Beiträge von hvhasel

    Nach Stuttgart 21, der Elbphilharmonie und BER würde ich eher ne Straßenbahn als eine U-Bahn bauen wollen als Entscheider. Wenn ich mir das recht überlege, will ich auf keinen Fall, dass die Banausen ein 3-Mrd.-Europrojekt anpacken.


    Ja, das stimmt wohl auch wieder! Die Berliner U5 wirft ihre dunklen Schatten auch voraus Wobei, für hiesige Verhältnisse ist das natürlich gar nichts.

    Das Argument gegen die Stadtbahn vorher war das sog. "neue System".


    Das Argument besteht auch weiter fort! Ein "neues System" wird nur möglich sein, wenn alle relevanten Interessengruppen an einem Strang ziehen oder wenn es durch die Politik aufoktroyiert wird. Erste Variante ist die langwierige (und damit mit fortlaufender Dauer immer unwahrscheinlichere), die zweite Variante wird so schnell kein Politiker in D in Regierungsverantwortung, der wiedergewählt werden will, nach Stuttgart21 mehr anpacken wollen.

    Paris hat ein sog. "neues System" geschaffen und baut dieses weiter aus. Es klappt, wenn die Politik es will. Neben der Metro hat es nun mehrere Tramlinien.


    Ja, das ist richtig und das geht auch, aber die Hürden sind eben höher. Paris ist ein gutes Beispiel: Es ist eben kein Straßenbahnsystem, welches in die Stadt rein führt, sondern eine periphere Stadtbahn-Ergänzung, fast ausschließlich außerhalb der Stadtgrenze. Die erste Strecke war - ähnlich Karlsruhe - eine ausgemusterte Vorortbahnstrecke, also ideale Bedingungen für den Start eines solchen Systems.


    Wenn ich es richtig verstanden habe, sollte eine mögliche Stadtbahn in HH aber gleich in die Innenstadt führen. Das wäre ein verdammt dickes Brett, selbst wenn die Politik zu 100 Prozent hinter einer Stadtbahn stünde.


    Wer heute das vèlib´in Paris gut findet, sollte daran denken, dass dafür ca. 4000 Autostellplätze eliminiert wurden. Ein sog. "neues System" ist heute Vorbild für Leihradsysteme in aller Welt, und fährt nicht unterirdisch.


    Absolut! Sehe ich bei Leihradsystemen ganz genau so, Deutschland ist da sowas von hinterher.
    Wobei die Pariser längst nicht so verwöhnt sind mit öffentlichen Parkraum wie unsereins in Deutschland. Ich kann mich gut daran erinnern, dass es vor etlichen Jahren dort keine Anwohnerparkausweise gab und selbst die Anwohner ganz normal Tag für Tag ihren Parkschein ziehen mussten. Mittlerweile mag das anders sein, aber die generell schlechte Parkplatzsituation dürfte die gleiche sein.

    Es ist aber generell ein Problem, wenn ein "neues System" geschaffen werden soll. Ich denke, ohne die Hamburger Befindlichkeiten im Detail zu kennen, wird die Stadtbahn im Zweifel immer an den zusätzlichen Systemkosten scheitern. Also komplett neue Betriebseinrichtungen, Fahrzeugmaterial und vielleicht auch wegen der mangelnden Akzeptanz der Bevölkerung. Ich finde den Ansatz der Doppelgelenkbusse in HH gar nicht mal verkehrt. Würde man dieses Sytem mit festen Trassen für die Busse und alternativen Antrieben ausbauen, könnten die eine Stadtbahn so gut wie überflüssig machen, siehe Bogotá.


    Aus Berliner Perspektive lässt sich diese Mentalitätshürde deutlich beobachten: Wäre Berlin nicht geteilt gewesen, dann hätten wir heute - wie in HH auch - gar keine Straßenbahn mehr. Die eine Alibi-Verlängerungsstrecke in den Westen der Stadt (plus eine weitere Stummelstrecke im Bau) in knapp 25 Jahren sind wahrlich kein Ruhmesblatt. Und das mit einem komplett ausgebauten Netz in der anderen Stadthälfte.


    Wobei ich sagen muss, dass ich in der Innenstadt überhaupt kein Fan der Straßenbahn bin (im Gegensatz zu einer Stadtbahn). Denn ständig werden die Strecken zugeparkt oder die Tram steht auch im Stau, der Platz in den Bahnen ist viel zu klein, deshalb ständig überfüllt, Fahrradmitnahme ist nicht gestattet und die ständigen Halte dauern auch definitiv länger als beim Bus. Bei Straßenbahnen mit eigener Trasse und größeren Haltestellenabständen (Stadtbahn) sieht es dann schon anders aus.

