Beiträge von Malte

    19.45 Uhr

    Jemand von den Grünen spricht.

    Undeutlich.

    Es geht wohl irgendwie um die Historie solcher Bürgerentscheide am Beispiel IKEA.

    So. An Frau Petersen gerichtet: Das Gesetz sähe nach dem IKEA-Desaster vor, eine Abstimmung in einem Bürgerentscheid vorzuziehen. Das wäre sinnvoll, um nicht im Herbst einen zweiten Bürgerentscheid durchführen zu müssen. Man wisse auch nicht, wovor man eigentlich Angst habe, schließlich entscheide der Bürger und das Ergebnis wäre zu akzeptieren.

    19.33 Uhr

    Jemand von der SPD (?) spricht.

    Der auslösende Faktor für diese Planung wären andauernde Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgänger gewesen. Im Jahr 2012 habe man eine Planung in Auftrag gegeben, die fünf Jahre später wieder aufgetaucht wäre.

    Man habe aber auch die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen: Oh Gott, das könne man ja nicht machen. Die entsprechenden Abbildungen aus den Lokalzeitungen wären aber bei der Entscheidungsfindung nicht hilfreich gegeben.

    Man habe sich aber dafür entschieden, die Planung nicht wegzuwerfen, sondern weiterzudenken. Man habe eigentlich eine öffentliche Anhörung geplant, um Pro und Kontra abzuwägen.

    Man verstehe bis heute nicht, warum man diesen Prozess nicht habe laufen lassen, sondern einen Bürgerentscheid herbeiführe, dass das alles nicht ginge. Gelächter. „Wir wollen keine Veränderung!“

    Es wäre ärgerlich, dass anschließend alle Anträge der Grünen zu dieser Thematik mit großer Mehrheit dieses Hauses abgelehnt worden wären. „OOOOOOOOOCH!“

    Undeutlich.

    Also habe man sich gefragt: Was machen wir an dieser Stelle, was gehen wir damit um? Auch die anderen Fraktionen hätten keine Vorschläge gemacht, wie man mit diesem Thema umgehen solle oder was mit dem zweiten Bürgerbegehren passieren solle. „Es gibt kein zweites Bürgerbegehren!“ Es wäre auch offen geblieben, was mit den ganzen Vorschlägen der Bürger zum Strand passieren solle.

    Undeutlich.

    Man habe darum den Antrag eingebracht, die Situation für den Radverkehr am Elbstrand zu verbessern.

    Außerdem solle man dem Bezirksamt die Möglichkeit einräumen zu überprüfen, ob man rechtlich und technisch und haushaltsmäßig möglich wäre, dort einen Radweg zu bauen. Das wäre der Kompromissvorschlag gewesen, der aber von allen anderen abgelehnt worden wäre.

    Man könne dem Bürgerbegehren nicht beitreten, weil man… Wutgebrüll, Applaus!

    Wie provinziell und innovationsfeindlich wäre denn dieser Bezirk? In aller möglichen Art und Weise gäbe es an Nord- und Ostsee Pro… „ABER DA DARF MAN KEIN RAD FAHREN“

    In Büsum habe man einen Weg gefunden, wie man mit dem Rollstuhl an den Strand fahren könne. Warum wäre dieser Bezirk nicht Willens und in der Lage, wenigstens darüber nachzudenken?

    Jemand anderes spricht über die Tide. Undeutlich, Applaus.

    SPD (?): Inhalt des Antrages wäre zu prüfen, ob es geht oder nicht. Wenn es nicht geht, dann nicht. „ES GEHT NICHT!“

    Es wäre besser, bei einem Bürgerentscheid beide Positionen abzustimmen, um die Meinung aller Bürger abzubilden. Das wäre der Inhalt des Antrages von SPD und GRÜNEN. Man wisse nicht, wo denn das Problem wäre, wenn doch ohnehin wie „Elbstrand retten“ ausführt, die Mehrheit gegen einen solchen Weg wäre. Warum täten sich die anderen Fraktionen so schwer damit, auch die Gegenposition zur Abstimmung zu bringen?

