummes Zeug erzähle, aber solche Leute habe ich tatsächlich nicht gesehen. Ich habe recht viele Aufnahmen von Radfahrern auf diesen Leihrädern, ein paar Rennräder dazwischen, aber kaum Frauen, absolut keine Kinder und Jugendliche. Und du kannst sicher sein, dass ich angesichts von Kindern oder Jugendlichen beim Fahrbahnradeln sofort die Kamera gezückt hätte
Und das hatte mich tatsächlich ein bisschen verwundert, weil ich mir eigentlich vorher gar keine Gedanken über das Radfahren in Paris gemacht hatte. Ich hatte lediglich im Hinterkopf, dass es da die beiden gesperrten Straßen links und rechts der Saine gab, ungefähr an jeder Kreuzung diese Freigabe, auch bei rotem Licht abzubiegen und überhaupt ja einiges für den Radverkehr getan werden sollte. Und dann kommst du in diese Stadt und fühlst schlimmer als nach man sich nach zwei Tagen zur Rush-Hour entlang der Kieler Straße. Das fand ich tatsächlich ausgesprochen… erschreckend. Paris ist eigentlich so eine schöne Stadt, aber sobald man eine Hauptverkehrsstraße queren will, kommt man teilweise auch bei grünem Licht kaum über die Straße.
Ich war ja nun am Wochenende in Paris. Paris kenne ich noch von ein paar Urlaubsreisen meiner Jugend, wobei „kennen“ eine ziemliche Übertreibung ist: Ich war damals noch ziemlich jung, insofern sind ohnehin sämtliche Erinnerungen von einem romantisch verklärenden Schleier überzogen. Dennoch hatte ich im Vorfeld dieses Wochenendes einige Erwartungen, die auf ebenjenen Erinnerungen basierten: Romantische Gässchen, Cafés mit Blick auf den Eifelturm, staunend die Avenue des Champs-Élysées entlanglaufen.
Okay, es war grundsätzlich ein schönes Wochenende, weil jedes Wochenende mit meiner Freundin ein schönes Wochenende ist, aber diese Stadt ist eher… nicht so, dass ich noch mal nach Paris müsste.
Das hier war zum Beispiel der Blick auf den Eifelturm:
Wir dachten erst, das wäre Nebel — stattdessen stellte sich abends heraus, dass Paris unter der schlimmsten Luftverschmutzung seit Jahrzehnten leidet.
Das muss man sich mal ins Bewusstsein rufen: Wir leben im Jahr 2016 des Herrn, aber geht man in einer Großstadt vor die Tür, hat man nicht den Eindruck, dass sich in den letzten vierzig Jahren bezüglich des Klimaschutzes etwas bewegt hätte. Wow, was bin ich stolz darauf, mein Leben ohne Auto im Griff zu haben, möglichst wenig Müll zu „produzieren“ und irgendwie eine Art von Lebensstil zu pflegen, der mit einem möglichst kleinen Fußabdruck einhergeht — aber in einer Millionen-Metropole wie Paris verschwinden plötzlich die Wahrzeichen im Dunst der Abgase (Disclaimer: Ich hätte ja lieber den Zug genommen, aber wir sind tatsächlich mit dem Flugzeug gereist).
Was den Straßenverkehr angeht, ist Paris ernsthaft der Horror. An einem Wochenende! Und am Sonntag noch fast mehr als am Sonnabend! Es gibt keine romantischen Gassen, es gibt nur Autos. Es gibt auch keine lauschigen Cafés mit Blick auf den Eifelturm, weil man vor lauter Motorenbrummen sein eigenes Wort nicht mehr versteht (und dem Blick auf den Eifelturm mangelt’s am Eifelturm). Selbst die Avenue des Champs-Élysées ist so eine Sache, dort wechseln sich weihnachtliche Düfte von einem endlos langen (und furchtbar durchkommerzialisierten) Weihnachtsmarkt mit Abgasen von acht Fahrstreifen ab, die inmitten dieser Prachtstraße liegen. Und am Rand quetschen sich dann abertausende Fußgänger auf überbreite Gehwege und geraten trotzdem aneinander.
