Beiträge von Malte

    Man merkt an meinem Schreibstil, dass ich eher zu den Befürwortern dieses Weges gehöre. Ich habe einige Jahre in Wedel gewohnt und bin mehrmals pro Woche mit der Bahn zur Arbeit in die Hamburger Innenstadt gefahren. Mit dem Rad hatte ich tatsächlich das Problem, dass es im Endeffekt auf drei Routen von Wedel in die Innenstadt hinausläuft: Man kann oben an der B431 einen fürchterlichen Rumpel-Radweg entlangfahren, sich an der Elbchaussee anhupen lassen oder eben unten an der Elbe entlangfahren. Auf alle drei Routen hatte ich nicht so richtig Lust, wobei das Problem an der Elbe eben tatsächlich diese Schiebestrecke war. Aus Wedel kommend bin ich dann immer durch den Jenischpark nach oben gearbeitet und bin dann meistens durch die Bernadottestraße gefahren — oder habe eben die S-Bahn genommen.

    Bei einer Stunde Fahrzeit macht es eben schon etwas aus, ob man eine Viertelstunde schneller oder langsamer ist. Und ich wäre sicherlich öfter unten an der Elbe entlanggefahren, hätte ich dort keine Viertelstunde verloren, beziehungsweise statt einer Viertelstunde schieben nur drei Minuten vorsichtigen und langsamen Fahrens. Und weil auch der wirtschaftliche Aspekt immer wieder in den Vordergrund gerückt wird: Ja, ich hätte sicherlich auch hin und wieder mal ein paar Euro an der Strandperle gelassen, müsste ich mich dann nicht wieder irgendwie hoch zur Elbchaussee quälen.

    Und ich bin durchaus der Meinung, dass es auch Argumente gegen diesen Radweg geht. Angefangen mit der Art der Befestigung und dem Überflutungs- und Unterspülungsrisiko bis hin zu Konflikten zwischen Radfahrern und Strandbesuchern, die so ganz abwegig nunmal nicht sind. Ich halte nur die Art der Ablehnung, die wieder in ein pauschalisierendes „Ihr Radfahrer haltet euch eh nie an die Regeln“ ausufert, für übertrieben. Man kann so etwas auch sachlich diskutieren, ohne jeden Befürworter gleich mit herablassenden Gelächter zu bedenken.

    Naja. Falls der Radweg tatsächlich gebaut wird, dürfte die U5 wohl früher fertig sein.

    Mit dem Internet war es an der Jessenstraße nicht weit her, weder übers Smartphone noch über irgendein WLan war da etwas zu machen.

    18.00 Uhr:

    Noch ist Platz für ein paar Räder, es geht erst um 18.30 Uhr los.

    Die Uhrzeit sorgt für gewisse Verwirrung, einige Teilnehmer und Zuschauer gingen davon aus, die Sitzung wäre für 18 Uhr anberaumt. Das sorgt für Missmut, der angesichts des heutigen Themas durchaus komisch ist: So spät abends fände man nach der Sitzung zu Hause keinen Parkplatz mehr. In der anderen Ecke wird derweil gekalauert: Noch gibt’s Sitzplätze wie Sand am Elbstrand.

    18.15 Uhr:

    Zahlenmäßig gewinnt momentan die Anti-Radweg-Fraktion. Die Sorge um den Strand scheint allerdings eher die älteren Anwohner umzutreiben. Das Publikum macht momentan nicht den Eindruck, als wären hier nennenswert viele Teilnehmer aus der facebook-Gruppe anwesend; ein Gruppenmitglied vermisst die ganzen Teilnehmer, die sich eigentlich angekündigt hatten. Die Jüngeren müssten entweder arbeiten oder wären noch auf Parkplatzsuche, bemängelt ein anderer Teilnehmer.

    Derweil erzählt man sich Anekdoten aus dem Strandleben. Heute morgen habe er nachgezählt, berichtet ein anderer Zuschauer, es hätten in einer Stunde nur sieben Radfahrer die Schiebestrecke am Elbstrand Övelgönne benutzt, nur drei davon hätten geschoben, da wäre also gar kein Bedarf an einem Radweg.

    Das sehe ich hingegen nicht ganz so eindeutig. Mit einem Lückenschluss am Elbradweg dürfte es wie mit den breiten Straßen und den Parkplätzen sein: Kommt Infrastruktur, folgt Verkehr. Andererseits ist es kein Wunder, wenn man bei diesem Regenwetter in einer Stunde nur sieben Radfahrer entlang einer Strecke zählt, die fürs Radfahren eher ungeeignet ist.

    18.25 Uhr:

    Der Sitzungssaal ist mittlerweile überfüllt, Sitzplätze gibt’s schon lange nicht mehr.