    Es muss nicht zwangsläufig häufiger als bei uns was passieren. Es reicht ja, wenn die Einschläge heftiger sind. Davon ausgehend, dass dort - wie von hvhasel beschrieben - der Verkehrsmix einen wesentlich höheren Anteil an Zweirädern aufweist, dürfte Letzteres wohl einen Großteil der Quote erklären.


    Ohne Experte zu sein, würde ich das aber auch eher dem Überlandverkehr zuschreiben als dem Stadtverkehr. Die Sicherheitsausstattung allgemein ist miserabel, kaum einer schnallt sich an oder auch die Helmpflicht wird auf dem Land viel weniger eingehalten. Und die schlechte medizinische Versorgung könnte ein weiterer Faktor sein.


    Aber viel spannender ist der einsetzende Sinneswandel auch dort: Gilt das Fahrrad bei den meisten als Verkehrsmittel der Armen, sehen das die Jüngeren schon etwas anders. Bei den Abgasen der Motorroller auch dringend nötig.

    Ich war im Dezember in Ho-Chi-Minh-Stadt und dort gibt es zwar nicht (mehr) sehr viele Fahrräder im Straßenverkehr, aber immer noch mehr als bei uns. Und die Fahrräder profitieren von der extrem hohen Motorroller-Dichte von 90-95% des rollenden Verkehrs. Das ganze sieht zwar immer sehr unorganisiert und chaotisch aus, aber es entstehen so gut wie nie brenzlige Situationen und die Autofahrer haben natürlich eine ganz andere Aufmerksamkeitsspanne, was langsamere Verkehrsteilnehmer angeht. Gehwege, wenn es sie gibt, haben Bordsteinkanten von 15 cm und mehr, daher erübrigt sich das Gehwegfahren.


    Das Video ist nicht von mir, aber exemplarisch für eine ganz normale Kreuzung:


    Alles in allem aber für mich ein wunderbares Beispiel, dass wir zu überregeliert sind. Je weniger man die Verkehrsarten trennt, desto selbstverständlicher wird das Miteinander ist meine Einschätzung. Im Zweifel muss man dann halt Rücksicht nehmen.

    Erstmal ein freundliches Hallo hier ans Forum, nachdem ich mich auch angemeldet habe. So etwas habe ich schon seit Langem gesucht und freue mich sehr über den Austausch hier.


    Zum Thema: Auf meinem üblichen Standardweg zur Arbeit hier in Berlin (mit Parkstreifen achtspurige Ausfallstraße mit katastrophalem Backstein-Minimalradweg und teilweiser, wiederkehrender RWBP) sind gerade bei den beampelten Fußgängerübergängen die "Rot-Radler" der Normalfall und die anhaltenden Radler die absolute Ausnahme.


    Aber das ist mehr als verständlich, denn:
    - es ist ein Industriegebiet, deshalb sehr selten querende Fußgänger
    - überhaupt kein rollender Querverkehr
    - eine miserable Ampelschaltung (im Übrigen auch für Autos, man müsste 30-35 km/h fahren, um eine halbwegs grüne Welle zu bekommen)
    - und der inkonsequente Umgang für den Radverkehr allgemein in dieser Situation, an fast allen derartigen Ampeln im Bezirk ist sonst keine Haltelinie für Radfahrer vorhanden und das Weiterfahren angedacht.


    In der Praxis nehme ich dann auch die Ampeln mit Haltelinie eher als "Vorfahrt achten" wahr, während gerade ältere Semester fröhlich mit Normalgeschwindigkeit drüber brettern.


    Ein zweiter Punkt, der mir immer wieder aufgefallen ist, ist die (auch meine eigene) Unkenntnis über das indirekte Linksabbiegen. Ich biege indirekt so ab, wie direkt. Also Beachten der Ampel auf der Straße A, auf der ich mich befinde, dann am gegenüberliegenden Punkt der kreuzenden Straße B aufstellen und dort in die Straße B einfahren, wenn kein Verkehr auf der Straße A fährt.


    Viele Verkehrsteilnehmer sind dann total fassungslos und halten das für einen Rotlichtverstoß. Lieber fahren viele Radfahrer dann, um Zeit zu sparen, linksseitig über die Straße, was viel größere Gefahren birgt, übersehen zu werden. Sicherlich, direktes Abbiegen wäre generell die bessere Variante, aber wenn man zuvor drei Spuren queren müsste zum Abbiegen, leider oft vom Radweg aus unpraktikabel.