Fahrradunfälle in Stade / Landkreis Stade

  • Kürzlich sind im Unfallatlas die Unfälle des Jahres 2020 veröffentlicht worden, so dass mir nun die Unfallorte für die Jahre 2017-2020 und die Verteilung nach Unfallarten und Unfalltypen vorliegen.

    Bei facebook habe ich gerade ein Quiz gestartet und bin gespannt, wie die Stader Radfahrer antworten. :)

  • Oder die Kombi B und D?

    Jepp! Das heißt, im Ortsteil Hagen gibt es noch einen einzigen Radweg als Relikt aus vergangener Zeit, allerdings ohne Benutzungspflicht. Ansonsten alle drei Stadtteile Haddorf, Hagen und Ottenbeck komplett [Zeichen 274.1] und [Zeichen 325.1] und folglich ohne Radweg.

    Es gibt noch einen weiteren Stadtteil Klein Thun, der komplett [Zeichen 274.1] ist. Aber dort gibt es auf den Fahrbahnen ein ganz übles Kopfsteinpflaster und daher viele Gehwegradler. Folglich gibt es dort auch die typischen Unfälle an den Kreuzungen, die begünstigt werden, wenn Radfahrer nicht auf der Fahrbahn fahren.

    Auch im Stadtteil Hahle fahren viele Radfahrer wegen des Kopfsteinpflasters auf den Gehwegen, trotz [Zeichen 274.1]. Zu diesem Stadtteil gehört auch die Straße Am Hofacker, die zwar nicht zu einer 30er Zone gehört, aber wo ein Streckenlimit auf 30 km/h besteht und trotzdem auf der Nordseite ein Zweirichtungs- [Zeichen 240]. Alleine in dieser Straße gab es in den letzten 4 Jahren 4 Unfälle vom Typ 3 (Einbiegen-/Kreuzen Unfall) an den schlecht einsehbaren Grundstücksausfahrten. Es gibt an der Behinderteneinrichtung auch besonders schützenswerten Fußgängerverkehr.

  • Mit großem Abstand dominiert in allen Jahren der Unfalltyp 3 die Statistik.

    Das selbe Bild bei den Ufallarten

    Die meisten Unfallorte liegen an Straßen mit "Radwegen", aber auch dort, wo es keinen "Radweg" gibt, fahren viele auf dem Gehweg. Leider geht aus der Statistik nicht hervor, in welchen Fällen auf der falschen Straßenseite geistergeradelt oder der Gehweg benutzt wurde.

    Wie sollen es die Leute auch lernen, wenn gefährliches Fehlverhalten zum Teil immer noch vorgeschrieben wird?

    *edit: So sieht die Verteilung in den Jahren 2019 und 2020 bundesweit aus.

  • Darunter waren 2019 auch drei Unfälle vom Unfalltyp 2 "Abbiegeunfall" und ein Unfall ohne weitere Beteiligung (oder mit einem weiteren Radfahrer) des Unfalltyps 7 "sonstiger Unfall".

    Im Jahr 2018 war der einzige Unfall dieser Art tatsächlich ein Zusammenstoß zwischen zwei Radfahrern auf einem 1,80m breiten Zweirichtungs- [Zeichen 240].

  • Mit großem Abstand dominiert in allen Jahren der Unfalltyp 3 die Statistik.

    Falls Du oder jemand anderes eine eigene Karte mit dem Subsatz der Unfälle in bestimmten Gemeinden erzeugen möchte, hätte ich folgendes Angebot:

    Herunterladen dieses komprimierten Verzeichnisses (30 Mb), enthaltend

    -Excel-File mit sämtlichen Radunfällen seit 2016 aus dem Open Data-Bestand des Unfallatlas-Portals

    -QGIS-Datei, die mit einer aus der großen Gesamtdatei exportierten csv-Tabelle mit dem dann nur noch wenige kB großen Datensatz der eigenen Gemeinde automatisch in der freien GIS-Software QGIS mit den gegebenen Voreinstellungen eine neue Karte erzeugt

    -Datei export_unfallatlas.csv mit der Auswahl für Stade als Beispiel

    Eine Kurzanleitung befindet sich in der Exceltabelle.