    18.30 Uhr:

    Es geht los.

    Zur Fragestunde sind 17 Fragekomplexe zum Radweg am Elbstrand Övelgönne angemeldet worden.

    Es werden nicht alle Fragen vorgelesen, es wird direkt in die Diskussion eingestiegen.

    Die SPD beginnt.

    Es habe viele Mails zu der Thematik gegeben, Befürworter und Gegner hielten sich in etwa die Waage. Gesprochen wird allerdings nur über eine Idee vom Amt, ob sich ein solcher Radweg bauen ließe. Es gebe weder eine Planung noch ausformulierte Ideen, wie gebaut werden soll.

    Warum wird das überhaupt gemacht? Es gibt in Hamburg ein hohes Verkehrsaufkommen, viele Schadstoffe, dafür müssen Lösungen gefunden werden und eine Idee ist der Lückenschluss am Elbstrand Övelgönne.

    Es werde auch über die Elbchaussee nachgedacht. Allerdings gäbe es dort eher eine ablehnende Haltung, die Straße gelte als gefährlich.

    Im Mittelpunkt der Radweg-Idee stünde der Berufspendler, dem eine Schiebestrecke von einem Kilometer hin und einem Kilometer zurück nicht zumutbar sei.

    Lautes, ablehnendes Gelächter im Publikum.

    Es werde nicht für die Gegenwart, sondern für die Zukunft geplant, wo man mehr Radfahrer haben wolle.

    Lautes, ablehnendes Gelächter im Publikum.

    Es gäbe Überlegungen bezüglich Hochwasserschutz und dem Miteinander am Strand, das müsse man eben alles evaluieren.

    Lautes, ablehnendes Gelächter im Publikum.

    Nun sind die Grünen dran.

    Es gäbe eine gewisse Konfliktlage an der Schiebestrecke, darum müsse man auch trotz aller Ablehnungen über Lösungen nachdenken dürfen. Der MOPO-Artikel habe hingegen eher viele Gegner mobilisiert und Zahlen und Grafiken geliefert, die nicht der Planung entsprächen, weil es noch gar keine Planung gebe, sondern nur Ideen.

    Es sei keine Alternative, Veränderungen am Strand grundsätzlich abzulehnen. Es gäbe immer wieder Beschwerden über das Verhalten von Radfahrern entlang der Schiebestrecke, dort müsse man darum eine Lösung finden und diesbezüglich erst einmal Ideen sammeln. Vielleicht stellt sich auch heraus, dass alles aufgrund der Hochwassergefahr ohnehin nichts möglich wäre.

    Geplant wäre ein drei Meter breiter Radweg und ein drei Meter breiter Gehweg, nicht wie in der MOPO beschrieben ein sechs Meter breiter Radschnellweg.

    Lautes, ablehnendes Gelächter im Publikum.

    Selbst bei Hochwasser blieben noch 80 Prozent des Strandes erhalten.

    Große Aufregung, „bei dir piept’s wohl!“, „da ist nichts mehr übrig“

    Reaktion auf das Gelächter: Es muss möglich sein, über Ideen nachdenken zu dürfen. Es ginge nicht darum, wer am lautesten schreie, wer am besten mobilisiere oder die beste facebook-Gruppe initiiere; man müsse überlegen, ob man für alle eine Lösung finden könne. Man solle sachlich diskutieren und nicht zu sehr in Emotionen.

    In Mails würde von Toten gesprochen, die von der Flut am Radweg weggespült oder von rücksichtslosen Radfahrern totgefahren werden.

    Es ginge hier nur um eine Vorüberlegung für eine Planung.

    Aus dem Publikum: „Wir haben schon weiter gedacht, das ist alles nicht möglich.“

    CDU:

    Täglich grüße das Murmeltier, 1999 sollte es bereits einen solchen Radweg geben, Gottseidank ist daraus nichts geworden. Die Elbe fließe wie immer, der Elbstrand wäre ein Naherholungsgebiet, da ist ein Radweg technisch nicht realisierbar, das war auch vor 18 Jahren schon so. Man könne nicht sagen, die Schiebestrecke wäre zu voll, darum würde nun der Strand zubetoniert.

    Was aber ginge wäre eine Umgestaltung des Straßenraums, beispielsweise entlang der Elbchaussee. Den Strand zubetonieren wäre aber keine Lösung.

    Es wäre seltsam, dass die CDU keine befürwortenden Zuschriften zum Radweg bekommen habe.

    Ein Weg am Strand wäre für Fußgänger vorgesehen, es gebe weltweit keine Stadt, an der man an (oder auf) einem Strand Radfahren kann.

    Applaus!

    Antrag: Planungen des Elbradweges endgültig aufgeben. Es werde keine Lösung für diese Schiebestrecke geben, man solle sich über diese nicht realisierbare Strecke keine Gedanken machen.

