Beiträge von Malte

    Leben wir tatsächlich in so einer Welt? Gibt es sie wirklich, diese NWO, auf die all diese Geschichten hinauslaufen?Schwarzer Block vom Verfassungsschutz initiiert. G20 als Generalprobe zur Abschaffung der Pressefreiheit. Etc. pp.

    Bei all diesen Meldungen, die momentan auch von „etablierten Medien“ die Runde machen, scheinen mir einige Verschwörungstheorie jedenfalls eine hinreichend plausible Erklärung für bestimmte Abläufe zu liefern. Andererseits denke ich mir auch: Warum sollte es auf politischer Ebene nicht auch derartige Intrigen geben, wie es sie im Berufsleben oder in der Uni gegeben hat? Wenn man den einen Kommilitonen nicht leiden mag, dann bekommt der eben zufällig das superschwere Semesterprojekt zugeteilt, das ihn aus dem Seminar kicken wird. Wenn man einen Kollegen absägen möchte, bekommt der plötzlich die absoluten Kackaufgaben, bis er von selbst kündigt.

    Wenn ich solche Gedankenspiele in meinem Kopf zulasse, dann war der G20-Gipfel doch ein super Erfolg: Merkel schaltet Scholz aus, Scholz bekommt seine Mehrheit zum Abriss der Roten Flora, die Polizei geht trotz aller Kritik mit ihrer Hamburger Linie als Sieger vom Platz und Trump findet sowieso alles geil.

    Ich hoffe nur, dass das alles mehr oder weniger zufällig passiert ist. Ansonsten leben wir in einer Realität, die von einigen Horrorszenarien aus Hollywood nicht so weit entfernt ist.

    Schon wieder nicht Hamburg, aber auch interessant: BVG-Bus überrollt Radfahrerin

    Dort heißt es unter anderem:

    Zitat

    Kurz hinter der Autobahnauffahrt wird der Radweg vom Gehweg auf die Fahrbahn geleitet - deutlich rot markiert. Hier wollte der Bus der Linie X11 dennoch die Frau überholen.
    Da nach Polizeiangaben Fahrzeuge in der engen Straße aus der anderen Richtung kamen, lenkte der 50-Jährige "wieder nach rechts und erfasste die Radfahrerin", so formulierte es das Polizeipräsidium. Sie stürzte, geriet unter den Bus und wurde von diesem im Bereich des Unterkörpers überrollt. Die Zweiradfahrerin kam mit schweren Verletzungen an Beinen, Becken und Kopf in ein Krankenhaus. Ein Rettungshubschrauber war im Einsatz. Die Straße war mehrere Stunden gesperrt.

    Verschuldet wurde der Unfall nach Polizeiangaben vom Fahrer des dreiachsigen Doppeldeckers. Die Frau trifft keine Mitschuld.


    Das klingt ja ganz anders als das übliche „trug keinen Helm“ und „übersah den Bus“ und „pochte auf ihre Vorfahrt“.

    Stutzig macht mich allerdings die Aufleitung vom Gehweg auf die Fahrbahn, das klingt mir doch ein bisschen doll nach § 10 StVO. Das hier dürfte die Stelle sein:

    Nun kann man darüber streiten, ob dieses Stummelchen wohl ein Schutz- oder ein Radfahrstreifen sein soll. Aber wie dem auch sei: Irgendwo in dieser Gegend schlägt § 10 StVO zu. Nun kann ich den genauen Unfallhergang natürlich nicht beurteilen, aber in dieser Situation allein hinsichtlich des Überholabstandes zwischen Fahrrad und Bus zu ermitteln halte ich für verkehrt.

    Das zeigt aber auch mal wieder, dass dieses Herumgehüpfe des Radverkehrs zwischen Fahrbahn und Nicht-Fahrbahn, was ja in Hamburg bei jeder Sanierung einer Straße entsteht, an vielen Stellen einfach nur saugefährlich ist.

    Die Berliner Polizei hat jetzt ein so genanntes „Video aus der Radlerperspektive“ veröffentlicht: Polizei schockt aus der Radlerperspektive

    Einerseits ist man da schon mal viel fortschrittlicher als bei den Hamburger Kollegen, andererseits habe ich die Befürchtung, dass der normale Verkehrsteilnehmer angesichts des Videos weiterhin der Meinung sein wird, es wäre alles doch recht riskant, was er dort im Video sieht und der Radfahrer ganz schön schnell und überhaupt. Dementsprechend undifferenziert ist bislang leider auch die Resonanz darauf.