    Man möge darum den Antrag beschließen und den Bürger entscheiden lassen.

    19.23 Uhr

    „Elbstrand für alle“ spricht nun.

    Diskussion darüber, ob es sich um ein Bürgerbegehren oder das Privatvergnügen der Grünen handle.

    Die Vorstellung der „Elbstrand für alle“ ist leider kaum zu verstehen. Es wäre schön, wenn die Elbstrand-Retter das künstliche Husten und Zwischenrufe einstellen könnten.

    „Elbstrand für alle“: Man habe verhindern wollen, dass die anfänglichen Planungen zum Elbstrand-Radweg gleich wieder in der Schublade verschwinden sollten. Man habe es vollkommen abstrus gefunden, einen solch breiten Radweg dort anzulegen. Niemand hätte die Absicht gehabt, dort eine „Fahrradautobahn“ anlegen zu wollen. Das Gegenteil wäre der Fall, dort führe man in einem gemächlichen Tempo. Es ginge um einen Lückenschluss des internationalen Elberadweges, dort führen sicherlich einige hundert Radfahrer pro Tag entlang. Gelächter, Zwischenrufe.

    Es ginge aber gar nicht primär um Radfahrer, sondern auch um Besucher, die zu Fuß unterwegs… Gelächter.

    Zwischenfrage zur Geschäftsordnung von Herrn Ziegert. Es müsse ein ordentliches Verfahren gewährleistet werden. Diskussion.

    „Elbstrand für alle“: Es gäbe ganz klar Interessengruppen, die es begrüßen würden, wenn es einen drei Meter breiten Weg dort gäbe, weil es entlang der Kapitänshäuser oft eng wäre. Gelächter. Eine Breite von drei Metern wäre vollkommen ausreichend. Man habe morgens einmal mehrere hundert Radfahrer pro Stunde dort auf dem Weg zur Arbeit gezählt. Gelächter. Man wäre mit einigen ins Gespräch gekommen. Dort unten am Strand wäre die perfekte Route. Niemand habe vor, den Strand in Mitleidenschaft zu ziehen. „Auf dem fliegenden Teppich oder was?“

    Der Strand in Hamburg wäre wunderschön, aber nicht der einzige in Hamburg. Frau Petersen habe eben vorgeschlagen, den Weg durch den Jenischpark zu legen. Das wäre aber auch ein Naherholungsgebiet. Applaus, recht undeutlich.

    Man strebe ein ganz normales Miteinander an, wie es auf dem übrigen Wegen nach Wedel oder Bergedorf funktioniere. Natürlich müsse eine kreative Lösung gefunden werden, die nicht bei der ersten Flut weggeschwemmt werde. Darum müsse man jetzt die Pläne weiter verfolgen und die verschiedenen Interessen gegeneinander abwiegen. „Fliegende Teppiche für alle!“, „So ein Unsinn.“

    Man habe Alltagsradler und Pendler, die vor allem morgens dort entlangführen und viele Touristen, die sich auf dem schmalen Weg bei den Kapitänshäusern die Füße plattträten. Das Thema werde nicht entschieden, indem man sich gegen einen Strandweg entscheide. Hamburg wäre eine wachsende Stadt, die Zahl der Gäste am Elbstrand zeige, der Radverkehrsanteil steige, das Thema werde sich weiter zuspitzen.

    Applaus, Buh-Rufe, „ABWÄHLEN! AB-WÄH-LEN!“

    Ermahnung vom Vorsitzen: Es wäre schön, wenn Angehörigen des „Elbstrand retten!“ von „Buh“-Rufen absehen könnten, schließlich habe „Elbstrand für alle“ die vorige Rede auch nicht unterbrochen.