    Bei Bedarf Export der Karte, zB als pdf oder GeoTiff, bzw. alternativ Publikation im Web über das QGISCloud-Plugin möglich.

    Man kann in QGIS natürlich auch die komplette Liste mit ganz Deutschland importieren, aber dann wird die Anzeige bei meinem PC ziemlich träge.

    Viel Spaß beim "Mapping", bitte schreibt hier, ob ihr mit dem Angebot was anfangen konntet.

    Falls nicht (zB, weil ihr keine Lust habt, nur fürs Rumspielen das ca. 1,5 GB große QGIS-Programm zu installieren), kann ich auf Anfrage gerne auch angepasste Kartenausschnitte für euch generieren.

  • Vielen Dank, Th(oma)s !

    Ich wollte mir ohnehin bei Gelegenheit mal in Ruhe deine Anleitung zu Gemüte führen und mich mit QGIS befassen, bin aber bislang noch nicht dazu gekommen. Die Zuordnung der Rohdaten zu den Unfallorten ist ansonsten etwas umständlich, wenn man das von Hand heraussucht.

  • Also wenn "Unfall anderer Art" die zweithäufigste Unfallart ist, stimmt m.E. mit der Marginalisierung was nicht.

    Der Unfalltyp 7 „Unfall anderer Art“ rekrutiert sich zu einem großen Anteil aus Alleinunfällen (zB Typ 762, Gesundheitsproblem). Außerdem gehören hierzu auch Unfälle beim Wenden und Rückwärtsfahren, Unfälle mit Haustieren oder mit beweglichen Hindernissen. Die feinere Differenzierung über die dreistellige Schlüsselung ist im Rohdatenbestand der elektronischen Unfallsteckkarten der Polizei enthalten, wird aber irgendwo auf dem Weg zum Unfallatlas entfernt. Wenigstens ein wenig lässt sich diese Kastration durch die Kombination von Unfalltyp und Unfallart (vgl. die ebenfalls im obigen Link enthaltene Liste der amtlichen Unfallarten) wieder rekonstruieren.

  • Also wenn "Unfall anderer Art" die zweithäufigste Unfallart ist, stimmt m.E. mit der Marginalisierung was nicht.

    Dabei ist diese Unfallart in Stade im bundesweiten Vergleich noch unterdurchschnittlich vertreten :) Das liegt aber vielleicht auch am überdurchschnittlichen Anteil der Einbiegen-/ Kreuzen Unfälle.

    Ein genaueres Bild bekommt man, wie Th(oma)s schrieb, wenn man für jeden einzelnen Unfall die Unfallart und den Unfalltyp gemeinsam betrachtet, wenn man danach schaut, welche anderen Unfallbeteiligten es gab und wo sich der Unfall ereignete (freie Strecke, Kreuzung, Tankstellenausfahrt, Bahnübergang, etc.). Wenn man die SItuation vor Ort kennt, lassen die örtlichen Gegebenheiten weitere Schlüsse zu. Leider sind auch im Jahr 2020 Unfallorte dabei, bei denen es aus meiner Sicht nur eine Frage der Zeit war, dass es dort zum Unfall kommt.

    Hier zum Beispiel hatte ich schon viel früher mit einem Unfall gerechnet, aber erst 2020 tauchte diese Kreuzung in der amtlichen Statistik auf:

     

    Auch im Kuhweidenweg, an dem sich vor 3 Jahren mein Dialog mit der Stader Verwaltung verschärfte, hätte ich schon viel früher mit einem Unfall gerechnet, weil dort auch nach Aufhebung der linksseitigen [Zeichen 240] nach wie vor viele (nun illegal) auf dem Gehweg geisterradeln, weil es ihnen auf der Straße (sic.) zu gefährlich ist.