    Einen Angriff auf das Eigentum? Die Freiheit? Den Wohlstand?
    Warum lösen, gemessen an den Reaktionen in sozialen Medien, brennende Asylantenheime weitaus weniger Panik aus?
    Oder brennende Moscheen? Brennende Pfadfinderschuppen?

    Ich vermute, es stellt vor allem einen Angriff auf das eigene Eigentum dar. Um das mal salopp zu formulieren: Ein Auto hat fast jeder, damit kann sich beinahe jeder identifizieren. Eine Unterkunft für Flüchtlinge hat nicht jeder, da fährt man halt manchmal dran vorbei und erinnert sich an die Zeiten, zu denen das noch ein Praktiker- oder Max-Bahr-Markt war.

    Selbst bei schwierigen Themen wie Muslimen oder Flüchtlingen weiß aber jeder einigermaßen verständige Mensch, dass das nicht zu hundert Prozent Vergewaltiger und Diebe sind, auch wenn das in Diskussionen dramatisiert dargestellt wird.

    Beim Thema Radverkehr diskutiere ich da aber mit Menschen, die nicht nur einen brauchbaren Bildungsabschluss, sondern teilweise mehrere Doktortitel haben und werde dennoch zu Beginn immer wieder mit allen Verkehrsverstößen in einen Topf geworfen.


    Muss ich mich als Radfahrer von Bei-Rot-Fahrern distanzieren, weil ich sonst zurecht ein Problem bekommen werde? ?(

    Das traurige ist ja: Bei bestimmten Diskussionen muss man das wohl. Wann immer das Totschlag-Argument „Ihr Radfahrer fahrt eh über Rot“ kommt, muss man sich im Prinzip von solchen Leuten distanzieren. Ich finde das echt affig und ich wüsste auch erst einmal nicht, bei welcher Bevölkerungsgruppe die Sippenhaft noch in einem ähnlichen Maße praktiziert wird.

    Diese Woche ist ziemlich voll mit Veranstaltungen zum Thema Stadtplanung und Straßenverkehr, also tippe ich mal lieber eine kleine Übersicht.

    Ich werde wohl am Donnerstag zu den Alster-Fahrradachsen und am Freitag zum Eppendorfer Marktplatz gehen und ein paar Notizen tippen. Hat jemand Lust auf Schinnenburg?

    Donnerstag, 13. Juli

    Alster-Fahrradachsen

    Malte
    3. Juli 2017 um 11:21

    Vorstellung der Planung und weitere Diskussion im Literaturhauscafé. Die Pläne liegen ab 17.30 Uhr aus, die eigentliche Veranstaltung beginnt um 19 Uhr.

    Ich fänd’s super, wenn dort ein paar Radfahrer ihre Zeit opfern und auftauchen könnten. Letztes Mal waren im Publikum beinahe ausschließlich radfahrende Verkehrsteilnehmer anwesend, aber man weiß ja nie. Ich halte es für wichtig zu zeigen, dass wir an einem Mobilitätswandel interessiert sind und die Planer oder Kirsten Pfaue nicht mit dem Gefühl nach Hause gehen, dass dem Wutbürger Parkplätze wichtiger sind als eine brauchbare Radverkehrsinfrastruktur.

    Tempo 30 und sonstiger Käse

    DMHH
    14. Juni 2017 um 07:35

    Schinnenburg live. Hat jemand Lust, sich das anzuhören, beziehungsweise ein paar Notizen über seine Argumentationen zu schreiben? Wir machen uns ständig über Schinnenburg und seine Sicht der Dinge lustig, aber ich hielte es für wichtig, den Mann und seine Argumente zu verstehen — schließlich speist er regelmäßig das Abendblatt mit seiner Sicht auf den Straßenverkehr.

    Elbstrand

    Malte
    30. Juni 2017 um 09:24

    In Altona wird noch ab 19 Uhr über den Elbstrand debattiert. Besonders viel wird hier wohl nicht mehr passieren, die meisten (seltsamen) Argumente wurden ausgetauscht, mutmaßlich wird am 17. September über den Radweg am Elbstrand abgestimmt. Ich glaube, hier lohnt aus radverkehrspolitischer Sicht kaum die Anfahrt.

    Freitag, 14. Juli

    Bürgerbeteiligung zum Umbau des Eppendorfer Marktplatzes

    Auch hier gilt: Früh- und rechtzeitig den Radverkehr einbringen, bevor die Planung wieder von der Parkplatzfraktion gekapert wird. Hat jemand Bock, hier mitzumachen?

    Es besteht die Möglichkeit, um 16.15 Uhr am Allende-Platz mit Gleichgesinnten zur Robert-Koch-Straße zu radeln.