    „HALTS MAUL!“, „DAS IST KEIN BÜRGERBEGEHREN!“

    Mittlerweile werden auch potenzielle Befürworter des Elbstrand-Radweges angemault. Es wird echt unangenehm.

    19.06 Uhr

    Klingeling! Geht es jetzt weiter?

    19.07 Uhr

    Nö.

    19.08 Uhr

    Doch.

    Es soll so fortgefahren werden, wie es sich vorhin abgezeichnet hätte. Den Zuschauern wird jetzt die Gesetzeslage erklärt.

    Das Gesetze sehe vor, dass man mehrere Bürgerbegehren zusammenfassen könne. Es wäre vernünftig, wenn beide Bürgerbegehren die Möglichkeit bekämen, sich jetzt hier vorzustellen.

    Herr Ziegert wird zur Ordnung gerufen, er bemängelt, dass „Elbstrand für alle“ nicht eingeladen worden wäre. Wutgebrüll auf dem Balkon.

    Abstimmung: Sollen beide Bürgerinitiativen die Möglichkeit bekommen, sich darzustellen?

    Rot-Grün stimmt zu, die Linke lehnt ab, CDU und AfD enthalten sich.

    Erneute Unterbrechung, um etwas aus der Geschäftsordnung zu besprechen.

    Los geht’s.

    Über 13.000 Altoaner Bürgerinnen und Bürger hätten binnen weniger Wochen ihre Stimme gegen einen Radweg am Elbstrand gesammelt. Das Bürgerbegehren „Elbstrand für alle“ habe noch nicht einmal eine Sperrwirkung erreicht! Nun sollten beide Initiativen zusammengelegt werden!

    Was hielten Ihre Wählerinnen und Wähler von solchem Verhalten?

    „Schiebung!“, lauter Applaus.

    Man stehe hier für 13.000 Bürgerinnen und Bürger und werde heute Abend nicht gehört, weil man überlege, ein Bürgerbegehren mit sehr viel weniger Stimmen… lauter Applaus

    Warum wäre der Erfolg von „Elbstrand retten“ so groß?

    Der Elbstrand wäre einer der wichtigsten Naherholungsgebiete der Stadt. Er erfülle das Erholungsbedürfnis der Bürger, die hier leben, hier fänden Bürger Entspannung. Hier gerade hätte man seine Ruhe vom Verkehr, hier wäre nichts anderes als Wasser, Sand, Ruhe und der fehlende Stress der Großstadt drumherum. Wir Hamburgerinnen und Hamburger bräuchten diesen Strand, auf dem das Tempo der Großstadt nicht hinreicht. Ein Radweg würde diesen Strand zunichtemachen.

    Die Bedeutung des Strandes wäre unglaublich groß. Es wäre in der Verantwortung der Bezirksversammlung, diesen Elbstrand zu retten. Die Versammlung möge diese Verantwortung ernst nehmen und den einmaligen Charakter bewahren. Nicht nur die Hamburgerinnen und Hamburger liebten die Elbstrand, der in jedem Reiseführer empfohlen wurde, sogar die New York Times habe ihn zu einem der zehn schönsten Orte Europas gekürt.

    Zur Entstehung des Bürgerbegehrens. Auslöser war der Plan der Grünen, einen 5,9 Meter breiten Radweg für zwei Millionen Euro auf den Elbstrand zu bauen. In Auftrag gegeben wäre diese Planung von den Grünen gegeben worden, die ihre Meinung häufiger mal änderten, mit Unterstützung der SPD. Man habe binnen vier Wochen 13.000 Unterschriften gesammelt.

    Die Grünen hätten schon mehrfach versucht, einen Radweg am Elbstrand zu bauen. Das wäre nach wie vor nicht möglich, wegen der Topographie, der Eigentumsverhältnisse und der Tide. In den letzten Tagen habe es jeden Tag Überflutungen gegeben. Im Namen von 13.000 Menschen: Hören Sie auf mit diesen Planungen!

