Beiträge von Peter Viehrig

    Mit welchem Argument darf ich hier fahren?

    Mit keinem.

    Sofern ein fahrbahnbegleitender Weg

    a) nicht ausdrücklich als Radweg beschildert ist (VZ [Zeichen 237], [Zeichen 240], [Zeichen 241-30]), oder

    b) nicht ausdrücklich für Radfahrer freigegeben ist (Zusatzzeichen [Zusatzzeichen 1022-10]), oder

    c) nicht eindeutig als baulich angelegter Radweg erkennbar (z.B. durch deutlich erkennbare "Andersartigkeit" von einem Gehweg separiert) ist,

    gilt ganz normal der §2(4) StVO, also Fahrbahnbenutzungspflicht. Für Geisterradelei bedarf es zudem einer ausdrücklichen Anordnung, steht ebenfalls dort:


    Linke Radwege ohne die Zeichen 237, 240 oder 241 dürfen nur benutzt werden, wenn dies durch das allein stehende Zusatzzeichen "Radverkehr frei" angezeigt ist.

    Ein von der Fahrbahn abgetrennter Weg ist übrigens kein Seitenstreifen, der dürfte gegebenenfalls benutzt werden.

    In die Gegenrichtung ist die Situation ebenfalls nicht beschildert, dann fahre ich aber zumindest nicht auf falscher Seite und kann sagen der ist als Radweg erkennbar. Oder?

    Antwort: Es gilt "Oder". Siehe oben.

    Von daher wäre ich als Radfahrer auf der Straße ein Verkehrshindernis und Gefahrenquelle.

    Als Radfahrer ist man Verkehrsteilnehmer, kein Verkehrshindernis. Ein Grundrecht auf ungebremste Raserei außerorts gibt es nicht. Vielmehr gilt es, die Fahrweise den Verkehrsgegebenheiten anzupassen. Als Radfahrer ist man genau eine solche Gegebenheit. Man ist als Radfahrer auch keine Gefahrenquelle. Wie die Unfallstatistiken belegen ist mit großem Vorsprung eine unangepaßte Fahrweise der Kfz-Lenker Hauptunfallursache bei Unfällen zwischen Radfahrern und Kfz.

    Radfahren in Stuttgart - So beschenken wir Radler den Autoverkehr

    Viele Kommunen wissen allerdings gar nicht so genau, welche Straßenarten sie eigentlich haben. In Stuttgart ist anscheinend gar nicht exakt kannt, welche Arten von Radinfrastruktur wir haben. Die Stadt führt vieles als Radweg auf, was gar keiner ist. Bei Untersuchungen in Kassel, Bremen und Kiel hat sich gezeigt, dass der Radverkehr am wenigsten Geld bekommt. Zugleich tragen die Nutzer des Öffentlichen Verkehrs am meisten von allen anderen zur Kostendeckung bei, sie zahlen vergleichsweise hohe Ticketpreise. Autofahrende dagegen bezahlen kaum etwas für die Infrastruktur, die sie nutzen, Straßen, Ampeln, Parkplatzflächen. Dazu kommen die so genannten externen Kosten wie Luftverschmutzung, Krankheit durch Lärmbelastungen oder Unfälle, für die die Allgemeinheit bezahlt. Der Pkw-Verkehr erzeugt die höchsten Kosten, die von den Nutzern nicht selbst gezahlt werden, der Fußverkehr die geringsten. Wobei die Hälfte der Kosten, die er Autoverkehr verursacht, auf Unfallkosten entfallen, also vom Gesundheitssystem und der Wirtschaft getragen werden.

    unikims.de - Der Autoverkehr kostet die Kommunen das Dreifache des ÖPNV und der Radverkehr erhält die geringsten Zuschüsse

    radirrwege.de - Ampelschaltung an der Gögginger Brücke

    Auf alle Fälle ist die Radampel stadteinwärts an der Kreuzung mit der Stettenstraße irgendwann letztes Jahr verlegt worden: vom Ampelmasten vor der Kreuzung auf die gegenüberliegende Straßenseite (also dort, wo auch die herkömmliche Fußgängerampel hängt). Das ist in meinen Augen eine positive Änderung: Dort ist die Radampel für AutofahrerInnen während des gesamten Abbiegevorgangs einsehbar. Eine Radampel am vorgelagerten Ampelmasten hingegen sieht jemand, der bereits in die Kreuzung eingefahren ist, dort aber warten muss (kreuzende Fußgänger), nicht mehr. Zudem scheint mir der Blick in Richtung Fußgängerampel eintrainiert, während eine Radampel vor der Kreuzung relativ neu ist und einen zusätzlichen Blick erfordert.