    Applaus!

    DIE LINKE:

    Den Radweg werde man auf gar keinen Fall mittragen, es handle sich um einen vollkommen untragbaren Vorschlag. Man müsse weiter Druck ausüben, schließlich gebe es noch immer zwei Fraktionen, die diesen Ideen weiterhin hinterherrennen.

    Man müsse eben an der Schiebestrecke Rücksicht nehmen, man könne dort nicht zwei Millionen Euro versenken. Stattdessen solle man lieber an Verbesserungen an der Elbchaussee oder anderen Teilen der Stadt nachdenken. Die wenigen Planungsressourcen im Amt dürften nicht für einen derart abwegigen Vorschlag verschwendet werden. Man schließe sich dem Antrag der CDU an.

    Applaus!

    FDP:

    1969 hieß es „Unter dem Pflaster ist der Strand“. Das müsse man heute nicht wiederholen. Eigener Antrag: Auf Basis der vorliegenden Unterlage solle eine öffentliche Diskussion durchgeführt werden. Man wolle damit verhindern, dass weitere Planungsressourcen verschwendet werden, ohne dass die Bevölkerung befragt würde. Es habe Zuschriften auf Amerika und Skandinavien von empörten Touristen gegeben, die sich eine Verschandelung des Elbstrandes nicht vorstellen könnten.

    Zitat vom ADFC: „Der Nordsee-Küstenradweg ist 5.900 Kilometer lang und in Övelgönne verlieren die Radfahrer eine Viertelstunde.“ Das wäre ja nicht die Tour de France, außerdem verliefe der Elbe-Radweg in Cuxhaven, deshalb müsse man in Övelgönne die Fähre nach Cuxhaven nehmen. Die Strecke Richtung Wedel wäre eine Nebenstrecke, über die man keine Überlegungen verschwenden sollte. Die Fraktionen, die den Vorschlag des ADFC unterstützten, würden Fake-News verbreiten. Es wäre der Bevölkerung nicht zu erklären, wenn man diesen Radweg vorantreiben wolle. Stattdessen sollten an der Elbchaussee Verbesserungen eingeführt werden.

    AfD:

    Man habe noch nie so viele E-Mails bekommen, die ein Projekt ablehnen, aber nicht eine befürwortende Mail. Wie egoistisch und ideologisch müsse man sein, um fünftausend Quadratmeter Natur zu vernichten.

    Applaus!

    Dass da die Grünen dahinterstehen! Die sollten sich „Rad-Partei“ nennen.

    Wie ließen sich die Maßnahmen mit dem Landschaftsschutzgesetz vereinbaren? Wären die Planungen überhaupt rechtens? Man solle die anwesenden Bürger zu Wort kommen lassen.

    Applaus!

    Jemand berichtet:

    Övelgönne Höhe Himmelsleiter gab es eine Zählung an einem Septembertag wurden 1.200 Fahrräder gezählt.

    „Wie viele haben geschoben?“

    Im Bereich Övelgönne gebe es ebenjene Beschwerdelage. Man habe keinen sechs Meter breiten Radweg vorgesehen, sondern drei Meter Radweg, 2,8 Meter Gehweg und einem Trennstreifen.

    „Das ist doch egal!“

    Man erlaube mit dem Gehweg auch Rollstuhlfahrern und Rollator-Benutzern den Strand zu nutzen.

    „Da gibt’s doch die Schiebestrecke!“

    Man müsse den Weg so anlegen, dass er möglichst selten, nur drei Mal im Jahr überflutet werde.

    Ablehnendes Gelächter im Publikum.

    Im Moment wisse man noch gar nicht, ob der Radweg technisch realisiert werden könne. Man verbrenne momentan kein Geld, verbrauche aber einige Personalressourcen. Es werde immer mehr Rad gefahren, man bringe immer mehr Kurzpendler aufs Rad, es gehörte eben auch eine attraktive Strecke an der Elbe dazu.

    „Quatsch!“

    „Und dann gibt’s Leinen für Kleinkinder?“

    Bezüglich Naturschutz: Der wäre schon dann gegeben, wenn man dafür Autofahrer aufs Rad bringe.

    Ablehnendes Gelächter im Publikum.

    ADFC:

    ADFC soll die Ideen erläutern.

    „Können Sie mal erklären, was ADFC heißt? Das habe ich noch nie gehört!“ Gelächter.

    Der Radweg wäre nicht nur für Elbradweg-Touristen gedacht, sondern auch für Kurzstrecken-Fahrer. Man müsse überlegen, welche Voraussetzungen es geben müsse, damit man selbst aufs Rad stiege. Bei Beurfstätigen komme es durchaus drauf an, ob man zwölf Minuten länger unterwegs wäre.