    DMHH
    14. Juni 2017 um 07:35

    Schinnenburg live. Hat jemand Lust, sich das anzuhören und ein paar Notizen über die Argumentationslinien zu schreiben?

    Da schließe ich mich @Blaue Sau an. Laut der Ankündigungen ging es um „relativ kurze“ Sperrungen der Straßen entlang der Transitkorridore. Da hätte ich vermutet, dass man mit dem Auto nicht in die Innenstadt fährt, aber nicht, dass sich der Stau bis in die Randbezirke fortpflanzt. Das war alles für den normalen Verkehrsteilnehmer überhaupt nicht vorhersehbar: Die Kieler Straße beispielsweise war quasi autofrei, dort konnte man problemlos fahren, die parallel verlaufende B443 war komplett dicht.

    Ich habe mittlerweile Geschichten von Menschen gehört, die ihr Auto nach drei Stunden Stillstand einfach am Fahrbahnrand stehenließen und sich zu Fuß oder mit dem Stadtrad auf den Weg nach Hause gemacht hat. Ein Kollege, der sonst offenbar mit dem Auto unterwegs ist, kam erst nach langer Verspätung im Bureau an: Mit dem Rad.

    Hamburg war diesem Gipfel einfach nicht gewachsen. In jeglicher Hinsicht nicht.

    Externer Inhalt www.youtube.com
    Inhalte von externen Seiten werden ohne Ihre Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.
    Durch die Aktivierung der externen Inhalte erklären Sie sich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu haben wir in unserer Datenschutzerklärung zur Verfügung gestellt.

    Laut Kommentatoren selbst schuld, weil zu zweit nebeneinander in the fucking middle of the fucking road.

    Eigenartig, dass der Blogger schreibt, er habe Strafanzeige erstattet und die Staatsanwaltschaft als Teil der Begründung aufführt, ein Strafantrag sei nicht gestellt worden. ?(

    Wenn Mario dort mit einem Anwalt zugange ist, kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, dass es an solchen Banalitäten scheitern sollte. Andererseits: Man weiß ja nie.

    Ja, solche Zeugen wünscht man niemandem. Ich denke mir auch oft nach Anblick verschiedener Dashcam-Compilations, dass man viele Unfälle ohne Kamera im Leben nicht erklären könnte bzw. das eigentlich Opfer ziemlich oft in den Arsch gekniffen wäre.

    Dieses Knallzeugen-Ding kenne ich ja aus eigener Erfahrung mittlerweile zu genüge. Die Zeugen stellen irgendwelche Rückschlüsse an, die sich aus ihren eigenen Erfahrungen speisen und bei diesen Erfahrungen gibt’s beim Radverkehr natürlich ganz schön viel, beispielsweise das obligatorische „Radfahrer fahren immer über Rot“ und „immer ohne Licht“ und „immer auf der falschen Seite“.

    Hier noch mein aktuelles Lieblingsbeispiel, bei dem es auch darum ging, dass der Radfahrer ja über eine rote Ampel gefahren wäre:

    2017-06-11 um 15-59-59.JPG

    Donnerstag war total super: Morgens mit dem Zweitrad relativ problemlos ins Bureau gekommen, sogar ohne allzu viel nervige Polizei auf dem Radweg. Bevor es mit „Welcome to Hell“ losgeht, flüchteten wir aus dem Bureau und ich hatte schon einen Termin in der Werkstatt an der Breitenfelder Straße, weil ich am Zweitrad das Tretlager ruiniert hatte. Der Plan war, anschließend mit der Linie 281 von der Gärtnerstraße direkt zum Eidelstedter Platz zu fahren.

    So lautete der Plan.

    Nä, der Plan. Wisst ihr Bescheid, nä? Ist ja wie beim Hafengeburtstag, nä

    Dann fiel mir ja ein, dass die meisten Linien gebrochen wurden, um wenigstens außerhalb des staugefährdeten Gebietes einen Betrieb aufrecht zu erhalten, der diese Bezeichnung auch verdient. Die Linie 281 fuhr offenbar nur noch zwischen Krupunder, Eidelsteder Platz, und Hagenbecks Tierpark sowie zwischen Hagenbecks Tierpark und Lattenkamp, der Arm in Richtung UK Eppendorf wurde nicht mehr bedient. Der Metrobus 5 wurde in Niendorf-Markt gebrochen, von dort ging es hoch nach Burgwedel und soweit in Richtung Süden, wie es die Lage zuließ.