    Ich sehe das höchst kritisch. Aber vielleicht vermag mich jemand von dieser Lösung zu überzeugen. Selbstverständlich würde ich die Fahrbahnampel und dann im Augenwinkel noch die Fußgängerampel wegen einer eventuellen Doppelstreuscheibe beachten. Folglich hätte ich gute Chancen, dort unter die Räder zu kommen, denn eine eigene Radampel, die hinter der Kreuzung steht, aber den Radverkehr auf ihr regeln soll, würde ich erst auf der Kreuzung bemerken, wenn ich nicht zuvor schon unter einem Laster läge. Meinungen?

    Marcel Hänggi - Volksinitiative für einen effektiven Klimaschutz (Gletscherschutzinitiative)

    Normalerweise hätte ich das als eine der zahlreichen gut gemeinten, oft auch richtigen, letztlich jedoch folgenlos im Sande verlaufenden Initiativen abgetan. Indes, es zieht wohl diesmal Kreise, zumal sich der Schweizer Bundesrat nicht zu blöd war, ein ohnehin eher dürftiges Schweizer CO2-Gesetz auch noch abschwächen zu wollen. Und die Idee finde ich wirklich charmant: Eine gesetzliche Deadline für fossile Energieträger 2050. Wünsche ich mir auch für Deutschland, schon weil das eine große Ausstrahlunggswirkung hätte.

    Ich bin da im Zwiespalt. Muß man aus dem Bayerischen Wald wieder ein Bayerisches Baumfeld machen, um Funklöcher zu stopfen? Wer den Schutz der Zivilisation verläßt, geht zwangläufig höhere Risiken ein (ok, ok, das gilt für Europa, in Entwicklungsländern wie den USA ist es eher umgekehrt, aber ich schrieb ja: Zivilisation). Es kann und sollte auch nicht Aufgabe des Staates sein, den meist freiwilligen Eremiten eine Dauerbemutterung in jeder Prärie zu gewährleisten. Einerseits.

    Andererseits: Ich sehe schon den Staat in der Pflicht, zivilisatorische Grundlagen wie Infrastruktur deutschlandweit sicherzustellen bzw. zu schaffen. Dazu kann er selbst tätig werden, Aufträge verteilen oder Anreize schaffen, damit andere das für ihn tun. Die Wahl des Weges entbindet aber ihn nicht von seiner grundsätzlichen Verpflichtung an sich. Wenn Marktmittel versagen, muß er notfalls selber Masten aufstellen.

    sueddeutsche.de: Jeder sollte einen Fahrradhelm tragen - eigentlich

    Ganz schön viel Widerstand gegen ein Stück Kunststoff, das nachweisbar die Folgen eines Schädel-Hirn-Traumas mindern kann, der häufigsten Radler-Verletzung von verunglückten Fahrradfahrern im Straßenverkehr. Seit 1980 wurden dazu immer wieder Studien in Auftrag gegeben. Einig sind sie sich darin, dass ein Helm das Verletzungsrisiko zwischen 50 und 70 Prozent senkt. Ebenso unstrittig ist die Tatsache, dass die Wirkung eines Helmes umso größer ist, je schwerer das Schädel-Hirn-Trauma ist.

    Ähm, nein und nein. Es wird mal wieder wild mit gefühlt richtigen Behauptungen um sich geworfen. Die verlinkte Studie jedoch gibt es wohl nur gegen ein gehöriges Entgelt. Hat die jemand greifbar? Ggf. erforderliche E-Mail-Adresse gibt es per PN.