    Ablehnendes Gelächter im Publikum, „es schiebt doch eh keiner!“, „das ist Schwachsinn!“

    Angesichts der Schadstoffe und des Verkehrs in Hamburg müsse man den Radverkehr fördern, zum Beispiel auch mit Schutzstreifen oder Tempo 30 an der Elbchaussee.

    Ablehnendes Gelächter im Publikum, „sie wollen beides?“

    Es gibt noch Fragen.

    Ein Anwohner meldet sich zu Wort. Er wohne in der Gegend und nutze das Elbufer zur Erholung, aber auch zum Vorwärtskommen. Er habe aber nicht das Bedürfnis, sich in den Stau an der Elbchaussee einzureihen. Das Radfahren entlang der Elbchaussee wäre gefährlich, man wäre vom Autoverkehr mit 60 Sachen sehr eng überholt. Mit Fahrradstreifen stelle sich die Situation eventuell etwas besser dar. Die Elbe wäre eine natürliche Verbindung, man käme dort traumhaft gut voran, der Lückenschluss wäre in seinem Interesse.

    Er habe keine Bedenken, dass ein Radweg der Naherholung schade.

    Empörtes Aufstöhnen und Gelächter!

    Am gesamten Elbstrand gäbe es Mischverkehr zwischen Radfahrern und Fußgängern.

    „Hast du den Strand mal im Sommer gesehen, wie dicht und voll es dort ist?“

    Ein Bürger springt wütend auf und zeigt dem Anwohner ein Foto vom vollen Elbstrand und wird zur Ordnung gerufen.

    Empörung im Publikum, „Zensur!“

    Der Anwohner führt weiter aus: Ein Radweg werde nichts an der Aufenthaltsqualiät am Strand und der Strandperle ändern.

    Ablehnendes Gelächter.

    Der nächste spricht.

    Es werde immer so getan, als werde die Radweg-Frage an der Elbchaussee noch nicht entschieden. Es habe aber schon Planungen für einen Schutzstreifen vom Rathaus Altona bis Teufelsbrück gegeben.

    Die nächste.

    Eine SPD-Grüne-Wählerin bekundet Enttäuschung, dass man diesen Radweg plane. Der Radweg beschädige die Idylle am Elbstrand massiv, man käme ja auch nicht auf die Idee, einen Radweg durch die Louvre zu legen, um elf Minuten schneller am Ziel zu sein. Der Radweg wäre eine unsinnige Fehlinvestition von Millionen.

    Applaus!

    Der nächste.

    Es werde vom Zeitverlust an der Schiebestrecke gesprochen. Den gäbe es nicht, man käme außer am Wochenende in der Schiebestrecke problemlos voran, allenfalls am Wochenend emüsse man schieben.

    Die nächste.

    Sie wäre begeisterte Radfahrerin, aber wenn es den Radweg am Strand gäbe, müsse man auch Hundeleinen für Kleinkinder einführen. Man solle stattdessen an der Elbchaussee Radfahren, da wäre Platz genug. Der Strand wäre für Strandgäste reserviert, so dass man nicht damit rechnen müsse, dass jemand mit 40 Sachen angeschossen komme.

    Die nächste.

    Sie fährt elf Kilometer mit dem Rad und wünsche sich einen Weg, auf dem man nicht vom motorisierten Verkehr angefahren würde. Man müsse eine Infrastruktur anlegen, die auch für Schulkinder geeignet wäre.

    Ablehnendes Gelächter im Publikum, „ihr Radfahrer seid selbst schuld“

    Übrigens könne man an der Ostsee oder in Amsterdam problemlos am Strand entlangfahren. Kein Mensch würde gegen ein Kind prallen würden.

    Ablehnendes Gelächter im Publikum.

    In Blankenese könne man auch am Strand entlangfahren.

    Der nächste.

    Fünf Meter Geh- und Radweg nähmen den Platz für eintausend Strandbesucher wird. Es würden dank der besseren Anbindung noch mehr Radfahrer kommen und direkt am Strand parken, so dass es noch enger würde. Man müsse als Strandbesucher dann durch die ganzen Fahrräder klettern.

    Der nächste.

    Er wohne in Övelgönne und habe die Schiebestrecke überlebt.

    Erste Frage: Ist das nun ein Radweg oder ein kombinierter Rad- und Gehweg?

    „Promenade!“

    Antwort: Man wolle auch Menschen mit Einschränkungen die Erreichbarkeit des Strandes ermöglichen.