    Natürlich wollte man den Grünen das Denken und Planen nicht verbieten, aber ein Radweg auf dem Elbstrand werde immer die massive Beschädigung eines einmaligen Naherholungsgebietes darstellen. Unabhängig von den Kosten und der technischen Machbarkeit: Lassen Sie den Strand Strand sein.

    Man wäre das Sprachrohr für über 13.000 Menschen, die keinen eigenen Balkon hätten und sich stattdessen am Elbstrand entspannten. Viele dieser Menschen hätten kein Auto und könnten Hamburg nicht verlassen. Man möge stattdessen die Sitation für Radfahrer ganzeinheitlich in Hamburg verbesserten, man wäre kein Verhinderer: Was man am Elbstrand nicht umsetzen könne, solle man stattdessen an der Elbchaussee, am Jenischpark und weit darüber hinaus umgesetzt werden.

    Viele Mitglieder des Begehrens wären Radfahrer sowie potenzielle und ehemalige Wähler der Grünen. Undeutlich.

    Noch einmal: Man möge das Bürgerbegehren übernehmen. Wenn man das nicht könne, solle man die Bürger entscheiden lassen, allerdings in einem fairen Bürgerentscheid.

    Undeutlich.

    Man werde auch die nächsten Planungen eines Radweges am Elbstrand verhindern. Stattdessen solle man gemeinsam auf die Suche nach Lösungen für Verbesserungen für Radfahrer, für die Fahrradstadt Hamburg suchen.

    Tosender Applaus.

    Nochmal der Wortlaut des Antrages von Rot-Grün:

    Für die Wartezeit während der Besprechung des Ältestenrates hier ein lustiges Katzenvideo:

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    18.29 Uhr

    Die Wortmeldungen der Bezirksversammlung sind leider kaum zu verstehen. Es geht offenbar um die Terminierung einer Sondersitzung für den Donnerstag, den 13. Juli.

    Antrag angenommen.

    Man könnte der Diskussion besser folgen, wenn das Publikum etwas ruhiger wäre.

    Jemand bemängelt, es wäre Quatsch, heute über den Elbstrand abzustimmen, wenn in 14 Tagen eine Sondersitzung anberaumt werde.

    Man könne aber beides abstimmen, was auch immer das heißen soll.

    Jetzt soll die Initiative „Elbstrand retten“ ihr Vorhaben vorstellen. Anschließend soll die Initiative „Elbstrand für alle“ sprechen.

    Zuvor aber eine Diskussion darüber, ob diese Vorstellung jetzt oder in 14 Tagen stattfinden solle.

    Nun wird gefragt, ob die Initiative „Elbstrand für alle“ auch sprechen könne, da offenbar Vertreter der Initiative anwesend wären. Lautstarke Diskussion im Plenum darüber, ob jene Vertreter sprechen dürften, weil sie nicht eingeladen wären, sondern nur die Vorstellung der Initiative „Elbstrand retten“ vorgesehen wäre. Es gibt Ordnungsrufe.

    Derweil bricht auf dem Balkon hemmungslose Wut aus: „Die haben doch überhaupt keine Unterschriften!“, „DAS IST ALLES EINE UNVERSCHÄMTHEIT WIE DAS HIER ABLÄUFT, DAS WISSEN SIE SCHON! DIE HABEN DOCH GAR KEINE STIMMEN! DIE HABEN GAR KEINE ARGUMENTE!“, „DIE HABEN KEINE STIMMEN, KEINE STIMMEN! ALLES GEFÄLSCHT!“, „ABWÄHLEN! ABWÄÄÄÄHLEN!“

    Unterbrechung der Sitzung, der Ältestenrat (?) berät sich. Es ist kaum möglich, der Sitzung angesichts der wütenden Geräuschkulisse zu folgen.

    18.20 Uhr

    Es geht los.

    Es wird erstmal aufgezählt, wer Bild- und Tonaufnahmen angemeldet hat.