Herrje, bis jetzt dachte ich, der Straßenverkehr in Hamburg oder Berlin oder Frankfurt wäre schlimm, aber all das ist ja noch gar nichts gegen diese Blechlandschaft in Paris. Ich wüsste ja zu gerne, wie meine Eltern damals im Urlaub den dortigen Straßenverkehr empfunden haben oder wie Einheimische diese Zustände beurteilen. Für mich, der ja bezüglich des Verkehrs-Themas ein bisschen sehr sensibilisiert ist, waren diese Blechlawinen jedenfalls Grund genug, erst einmal nicht wieder in diese Stadt fahren zu müssen. Das war mir wirklich zu viel.
Und nein, ich bin kein Fahrrad gefahren. Es gab dort zwar Unmengen von Leihrädern, aber ich habe mich tatsächlich nicht getraut, dort herumzudüsen. Das war mir echt zu heikel. Andererseits: Wo soll man denn dort auch herumdüsen — typisch kampfradlerisch auf dem Gehweg?
Was den Radverkehr angeht, gibt es dort offenbar grundsätzlich nur zwei Typen von Radfahrern: Junge, durchtrainierte Männer auf Rennrädern und Touristen auf den furchtbar hässlichen Leihrädern, wobei letztere aus Respekt vor dem Straßenverkehr meistens ordnungswidrig auf dem Gehweg unterwegs waren — ich vermag es ihnen kaum zu verdenken. Ich bin ja eigentlich kein Weichei, was Fahrbahnradelei angeht, auch wenn ich mittlerweile nach zwei Unfällen mit Gehirnerschütterung auch die Vorzüge eines langsameren Fahrstils zu schätzen weiß. Aber im Ernst: Dann sowas wie den Kreisverkehr am Triumphbogen bezwingen?
Wir haben dort während zwanzig Minuten nicht einen einzigen Radfahrer gesehen. Das ist total heftig: Der Kreisverkehr wird teilweise mit bis zu acht Fahrzeugen nebeneinander befahren; wer rechts fährt biegt gezwungenermaßen ab, alle anderen fahren weiter im Kreis, während sich an jeder Einfahrt neue Fahrzeuge in die Kreisfahrbahn hineinkämpfen. Der Begriff „Kampf“ ist wirklich nicht übertrieben, denn es gibt dort keine Lichtzeichen oder ähnliche Regelungen, man erobert sich einfach einen Fahrstreifen. Man hupt sich erstmal in die mittleren Fahrstreifen hinein, dann kämpft man sich an der angepeilten Ausfahrt wieder zurück nach rechts. Wie soll sowas mit dem Rad funktionieren, auf dem man in Paris wie in Hamburg keinerlei Autorität ausstrahlt und als derart verletzlicher Verkehrsteilnehmer überhaupt gar nicht in der Lage ist, seinen Fahrstreifen in irgendeiner Weise gegen einen Kraftfahrer zu verteidigen?
Abgesehen davon will ein Teil der dortigen Radfahrer wahrscheinlich gar nicht kämpfen, sondern einfach ganz in Ruhe zur nächsten Sehenswürdigkeit düsen.
Ich weiß nicht — was den Straßenverkehr angeht, ist Paris eine grauenvolle Stadt. Ja, die Sehenswürdigkeiten sind schön, ja, allein die Museen sind eine mehrtägige Reise wert, aber… wow, leider muss man ja irgendwie vom Hotel bis zum Museum kommen.
Wie auch immer: Ich will mal versuchen, in den nächsten Tagen ein paar Eindrücke niederzuschreiben. Momentan bin ich dafür, man merkt es am Schreibstil, schon viel zu müde.
Privat kommt der Artikel total zum passenden Zeitpunkt. Ich war mit meiner Freundin übers Wochenende in Paris und bin nun tatsächlich ein bisschen wehleidig, was zukünftig solche Wochenend-Trips angeht.