    In Stade muss man an den Haupstraßen auch davon ausgehen, dass mit überdurchschnittlich großer Wahrscheinlichkeit auf der falschen Straßenseite gefahren wurde. Zum Einen, weil das ohnehin fast die Hälfte der Radfahrer tut und weil die Chance, sich damit für die Unfallstatistik zu qualifizieren, deutlich erhöht ist. Leider enthalten auch die Rohdaten darüber aber keine Informationen. Wenn man Glück hat, wurde der Unfall in einer Pressemeldung der Polizei erwähnt, aber das ist nur bei sehr schweren Unfällen oder wenn Unfallzeugen gesucht werden der Fall. Aus Formulierungen wie "der Autofahrer übersah beim Einbiegen den von rechts kommenden Radfahrer auf dem Radweg" lässt sich ansonsten eindeutig auf einen Geisterradler schließen.

    Bei insgesamt 38 Unfällen sind auch Kreisverkehre wieder mit 4 Unfällen dabei. Neulich erzählte mir ein Bekannter von einer längeren Diskussion darüber, wie man sich als Radfahrer angeblich an einem Kreisverkehr zu verhalten habe. Es ist schon erschreckend genug, dass die Regeln kaum jemand kennt, aber die bauliche Gestaltung hier sorgt erst recht für Missverständnisse. Das wird sich vermutlich auch erst ändern, wenn der Leiter des Tiefbauamtes in Rente geht oder an einem seiner eigenen Kreisverkehre plattgefahren wurde und den Job jemand übernimmt, die/der sich nicht für schlauer hält als alle Verfasser der technischen Regelwerke und die Unfallforschung zusammen und die/der nicht immer genau das Gegenteil dessen bauen lässt, was zum Beispiel in den ERA 2010 steht (Radfahrer vor dem Kreisverkehr vom Radweg auf die Fahrbahn und anschließend ggf. zurück auf den Radweg und nicht umgekehrt).

    Dieser im Jahr 2020 neu eingeweihte Kreisverkehr wird es aber erst 2021 in die Unfallstatistik schaffen. Jedenfalls wurde mir kürzlich von einem verbeulten Fahrrad und einem Rettungswagen an dieser Stelle berichtet. Da ich dort das Angebot bislang immer abgelehnt habe, auf dem Gehweg hinter dem Gebüsch versteckt auf die Furt zuzufahren, wurde ich auf der Kreisfahrbahn bisher auch noch nicht "übersehen".

  • Nicht Stade, sondern Buxtehude (immerhin im Landkreis STD)

    POL-STD: 57-jähriger Radfahrer nach Unfall in Buxtehude lebensgefährlich verletzt | Presseportal

    Zitat

    Der Hamburger war zu der Zeit zusammen mit seiner 21-jährigen Tochter auf ihren Fahrrädern auf dem Gehweg am Ostmoorweg in Richtung Alter Postweg unterwegs und beide wollten in die Straße "Am Weidegrund" einbiegen.

    Aus bisher ungeklärter Ursache fuhr der 57-jährige dann mit seinem Rad auf die Fahrbahn.

    Wenn die beiden vorher wirklich auf einem Gehweg gefahren sind, würde mir ja eine Ursache einfallen, warum er mit dem Rad auf die Fahrbahn gefahren ist.

    Aber schauen wir bei Mapillary nach, dann steht dort vorher in dieser Richtung ein [Zusatzzeichen 1022-10]

    Mapillary

    Hier wollten die beiden dann links abbiegen:

    Mapillary

    Ja, dafür muss man auf die Fahrbahn wechseln. Ein entgegenkommender LKW sollte dann aber auf der Gegenfahrspur fahren. Sieht für mich eher danach aus, als ob der Radfahrer noch versucht hat, vor dem LKW abzubiegen?

  • Das ist der zweite tödliche Unfall in Buxtehude in den letzten Jahren. Beide Male mit LKW und beide in der selben Gegend. Der letzte tödliche Unfall war 2014 im Alten Postweg mit einem LKW, der auf ein Betriebsgelände abgebogen ist. Dort gibt es einen einseitigen Zweirichtungs-"Radweg", meiner Erinnerung nach immer noch benutzungspflichtig.

    Mich würde es nicht wundern, wenn im Ostmoorweg früher auch eine Benutzungspflicht bestanden hätte.