    Zweite Frage: Hat sich schon mal jemand mit den geologischen Gegebenheiten des Strandes auseinandergesetzt? Der Radweg müsse schließlich erhöht werden, man hätte also links und rechts des Radweges noch anderthalb Meter Steinschüttungen. Dieser Weg würde irgendwann im Sand versinken. Er verstünde nicht, wie man an dieser Stelle einen Weg bauen könne, diese Überlegung wäre wirklich hirnrissig. Der Weg wäre inklusive Anböschung mindestens acht Meter breit, dann wäre der Strand weg.

    Applaus.

    Der nächste.

    Man könne nicht an der Elbchaussee mit dem Rad fahren, er würde sich freuen, könne er mit dem Rad am Strand entlangfahren, die Övelgönner dürften schließlich auch durch Blankenese bauen. In Övelgönne dürfte man auch gerne mal etwas freundlicher zu den Radfahrern sein.

    Ablehnendes Gelächter im Publikum.

    Der nächste.

    Er wolle auf einen Punkt hinweisen, an der Hoheluftchaussee wäre neben dem Radweg ein Gehweg und es gebe Radfahrer, die glauben, man hätte ein Recht auf schnelles Fahren, er habe dort regelmäßig Unfälle gesehen. Er möge sich nicht vorstellen, was am Elbstrand für Unfälle passieren würden, die von Radfahrern verursacht würden. Rettungskräfte hätten keine Möglichkeit, dort zur Versorung anzufahren.

    Jemand vom Ausschuss spricht.

    Die Rettungsmöglichkeiten würden sich mit dem befestigten Weg erheblich bessern.

    „Lüge!“, „Nein, die Radfahrer machen keinen Platz“, „Das wollen wir nicht“

    Man wisse auch noch gar nicht, wie man auf dem Karnickelsand überhaupt einen befestigten Weg anlegen könne. Die Grundstücke nebenan wären natürlich die bessere Möglichkeit, dort könne man besser einen Weg anlegen. Man müsse alles noch einmal überprüfen. Es würde vermutlich eine Planfeststellung erforderlich sein, die ohnehin Jahre dauere. Man würde die Sache aber weiter prüfen, da nun die Zeit gekommen wäre für eine vernünftige Wegestrecke am Strand.

    Die Streifen an der Elbchaussee verzögerten sich noch aufgrund von Sielarbeiten, das würde noch dauern.

    Nun sind die Anträge an der Reihe.

    Antrag von der CDU. Ergänzung: Es wäre grotesk, dass die Stadt Hamburg eine Elbvertiefung nicht hinbekomme, aber diesen Radweg bauen wolle.

    Applaus!

    Man wolle eine Alternativstrecke entlang der vorhandenen Straßen haben. Sollte es wider Erwarten keine Mehrheit für diesen Antrag geben, werde es in der Bezirksversammlung am Donnerstag einen weiteren Antrag geben.

    Abstimmung: CDU, Linke, FDP und AfD dafür. SPD und GRÜNE dagegen. Antrag abgelehnt.

    Antrag der FDP. Der Antrag wird zurückgezogen und in der Bezirksversammlung eingebracht.

    Jemand bemängelt, dass es keine Grafik mit eingezeichnetem Radweg bei Hochwasser gäbe.

    Ende um 19.42 Uhr.

    Der Rest interessiert niemanden.

    Wir waren nach dem Verkehrsausschuss dort und es war tatsächlich ein bisschen sehr beeindruckend. Für den Radverkehr steht ein der südliche Teil des Tunnels zur Verfügung, die Linie 22 und der Pendelbus für Fußgänger fährt auf dem nördlichen Teil in beiden Richtungen. Die beiden Fahrstreifen in der Fahrbahnmitte sind mit Baken abgesperrt. Fußgänger sind dort allerdings auch durchgelaufen, die Aufpasser an beiden Seiten des Binsbargs haben da wohl ein oder zwei Augen zugedrückt.

    Im Tunnel ist es leider überraschend nass, weil natürlich der ganze Niederschlag trotz Kanalisation dort reinläuft, es war also insgesamt eher ungemütlich. Inwiefern man dort Musik und so aufstellen darf, ohne dass die Polizei anrückt, müsste man wohl im Vorwege klären, Platz genug ist dort auf jeden Fall, wenn man sich Mühe gibt.

    Und obwohl es mir vollkommen fern liegt, mich jetzt über diese Sperrung zu beklagen, finde ich das insgesamt fast ein bisschen übertrieben. Nach meinem laienhaften Verständnis hätte man ja eine Hälfte des Tunnels für den Kraftverkehr und die andere für den Radverkehr reservieren können. Die jetzige Lösung finde ich zwar total faszinierend, aber ich mag einfach nicht glauben, dass Hamburg jetzt plötzlich eine Fahrradstadt ausgerufen hätte.