    Die Lautsprecheranlage ist oben auf dem Balkon leider kaum zu verstehen.

    Die Tagesordnung wird neu sortiert, einige Punkte werden nach vorne gezogen, andere gestrichen.

    Zu TOP 3: Es soll zunächst eine Sondersitzung der Bezirksversammlung anberaumt werden, auf dem sich schwerpunktmäßig mit diesem Thema befasst werden soll. Darüber soll abgestimmt werden. Falls dieser Antrag keine Zustimmung findet, soll der Antrag der SPD und GRÜNEN abgestimmt werden.

    „Buuuuh“, „Was soll das denn?“, „ABWÄHLEN“, „EIN SCHMUH VON DEN GRÜNEN“, „PFUI!“

    Es wird erklärt, dass das der gesetzliche Weg wäre, der Rest ist leider undeutlich und geht im Wutgebrüll unter.

    Gleich fliegen die Fäuste. Jemand hisst ein Banner an der Brüstung, andere halten Plakate hoch. Andauerndes Wutgebrüll.

    17.17 Uhr

    Heute mal nicht mit dem Rad, sondern mit dem Bus fahren. Nicht dass ich den Pro- oder Kontra-Elbstrand-Aktivisten zutraute, die Schrauben an der Vorderradnabe ein bisschen zu lösen, nö, aber ich habe keine Lust, mein herzallerliebstes Schneeweißchen zwischen irgendwelchen Schrotträdern am Rathaus Altona zu parken. Man weiß ja nie.

    Außerdem hat es ja Stil, mit der Linie 112 direkt zum Elbstrand zu düsen.

    17.40 Uhr

    Der Busfahrer weiß nicht so richtig, wo er halten soll, weil am Bahnhof Altona eine Fahrkartenkontrolle im Gange ist. Ein Kontrollör greift nach meinem Smartphone und wird ärgerlich, weil ich es nicht loslassen möchte, ich werde ärgerlich, weil er nicht aufhört zu ziehen. Ähm, nein, sorry, ein Smartphone, auf dem geschäftliche E-Mails gespeichert sind, gebe ich bestimmt nicht einem Kontrollör in Zivilkleidung. Da hört bei mir der Spaß auf. Dann der nächste Ärger: Ich habe nur eine Einzelkarte für eine Fahrt im Nahbereich, die ja eigentlich für eine Fahrt von St. Pauli bis zum Rathaus Altona ausreichen sollte. Das weiß der Kontrollör aber nicht und wird noch ein bisschen ärgerlicher, während ich mein Smartphone noch immer nicht aus der Hand geben möchte.

    Gut, kann ja mal passieren. Den kompletten Kram mit Nahbereich und Kurzstrecke und so weiter und so fort kann man nunmal nicht komplett im Kopf haben.

    17.50 Uhr

    Oh, es wird voll. Bild und Tonaufnahmen müssen zuvor beim Chef angemeldet werden, heute nimmt man oben auf dem Balkon Platz. Nach einer vorsichtigen Schätzung sind die Befürworter eines wie auch immer gearteten Strandweges momentan in der Überzahl.

    18.15 Uhr

    Jemand ruft „Anfangen“, es wird ungeduldig geklatscht. Vielleicht verwechseln die Zuschauer eine Bezirksversammlung mit einer Show, bei der man irgendwann „Geld zurück“ brüllen kann. Das Benehmen der Zuschauer lässt jedenfalls nicht nur in Hamburg-Nord zu wünschen übrig.

    Andere haben Schilder und Plakate dabei — auch das ist eher ungewöhnlich.

    18.17 Uhr

    Grund für die Verzögerung ist offenbar ein Antrag, der noch von SPD und GRÜNEN vorbereitet und kopiert werden musste:

    Für den Radverkehr sind heute die Punkte 3 und 7.9 der Tagesordnung relevant.

    Jemand ruft „An-fan-gen! An-fan-gen!“

    Kurzer Zwischenstand.

