Ampel

  • Welche Lichtzeichen gelten für den Radverkehr?

    Die Entscheidung, welche Ampel für einen Radfahrer nun eigentlich gilt, ist in der Praxis nicht immer einfach zu beantworten.



    Was steht in der StVO?


    1 Wer ein Rad fährt, hat die Lichtzeichen für den Fahrverkehr zu beachten.

    2 Davon abweichend sind auf Radverkehrsführungen die besonderen Lichtzeichen für den Radverkehr zu beachten.

    3 An Lichtzeichenanlagen mit Radverkehrsführungen ohne besondere Lichtzeichen für Rad Fahrende müssen Rad Fahrende bis zum 31. Dezember 2016 weiterhin die Lichtzeichen für zu Fuß Gehende beachten, soweit eine Radfahrerfurt an eine Fußgängerfurt grenzt.



    Die Frist in Satz 3 ist inzwischen abgelaufen. Er braucht nicht mehr beachtet zu werden. Das erste zentrale Ergebnis: Fußgängerampeln ohne Fahrradsymbol müssen niemals beachtet werden.



    Begriffsklärungen



    • "Lichtzeichen für den Fahrverkehr": Damit kann eigentlich nur die "normale" Ampel für Kraftfahrzeuge gemeint sein. Fahrradampeln, die ja auch für einen Teil des "Fahrverkehrs" gedacht sind, fallen nicht darunter. Im Folgenden wird diese Ampel "Fahrbahnampel" genannt.

    • "Radverkehrsführungen": Bisher ist keine eindeutige Definition bekannt, was eigentlich eine "Radverkehrsführung" ist. Vermutlich sind alle fünf Arten der Führung gemeint: Schutzstreifen, Radfahrstreifen, Radwege, gemeinsame Geh- und Radwege und Gehwege mit "Radfahrer frei".

    • "besondere Lichtzeichen für den Radverkehr": Dabei handelt es sich sowohl um Fahrradampeln als auch im Fußgängerampeln mit dem zusätzlichen Symbol "Fahrrad" in der Streuscheibe.


    Eindeutige Fälle

    • Radfahrer fährt auf der Fahrbahn ohne Schutzstreifen und es gibt keine Fahrradampel: Es gilt die Fahrbahnampel und sonst nichts.

    • Radfahrer fährt auf einer Radverkehrsführung und es gibt eine Fahrradampel: Es gilt die Fahrradampel und sonst nichts.

    Sonderfall: Radverkehrsführung mit Fahrbahnampel aber ohne "besondere Lichtzeichen für den Radverkehr"


    Beschreibung


    Es sind mehrere Situationen denkbar. Natürlich ganz klassisch die normale Kreuzung mit Radweg und ohne Fahrradampel. Aber auch andere Abstufungen:


    Mangels eindeutiger Urteile sind sämtliche Überlegungen zu diesem Sonderfall spekulativ. Wer gute Urteile zu dem Thema kennt, möge sie bitte einarbeiten.


    Wie soll sich ein Radfahrer hier jeweils verhalten?


    Nach Wortlaut der StVO sind zwei Interpretationen möglich:


    • "Auf Radverkehrsführungen gilt niemals die Fahrbahnampel". Bei dieser Auslegung wird das "davon abweichend" als grundsätzlich verstanden: Ist der Radfahrer auf einer Radverkehrsführung, gilt Satz 1 überhaupt nicht mehr. Also gilt die Fahrbahnampel niemals für den Radfahrer.

    • "Gibt es keine Fahrradampel, gilt immer die Fahrbahnampel". Hier wird interpretiert, dass Satz 2 nur angewandt werden kann, wenn überhaupt eine Fahrradampel vorhanden ist. Fehlt diese, gilt immer die Fahrbahnampel.

    Und was stimmt nun?


    Beide Interpretationen führen teilweise zu unbefriedigenden Ergebnissen. Bei der ersten könnte ein Radfahrer bei Fahrbahn-Rot über eine vierspurige Kreuzung fahren, nur weil die Fahrradampel fehlt. Bei der zweiten müssten Radfahrer auch in Situation 2 oben bei Fahrbahn-Rot anhalten. Das erscheint auch nicht sinnvoll.