    Ich will mal versuchen, die Diskussion über den Elbradweg zu protokollieren. Solche Termine in den Ausschüssen sind eigentlich immer recht lehrreich und unterhaltsam und ich muss zugeben, dass mich eher die Neugierde über den dortigen Diskussionsstil treibt als ein tatsächliches Interesse am Radweg. Mal sehen, wie es wird — um 18.30 Uhr geht’s in der Jessenstraße 1 in Hamburg los.

    Ich bin unsicher — wollen wir uns dann morgen mit dem Binsbarg auseinandersetzen? Der Termin mit dem Elberadweg in Övelgönne wäre mir erstmal wichtiger: Platin-Diamant-Radweg in Hamburg

    Es formiert sich auch entschlossener Widerstand in einer facebook-Gruppe, wobei da auch nicht mehr ganz klar ist, ob man nun gegen den Vorschlag, gegen den ADFC oder gegen diese blöden Radfahrer ist. Das könnte tatsächlich ganz witzig werden heute Abend und solche Treffen wie damals vom Mühlenkamp glatt in den Schatten stellen.

    Wenn man die Aussage der Polizei hat kann es auch helfen mal anwesende Bauarbeiter anzusprechen ("Hallo, ich möchte bitte mal den verantwortlichen Bauleiter sprechen, laut Polizei ist die Beschilderung hier illegal").

    Das habe ich früher mal praktiziert und das ist absolut nicht mein Job. Das hat sicherlich eine Menge Gründe, aber wenn man da als Radfahrer auftaucht, wird man in der Regel eher nicht ernstgenommen. Und die ganzen Diskussionen über Verkehrszeichen, die Bauarbeiter ungefähr so gut verstehen wie der Rest der normalen Verkehrsteilnehmer, gebe ich mir nicht mehr. Da kommen dann solche Schätze raus wie „ [Zeichen 123] auf dem Radweg bedeutet Radfahrer absteigen“. Keine Lust.

    Sowas melde ich mittlerweile einfach der Polizei. Wenn die sich nicht zuständig fühlt, dann bekommt sie eben eine weitere Mail und ansonsten soll es halt so sein.

    Ach, süß! Selten so gelacht.Ist das denn in HH wirklich so?
    Hier tut die Behörde einfach nichts. Gar nichts.
    Und jede 10. Beschwerde bekomme ich mal eine nichtssagende Mail zurück, dass man sich das Problem zeitnah ansehen werde. Bußgelder werden zugegebenermaßen nicht verhängt. ;(

    Genau diesen Frust habe ich fünf Jahre lang drüben in Wedel erlebt, weswegen ich ja auch ganz emsig damals das so genannte Schilderwiki betrieben habe. Die Baufirmen klöterten die Verkehrsschilder einfach wild in der Gegend herum, in Einbahnstraßen darf man plötzlich in beide Richtungen fahren, nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer werden ohnehin nicht berücksichtigt und… naja, die Behörde interessiert’s halt nur mäßig.

    Hast du jetzt doch einen bzw. drei Aufstellorte gefunden? Und deine Geschicklichkeit zum Zusammenbauen gleich dazu? ;)

    Kommt Zeit, kommen Aufstellorte.

    @Malte 1? Ist bei dir am Fenster noch Platz frei? Vielleicht kriegen wir ja auch hier am Bureau an der Ost-West-Straße einen platziert. Und den dritten kann ich sicherlich einem Kollegen aus Barmbek andrehen.

    Zur Abgrenzung gegen VC und PC müsste noch eine griffige Formulierung für das Radfahren gefunden werden, wie es im allgemeinen in Kopenhagen oder Utrecht (usw.) praktiziert wird, also das Radfahren auf angemessenen in der Regel abgetrennten Verkehrswegen. Wegen des allgemeinem Trend nach Forderung von "protected bike lanes" würde auch eine Abkürzung "Protected Cycling" (PC) zutreffen, andernfalls ggf. Seperated Cycling (SC) oder besser vielleicht Comfort Cycling (CC) oder Dutch Cycling (DC)?

    Angesichts des Kontextes, in dem diese Begriffe Anwendung finden, ist das Radfahren in Kopenhagen doch auch einfach was mit PC.

    Parkdruck allerorten. Lösung: Gebühren erhöhen bzw. überhaupt erst einführen.


    (Ach ja: und vielleicht mal die Zahl der Parkplätze dem Bedarf anpassen?)

    Ich muss dabei immer an die lustige Diskussion mit ein paar facebook-Radfahrer vom letzten Frühjahr denken, als ich in meinem jugendlichen Leichtsinn vorschlug, man könnte doch mal ein ordentliches Fahrradparkhaus am Hauptbahnhof nachdenken. Neben nachvollziehbaren Argumenten wie „es gibt nur Einpendler, keine Auspendler in Hamburg“ oder „da ist gar kein Platz“ dominierte aber ein ganz anderer Aspekt die Debatte: Ein Fahrradparkhaus ist das Kennzeichen einer autogerechten Stadt.