    Angeblich der Traum vieler Radfahrer: Einfach mal unter dem Lastkraftwagen liegen. Hier wird’s möglich:

    Total super auch, wie sich dadurch jetzt Radfahrer und Fußgänger durch die verbliebene Engstelle kämpfen dürfen.

    Ebenso gelungen ist die Sperrung für die Auffahrt auf die Nebenfahrbahn. Zwei laminierte Pfeile deuten nach rechts, man soll jetzt also irgendwie durch die Menschenmenge kampfradeln. Und dann wundert man sich, warum das Miteinander zwischen Radfahrern und Fußgängern so schlecht funktioniert?

    Einen Link, der direkt das Bild erzeugt ist leider nicht möglich. Ist das gewollt? Aber andere Nutzer schaffen es doch auch, Bilder hochzuladen. Was muss ich tun?

    Moment, willst du Fotos ins Forum hochladen oder aus dem Beitrag heraus Fotos verlinken?

    Am Freitagabend ging’s um 20.21 Uhr mit dem RE 70 von Hamburg nach Kiel.

    Gegen 19.50 Uhr war ich noch der einzige in dem halbierten Mehrzweckabteil, um 20.15 Uhr rollten plötzlich vier Kinderwagen heran.

    Tjoa.

    Vier Kinderwagen bedeutet vier Kleinkinder mit insgesamt acht Begleitpersonen. Die Fahrt nach Kiel verbrachte ich dann stehend, weil es mir am notwendigen Mumm fehlte, den jungen Eltern auf die Nerven zu gehen. Ist ja auch irgendwie blöd: Man kann schlecht das Kind allein im Kinderwagen lassen und den ganzen Hausrat inklusive Kind im Doppelstockwagen herumzutragen ist genauso unsinnig. Aber hey, soviel dann zu den elf Fahrrädern, die in dieses Mehrzweckabteil passen sollten.

    Und ein ganz herzliches Dankeschön auch an die Bediensteten der DB Sicherheit, die mir vorsichtshalber schon mal erklärten, dass ich mich mit dem Rad nicht im Türraum aufzuhalten hätte — nur rein vorsichtsmäßig, versteht sich.

    Montagmorgen ging’s um 6.21 Uhr zurück, sogar in einem „doppelten Mehrzweckabteil“. Die eine Hälfte war um 5.55 Uhr schon von Fußgängern bevölkert, die andere Hälfte komplett leer, also machte ich es mir dort bequem, mein Fahrrad lehnte ich einfach quer zur Fahrtrichtung an die Rückwand der Toilette, so blockierte ich insgesamt gar nur zwei Klappsitze. Ich finde, da kann man bei einem Mehrzweckabteil echt nicht meckern.

    In das vordere Abteil drängelten sich noch vier (?) Radfahrer hinein, was einige Wortgefechte verursachte („Kannst du mit deinem Scheißrad nicht fahren?“), aber das war nicht mein Problem, ich hielt mich fein heraus. Es verirrten sich dann ein paar der Fahrgäste auf die meine Seite des Mehrzweckabteils, keiften weiter, stiegen aber in Neumünster aus, so dass ich wieder ganz allein war, während man sich auf der anderen Seite mit vier Fahrrädern und mindestens zwei Kinderwagen arrangierte. Das war wohl eine ganz lustige Runde, ich hätte sicher viel lernen können.