    Edit: Mein herzlicher Dank gilt dem anonymen Spender. Später mehr dazu.

    Zum "Raser-Urteil" des BGH erklärt Ulf Buermeyer, selbst Richter am Landgericht Berlin, im LdN-Podcast Folge 89 die vom BGH aufgezeigten Mängel des Urteils vom Landgericht, soweit plausibel. Eine Verurteilung wegen Mordes ist weiterhin möglich, der BGH hat den Weg gewiesen, was hierbei zu beachten ist. Das LG Berlin muß ihn noch beschreiten, was es hoffentlich auch macht.

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    Nach dem bisherigen Verlauf würde auch ich nicht das zweitkleinste Kaliber (das kleinste wäre SPD-like eine weitere Bitte um ein Gespräch) auspacken, sondern das größtmögliche. Etwaig daraufhin folgende weitere Gesprächsangebote würden ebenso von mir geblockt werden. Die Gelegenheit war da, sie wurde nicht genutzt.

    Irgendwann will man ja auch mal durch sein mit dem Thema, das wird nämlich lange genug dauern und einiges an Reserven kosten.

    Grandiose Nebelkerze oder gar übles Machwerk? So oder so, die entscheidende Stellen kommen hier:

    Entscheidender sei die Beschaffenheit von Kreuzungen. Das gilt insbesondere für die in Berlin häufigste und folgenschwerste Unfallart, nämlich Zusammenstöße zwischen Abbiegern und geradeausfahrenden Radlern, die in dieser Studie nicht extra betrachtet wurde.

    (...)

    Welche Rolle die in Berlin allgegenwärtigen Falschparker auf den Radstreifen spielen, die Radfahrer zu gefährlichem Slalom zwingen, wurde allerdings nicht untersucht.

    Wie schreibt fefe immer so schön?

    Zitat

    Keine weiteren Fragen, Euer Ehren.

    Küchenpsychologie:

    Auch ich verstehe das. Mein Vorschlag ist, es einfach eine Woche mit einem Auto auszuprobieren und dabei sich selbst, insbesondere den eigenen Wohlfühlfaktor (bzw. wohl eher den eigenen Frustlevel) und das eigene Gewissen, das sich ganz gewiß ebenfalls melden wird, zu beobachten.

    Des weiteren bin ich geneigt, für danach mal wieder mein Allheilmittel zu empfehlen: Gang runterschalten und dies durch die Wahl des Fahrrades, der Kleidung sowie der Haltung dem Körper und seiner Motorik auch beizubiegen, nämlich Hollandrad, Herrenkurzmantel, Bürohose, Mütze (kein Helm!), lederne Hand- und Halbschuhe, das alles bei aufrechter Fahrweise mit mehr Zeit pro Strecke. Wer im Winter auf seinen Alltagswegen schwitzt, ist zu schnell.

    Die Wirkung ist meiner Erfahrung nach erstaunlich. Es gibt hier deswegen so wenige "Erlebnisberichte" von mir, weil meine Frusterlebnisse auf dem Fahrrad so selten stattfinden.

    Natürlich habe auch ich meine Begegnungen mit den ganz hartnäckigen "Volkserziehern", denen ihr Hitler- bzw. Stalinismus aus jeder Pore und Falte ihrer Fratze trieft, gerade vorgestern den ersten Scheibenwaschanlagenspritzer meines Lebens und im letzten Oktober auch einen erzieherischen Engüberholer. Aber wie man an dieser kleinen Aufzählung schon sieht, in Abständen, in denen ich das verarbeiten und damit umgehen kann.

    Das natürlich richtige Argument der sozialen Last wäre relativ einfach mit eine Regelung zu einem Mindesteinkommen, ab dem die Abgabe erst anfällt, zu entschärfen.

    Im Grunde ist das der wiederaufgewärmte alte Vorschlag der Piraten zum fahrscheinlosen ÖPNV. Finanzierbar ist das, sobald man jene heranzieht, die massenhaft und allüberall den öffentlichen Raum mit ihrem Privatblech verschandeln.