    Es kam zu dem aktuellen Unfall noch die Idee, ob der Radfahrer vielleicht auf dem linksseitigen Gehweg gefahren ist. Das würde erklären, warum der Wechsel auf die Fahrbahn "aus ungeklärter Ursache" erfolgte und warum er dabei unter den entgegenkommenden LKW geraten ist. Ich werde mal bei der Polizei nachfragen.

  • Jetzt habe ich mir noch einmal die Bilder aus der Pressemeldung angeschaut. Demnach sieht es so aus, als wäre der LKW in Richtung Süden gefahren und nicht der Radfahrer. Dieser müsste dann vom linksseitigen Geh-/"Radweg" nach rechts abgebogen sein. Das kaputte Fahrrad liegt -auf den Bildern zu erkennen- auf der westlichen Straßenseite und auch der Schattenwurf des LKW kann für die Unfallzeit 12 Uhr nur bedeuten, dass der LKW in Richtung Alter Postweg gefahren ist und nicht der Radfahrer.

    Mal sehen, ob ich eine Antwort auf meine Nachfrage erhalte.

  • Jetzt habe ich mir noch einmal die Bilder aus der Pressemeldung angeschaut. Demnach sieht es so aus, als wäre der LKW in Richtung Süden gefahren und nicht der Radfahrer. Dieser müsste dann vom linksseitigen Geh-/"Radweg" nach rechts abgebogen sein. Das kaputte Fahrrad liegt -auf den Bildern zu erkennen- auf der westlichen Straßenseite und auch der Schattenwurf des LKW kann für die Unfallzeit 12 Uhr nur bedeuten, dass der LKW in Richtung Alter Postweg gefahren ist und nicht der Radfahrer.

    Der verunglückte Radfahrer und seine Tochter waren wohl auf dem linken Geh-/Rad(?)weg des Ostmoorwegs nach Süden unterwegs und wollten links/nach Osten in den Weidegrund abbiegen. Der LKW befand sich im Gegenverkehr, so dass der Radler (vielleicht, weil er beim Nebeneinanderfahren auf dem engen Weg zu weit rechts fuhr und von der Bordsteinkante abrutschte?) frontal gerammt wurde.

  • Den Bildern nach war es andersrum als in der Meldung steht. Der Radfahrer fuhr auf der linken Seite nach Norden und der LKW nach Süden in Richtung Alter Postweg. Das kaputte Fahrrad liegt aus Fahrtrichtung des LKW gesehen allerdings vor der Kreuzung. Das spricht nicht dafür, dass der Radfahrer dort abbiegen wollte, denn dann wäre er schon an der Kreuzung vorbeigefahren.

    Von Herrn Bohmbach habe ich keine Antwort auf meine Nachfrage erhalten, aber die Pressemeldung kann so nicht stimmen. Hier eine Gegenüberstellung von zwei Bildern aus der Pressemeldung links mit dem Mapillary-Bild. Der LKW steht eindeutig in Fahrtrichtung Süden. Das passt nicht nur mit den Gabäuden im Hintergrund sondern auch mit dem Schattenwurf. Der Unfall ist kurz vor 12 Uhr passiert. Um 13 Uhr MESZ steht die Sonne im Süden.

    Am Anfang der Straße erkennt man bei Mapillary, dass der Randweg im Ostmoorweg linksseitig freigegeben ist. Mapillary

  • [Bildanalyse]

    Danke für deine Detektivarbeit.

    Nach den Bildern zu urteilen, würde ich jetzt auf ein Szenario tippen, bei dem die beiden Radfahrer den rechten (freigegebenen) Gehweg in Richtung Süden benutzten und in den Weidegrund nach links abbiegen wollten. Der LKW kam in gleicher Richtung von hinten und erfasste den auf die Fahrbahn einschwenkenden Radfahrer.

  • Ja, das wäre plausibel. Er könnte hier Mapillary an der Bordsteinabsenkung auf die Fahrbahn gefahren sein. Das würde zum Lageort des Fahrrades passen. Allerdings stimmt dann auch die Pressemeldung nicht, dass der LKW entgegenkam.