    Dann Einfahrt nach Elmshorn gegen 7.11 Uhr. Vor dem Halt im Bahnhof stolpert einer der fahrradlosen Fahrgäste in meine Hälfte des Mehrzweckabteils hinüber und quittiert meine Anwesenheit mit „noch so einer!“. Er setzte sich dann demonstrativ direkt neben mich, Manspreading inklusive, Donnerwetter, und das in seinem Alter. Am Bahnhof stolperten dann Dutzende Pendler ins Abteil, der Fahrgast von eben bemängelte, dass ich mich ja ganz schön breitmachte, ob ich denn nicht sehen könnte, dass die Menschen sitzen wollten, zwei weitere Fahrgäste stimmten mit ein und weil ich echt keine Lust auf diese Diskussionen hatte (und auch nicht von der DB Sicherheit in Elmshorn ausgesetzt werden wollte), überließ ich den Typen meinen Platz, sollen sie halt dumm herumkrakelen. Ich habe einfach nicht das notwendige Nervenkostüm, um mich alleine diesen Diskussionen zu stellen, schon gar nicht, wenn man drei vor Tatendrang sprühenden Männern gegenübersteht, die mein Bike auch ruckzuck auf den Bahnsteig schmeißen könnten.

    Dann ging die lustige Fahrt los uuuuuuuuuuuuund… Trommelwirbel: Lokschaden! Zwei Wagenlängen hatten wir ungefähr geschafft.

    Die Stimmung war am Kochen! Der nervige Manspreader von vorhin fettete sich seine feine Hose an meinem Fahrrad ein, weil er plötzlich aufstand und zum Steuerwagen hastete, was leider total sinnlos war, weil sich der Steuerwagen hinten befand und er dort keinen Gesprächspartner finden würde, aber immerhin war der Platz jetzt frei und ich pflanzte mich wieder. Ein paar Fahrgäste kamen auf die Idee, schnell in die Nordbahn nach Hamburg zu hüpfen, die noch gegenüber herumstand, dann gab’s eine Durchsage, diese Bahn führe nicht weiter, man solle in ebenjene Nordbahn steigen und so ergossen sich sieben (?) Doppelstockwagen in einen sechsteiligen FLIRT. Da passte nicht mal die Hälfte der Fahrgäste hinein, mit meinem Fahrrad habe ich es gar nicht erst versucht.

    Kurz darauf kam die nächste Nordbahn, Gottseidank standen wir ja in Elmshorn und nicht in der Provinz, der Rest der Fahrgäste stieg ein und düste Richtung Altona davon.

    Das Personal der Regionalbahn Schleswig-Holstein bemühte sich sichtlich nach bestem Wissen und Gewissen, mich inklusive Fahrrad nach Hamburg zu schaffen, aber insgesamt nervten die Ratschläge mehr als sie nutzten.

    In die Nordbahn einsteigen? Auf keinen Fall, die lynchen mich dort.
    Mit dem Rad nach Hamburg fahren? Theoretisch kein Problem, aber zweieinhalb Stunden Fahrt kamen terminlich heute nicht in Frage, außerdem baute ich darauf, mit irgendeinem Doppelstockwagen-Zug weiterfahren zu können.
    Mit dem Rad bis Pinneberg fahren, dort in die S-Bahn steigen? Ja, wäre machbar, aber die Sperrzeiten in der S-Bahn verbieten bis neun Uhr die Fahrradmitnahme.

    So blieb ich allein im Fahrradabteil zurück und wartete auf den nächsten RE 7 Richtung Hamburg. Der rollte gegen 7.48 Uhr herein, pfff, dass im winzigen Mehrzweckabteil lauter Fußgänger saßen, fiel im Endeffekt dann auch nicht mehr ins Gewicht.

    Zum alten Elbtunnel, von dem ja dieses Schild momentan die Runde macht:

    Auf facebook hat jemand bei der zuständigen Behörde nachgefragt, was es mit dieser Sperrung des alten Elbtunnels auf sich hat und es scheint sich wohl tatsächlich um Wartungsarbeiten zu handeln, die man in das „verkehrsarme Wochenende“ des G20-Gipfels gelegt hat.

    Nun liegt es mir eher fern, mit der Hamburger Polizei oder mit dem G20-Kram zu sympathisieren, aber ich halte es unabhängig von Wartungsarbeiten tatsächlich nicht für verkehrt, den Tunnel zu sperren: Wenn irgendjemand der gewaltbereiten Protestler, von denen ja angeblich 10.000 (?) erwartet werden, dort unten Dummheiten macht, halte ich den alten Elbtunnel für eine größere Falle als die Love-Parade in Duisburg ihrer Zeit. Ich weiß nicht — dann lieber komplett dichtmachen und in der Zeit irgendwelche Wartungsarbeiten durchführen.