Ich habe nach dem Studium endlich genügend Kohle auf der hohen Kante, um mir hin und wieder mal so einen Ausflug leisten zu können. Erst Kopenhagen, dann Berlin, dann Paris, sowas hatte ich mir tatsächlich ausgemalt, wenn’s in der Nacht vor irgendeiner Klausur mal wieder gar nicht voranging. In Paris waren wir tatsächlich mit dem Flugzeug — weil nämlich kein Nachtzug mehr fährt.
Und das nervt mich mega. Ich habe nämlich echt ein Problem mit Flugzeugen — keine Höhenangst, keine Angst vor der engen Kabine, aber zu lange Beine, als dass Flüge von mehr als einer oder zwei Stunden erträglich wären. Es nervt mich einfach. Okay, easyJet ist so billig, da kann man nicht mal die Rückenlehne verstellen, da knallt einem also von vorne keiner vors Knie, aber dafür ist die Bestuhlung auch so eng, dass ich eigentlich schräg im Sessel sitzen muss. Absolut kein Vergnügen.
Zeitlich ist die Sache auch nicht so viel besser. Von meiner Wohnungstür (3.17 Uhr) bis Notre-Dame (10.20 Uhr) waren wir etwa sieben Stunden lang unterwegs — bei einer reinen Flugzeit von einer Stunde und fünfzehn Minuten. Die Bahn braucht für diese Strecke nur zwei Stunden länger — und ich muss nicht mal häufiger umsteigen: Die Umstiege, die ich mit dem Flugzeug spare, gehen für den Weg zum Flughaufen mit drauf (wobei es zugegebenermaßen ein Unterschied ist, ob man im öffentlichen Nahverkehr mit Fünf- oder Zehn-Minuten-Takt umsteigt oder im Fernverkehr einen Anschlusszug erreichen muss).
Aber wie ich es auch schiebe und rechne: Der Tag ist im Arsch. Wenn ich um 2.45 Uhr aufstehen muss, bin ich spätestens am frühen Nachmittag platt. Die neunstündigen Bahnverbindungen gibt’s eh nur tagsüber. Ist ja super, dass sich irgendjemand bei der Bahn vor ein paar Wochen in den Medien darüber ausgelassen hat, dass die Bahn ja so schnell führe, da bräuchte man ja gar keine Nachtzüge mehr, aber es ist für mich ein ganz deutlicher Unterschied, ob ich neun Stunden in der Bahn sitze und damit einen ganzen Tag verplempere oder ob ich elf Stunden lang im Schlafwagen durch die Gegend schaukle und morgens mehr oder weniger entspannt am Zielbahnhof aus dem Bett hüpfe.
Ich hätte es jedenfalls sehr geschätzt, am Freitagabend um 20 Uhr in den Nachtzug zu steigen und sonnabends gegen 8 Uhr entspannt in Paris anzukommen.
Dem Vorwurf mit der teilweise rücksichtslosen Polizei kann ich durchaus zustimmen. Gestern fand unsere betriebliche Weihnachtsfeier in der Nähe der Reeperbahn statt und der Weg als Fußling dorthin war… interessant: Die Polizei hat einfach immer Vorfahrt, auch ohne Blaulicht. § 9 Abs. 3 StVO? Gilt nicht. Rechts vor links für Radlinge? Gilt nicht. Stoppschild? Nö. Aber Geh- oder Radwege zuparken geht dann auch wieder.
Dass Einsatzkräfte nunmal auch zu Einsätzen müssen und man als normaler Verkehrsteilnehmer dann mal zurücksteckt, das ist ja kein Thema. Aber das eine stinknormale Streifenfahrt ohne Sonder- oder Wegerechte trotzdem Sonder- und Wegerechte in Anspruch nimmt ist eine interessante Interpretation eines Ausnahmezustandes. Ich frage mich ja, ob man sich das auch gegenüber motorisierten Verkehrsteilnehmern traut oder ob Radfahrer und Fußgänger mal wieder zurecht in ihrer Opferrolle jammern.