    Schließlich könnte sich der Autoverkehr weiter ausbreiten, wenn Fahrräder ins Parkhaus verbannt werden. Stattdessen müssten Fahrräder das Straßenbild dominieren und drum vor dem Bahnhof angeschlossen werden.

    Naja.

    Sind denn die ppm-Angaben auf der airview.blueair.com/ - Seite ein internationaler Standard, der in Deutschland wenig gebräuchlich ist?
    Und würde es Sinn machen, auf der Luft jetzt - Seite die Werte in beiden Einheiten, also in Mikrogram/m³ als auch in ppm anzugeben?

    Öhm, mit meinem Physik-Leistungskurs vom Gymnasium sollte ich darauf eine fachliche Antwort geben können, aber… äh… „ppm“ als „Parts per Million“ gibt eben die Anzahl der Moleküle an, während Mikrogramm pro Kubikmeter eine Masse angibt. Beides signalisiert den Anteil des Schadstoffes.

    Bei dem ganzen Gemaule über die Fahrradmitnahme in der Bahn darf man nicht vergessen: Als Radfahrer tut man sich den Kram ja einigermaßen freiwillig an. Ich könnte meine Fahrt auch ohne Fahrrad antreten, wäre dann am Ziel vielleicht nicht wie gewohnt mobil, aber ich käme schon irgendwie zurecht.

    Heute wurde mir dann wieder einmal deutlich, dass man als Rollstuhlfahrer diesen Komfort nicht hat.

    Los ging’s unten an der Stadthausbrücke, wo ein Rollstuhlfahrer recht hilflos vor dem defekten Aufzug stand. Offenbar konnte er auch nicht besonders gut sehen, jedenfalls war ihm die Lampe, die den Defekt signalisierte, nicht aufgefallen. Er war Tourist, wollte zum Michel, hing aber nun im Tiefbahnhof fest.

    Nun kann man dem HVV vieles vorwerfen, aber er hat eine für meine Begriffe sehr genaue Anzeige, welche Aufzüge gerade in Betrieb sind:

    Dort wird sogar aufgelistet, ob die Tasten in tastbarer Blindschrift dargestellt sind — das macht auf mich als Sehenden durchaus Eindruck, ob das den Ansprüchen eines Blinden genügt vermag ich natürlich nicht zu beurteilen. Jedenfalls war der Aufzug an der Stadthausbrücke — Überraschung! — als defekt gekennzeichnet, während der an den Landungsbrücken funktionieren sollte.

    Ich wusste bis dahin noch gar nicht, dass die Landungsbrücken mittlerweile mit einem Aufzug ausgestattet war, aber wenn die App das sagt, dann wird das wohl stimmen. „Just take the next train in this direction“, flötete ich in meinem schönsten Englisch, bis mir auffiel, dass der Mann anschließend gefühlte fünfhundert Meter den Berg hochrollen müsste. Das war sicherlich nicht in seinem Sinne.

    Und nun? Zurück zum Jungfernstieg und von dort zurück zum Michel rollen dürfte ungefähr genauso anstrengend sein… äääh, ach, am Jungfernstieg ist nur die U2 per Aufzug erreichbar, aber nicht die S-Bahn? Meine Fresse. Zurück zum Hauptbahnhof und von dort rollen? Nee, bestimmt nicht. Aber am Hauptbahnhof könnte er in die U3 umsteigen und bis St. Pauli fahren. Das ganze Hin und Her nähme etwa anderthalb Stunden in Anspruch, aber dann wäre er am Michel, der hat übrigens einen Aufzug und zwar schon ziemlich lange.

    Die Rettung kam dann in Gestalt zweier kräftiger Männer, die anboten, ihn die Rolltreppe hochzukarren und oben die letzten beiden Treppen von der Verteilerebene zur Straße zu tragen. Puh, gerade noch gutgegangen. Im Ernst: Sonst hätte ich ihn von den Landungsbrücken bis zum Michel den Hügel hochgeschoben. So viel Nächstenliebe muss sein.

    So. Einige Stunden später stand ich mit meinem Rad am Gleis 6 im Hauptbahnhof und wartete auf den RE 70 nach Kiel. Zuvor bummelte da aber die RB 81 nach Bargteheide herum und ein weiterer Rollstuhlfahrer sprach mich an, ob ich für ihn die „Hilfe-Taste“ am Zug drücken könnte. Bei den Doppelstockwagen gibt’s vorne im Steuerwagen ausfahrbare Rampen neben dem Mehrzweckabteil und mit Drucktastern neben der Tür kann man sich Hilfe anfordern, damit jemand diese Rampe bedient. Dumm nur, dass zwischen Wagen und Bahnsteig ein recht breiter Spalt war und der Rollstuhlfahrer nicht an die Taste kam.