    Es mag natürlich auch sein, dass die Hamburger Polizei damit Demonstrationen auf der Südseite der Norderelbe ärgern möchte, aber das halte ich… naja, für nicht ganz so abwegig, aber ein bisschen abwegig. Keine Ahnung. Mag sein, dass den Beamten das ganz recht ist.

    Noch mal komplett und in Farbe.

    Westliche Seite. Hier gilt meines Erachtens § 10 StVO beim Einfahren auf die Fahrbahn. Und ich wundere mich auch, wie man über diese Mittelinsel dort hüpfen soll, um den Radweg zu erreichen, in Richtung Busbahnhof wird man schließlich unsanft vom [Zeichen 267] gestoppt. Einmal oben um die Mittelinsel herumkreiseln? Das wird bestimmt super.

    Hier wacht noch unser Freund und Helfer, leider aber nicht über die Einhaltung irgendwelcher Verwaltungsvorschriften:

    Ich bleibe dabei: Es kann nur ein Scherz sein. Geht halt einfach nicht: An einem Tag einen komischen Radweg in die Gegend pinseln, am nächsten Tag dort drauf ein Volksfest abhalten. Geht einfach nicht. Es mag ja verwaltungsmäßig total gute Gründe für diesen Zeitplan geben, aber man fühlt sich als radfahrender Verkehrsteilnehmer einfach nur verarscht.

    Weg durch den Taxistand hindurch. Man hat sogar das Kopfsteinpflaster wegasphaltiert — Donnerwetter!

    Blick von der anderen Seite. Hier soll man also einfach locker den Bordstein hoch- oder herunterkraxeln. Für unsereins mit leichtem Fahrrad sicherlich kein Problem, mit Anhänger oder Lastenrad schön blöder, abgesehen davon darf man auf dem Hochbord theoretisch nur schieben:

    Andere Seite des Taxistandes:

    Natürlich werden dort Taxis auf dieser Zufahrt stehen. Und ich kann auch den Unmut der Taxifahrer vollkommen nachvollziehen: Die sollen dort Fahrgäste aus dem Bahnhof aufnehmen, anschließend weiter hinten wenden. Deren bislang gegen Radfahrer und Fußgänger abgesicherter Wendehammer ist nun plötzlich in einen Radweg verwandelt worden, bei dem gefährliche Situationen quasi programmiert sind. Das ist für alle Verkehrsteilnehmer total blöd.

    Abgesehen davon halte ich nach wie vor an allen Übergängen zwischen Radweg und Fahrbahn § 10 StVO für einschlägig.

    Weiter geht’s Richtung Osten. Hier krankt der Radweg an dem Jungfernstieg-Problem, weil Fußgänger darauf herumlaufen und Musik gespielt wird.

    Vielleicht mal was positives: Die Ampelanlage über die Max-Brauer-Allee ist bereits für den Radverkehr gerüstet:

    Es ist halt auch einfach die reine Geilheit in Hamburg: Ein Radweg muss tun was ein Radweg tun muss.

    Also im Ernst: Was soll man dazu noch sachliches äußern? Kommt da jetzt der Bautrupp an und sagt „Oh, ein Radweg, lass mal eine Traverse in Kniehöhe draufpacken?“ Wenigstens hat man dem Ding noch drei Leitbaken hingestellt, wenngleich man mit deren Richtungssinn eigentlich eine Durchfahrt in der Mitte anzeigt.

    Das ist ja einfach unfuckingfassbar. Gestern wird das Ding aufgepinselt, heute gleich blockiert und nicht mal ordentlich abgesichert. Wollen die einen verkohlen?