    In der Rechtsprechung scheint eine neue Theorie entwickelt worden zu sein und sich durchzusetzen: Der geschützte Kreuzungsbereich. Nach diesem Ansatz muss ein Radfahrer sich immer dann an die Fahrbahnampel halten, wenn dieser in den von ihr "geschützten Kreuzungsbereich" einfährt. Tut er das nicht, darf er auch bei Fahrbahn-Rot durchfahren.

    Dieser Ansatz hat zumindest die Möglichkeit, zu befriedigenden Ergebnissen zu führen. Die Auslegung im Einzelfall gestaltet sich aber durchaus schwierig. Wesentliche Anhaltspunkte:

    • Kreuzt der Radfahrer den Weg von anderen Fahrzeugen, die grün haben, muss er warten.

    • Kreuzt er den Weg von Fußgängern, kommt es darauf an, ob die Fußgänger zwischen Fahrbahn und Radverkehrsführung "ausreichend" Platz haben, um die Kreuzung mit der Radverkehrsführung als "neuen Kreuzungsbereich" zu erkennen.

    Wie beschrieben sind diese Auslegungen mangels Urteilen etwas spekulativ. Wer immer eine Quelle hat, möge sie bitte ergänzen.


    Welche Rolle spielt die Haltelinie?

    Eine Haltelinie definiert nur den genauen Ort, an dem einem ohnehin vorhandenen Haltegebot nachgekommen werden muss. Ohne zu Grunde liegendes Haltegebot (Ampel, Stoppschild etc.), braucht auch nicht gehalten zu werden.

    Das gleiche gilt aber auch anders herum: Wenn ein Haltegebot durch eine Ampel existiert, muss auch ohne Haltelinie gehalten werden.

    Trotzdem kann die Haltelinie zumindest als Indiz herangezogen werden, was sich der Verkehrsplaner gedacht hat. Die genauen rechtlichen Auswirkungen solcher Überlegungen sind unsicher.


    Linksabbiegen


    Beim indirekten Linksabbiegen (erst gerade über die Kreuzung rüber und dann scharf links) entsteht oft die Frage, auf welche Ampel der neuen Fahrtrichtung der Ampel der Radfahrer achten muss.

    Oft warten Radfahrer hier auf Fußgänger-Grün.


    1 Wer mit dem Fahrrad nach links abbiegen will, braucht sich nicht einzuordnen, wenn die Fahrbahn hinter der Kreuzung oder Einmündung vom rechten Fahrbahnrand aus überquert werden soll.

    2 Beim Überqueren ist der Fahrzeugverkehr aus beiden Richtungen zu beachten.

    3 Wer über eine Radverkehrsführung abbiegt, muss dieser im Kreuzungs- oder Einmündungsbereich folgen.


    Satz 3 stellt schonmal klar, dass man einer "Radverkehrsführung" im Kreuzungsbereich folgen muss. Abbiegerampeln für Radfahrer zählen dazu und müssen also beachtet werden.

    Wenn solche allerdings nicht vorhanden sind, braucht der Radfahrer keine Ampeln in der neuen Fahrtrichtung zu beachten. Es reicht, wenn er bei Grün in die Kreuzung einfährt. Bis zum Verlassen der Kreuzung sind dann keine Ampeln mehr zu beachten. Wohl aber muss natürlich gemäß Satz 2 der Fahrzeugverkehr aus beiden Fahrtrichtungen beachtet werden.

    Im Grunde funktioniert indirektes Linksabbiegen also genauso wie direktes: Man schlägt die neue Fahrtrichtung ein, beachtet alle Fahrzeuge und Fußgänger, die den eigenen Weg queren, und fährt los.

    Bei einem links abbiegenden Auto kommt ja auch niemand auf die Idee, dass der Fahrer auf Fußgänger-Grün warten müsste.

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