    Das hier war die Lage:

    Heute war sich jeder selbst der nächste. Ich wartete an der Gärtnerstraße ewig auf einen Metrobus 5 und stieg dann in einen wagen, der kurz zuvor von Niendorf hergekommen war und dann wieder zurückfuhr. Bis zum Siemersplatz brauchten wir eine gute halbe Stunde — zu Fuß wäre ich schneller gewesen. Das lag auch daran, dass sich heute jeder selbst der nächste war und linksabbiegende Kraftfahrer bei jedem Umlauf wieder die Kreuzung blockierten. Erst als der Busfahrer einem Kraftfahrer verdeutlichte, wer hier das größere Fahrzeug führe, konnten wir die Haltestelle anfahren.

    Von dort ging’s aber nicht weiter, denn ich brauchte jetzt eine Verbindung vom Siemersplatz bis Hagenbecks Tierpark. Dort sollte eigentlich die Linie 281 und 22 pendeln, aber von beiden keine Spur. Okay, dachte ich, nehme ich halt ein Stadtrad.

    Mit der App konnte ich keine Räder entleihen, weil… keine Ahnung. App halt. Der Automat mochte mir aber auch keines entleihen:

    Andere hatten mehr Glück: Während ich mein Schicksal herausforderte, verschwanden insgesamt sieben Leihräder von der Station. Macht aber nichts, im doof gucken war ich ja mittlerweile geübt:

    Naja. Ich wurde grün vor Neid beim Anblick derer, die hier ihr eigenes Rad dabei hatten:

    Was blieb? Ich latschte zurück zur Bushaltestelle und gab bekannt, den Weg zu Hagenbecks Tierpark jetzt zu Fuß zurücklegen zu werden, weil ja offenbar mit Busverkehr heute nicht mehr zu rechnen wäre, und wurde Anführer einer Wandergruppe von insgesamt zwanzig genervten Hamburgern. An jeder Bushaltestelle lasen wir weitere Mitstreiter auf — besonders bitter: An der Haltestelle Schillingsbekweg warteten noch ein Dutzend Fahrgäste auf den Bus, nach eigenem Bekunden teilweise schon über eine halbe Stunde. Bis zu Hagenbecks Tierpark, wo ja wieder regelmäßiger Verkehr geleistet wurde, wären es nicht mal drei Minuten zu Fuß gewesen.

    Ab Hagenbecks Tierpark ging’s dann ganz normal weiter bis zum Eidelstedter Platz. Wobei „ganz normal“ übertrieben ist: Die Kieler Straße war komplett ausgestorben, der für den frühen Abend eigentlich obligatorische Feierabendstau fand nicht statt.

    Ich habe echt kein Verständnis dafür, dass man den Einwohnern weismachen wollte, das wäre alles ganz unauffällig und nicht schlimmer als der Hafengeburtstag. Diese Aussage empfinde ich mittlerweile als eine dreiste Lüge.

    Scheiße. Da schreibt @kiwi_kirsch, es habe einen Unfall mit Personenschaden am Jungfrauenthal gegeben, der Radfahrer wäre aber noch am Leben und man guckt nach vorne und es krampft dann plötzlich im Bauch, weil man merkt, dass diese Polizeiabsperrung hundert Meter weiter vorne nicht wegen G20 dort steht. Ich war in direkter Nähe, als ich Kiwis SMS bekam.

    Ich habe keine Ahnung, was dort passiert ist. Es war unglaublich viel Blut überall, involviert waren wohl zwei Radfahrer und ein Kraftfahrer. Der klassische Rechtsabbiegeunfall scheidet allerdings meiner Meinung nach aus, dafür ist man dort zu weit von der Kreuzung entfernt.

    Wie berichtet wird, hat sich die Polizei auf einer uns wohlbekannten Kreuzung (Feldstraße/Neuer Pferdemarkt) mit diesen Worten gemeldet:

    Das war sowieso ganz seltsam. Ich bin bis 22.30 Uhr in der Gegend herumgedüst und konnte eigentlich nicht feststellen, dass die Leute dort aggressiv waren. Dann kommt die Polizei und sperrt die Straße — ich dachte erst, okay, jetzt macht man das mit Augenmaß wie bei der Critical Mass und sichert die Straße ab, damit die Leute in Ruhe ihr Bier trinken können.

    Das Angebot der gesperrten Straße nahmen die Menschen natürlich an und pflanzten sich auf der Fahrbahn, so dass die Polizei mit Wasserwerfern alles räumte.

    Das ist jetzt nicht unbedingt das Augenmaß, was im Vorfeld bezüglich der G20-Demonstrationen angekündigt worden ist.

    Die Tagesschau schreibt dazu: Protestcamps geräumt, Wasserwerfer aufgefahren