Donnerstag war total super: Morgens mit dem Zweitrad relativ problemlos ins Bureau gekommen, sogar ohne allzu viel nervige Polizei auf dem Radweg. Bevor es mit „Welcome to Hell“ losgeht, flüchteten wir aus dem Bureau und ich hatte schon einen Termin in der Werkstatt an der Breitenfelder Straße, weil ich am Zweitrad das Tretlager ruiniert hatte. Der Plan war, anschließend mit der Linie 281 von der Gärtnerstraße direkt zum Eidelstedter Platz zu fahren.
So lautete der Plan.
Nä, der Plan. Wisst ihr Bescheid, nä? Ist ja wie beim Hafengeburtstag, nä
Dann fiel mir ja ein, dass die meisten Linien gebrochen wurden, um wenigstens außerhalb des staugefährdeten Gebietes einen Betrieb aufrecht zu erhalten, der diese Bezeichnung auch verdient. Die Linie 281 fuhr offenbar nur noch zwischen Krupunder, Eidelsteder Platz, und Hagenbecks Tierpark sowie zwischen Hagenbecks Tierpark und Lattenkamp, der Arm in Richtung UK Eppendorf wurde nicht mehr bedient. Der Metrobus 5 wurde in Niendorf-Markt gebrochen, von dort ging es hoch nach Burgwedel und soweit in Richtung Süden, wie es die Lage zuließ.
Das hier war die Lage:





Heute war sich jeder selbst der nächste. Ich wartete an der Gärtnerstraße ewig auf einen Metrobus 5 und stieg dann in einen wagen, der kurz zuvor von Niendorf hergekommen war und dann wieder zurückfuhr. Bis zum Siemersplatz brauchten wir eine gute halbe Stunde — zu Fuß wäre ich schneller gewesen. Das lag auch daran, dass sich heute jeder selbst der nächste war und linksabbiegende Kraftfahrer bei jedem Umlauf wieder die Kreuzung blockierten. Erst als der Busfahrer einem Kraftfahrer verdeutlichte, wer hier das größere Fahrzeug führe, konnten wir die Haltestelle anfahren.
Von dort ging’s aber nicht weiter, denn ich brauchte jetzt eine Verbindung vom Siemersplatz bis Hagenbecks Tierpark. Dort sollte eigentlich die Linie 281 und 22 pendeln, aber von beiden keine Spur. Okay, dachte ich, nehme ich halt ein Stadtrad.
Mit der App konnte ich keine Räder entleihen, weil… keine Ahnung. App halt. Der Automat mochte mir aber auch keines entleihen:

Andere hatten mehr Glück: Während ich mein Schicksal herausforderte, verschwanden insgesamt sieben Leihräder von der Station. Macht aber nichts, im doof gucken war ich ja mittlerweile geübt:

Naja. Ich wurde grün vor Neid beim Anblick derer, die hier ihr eigenes Rad dabei hatten:

Was blieb? Ich latschte zurück zur Bushaltestelle und gab bekannt, den Weg zu Hagenbecks Tierpark jetzt zu Fuß zurücklegen zu werden, weil ja offenbar mit Busverkehr heute nicht mehr zu rechnen wäre, und wurde Anführer einer Wandergruppe von insgesamt zwanzig genervten Hamburgern. An jeder Bushaltestelle lasen wir weitere Mitstreiter auf — besonders bitter: An der Haltestelle Schillingsbekweg warteten noch ein Dutzend Fahrgäste auf den Bus, nach eigenem Bekunden teilweise schon über eine halbe Stunde. Bis zu Hagenbecks Tierpark, wo ja wieder regelmäßiger Verkehr geleistet wurde, wären es nicht mal drei Minuten zu Fuß gewesen.

Ab Hagenbecks Tierpark ging’s dann ganz normal weiter bis zum Eidelstedter Platz. Wobei „ganz normal“ übertrieben ist: Die Kieler Straße war komplett ausgestorben, der für den frühen Abend eigentlich obligatorische Feierabendstau fand nicht statt.
Ich habe echt kein Verständnis dafür, dass man den Einwohnern weismachen wollte, das wäre alles ganz unauffällig und nicht schlimmer als der Hafengeburtstag. Diese Aussage empfinde ich mittlerweile als eine dreiste Lüge.