    Kein Problem, das mache ich für ihn und damit nahm das Drama seinen Lauf: In Bargteheide hält die RB 81 am Gleis 1 (oder nicht am Gleis 1?), dort stünde die Rampe aufgrund des niedrigen Bahnsteiges so steil, dass sie aufgrund der Unfallgefahr nicht eingesetzt werden darf. Ihm wurde dann vom Zugbegleiter der Plan unterbreitet, mit dem RE 80 nach Bad Oldesloe zu fahren und von dort zurück nach Bargteheide. Allein dieser Umweg ist schon eine Zumutung, aber: Der RE 80 hält am Bahnsteig, an dem der Aufzug laut der HVV-Anzeige defekt ist. Ging also nicht. Tja, und nun? Es wurde sondiert, welcher Zug denn als nächstes in Bargteheide nicht am Gleis 1 hält oder in Hamburg nicht am Bahnsteig 7 abfährt, aber so richtig kam da nichts zustande. Wenn ich das richtig mitbekommen habe, nahm der arme Mann dann ein Taxi.

    So. RE 70. Die Rampe war… defekt:

    Und draußen wartete ein Rollstuhlfahrer, der gerne von Hamburg nach Kiel fahren wollte. Der Plan war, dass der Rollstuhlfahrer mit der S-Bahn bis zum Bahnhof Dammtor fährt, dort den Bahnsteig wechselt und nach somit insgesamt vier Fahrten mit dem Aufzug an zwei verschiedenen Bahnhöfen dann über die andere Seite des Zuges ins Mehrzweckabteil rollt. Im Bahnhof Dammtor gibt es einen Mittelbahnsteig, da hält die Bahn an der rechten Seite, da passt das wieder. Das war allerdings in der verbleibenden Viertelstunde nicht mehr zu schaffen. Immerhin waren dort die Aufzüge in Betrieb, das hatte ich mittlerweile in Erfahrung gebracht.

    Dass wir den Mann einfach so über die Lücke zwischen Wagen und Bahnsteig in den Zug hievten kam aber aus Versicherungsgründen nicht in Frage. Ich kann zwar die Begründung mit der Versicherung nachvollziehen — am Ende kippt der Rollstuhl um, der Mann wird schwer verletzt und niemand will’s bezahlen —, aber dass man keinen Rollstuhl über eine Lücke von vielleicht dreißig Zentimetern heben dürfe, das wollte mir nicht in den Kopf.

    Dann wurde die S3-Zentrale angerufen, damit jemand käme und diesen Hubwagen zur Verladung von Rollstühlen bringe. Das geht aber auch im Jahre 2017 nicht binnen einer Viertelstunde, also machte sich der Zugführer bereit, schon mal eine verspätete Abfahrt zu melden, die dann aufgrund des straffen Fahrplanes für Folgeverspätungen sorgen würde. Dann fiel ihm ein: Halten wir in Kiel denn eigentlich an der richtigen Seite?

    Die Leute mit dem Hubwagen waren hingegen schon am Bahnsteig 7 gut beschäftigt, denn da waren offenbar mehrere mobilitätseingeschränkte Fahrgäste ausgestiegen, die nun irgendwie vom Bahnsteig hin die Wandelhalle gebracht werden mussten.

    Der Rollstuhlfahrer am RE 70 saß dann doch plötzlich im Mehrzweckabteil. Da ist drei Mitmenschen mit Muskeln im Arm endgültig der Kragen geplatzt, so dass die Sache auf dem kurzen Dienstweg geregelt wurde.

    Dagegen sind die ganzen Probleme, die ich mit meinem Fahrrad in der Bahn habe, ungefähr gar nichts. Vielleicht sollte ich das hin und wieder mal bedenken.

    Die "Konversation" ist schon länger wieder weg. Du darfst es gern für fahrradstadt.hamburg verwenden.

    Super, danke!

    Bezüglich „es tut sich was“ und „Falschparker“ noch mal ein schönes Beispiel von gestern Abend:

    Ein Radling hat sich sogleich beim Vorbeifahren gemault, weil er an dem Fahrrad hängengeblieben ist, das dort vorne ins Lichtraumprofil des Radweges ragte. Soweit ich das gesehen habe, hat der Typ nicht mal seinen Lastkraftwagen entladen, sondern nur jemanden abgeholt? Weiß nicht. Jedenfalls total sinnlos geparkt: Der rechte Fahrstreifen ist eh komplett blockiert, aber damit der Radverkehr auch gestraft wird, steht man noch halb auf dem Radweg?